Berliner Ballade (1948)

Inhalt

Ein unsichtbarer Erzähler führt den Zuschauer aus der schönen, modernen Welt des Jahres 2048 zurück in das Berlin der frühen Nachkriegszeit und lenkt den Blick auf Otto Normalverbraucher, einen quasi synthetischen Durchschnittsdeutschen, der in der Folge typische Probleme jener Jahre durchlebt. Der für den irrwitzigen Alltag dieser Zeit betont harmlose und gutgläubige Normalverbraucher versucht, in seiner teils zerstörten, teils von ungebetenen Gästen in Besitz genommenen Wohnung Platz zu finden, durchwandert auf seiner Suche nach Arbeit und Brot die Trümmerlandschaft Berlins, besucht politische Veranstaltungen, erlebt neben Egoismus, Mißmut und Gleichgültigkeit auch alten und neuen Militarismus.
Seine Träume vom Überfluß führen den Normalverbraucher immer wieder zu einer hübschen Verkäuferin, die er schließlich ehelicht. Doch die politisch-militärische Entwicklung während der Berliner Blockade bedroht nochmals den Normalverbraucher: symbolisch wird er niedergeschlagen, erhebt sich im letzten Moment, um statt seiner die schlechten menschlichen Eigenschaften zu beerdigen, wodurch der Weg ins private Glück dann endlich frei wird.


Filmansicht bei Youtube
Regie: Robert A. Stemmle
Buch: Günter Neumann
Kamera: Georg Krause
Musik: Werner Eisbrenner, Günter Neumann
Produktionsleitung: Werner Drake
Produktion: Comedia-Filmgesellschaft, Berlin-München
Verleih: Anton E. Dietz Filmverleih GmbH. (West-Berlin / München / Frankfurt) – Norddeutscher Filmverleih, Adolf Bejöhr (Hamburg / Düsseldorf) Bezirksverleiher
Länge: 91 Minuten
Zensurdatum: Dezember 1948 (All. Mil. Zensur)
Uraufführung: 31.12.1948 (West-Berlin)
Prädikate: Sonderpreis für die „geistvolle Darstellung der deutschen Nachkriegsverhältnisse“ bei der internationalen Filmkunstausstellung (Biennale) in Venedig 1949.
Darsteller:  
Gert Fröbe Otto Normalverbraucher
Aribert Wäscher Anton Zeithammer
Tatjana Sais Ida Holle
Ute Sielisch Eva Wandel
O. E. Hasse Reaktionär +
Straßenbahnschaffner +
Friedhofsdiener
Werner Oehlschläger Raisonneur
Hans Deppe Emil Lemke
Erwin Biegel Herr vom Bezirksamt
Herbert Weißbach Kunde der Amorzentrale
Rita Paul Sängerin in der Torero-Bar
Marianne Prenzel  
Brigitte Mira  
Ruth Zilger  
Georgia Lind  
Jeanette Brons  
Herwat Grosse  
Alfred Parpart  
Kurt Wettkamp  
Franz Otto Krüger  
Otto Matthies  
Franziska Dörr  
Walter Strasen  
Georg August Koch  
Franz Pollandt  
Walter Schramm  
Walter Bluhm  
Karl Hannemann  
Veronika Mayer  
Auguste Frede  
Kurt Muskate  
Alfred Kuck  
Georg Völkl  
Edgar Pauly  
Walter Bechmann  
Kurt Gehtke  
Ilse Trauscholt  
Reinhold Bernt  
Karl Schönböck  
Eduard Wenck  
Max Paetz  
Herbert Hübner  
Alfred Schieske  
Theo Vogler  
Alfred Beierle  
Eva Bodden  
Siegfried Dornbusch  
Gunhild Schwinning  
Alexander Welbat  
Hans Kurt Müller  
Erik v. Loewis  
Michael Symo  
Werner Völger  
Lilo Novka  
Sigrid Logan  
Lilo Herbeth  
Ursula Müller  
Hugo Kalthoff  

Autoren/Innen

Filmanalyse: Autorengruppe Nachkriegsspielfilme (1993)
Zusammenstellung und Bearbeitung der Materialien: Autorengruppe Nachkriegsspielfilme (1993); aktualisiert: Detlef Endeward (2020)

Nr.
Inhalt
Länge
Zeit im Film

1

Vorspann. Rückblick aus der Zukunft auf 1948. Berlin als futuristische Metropole des Jahres 2048. Die Trümmerlandschaft Berlins 1948.

