Deutschland nach 1945

Deutschland nach 1945

Im Themenkomplex Deutschland nach 1945 werden sowohl Spiel- als auch Dokumentarfilme behandelt, die sich mit zentralen Themen der Nachkriegszgeschichte auseinandersetzen. Wir werfen dabei  mit Hilfe der Filme einen kritischen Blick auf gängige Erklärungsmuster und werfen Fragen auf, die unseres Erachtens zu wenig gestellt werden.

In diesen Themenbereich finden sich gegenwärtig die meisten Filmbeispiele, die durch umfangreiche Materialien, darunter Bildergalerien und komprimierte Filmausschnitte präsentiert werden.


Die historischen Themen


Dreharbeiten „Das Brot“

Wir sind die Generation ohne Glück, ohne Heimat und ohne Abschied

(Nach)Kriegserfahrungen in Literaturverfilmungen

Die Kurzgeschichten „Auf der Flucht“ von Wolfdietrich Schnurre sowie „Das Brot“ ,Nachts schlafen die Ratten doch“ und „Jesus macht nicht mehr mit“ von Wolfgang Borchert gehören zu den wichtigen literarischen Verarbeitung von Alltagserfahrungen im Krieg. Die beschriebenen Extremsituationen sind jedoch nicht nur auf Kriegszeiten beschränkt, viele Menschen haben zum Beispiel in der Nachkriegszeit ähnliche Erfahrungen durchmachen müssen. In ihrer knappen sowie treffenden Sprache und der Dichte der menschlichen Erfahrungen in Extremsituationen sprechen sie auch die heutige Schülergeneration an. Auch wenn ihr die Erfahrungen von Not, Hunger und Elend fehlen, so erlangen die Geschichten durch aktuelle Kriegsbilder eine ungeahnte Aktualität.

In den 1990er Jahren verfilmte der Regisseur Wolfgang Küper drei Erzählungen von Wolfgang Borchert und Wolf-Dietrich Schnurre, die sich mit den existenziellen Grenzerfahrungen der Menschen im Krieg und in der Nachkriegszeit beschäftigen.  Die Verfilmungen dieser zentralen Texte sind darum für den Literaturunterricht ein Glücksfall, weil sie Interpretationen aus doppelt veränderter Perspektive darstellen: Eine Auseinandersetzung mit den Verfilmungen führt direkt in das Zentrum der Texte, denn die Art der Übertragung in das Film-Medium muss am Text belegt werden. Die Filmsprache wird damit in ihren Leistungen und Begrenzungen so ernst genommen wie die Texte. Die Filme übertragen zum einen die Texte in Film-Bilder, übersetzen also die Worte in ein Medium aus Bildern und Sprache. Zum anderen blicken sie aus heutiger Perspektive auf die Kriegs- und Nachkriegserfahrungen – aus einem Abstand von 50 Jahren, jedoch vor dem Hintergrund von neuen Kriegserfahrungen in Europa.

Alltagsprobleme und „Erziehung“ zur Eigeninitiative

Auf diesen Seiten werden zunächst vier Kurzfilme behandelt, die die britischen Besatzungsbehörden seit 1947 in Auftrag gaben.

Es handelt sich dabei zunächst um die Kurz-Spielfilme „Stadtmeier und Landmeier“ und „Die Zauberschere“, die von der Hamburger Junge Film-Union produziert wurden und die deutsche Bevölkerung zu sozialem Verhalten und Eigeninitiative erziehen sollten. Sie wurden in den Kinos als Vorfilme gezeigt.

Die britisch-deutsche Koproduktion „Kreis Resident Officer“ war ausschließlich für Vorführungen in Großbritannien bestimmt. Der britischen Bevölkerung sollten die immensen Anstrengungen der Besatzungsbehörden zur Linderung der Not im Nachkriegsdeutschland vor Augen geführt werden.

