Kategorie: Filmbildung

Wie verändert ‚Liebe 47‘ die literarische Vorlage?

Der Lernweg untersucht, wie Wolfgang Liebeneiners Liebe 47 Wolfgang Borcherts Draußen vor der Tür aufgreift und verändert. Die Lernenden vergleichen literarische Vorlage und Film, untersuchen die neu geschaffene Geschichte Annas und verfolgen, was aus Beckmanns Frage nach Schuld und Verantwortung wird. Im Zentrum steht dabei nicht die Frage nach „Werktreue“, sondern nach der Bedeutung der Veränderungen: Der Film erweitert Borcherts Erfahrungsraum um eine zweite Nachkriegsgeschichte – und gibt seinem offenen, unbeantworteten Schluss eine neue Richtung.

Dokumente der Vergangenheit – Bausteine einer neuen Erzählung

Der Rat der Götter integriert historisches Film- und Wochenschaumaterial in die Spielfilmhandlung. Doch dokumentarische Bilder sprechen nicht für sich. Auswahl, Reihenfolge, Montage, Bewegungsrichtung, Sprache, Geräusche und Musik stellen neue Zusammenhänge her. Der Lernweg untersucht exemplarisch, wie aus historischen Aufnahmen eine filmische Argumentation entsteht und fragt, ob die Dokumentarsequenzen innerhalb des Spielfilms eine eigene Geschichte von Aufrüstung, Krieg, Vernichtung, Niederlage und Nachkriegsordnung erzählen.

Der Rat der Götter – wer macht Geschichte?

Der Lernweg zu Der Rat der Götter (Kurt Maetzig, 1950) erschließt den Film schrittweise als historische Quelle und Deutungsangebot. Ausgangspunkt ist nicht eine vorgegebene Einordnung als DEFA- oder DDR-Film, sondern die Filmrealität selbst. Über Filmanalyse und historische Recherche führt der Weg von der erzählten Geschichte und ihrer Bezugsrealität zur Frage nach den gesellschaftlichen Bedingungen ihrer Entstehung und ihrer unterschiedlichen Wahrnehmung. Im Zentrum stehen wirtschaftliche Macht, IG Farben, Krieg und Aufrüstung sowie individuelles Handeln und Verantwortung. Der Lernweg folgt dem Modell Filmrealität – Bezugsrealität – Bedingungsrealität – Wirkungsrealität und führt am Ende mit verändertem Blick zum Film zurück.

Zweimal „Im Westen nichts Neues“

Zweimal Im Westen nichts Neues, zweimal derselbe Krieg – und doch zwei unterschiedliche Filme in unterschiedlichen historischen Situationen. Lewis Milestones Film von 1930 entstand nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs und vor der nächsten; Edward Bergers Neuverfilmung von 2022 begegnete einem Publikum, während in Europa erneut Krieg geführt wurde. Der Beitrag stellt beide Filme zunächst nebeneinander und fragt nach Entstehungsbedingungen, Kriegserzählung und zeitgenössischer Rezeption. Der eigentliche filmische und historische Vergleich steht noch aus.

Plädoyer für sozialpsychologische Fragen an die Film- und Kinogeschichte

Wie verändert Film unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit? Bettina Greffrath verbindet Filmgeschichte mit einer Geschichte des Sehens. Mit John Franklin aus Sten Nadolnys Die Entdeckung der Langsamkeit fragt sie nach Beschleunigung, dem „starren Blick“ und der zunehmenden Vorstrukturierung unserer Wahrnehmung durch bewegte Bilder. Dem setzt sie die Möglichkeit des Films als „Schule des Sehens“ entgegen: Filme können Zeit und Raum für genaues Hinschauen, eigene Entdeckungen, Vorstellungskraft und Denken eröffnen. Der Text liefert damit einen wichtigen sozialpsychologischen Zugang zum Verhältnis von Film, Wahrnehmung, Erfahrung und gesellschaftlicher Entwicklung.

Kulturelle Kompetenz als Antwort auf ein gesellschaftliches Schlüsselproblem

Kulturelle Kompetenz ist eine eigenständige Dimension der Gesellschaftskompetenzen, weil die gesellschaftliche Produktion und Durchsetzung kultureller Bedeutungen ein Schlüsselproblem darstellt. Wer gesellschaftliche Wirklichkeit verstehen und verändern will, muss erkennen können, wie Erfahrungen kulturell verarbeitet, Weltbilder geprägt und gesellschaftliche Herrschaft legitimiert oder infrage gestellt wird.

Paradigmenabhängigkeit der Wahrnehmung und Deutung in der Filmrezeption

Der Text analysiert Filmrezeption als paradigmatisch strukturierten Prozess. Wahrnehmung und Deutung audiovisueller Medien entstehen im Zusammenspiel von kognitiven Strukturen, kulturellen Codes und sozialen Kontexten. Filme erscheinen damit nicht als Träger fixer Bedeutungen, sondern als offene Angebote zur Sinnkonstruktion durch das Publikum.

Filme sind Wahrnehmungsangebote

Im Prozess der Erkenntnisgewinnung bezeichnet Wahrnehmung den Umschlagspunkt, wo sich aus den Reizen des Sehens, Hörens, Tastens, Riechens oder Schmeckens ein Gesehenes, Gehörtes usw. im Bewusstsein konstituiert. Wahrnehmung ist keine passive Abbildung von Wirklichkeit, sondern ein aktiver Prozess, in dem sich der Übergang von Außenwelt zur Innenwelt und damit von der Objektwelt zur persönlichen Welt des Subjekts vollzieht.

Aktive Medien(Video)arbeit

Die Landesmedienstelle entwickelte in den 1980er Jahren ein umfassendes Angebot an Kursen zur aktiven Videoarbeit, dass die jeweiligen technischen Neuerungen aufgriff und an die sich verändernden schulischen Anforderungen angepasst wurde. Anfang der 1990 Jahre gab es schließlich ein ständiges Angebot von 11 Video-Kursen bzw. Workshops.

Regionale Filmtage zur politischen Bildung

Die Regionalen Filmtage zur politischen Bildung fanden in den 1980er Jahre im Zwei-Jahres-Rhythmus statt. Veranstalter waren die Landeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit der Landesbildstelle/Landesmedienstelle, regionale Bildungseinrichtungen wie die jeweilige Volkshochschule und Kreisbildstelle und wechselnde Kooperationspartner je nach thematischen...

Aktive Medienarbeit

Aktive Medienarbeit hat in der Schule eine Tradition, die im Rahmen der Schulfotografie und Schülerfilmarbeit bis in die 20er Jahre zurückreicht. Hier gibt es Traditionslinien, die z.B. auf Kunsterzieherbewegung mit ihrer Entdeckung des „Schöpferischen“ im Kinde und der Betonung der Eigentätigkeit verweisen. Andere Traditionslinien führen zur Arbeitsschulbewegung und zur Projektmethode. Was ist Medienanalyse durch aktive Medienarbeit anderes als „Learning by doing“.