3.27

0.00 – 3.27

2

Kriegsheimkehrer Otto Normalverbraucher in der Trümmerlandschaft. Spaziergang von der Siegessäule durch die zerstörte Siegesallee im Tiergarten. Begegnung mit einer alten Frau. Auf der Suche nach seiner Wohnung spricht Otto erfolglos einige Passanten an.

3.43

3.27 – 7.10

3

Otto findet das Haus und betritt seine Wohnung, die von Anton Zeithammer und Frau Holle bewohnt wird.

3.35

7.10 – 10.45

4

Rückblende auf die Kriegsjahre 1941-44: Luftangriffe auf Berlin, Einberufung und Musterung Ottos, schließlich Grundausbildung, Kampfeinsatz und Gefangennahme.

3.02

10.45 – 13.47

5

Rückblende, frühe Nachkriegszeit in München. Bürokratische Hürden verhindern, daß Otto dort bleiben kann. Er trennt sich von einer anhänglichen Münchnerin, macht sich auf den Weg nach Berlin und überquert unbemerkt die amerikanisch-russische Demarkationslinie.

4.13

13.47 – 18.00

6

Otto träumt in seinen drei Wänden von der blonden Kuchenverkäuferin, die ihm bereitwillig Süßwaren serviert. Sein Schlaf wird durch eine Verkäuferin an der Haustür gestört, die ihm Zwiebeln verkaufen will.

2.58

18.00 – 20.58

7

Otto auf dem Berliner Meldeamt (Stempeldaumen). Einkauf im Lebensmittelgeschäft: Der Mangel an Zucker bewirkt Vergesslichkeit; Otto begegnet einem gönnerhaften alten Bekannten auf der Straße, den er nicht erkennt. Arztbesuch bei Dr. Köppchen, Facharzt für Gemütsleiden, der jedoch ebenfalls von der Mangelerscheinung der Vergesslichkeit befallen ist.

4.52

20.58 – 25.50

8

Otto veräußert Teile seiner Wohnungseinrichtung gegen Lebensmittel. Vor einem Pfandbüro muss Otto mit seiner Waage in der Schlange stehen. Montage und Chanson „Im großen Wartesaal des Lebens“.

4.49

25.50 – 30.39

9

Wieder-Inbetriebnahme einer Fabrik, in der Otto Arbeit findet. Reportage eines Rundfunkjournalisten aus der Werkhalle. Otto bringt seinen alten Frack zum Frack-Verleiher und erhält dafür den „ersten neuen Anzug nach dem Kriege“. Da die Fabrik in der Zwischenzeit geschlossen hat, begibt er sich wieder auf Stellensuche.

3.09

30.39 – 33.48

10

Otto als Nachtwächter. Während er zum zweiten Mal von der Kuchenverkäuferin träumt, wird das Geschäft ausgeraubt.

3.35

33.48 – 37.23

11

Der mißmutige Herr bei der Zeitungslektüre. Besuch des Stromkontrolleurs. Zeithammer und Otto betrinken sich; Zeithammer beklagt sein Schicksal als Schieber.

3.39

37.23 – 41.02

12

Otto besucht Wahlkampfveranstaltungen der Sozialisten und der Bürgerlichen und unterhält sich mit dem Saal-Dekorateur darüber, wer Recht hat.

2.44

41.02 – 43.46

13

Kampflied / Montage.

