Abriss von Gebäuden

Was der Krieg verschonte, opferten die Nachkriegsplaner allzu oft der Vision von einer „neuen Stadt“, behaupteten die Autoren im Film VON BAUSÜNDEN UND BÜRGERPROTESTEN, in dem u.a. Hannover als Beispiel für dieses städtebauliche Handeln vorgestellt wird. Der Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht habe „seiner Heimatstadt ein völlig neues Verkehrskonzept (verordnet), dem viele historische Bauten zum Opfer fielen.“

Was ist nun aber der „Tabula-rasa-Mentalität“ zum  Opfer gefallen, was nicht schon vorher im Krieg zerstört wurde?

Zumeist werden immer wieder dieselben historisch bedeutsamen und repräsentativen Einzelgebäude genannt, deren Abriss aber erst ab Ende der 50er Jahre und dann in den 60er bzw. frühen 70er Jahren erfolgte. Zu dieser Zeit hatt sich das ursprüngliche Neuaufbaukonzept aber bereits sehr verändert. Eine neue Leitlinie – „Urbanität durch Verdichtung“ – ersetzte die bisherigen Visionen der zukünftigen Stadt und das zukunftsorientierte Verkehrskonzept war nun mutiert zur „autogerechten Stadt“.

Die Verkehrsplanung führte auch zu Eingriffen in das historische Stadtgefüge. Dem Motto, „Alt“ und „Neu“ zusammenfügen, dass die Planer mit der Anlage der Leibnizuferstraße verbanden, fiel nun mehr und mehr das „Alte“ zum Opfer, u.a. auch die „alte“ Leineinsel – deren Reste noch bis Ende der 50er Jahre existierten – und die Flusswasserkunst.

Anstelle der Leineinsel führt heute ein weiter ausgebauter Innenstadtring entlang des Grünstreifens am Fluss und schafft durch seine heutige Breite und dem hohen Verkehrsaufkommen optische Distanz zwischen der Altstadt und der Neustadt.

Einer der bedeutendsten Kritiker des Umgangs mit historischen Baudenkmälern war der Architekt Friedrich Lindau. Dieser sich in der Wiederaufbauphase der 50er und 60er Jahre einerseits selbst aktiv an der Neugestaltung der Stadt beteiligt, sich zugleich aber auch gegen den seiner Ansicht nach verfehlten Umgang mit der „historischen Identität“ Hannovers gewand.

 

Bedeutsame historische Bauten, die nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen wurden

 

Garnisonkirche (1893-96) – Abriss: 1959

Die Kirche am Goetheplatz, von Christoph Hehl erbaut, wurde 1959 trotz Protesten abgerissen. Heute steht dort des Schwesternwohnheim des Friederikenstifts.

Flusswasserkunst (1897) – Abriss: 1963

Ein Bau von Hubert Stier, an der Stelle der 1226 zuerst erwähnten Klickmühle an der Leine nahe dem Leineschloss am Friederikenplatz errichtet. Bei der Arrondierung der Altstadt 1963 im Zuge der Neuanlage des Cityringes mit Leibnizufer und Friedrichswall abgerissen.

Friederikenschlösschen (1817) – Abriss: 1966

Von Georg Ludwig Friedrich Laves am Waterlooplatz für General Carl August Graf von Alten erbaut. Im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört, wurde es 1966 für eine Staatskanzlei abgerissen, deren Bau später verworfen wurde. An der Stelle ist heute eine Rasenfläche neben dem Waterloo-Biergarten.

Villa Willmer (1890) – Abriss: 1971

an der Hildesheimer Straße/Ecke Güntherstraße, erbaut von Karl Börgemann für den Ziegeleibesitzer Friedrich Willmer. Überstand den Zweiten Weltkrieg und wurde trotz lebhafter Proteste 1971 zugunsten eines Verlagsneubaus abgerissen. An ihrer Stelle befindet sich heute ein Parkplatz.

„Neues Haus“ (1712) – Abriss: 1973

am gleichnamigen Platz. Ehemals Quarantänestation für an Pest Erkrankte, später Apotheke und ab 1837 zur Unterhaltung dienend. Dabei zunächst Theater, dann Vorläufer eines Zoos, dann Ausflugslokal, im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und 1973 endgültig aufgegeben

Ausgangslage: Die zerstörte Stadt

Stadtplanung nach dem Zweiten Weltkrieg

Zukunftsorientiertes Verkehrskonzept

Neues Regierungsviertel

Umgang mit historischer Bausubstanz

Neugestaltung des City-Bereichs

Innerstädtischer Wohnungsbau

Wohnquartiere in den Stadtteilen

Krankenhäuser und Gebäude der Gesundheitsfürsorge

Schulen, Kultureinrichtungen und Sportanlagen

Denkmalgeschützte Verwaltungsgebäude und Geschäftshäuser

Hannover Messe

Bundesgartenschau 1951

Visionen

Architekten des Wieder-/Neuaufbaus

Stimmen zur Stadtentwicklung

Der Neuaufbau im Spiegel zeitgenössischer Dokumentarfilme

Literatur

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