Im 1949 von Rudolf W. Kipp realisierten Dokumentarfilm Asylrecht steht das drängende Thema „Flüchtlinge“ in der britischen Zone im Mittelpunkt. Die Filme „Stadtmeier und Landmeier“ und „Die Zauberschere“ können als Streaming-Videoclips über das Internet gesichtet werden.

Neben der inhaltlichen Vorstellung der Filme wird hier auch auf die Hintergründe und Rahmenbedingungen eingegangen, die zu ihrer Entstehung führten.

Die Arbeitshinweise sollen Anregungen zur Arbeit mit den Filmen im Unterricht geben.

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Kreis-Resident-Officer (1947)
Die Zauberschere (1947)
Stadtmeier und Landmeier (1948)
Asylrecht (1949)

Die Vergangenheit in der Gegenwart

Von ihrem Gründungsjahr 1946 an war die Beschäftigung mit der NS-Vergangenheit ein zentrales Thema der DEFA: Viele der bekanntesten Kinospielfilme gehören in die „antifaschistische Traditionslinie“. Der erste DEFA-Spielfilm DIE MÖRDER SIND UNTER UNS (1946) eröffnete die lange Reihe von Antifaschismusfilmen. Bis 1950 folgten noch EHE IM SCHATTEN (1947), ROTATION (1948) und DER RAT DER GÖTTER (1950) Die Antifaschismus-Thematik prägte die Gesamtwerke so verschiedener DEFA-Regisseure wie Konrad Wolf, Frank Beyer, Slatan Dudow, Wolfgang Staudte und Kurt Maetzig.

In den Westzonen bzw. der BRD gab es eine vergleichbare Tradition nicht. Gleichwohl beschäftigten sich viele Filme der unmittelbaren Nachkriegszeit mit der jüngsten Vergangenheit: IN JENEN TAGEN (1946) machte den Anfang und so unterschiedliche Filme wie ZWISCHEN GESTERN UND MORGEN (1947), LANG IST DER Weg (1948), MORITURI (1948) und DER RUF (1949) folgten.

Die Mörder sind unter uns (1946)
Unser täglich Brot (1949)

Geschichten von Hoffnungen und Wünschen

Niederlage, Befreiung, Zusammenbruch, „Stunde Null“, Neuanfang und/oder Wiederaufbau sind Begriffe mit denen das Kriegsende und die Jahre nach dem Ende der faschistischen Diktatur und des Zweiten Weltkrieges benannt und beschrieben werden.

Wie haben die Menschen in jenen Jahren die Zeit erlebt? Nachwievor ist es ein Problem, diese Frage zu beantworten, obwohl es mittlerweile einige Untersuchungen zur „inneren Verfassung“ der Nachkriegsgesellschaft – zur „Mentalitätsgeschichte“ gibt. Insbesondere Oral-History- Projekte haben hier viel geleistet. Aber die Erinnerungen von Zeitzeugen sagen zumeist mehr über die Verarbeitung von erlebter Geschichte aus – variieren deshalb auch bei einundderselben Person im Laufe der Zeit – als über die erinnerte Zeit selbst.

Immer noch viel zu wenig werden die Spielfilme der Zeit genutzt, dieser Frage nachzugehen. Siegfrid Kracauer hat für die Weimarer Zeit nachgezeichnet, dass Filme sehr komplexe Quellen für die Mentalitäten von Menschen sein können. Das gilt auch für die Nachkriegsjahre.