1.16

43.46 – 45.01

14

Otto hat Glück (Begegnung mit dem Schornsteinfeger). Er besorgt sich seinen Frack wieder und arbeitet als Kellner in einer Luxusbar. Gesangseinlage:“ Kopf hoch – die Sache wird schon schiefgehn“.

3.47

45.01 – 48.48

15

Exkurs zur Internationalität des besetzten Berlin: In der Deutschen Staatsoper wird „Madame Butterfly“ aufgeführt. Einblick in Frau Holles Amorzentrale. Anton Zeithammer wird von der Kriminalpolizei abgeführt.

2.53

48.48 – 51.41

16

Frau Holle schäkert mit Otto und setzt ihm einen Floh ins Ohr: „Sechs Berliner Frauen kommen auf einen Mann.“ Lied „Tausend Herzen suchen Liebe“. Bei einem Spaziergang im Park trifft Otto auf zahlreiche Liebespaare, unter anderen einen G.I. und ein deutsches Mädchen, die sprachliche Verständigungsprobleme haben.

4.52

51.41 – 56.33

17

In der Straßenbahn träumt Otto zum dritten Mal von der Kuchenverkäuferin, die er nach dem Erwachen vor sich sitzen sieht. Durch seine aufdringliche Blicke gestört, verlässt sie das Fahrzeug; Otto gerät mit dem Straßenbahnkontrolleur aneinander, der sich als ehemaliger Feldwebel herausstellt.

2.50

56.33 – 59.23

18

Maskenball in einem ehemaligen Luftschutzbunker: an der Kuchentheke begegnet Otto erneut der Frau seiner Träume.

3.30

59.23 – 62.53

19

Kuchenübergabe am Hinterausgang des Bunkers. Otto begleitet Eva über die Trümmerfelder heim, vor ihrer Wohnung küssen sie einander. Nach hause zurückgekehrt packt Otto andächtig den Kuchen aus und träumt anschließend von der gemeinsamen Hochzeit. Die echte Hochzeit in etwas dürftigerem Ambiente folgt unmittelbar darauf.

3.59

62.53 – 66.52

20

Exkurs zur „musikliebenden Stadt“ Berlin: diverse Orchesterauftritte und Kulturereignisse. Montage: Ottos und Evas von Mißstimmungen getrübtes Eheleben.

2.28

66.52 – 69.20

21

Erklärende Worte zur Währungsreform. Otto steht im Regen, bedrohliche Zeiten kündigen sich an (Zeitungsschlagzeilen). Die ergebnislosen UN-Konferenzen werden dargestellt, eine Sitzung endet im symbolischen Weltenbrand.

4.56

69.20 – 74.16

22

Otto trifft den aus der Haft entlassenen Anton Zeithammer. In einer Kneipe werden sie Zeuge einer Diskussion zweier Veteranen, die die strategische Ausgangslage des kommenden Krieges besprechen. Otto mischt sich ein und wird daraufhin von beiden tätlich angegriffen.

5.03

74.16 – 79.19

23

Trauergemeinde um Ottos Sarg. Otto, der alleine zurückbleibt, stellt sich als lebendig heraus.

2.22

79.19 – 81.41

24

Auf dem Friedhof appelliert Otto an die Trauergemeinde, an seiner statt Egoismus, Gleichgültigkeit, Missmut und Hass zu begraben. Der Sprecher weist darauf hin, daß im folgenden Jahr (1949) die menschliche Vernunft die unausweichlich scheinende Weltkatastrophe verhindern konnte.

3.41

81.41 – 85.22

Drehbuchautor Günter Neumann bearbeitete für sein Drehbuch sein Kabarettprogramm Schwarzer Jahrmarkt, eine Revue der Nachkriegsjahre.
Der Film wurde an Originalschauplätzen in Berlin und in den Studios der Union-Film in Tempelhof gedreht. Dabei hatte das Team mit den durch die Berliner Blockade verursachten Verhältnissen zu kämpfen, die für Stromrationierung und Material-Verknappung gesorgt hatten.
Der Film startete am 31. Dezember 1948 in den deutschen und am 23. Juni 1950 in den österreichischen Kinos.

