Filmbildung in Niedersachsen
Vielfalt der Einrichtungen, Ansätze und Formate
Detlef Endeward, September 2024 / überarbeitet und erweitert September 2026
Impressionen aus der Geschichte von den Anfängen bis ins 21. Jahrhundert
Nicht nur Film und Kino haben eine Geschichte – auch die Film- und Medienbildung hat eine. Eigentlich ist das ein selbstverständlicher Sachverhalt, wird aber erstaunlich häufig vergessen. Gerade diejenigen, die selbst in der Film- und Medienbildung tätig sind, kennen die Geschichte der Einrichtungen, Konzepte und Arbeitsformen, an die ihre eigene Tätigkeit anknüpft, oft nur in Ausschnitten.
Auch die Geschichte dieser Lernwerkstatt reicht zurück bis an den Anfang dieses Jahrtausends und zur niedersächsischen Initiative „n-21“. Diese jüngere Geschichte ist hier bislang allerdings kaum Gegenstand der Darstellung – vielleicht auch deshalb, weil sie uns noch zu nahe ist.
Die Geschichte beginnt nicht 1946

Filmbildung Anfang der 30er Jahre (Filminstitut Hannover)
Die Idee, Film zur Bildung und Belehrung einzusetzen, ist wesentlich älter als das Land Niedersachsen. Sie reicht bis in die Anfänge des Films und wurde insbesondere in der Weimarer Republik institutionell und pädagogisch bedeutsam.
Die Motive waren dabei keineswegs einheitlich. Einerseits wollten vor allem bürgerliche und kirchliche Kreise dem vermeintlich „sittenverderblichen“ kommerziellen Kino einen pädagogisch wertvollen Film entgegensetzen. Andererseits erkannten Reformpädagogen im neuen Medium Möglichkeiten einer anderen, anschaulicheren und fortschrittlicheren Pädagogik.
Schon hier zeigt sich ein Spannungsverhältnis, das die Geschichte der Filmbildung lange begleiten sollte: Soll Film vor allem erziehen und belehren – oder eröffnet die Beschäftigung mit Film neue Möglichkeiten des Sehens, Erfahrens, Lernens und eigenen Gestaltens?
Nach 1945: Filme mussten zunächst verfügbar sein

Ehemaliges Filmarchiv der Landesmedienstelle Niedersachsen in den 80er Jahren (Foto: Landesmedienstelle)
Mit der Gründung des Landes Niedersachsen 1946 beginnt deshalb nicht die Geschichte der Filmbildung. Aber unter den Bedingungen der Nachkriegszeit entstanden und entwickelten sich Strukturen, die die Film- und Medienarbeit im Land über Jahrzehnte prägen sollten.
Eine besondere Bedeutung hatten die Landesbildstelle und die kommunalen Bildstellen, später Landesmedienstelle und Medienzentren.
In der Zeit des 16-mm-Films waren sie für Schulen und andere Bildungseinrichtungen unverzichtbare Dienstleistungseinrichtungen. Außerhalb der Kinos und der wenigen Filmclubs gab es kaum Möglichkeiten, Filme überhaupt zu bekommen. Wer einen Film im Unterricht zeigen wollte, benötigte eine Filmkopie, einen Projektor und entsprechende technische Kenntnisse.
Die Bildstellen beschafften und verliehen Filme, stellten Geräte bereit, berieten Schulen und andere Einrichtungen und boten Fortbildungen für Lehrkräfte an. Sie schufen damit zunächst etwas, das heute angesichts jederzeit abrufbarer audiovisueller Angebote leicht übersehen wird:
Sie ermöglichten überhaupt erst den Zugang zum Medium Film.
Vom „guten Film“ zum Gegenstand Film
Mit unserem heutigen Verständnis von Filmbildung hatte die damalige Arbeit allerdings nur teilweise zu tun.
Lange stand die Vorstellung vom „guten Film“ im Vordergrund. Gefragt wurde, welche Filme pädagogisch wertvoll seien und wie sie sinnvoll im Unterricht eingesetzt werden könnten. Film erschien vor allem als Unterrichtsmittel: Er sollte zeigen, dokumentieren, veranschaulichen oder einen Unterrichtsgegenstand motivierend erschließen.
Auch die begleitenden film- und mediendidaktischen Fortbildungen für Lehrkräfte waren zunächst stark auf diese Verwendung des Films ausgerichtet.
Allmählich veränderten und erweiterten sich die Fragestellungen. Neben die Frage
„Wie kann ich diesen Film im Unterricht einsetzen?“
trat zunehmend die Frage
„Was ist das eigentlich für ein Film?“
Damit rückten Gestaltung, Erzählweise und Produktionsbedingungen ebenso in den Blick wie die gesellschaftlichen Voraussetzungen seiner Entstehung, seine historischen Bezüge und seine Wirkung. Film wurde nicht mehr nur als Mittel des Unterrichts betrachtet, sondern selbst zum Gegenstand von Bildung.
Vielfalt der Einrichtungen, Ansätze und Formate
Diese Entwicklung hatte keinen einzelnen Ausgangspunkt und keine einheitliche Richtung. Film- und Medienbildung fand und findet an vielen Orten statt: in Schulen und Hochschulen, Landes- und kommunalen Bildstellen beziehungsweise Medienzentren, Volkshochschulen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung, Filmclubs und kommunalen Kinos, Medienwerkstätten, Filminitiativen, Festivals sowie Einrichtungen der Lehrerfortbildung.