In diesem Themenbereich werden ausgewählte Spielfilme für so aufbereitet, dass – ausgehend von der Analyse und Kontextualisierung der Filme – Aussagen über Bewusstseinsstrukturen und Mentalitäten gemacht werden können. Vorherrschende Themen und Motive in diesen, „Trümmerfilme“ genannten , Werken  waren: der Krieg mit seinen Folgen physischer und psychischer Zerstörung –  Hunger und Existenznot  in  Trümmern, Schwarzmarkt, Flüchtlingsschicksale, Kriegsheimkehrerprobleme sowie die Entlastung der Mitläufer. Die Menschen erscheinen als  „Opfer“ der Geschichte. Werteverlust und die Perspektivlosigkeit werden häufig thematisiert,  verbunden mit Appellen an die Moral  und den Willen zum Aufbau.  Arbeit und  Leistung sowie Familienglück sind  zentrale Ideale und weisen den Weg in eine besseren Zukunft:

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1945: „Die Russen kommen“ und „Wunderkinder“ erleben die „Stunde Null“. „Die Ehe der Maria Braun“ findet ohne Ehemann statt und Kati Zeiler bringt ein Kind zur Welt. Das sind nur wenige Geschichten, mit denen Geschichte der Nachkriegsjahre erzählt wird – zu verschiedenen Zeiten in den letzten 70 Jahren und aus verschiedenen Perspektiven. ⇒ weiter

„Wir Wunderkinder“

Folgen des faschistischen Angriffskrieges

Die Flucht und Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten des damaligen Deutschen Reiches sowie deutscher Minderheiten in Ost- und Mitteleuropa war eine der Folgen faschistischer Poltik und bildet eines der Schlusskapitel des Zweiten Weltkrieges. Gleichzeitig war es das Resultat der zwischen den alliierten Siegermächten ausgehandelten territorialen Nachkriegsordnung. Schätzungen gehen von zwölf bis 14 Millionen Deutschen aus, die durch Flucht, Vertreibung und Zwangsaussiedlung ihre Heimat verloren und in die deutschen bzw. österreichischen Nachkriegsgesellschaften integriert werden mussten. Diese Integration stellte eine der besonderen Herausforderungen für Poltik und Gesellschaft bis in die 60er Jahre hinein dar. Bis heute ist die politische und ethische Bewertung der Vertreibung Gegenstand kontroverser Diskussionen.

Von der Flucht und Vertreibung selbst existieren kaum Filmdokumente. Es gibt jedoch eine Reihe bemerkenswerter Nachkriegsfilme, die Schicksal und Lebenssituation der Flüchtlinge und Vertriebenen anschaulich machen oder erzählerisch aufbereiten.

 

Die Währungsreform 1948 und der Mythos vom Wirtschaftswunder

„Was ist aus dem westdeutschen Wirtschaftswunder geworden, das in den 50er Jahren so rasant Fahrt aufnahm? Es wurde in der ganzen Welt ein feststehender Begriff für einen unglaublich schnellen Wiederaufbau. Doch war es wirklich so, wie wir alle denken?“

Mit diese Sätzen leitet der WDR die erneute Sendung der Dokumentation „Unser Wirtschaftswunder – Die wahre Geschichte“ im August 2020 ein. Wir wollen hier ausgehend von Wochenschauberichten, Unterrichts- und Dokumentarfilmen sowie Spielfilmsequenzen (scheinbaren) historischen „Tatsachen“ und der Produktion von Mythen nachgehen.

Das erste niedersächsische Landeskabinett

Jahre des Aufbaus

Als vor fast 75 Jahren, zum 1. November 1946, das Land Niedersachsen gegründet wurde, war der Zweite Weltkrieg seit eineinhalb Jahren beendet. Eine solche Fülle komplexer Probleme prägten Alltag und Gesellschaft der Nachkriegszeit, dass die hier ausgewählten Filme diese nur in Ausschnitten thematisieren können.

Anhand von zeitgenössischen Dokumentarfilmen und späteren Bearbeitungen des vorhandenen Dokumentarmaterials soll die politische und wirtschaftliche Entwicklung in Niedersachsen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nachgezeichnet werden.

 

Hannover nach dem Zweiten Weltkrieg

Alle machen mit! – oder auch nicht

Dokumentarische Filme und Materialien dokumentieren die Geschichte der Stadt Hannover in den ersten Nachkriegsjahren.