Der Film war 1950 für den British Film Academy Award nominiert.  Ebenfalls nominiert war Robert A. Stemmle für den Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig. Dort gab es einen Sonderpreis für die „geistvolle Darstellung der deutschen Nachkriegsverhältnisse“

 

Illustrierte Film-Bühne Nr.363

Stellen sie sich mal vor, man hat sie über Nacht in das Jahr 2049 versetzt. Gelangweilt sitzen Sie in ihrem automatischen Superklubsessel, schalten nun mittels Fernschaltung von ihrer Stuhllehne aus Ihren ‚Spezial-Zeitbetrachter‘ ein und blenden um 100 Jahre zurück. Sie vergessen für ein paar Stunden die drohenden Wolkenkratzer vor ihrem Fenster, die vorbeirauschenden Jedermann-Flugmaschinen und durchleben nun die Epoche, in der wir gequälten Zeitgenossen augenblicklich sitzen. Bestimmt werden Sie sich köstlich über dieses tragikomische Zeitbild amüsieren, das nun vor ihnen abrollt.

Da ist als erster Otto Normalverbraucher, ein echter Berliner, der als höchst unfreiwilliger Vaterlandsverteidiger in das „friedliche Leben“ zurückkehrt.

Im „bayerischen Paradies“ lernt er die ersten positiven Errungenschaften der wiedergewonnenen Zivilisation kennen: Zuzugsgenehmigung, Lebensmittelkarten, Arbeitserlaubnis, Behörden und noch viele andere ebenso erfreuliche Begriffe mehr, die dem Weltbürger von 2049 nur noch der Duden des Jahres 1949 definieren kann.

Und auch Ottos Bart wird immer länger und seine Sehnsucht nach Berlin immer stärker, stärker als alle Gerüchte, die man ihm über seine Heimatstadt erzählen will.

So tippelt er gen Norden, unterschlüpft geschickt durch einen Fuchsbau die damaligen Zonengrenzen und landet schließlich vor seiner Wohnung, in die sich inzwischen ein „schiebender“ Untermieter und eine „ehevermittelnde“ Untermieterin eingenistet haben, die beide dafür sorgen, daß das Geschlecht der Normalverbraucher nicht ausstirbt.

Mit den kümmerlichen Resten seines verbliebenen Besitzes versucht Otto nun endlich wieder Mensch zu werden und erst langsam wird ihm klar, daß dies nur durch Ausübung des in jener Zeit sehr aktuellen „Tauschhandels“ möglich ist. So schlägt er sich durch, als Drucker, Kellner und als Nachtwächter, in dessen Träumen immer wieder ein nettes, junges Kuchenmädchen, umgeben von Schlagsahne und Törtchen, erscheint. Doch auch diese angenehme Betätigung ist ihm nicht lange beschieden, denn man kann ihm nicht verzeihen, daß die bösen Diebe während seiner „Nachtträumer-Dienststunden“ das von ihm „bewachte“ Konfektionsgeschäft ausleeren.

Doch als Ersatz findet er das hübsche Kuchenmädchen in natura und ein luftiger Behelfslieferwagen führt die beiden zum ehelichen Bestattungsamt – Verzeihung – Standesamt.

Nach einigen zeitgenössischen häuslichen Szenen gerät Otto nun in eine militärtaktische Unterredung zwischen zwei reaktionären Vertretern von west und Ost, erhält dabei einen derartig schlagkräftigen Anschauungsunterricht, dessen Ergebnis das etwas unangenehme Erwachen – im Sarg – ist. Allerdingbewahrt ihn der Wertarbeit der damaligen Särge, die ebenso stabil und haltbar angefertigt waren, wie alles in jenen Tagen, vor dem endgültigen Scheiden aus dieser Welt. Und so geschieht es, daß er auf dem Bodenbrett des Sarges liegenbleibt, während die tieftrauernden Hinterbliebenen den Kasten zum Friedhof schleppen und der gute Ottoseiner eigenen Beerdigung beiwohnen darf.

