Film in der Bundesrepublik 1949/50 – 1989/1990

Film in der Bundesrepublik 1949/50 – 1989/1990

Vorläufige Gliederung

Die vorläufige zeitliche Gliederung der westdeutschen Spielfilmproduktion dient dazu, Filme in ihren historischen Entstehungszusammenhang einzuordnen und auf ihre gesellschaftliche Bezugsrealität beziehen zu können.

Die drei Zeitabschnitte orientieren sich an gesellschaftlichen Entwicklungen, Veränderungen der Filmwirtschaft und dem Wandel der Medienlandschaft. Sie sind bewusst weit gefasst und überschneiden sich teilweise, um Kontinuitäten, Brüche und Übergänge sichtbar zu machen.

Ein besonderes Augenmerk gilt dem Verhältnis von Film und Fernsehen: vom wirtschaftlichen Konkurrenzverhältnis über die Zusammenarbeit bei der Produktion bis zur zunehmenden Verflechtung beider Medien.

Die Gliederung bildet einen offenen Rahmen, der durch einzelne Filmbearbeitungen, historische Quellen und vergleichende Untersuchungen schrittweise konkretisiert und weiterentwickelt wird.

Vorläufige zeitliche Gliederung der Spielfilmproduktion in der BRD

Zeitraum Bezeichnung Kurze Charakteristik
1949–frühe 1960er Jahre Wiederaufbau, Konsolidierung und Wirtschaftswunderkino bis zur Krise Wiederaufbau und Konsolidierung der Filmwirtschaft; Heimatfilm, Melodram, Kriegsfilm, Komödie und Musikfilm; gesellschaftliche Normalisierung und Kontinuitäten des älteren deutschen Unterhaltungskinos. Gleichzeitig entwickelt sich das Fernsehen zum neuen Massenmedium. Veränderte Freizeitgewohnheiten, Fernsehen und weitere gesellschaftliche Veränderungen tragen zur Krise des traditionellen Kinomodells bei.
1960er–frühe 1980er Jahre Kinokrise, „Opas Kino“ und Neuer Deutscher Film Die Krise des traditionellen Kinos bedeutet keineswegs dessen Ende: Das von den Oberhausenern polemisch als „Opas Kino“ bezeichnete Unterhaltungskino besteht neben neuen Produktions- und Erzählformen fort. Oberhausener Manifest, Filmförderung und Autorenfilm markieren einen Neuansatz. Zugleich verändert sich das Verhältnis zum Fernsehen grundlegend: Aus dem Konkurrenten wird zunehmend ein Produktions-, Finanzierungs- und Präsentationspartner des Neuen Deutschen Films.
1980er Jahre–1989/90 Medienwandel, Kommerzialisierung und Neuorientierung Die Medienordnung verändert sich grundlegend. Kabel, Satellit, Video und seit 1984 privat-kommerzielles Fernsehen erweitern das Filmangebot und verändern Produktions-, Verwertungs- und Rezeptionsbedingungen. Die Konkurrenz um Einschaltquoten und Werbeeinnahmen verstärkt die Orientierung an kommerziell verwertbaren Unterhaltungsformaten und wirkt auch auf die öffentlich-rechtlichen Programme zurück. Film und Fernsehen werden zunehmend Bestandteile eines umfassenderen Medienmarktes.

 

Für die Zeitabschnitte ist die Entwicklung des Fernsehens ein zentraler Zusammenhang.

In den 1950er-Jahren erreicht das westdeutsche Kino zunächst seinen wirtschaftlichen Höhepunkt. Mit der Verbreitung des Fernsehens verändern sich die Freizeitgewohnheiten und die Bedingungen der Filmverwertung. Die Kinokrise ist allerdings nicht allein auf das Fernsehen zurückzuführen; auch gesellschaftlicher Wandel und Veränderungen des Freizeit- und Konsumverhaltens spielen eine Rolle.

In den 1960er- und 1970er-Jahren wird das Fernsehen zugleich zu einem wichtigen Partner der neuen Filmemacher. Fernsehredaktionen ermöglichen Produktionen, die im kommerziellen Kinobetrieb kaum zu realisieren wären. Mit dem Film-Fernseh-Abkommen von 1974 wird diese Zusammenarbeit institutionalisiert.

Das Fortleben von „Opas Kino“ neben dem Neuen Deutschen Film macht zudem deutlich, dass der programmatische Bruch von 1962 keineswegs einen vollständigen Austausch der Produktionsstrukturen, Filmschaffenden und Publikumserwartungen bedeutete.

Der Beginn des dualen Rundfunksystems 1984 war nicht bloß eine technische Innovation. Die Einführung privat-kommerziellen Fernsehens gehörte zu einer medienpolitischen Neuorientierung nach dem Regierungswechsel von 1982. Die Befürworter argumentierten ausdrücklich damit, auch den Rundfunk stärker nach Marktprinzipien zu organisieren. Die Kohl-Regierung forcierte die Verkabelung; 1984 begannen PKS/Sat.1 und RTL plus mit privat-kommerziellen Programmen. Die bpb beschreibt als Folge auch eine verstärkte Unterhaltungsorientierung, die auf ARD und ZDF zurückwirkte.

Damit lässt sich die Medienentwicklung sinnvoll in den größeren gesellschaftspolitischen Zusammenhang der von Kohl 1982 ausgerufenen „geistig-moralischen Wende“ stellen. Den Begriff Neoliberalismus würde ich dabei analytisch verwenden: nicht als bloßes Etikett für die 1980er Jahre, sondern konkret bezogen auf die stärkere Durchsetzung von Markt-, Wettbewerbs- und Kommerzialisierungsprinzipien in einem zuvor wesentlich öffentlich-rechtlich organisierten Medienbereich.

Fernsehen als roter Faden

So ergibt sich für die gesamte westdeutsche Filmgeschichte nach 1949 eine ausgesprochen produktive Entwicklungslinie:

Fernsehen als aufkommender Konkurrent des Kinos → Fernsehen als Partner und Finanzier des Neuen Deutschen Films → Fernsehen als kommerzialisierter Medienmarkt, der seinerseits die Bedingungen von Filmproduktion, Verwertung und Rezeption verändert.

Das ist für unser Konzept der Bezugsrealität wichtiger als eine bloße Abfolge filmästhetischer Epochen. Ein Film der 1950er, 1970er oder 1980er Jahre steht jeweils in einem anderen Verhältnis zur Mediengesellschaft seiner Zeit. Filmgeschichte wird damit zugleich Geschichte der gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen Filme produziert, finanziert, verbreitet und gesehen werden.

Film in der BRD der 50er und frühen 60er Jahre

Wiederaufbau, Konsolidierung und Wirtschaftswunderkino bis zur Krise

Wiederaufbau und Konsolidierung der Filmwirtschaft; Heimatfilm, Melodram, Kriegsfilm, Komödie und Musikfilm; gesellschaftliche Normalisierung und Kontinuitäten des älteren deutschen Unterhaltungskinos. Gleichzeitig entwickelt sich das Fernsehen zum neuen Massenmedium. Veränderte Freizeitgewohnheiten, Fernsehen und weitere gesellschaftliche Veränderungen tragen zur Krise des traditionellen Kinomodells bei.