Ebenso vielfältig waren und sind die Ansätze: Filmdidaktik, ästhetische und kulturelle Bildung, historisch-politische Bildung, Medienkritik, Filmanalyse, Filmgeschichte, aktive Videoarbeit und schließlich digitale Medienproduktion.
Auch die Formate veränderten sich: von Filmverleih und Vorführung über Filmgespräch, Seminar und Lehrkräftefortbildung bis zu Medienwerkstätten, Schülerfilmprojekten, Filmtagen, Festivals und digitalen Lernangeboten.
Die Grenzen zwischen Filmbildung als einem Kernbereich der Medienbildung, kultureller Bildung und historisch-politischer Bildung waren und sind dabei fließend. Manchmal mag deshalb die Frage entstehen, was ein bestimmtes Projekt oder eine bestimmte Entwicklung überhaupt mit Filmbildung zu tun hat. Gerade diese Überschneidungen gehören jedoch zu ihrer Geschichte.
Keine Geschichte der Filmbildung – sondern Blitzlichter
Die folgenden Seiten liefern deshalb ausdrücklich keine Geschichte der Film- und Medienbildung in Niedersachsen.
Sie bieten vielmehr Impressionen und Blitzlichter: auf Einrichtungen und Personen, auf Filme und Projekte, auf pädagogische Konzepte, Fortbildungen, Festivals und praktische Experimente.
Manches kann ausführlich dokumentiert werden, anderes bleibt eine Notiz oder eine Spur, die erst noch weiterverfolgt werden müsste. Die Darstellung ist notwendigerweise unvollständig.
Besonders ausführlich lässt sich die Arbeit der niedersächsischen Landesbildstelle beziehungsweise Landesmedienstelle darstellen. Das hat einen einfachen Grund: Der Autor dieser Seiten war dort selbst mehr als 35 Jahre, davon viele Jahre in verantwortlicher Funktion, tätig. Die Darstellung beruht deshalb nicht nur auf schriftlichen Quellen, sondern teilweise auch auf eigener Beteiligung und Erinnerung.
Das ermöglicht Einblicke, die sonst kaum dokumentiert wären. Zugleich ist diese Perspektive selbst Teil der Geschichte und entsprechend als solche zu lesen.
80 Jahre Niedersachsen – Anlass zum Zurückblicken und Weiterfragen
80 Jahre Niedersachsen sind ein Anlass, solche Spuren zusammenzutragen. Nicht um nachträglich eine geradlinige Erfolgsgeschichte zu konstruieren und auch nicht, um Vollständigkeit vorzutäuschen.
Interessanter sind die Veränderungen und Brüche:
Was verstand man zu unterschiedlichen Zeiten unter Film- und Medienbildung? Welche Filme und Medien standen überhaupt zur Verfügung? Wer entschied über Zugang und Auswahl? Welche Vorstellungen vom „guten Film“ bestimmten die Arbeit? Wann wurde der Film vom Unterrichtsmittel selbst zum Gegenstand des Lernens? Welche neuen Möglichkeiten eröffneten 16-mm-Film, Video, digitale Produktion und schließlich Internet und Streaming? Welche Einrichtungen verschwanden – und welche ihrer Aufgaben bestehen weiterhin?
Die Geschichte der Film- und Medienbildung ist damit nicht nur eine Geschichte vergangener Einrichtungen und Projekte. Sie wirft Fragen danach auf, was Filmbildung heute sein kann – und welche Erfahrungen aus ihrer Geschichte dafür noch einmal neu entdeckt werden könnten.
Filmbildung in Niedersachsen
Die Anfänge des belehrenden Kinos in Hannover
Die Schulkinos der 30er Jahre
Filmbildung der Landesmedienstelle nach 1945
- Filmdidaktik und Filmanalyse
- Spielfilme im Fachunterricht
- Film in der historisch-politischen Bildung
- Film im interkulturellen Lernen
- Aktive Medien(Video)arbeit
Kommunale Bildstellen/Medienzentren
Niedersächsische Medientage 1993 bis 2001
- Zur Geschichte der niedersächsischen Medientage
- 1. Nds Tage der Medienpädagogik 1993 in Leer
Medien: Warner oder Angstmacher? - 2. Nds. Tage der Medienpädagogik 1995 in Hannover – 100 Jahre Film
- 3. niedersächsische Medientage 1997 in Wolfsburg – Raum – Zeit – Sprünge
- 4. Niedersächsische Medientage 2001 in Nienburg/Weser – Medus@2001
Offener Kanal und Schule 1996 bis 1999
- Fernsehen zum Selbermachen
- Aktive Medienarbeit – Eine Chance für Medienkompetenz und Schulentwicklung
- Materialsammlung zum Projekt
Regionale Filmtage zur politischen Bildung
Förderung von Filmveranstaltungen zur politischen Bildung in Niedersachsen
LAG Jugend & Film e.V. Niedersachsen
- Mobiles Kino
Medienwerkstatt Linden
Medienhaus Hannover e.V.
Gesellschaft für Filmstudien (GFS)
Filmzeitschriften