Und da die Zeremonie nun einmal begonnen hat, der Sarg jedoch noch leer steht, so werden wenigstens Schiebertum und Egoismus, Haß und Militarismus, die endlosen und erfolglosen Konferenzen und noch viele andere für diese Zeit so charakteristischen Erscheinungen zu Grabe getragen.

Offenbar aber hat – wie uns der Sprecher aus dem Jahr 2049 einreden will – die menschliche Vernunft doch über die Unvernunft gesiegt. – Und der muß es ja schließlich wissen.

„Ach je, schon wieder ein Heimkehrerfilm!“ Geschickt nimmt der Kommentar zu Beginn des Films einen möglichen, in den Jahren 1948/49 zu erwartenden Einwand des Publikums vorweg. Wer das tut, provoziert Erwartungen. Ein normaler „düsterer“ Heimkehrer- bzw. Trümmerfilm kann so nicht eingeleitet werden und wird es auch nicht: „Berliner Ballade“ unternimmt den Versuch, Probleme und Not der unmittelbaren Nachkriegszeit aus einer fiktiven Zukunft rückblickend zu zeigen und damit die Zuschauer humorvoll und ironisch distanziert zu unterhalten. Dementsprechend ungewöhnlich ist auch das filmische Grundgerüst: eine Montage unterschiedlicher Handlungsstränge und Zeitebenen (Rückblenden: zeitrafferartige Thematisierung der NS-Zeit und des 2. Weltkrieges; „Realzeit“ des Filmgeschehens: Thematisierung der deutschen Nachkriegszeit in Episodenform; Projektionen und Träume: Thematisierung der Sehnsucht nach einer „heilen“ Zukunft im gesellschaftlichen, vor allem aber privaten Bereich), die durch einen Off-Kommentar in der Rolle eines fiktiven Erzählers und Zeitchronisten, der auch aktiv in das Filmgeschehen eingreift, sowie die Figur des Kriegsheimkehrers Otto Normalverbraucher zusammengehalten werden. Dieses Nebeneinander ergibt ein ironisch-satirisches Kaleidoskop der deutschen (Berliner) Nachkriegszeit mit all ihren Alltagserscheinungen und Zeitproblemen. Allerdings ist dieser Stil der „Berliner Ballade“ nicht primär einer filmdramaturgischen Konzeption entsprungen, sondern stellt vielmehr ein Mittel zum Zweck dar, denn die Grundlage für den Film bildet Günter Neumanns Kabarett-Revue „Schwarzer Jahrmarkt“, deren Motive zu einem Film verarbeitet wurden. Das formale Mittel der Filmmontage macht es möglich, Teile des Nachkriegskabaretts mit Hilfe des Handlungsträgers Otto Normalverbraucher und eines übergreifenden Kommentars „filmisch“ zu erzählen. Der Film bedient sich in diesem Zusammenhang verschiedener Kunstgriffe, von denen einige durchaus gelungen sind.
Eine erste „Klammer“ bildet der stets präsente Erzähler: Der Kommentar erzählt, wie wir zu Beginn des Films erfahren, aus dem Jahr 2048. Während Frequenzsignale das Filmbild ausfüllen, entwirft eine Off-Stimme ein Zukunftsbild, welches schon in den 50er Jahren seine partielle Erfüllung finden sollte: So spricht die Stimme von „Tele-Kino-Besitzern“, „Heimkinos“ und einem „plastischen und farbigen Filmbild“, das der nun folgende Film leider noch nicht aufzuweisen hat: Der Zuschauer wird in die Distanz des Jahres 2048 versetzt. Eine überdimensionale futuristische Hochhausstadt ist aus Berlin geworden, und dort, wo sich einstmals der Grunewald befand, landen und starten heute „die Düsenmaschinen der Weltfluglinie New York – Moskau“: Der Entwurf einer Zukunftsutopie, in der Berlin nicht als Symbol der Weltteilung, sondern als Drehscheibe der Ost-West-Verständigung fungiert. Von der utopischen Weltstadt wird in die Berliner Trümmerlandschaft des Jahres 1948 überblendet: Trümmer und Ruinen Berlins werden so zu einer „erträumten“ gesellschaftlichen Realität des Jahres 2048. Der zeitliche Abstand von 100 Jahren macht es dem Kommentator leicht, Bilder und Geschehnisse aus der deutschen Nachkriegszeit ironisch zu kommentieren. Gleichzeitig verschafft ihm die hundertjährige Distanz zu den Nachkriegsereignissen Gelegenheit, den Vorbehalt des deutschen Filmpublikums des Jahres 1948 gegenüber Heimkehrer- und Trümmerfilmen selbstironisch zu thematisieren: „Damals interessierten die Filme niemanden…“

