Kategorie: Greffrath, Bettina
Generationen im Konflikt Bettina Greffrath (1993) Das Beispiel: WEGE IM ZWIELICHT (B, 1948) Das Bild zeigt einen Mann mittleren Alters von vorn (sozusagen dem Betrachter gegenüber). Er trägt einen Anzug und einen Hut, unter dem man eine (zur Hälfte blinde)...
Bettina Greffrath (1993) In den Filmen der ersten beiden Produktionsjahre werden immer wieder Kriegsheimkehrer in den Mittelpunkt einer Handlung gestellt, die im Zentrum einen Prozess der Heilung oder auch der Katharsis zeigt. In mehr als 25 % der Filme kommt...
Im „Inneren“ der Nachkriegsgesellschaft zeigen die Filme Heimkehr, Verletzung und Fremdheit vor allem in persönlichen Beziehungen. Kriegsbeschädigte Männer suchen Halt, Frauen werden zu Helferinnen, während Generationenkonflikte, verdrängte Schuld und gestörte Familienordnungen die Schwierigkeiten des Neubeginns sichtbar machen.
Ausgehend vom Leitmotiv in UND ÜBER UNS DER HIMMEL untersucht Bettina Greffrath die Gegenwartsbilder des frühen deutschen Nachkriegsfilms. Im Zentrum stehen Gefühle von Ohnmacht, Fremdheit und Orientierungslosigkeit sowie die Suche nach neuer Identität, Halt und Zukunft in einer materiell wie mental zerstörten Gesellschaft.
Die Flucht aus der „Erdenschwere“ der Nachkriegswirklichkeit misslingt. Selbst zeit- und ortsferne Filme bleiben an Schuld, Ohnmacht und unbewältigte Vergangenheit gebunden. Damit fehlt ihren Phantasien jene Kraft zur Transzendenz, die für einen gesellschaftlichen Neubeginn und alternative Zukunftsentwürfe notwendig wäre.
Der Herr vom andern Stern entwirft eine Satire auf Bürokratie, Militarismus, politische Demagogie und gesellschaftlichen Konformismus. Doch das humanistische Gegenmodell bleibt ort- und folgenlos. Heinrichs Rückkehr ins All verweist auf Resignation: Die Utopie einer freien und friedlichen Gesellschaft wird ins Erdenferne verbannt.
Schuld allein ist der Wein entwirft das Land als Fluchtpunkt aus der bedrückenden Nachkriegswirklichkeit: Tradition, Gemeinschaft und Heimat versprechen Ordnung und Sicherheit. Doch unter der schwankhaften Idylle wirkt die Gegenwart fort. Im Zentrum steht die modellhafte Bagatellisierung von Schuld durch Aufdeckung, Vergebung und Vergessen.
Träum nicht, Annette! verlagert die Nachkriegswirklichkeit in eine Welt der Träume. Wünsche nach Liebe, Anerkennung und sozialer Erhöhung verkehren sich dabei in Erniedrigung und Bestrafung. Im Wechsel von Größenphantasie und Verkleinerung erscheint ein verunsichertes, gekränktes Selbst.
DAS GEHEIMNIS DER ROTEN KATZE (A, 1949) Dieser amerikanisch lizenzierte Spielfilm (Regie und Drehbuch: Helmut Weiss/Urauff. 14.4.1949) ist einer jener Versuche, durch die Differenz von Zeit, Ort und Milieu die Fäden zur Nachkriegswirklichkeit mit ihren belastenden Momenten zu kappen. Heinz...
Die „Erdenschwere“ der unmittelbaren Nachkriegszeit prägt zunächst auch den Spielfilm. Seit 1948 mehren sich jedoch Versuche, Trümmer, Not und gesellschaftliche Konflikte durch zeitferne Schauplätze und „überzeitliche“ Stoffe hinter sich zu lassen. Eskapismus erweist sich dabei selbst als zeittypische Reaktion auf die belastende Gegenwart.
Gefährdete Jugend zwischen Fürsorge, Selbstregulierung und demokratischer Verantwortung Bettina Greffrath (1993) Kinder und Jugendliche sind in den Jahren 1947 und (besonders) 1948 häufig Haupthandlungsträger. 1) Dieser Trend korrespondiert mit der Tendenz zu einer heiteren und optimistischen Lebenssicht in den Filmen....
Die beiden DEFA-Filme entwerfen unterschiedliche Modelle des Umgangs mit gefährdeten und straffällig gewordenen Jugendlichen. Zwischen Selbstregulierung, Verantwortung, kollektiver Erziehung und autoritärer Kontrolle zeigen sie die Suche der frühen Nachkriegszeit nach neuen pädagogischen und gesellschaftlichen Orientierungen.