Zunächst gelingt es dem Film auch, die Rückkehr des Otto Normalverbraucher in die vom Krieg zerstörte Stadt so zu inszenieren, dass für die Zerstörung verantwortliche Traditionen und Herrschaftsstrukturen filmisch deutlich werden. Der Heimkehrer wird in klassischer Ober- und Untersicht zu den zerstörten Denkmälern und Statuen deutscher Könige und Kaiser auf der Siegesallee geschnitten (Sequenz 02). Ober- und Untersicht und die schnelle Schnittfolge lassen die Statuen erschlagend und erdrückend auf den heimgekehrten Soldaten wirken, der schließlich ehrfurchtsvoll seine Mütze vom Kopf nimmt und untertänigst grüßt. Schon zu diesen Schnittfolgen hört man eine Stimme rufen, im Bildanschluß kommt eine alte Frau zu Otto gelaufen und zeigt ihm ein Foto ihres Sohnes in Soldatenuniform: „Kennen Sie ihn? Waren Sie mit ihm in einem Lager?“ Otto winkt verneinend ab und geht aus dem Bild: den namenlosen Soldaten kennt er nicht.
Den weiteren Weg des heimkehrenden Soldaten in das zerstörte Berlin begleitet der Kommentar mit den Worten: „Die am Boden zerstörte Allee der Besiegten: Man hatte alles Militaristische, Preußische, Monarchische im Stadtbild ausgemerzt, bis auf die Laternenpfähle, die noch allerlei Gestriges im Schilde führten.“ Nach dem Ende dieses Kommentars setzt Marschmusik ein, zu der in einem immer schneller werdenden Rhythmus Straßenschilder geschnitten werden: „Kaiser-Wilhelm-Straße“, „Bismarck-Allee“, „Hohenzollernplatz“, „Preußenpark“, „Hindenburgdamm“, usw. Von dem letzten Straßenschild schwenkt die Kamera auf die Trümmer- und Ruinenlandschaft Berlins: Endpunkt und Resultat einer deutschen Geschichte, die in den Straßennamen und den Klängen der Marschmusik symbolisch ihren Ausdruck findet.

Im weiteren Verlauf des Films werden die filmisch gelungenen Inszenierungen jedoch seltener. Zu nennen wäre noch die Schnittfolge Einberufung – Musterung – Wehrausbildung – Krieg (Sequenz 04) sowie die Straßenbahnsequenz (Sequenz 17), in der ein Schaffner im militärischen Ton seinen ausgeprägten deutschen Sinn für Ordnung und Vorschriften an Otto Normalverbraucher exemplifiziert. O. E. Hasse demonstriert hier in einer Mehrfachrolle sowohl die Kontinuität autoritärer Dispositionen (Kasernenhofspieß und Straßenbahnschaffner) als auch an späterer Stelle die bereits wieder vorhandene Kriegsgefahr sowie einen unbelehrbaren Militarismus auf östlicher und westlicher Seite (als ehemaliger Panzer- bzw. Stukakommandeur) und schließlich folgerichtig den Tod (Leichenbestatter). Hier erhält die Filmmontage eine inhaltliche Wirkung und Aussage. Zumeist bedeutet sie jedoch nicht mehr als die Aneinanderreihung und Verbindung der unterschiedlichen Handlungsepisoden und Zeitebenen. Die filmästhetische Realisierung vermag sich über weite Strecken nicht von Methode und Form des Kabaretts zu lösen und enthält somit kaum „filmische“ Eigenständigkeit, die den Möglichkeiten und spezifischen Wirkungen des Mediums Rechnung trägt. Der satirische Charakter des Films wird in erster Linie durch Sprachwitz erreicht, die Filmbilder sind oft nicht mehr als eine banale Illustrierung des Kommentars oder wirken in ihrem Bemühen um ironisch-witzige Originalität aufgesetzt bzw. trivial. So haben die vielen Schrägeinstellungen in „Berliner Ballade“ (z.B. in der Schilderung des Ehealltags) ihre dramaturgische Funktion verloren und wollen nur noch „ausgefallen“ sein. Anders als im Kabarett, in dem Wortmetaphern zahlreiche ironisch-satirische Anspielungen auf Zeit- und Gesellschaftsprobleme bedeuten können, enthalten die in ihrer visuellen Abbildung konkreteren Bildmetaphern, wie z.B. Regen und Gewitter für die Berliner Blockade, das Begräbnis von Egoismus, Gleichgültigkeit, Mißmut und Haß sowie der Brand der Weltkugel als Zeichen einer nahenden globalen Katastrophe, nicht mehr als Oberflächenwitz und -kritik. So bleibt von „Berliner Ballade“ letztlich der Grundeindruck eines zerfahrenen, uneinheitlichen Filmstils, der oft in seinen metaphorischen Bildern überladen wirkt.

Es gelingt dem Film trotz dieser offensichtlichen Schwächen, bestimmte Zeiterscheinungen ironisch-satirisch offenzulegen. Dabei lassen sich in der satirischen Darstellungsweise zwei Einstellungen erkennen. Wenn an der unmittelbaren Lebenswelt des Otto Normalverbraucher übergeordnete Probleme dargestellt werden – alter und neuer Militarismus, alliierte Konferenzen, Wahlveranstaltungen politischer Parteien – werden die gesellschaftspolitischen Umstände durch Karikierung, Vereinfachungen und pointierte Zuspitzungen entlarvt, wenngleich eher mit milder als mit beißender Ironie. Die Satire stellt sich anders dar, wenn die unmittelbare Lebenswelt Ottos – Wohnungsnot, Hunger, Stellensuche – gezeigt wird: hier wird nichts lächerlich gemacht, sondern eher mitfühlend aus der Perspektive des Betroffenen dargestellt. Ein ironisch-satirisches Moment wird hier durch die komisch-überspitzte Reaktion Ottos (Rückzug in den Winterschlaf etc.) bzw. durch die milde, mit Worten spielende Stimme des Kommentars erreicht: „Von diesem Zimmer hatte man eine schöne Aussicht, und doch erschien ihm diese Aussicht gering.“

Wenn die Zeitumstände des Nachkriegsberlins in dieser Weise ironisch vorgeführt werden – große Politik, Militarismus kritisch entlarvend, die alltäglichen Unbilden jener Zeit und ihre Bewältigung durch die Menschen eher verständnisvoll – so läßt sich die Gesamttendenz als eine humanistisch-moralische, letztlich aber auch unpolitisch Stellungnahme verstehen. Dies wird vor allem in der Zeichnung der ungebrochen positiv (!) dargestellten Hauptfigur deutlich: Otto ist der hilflose, meist passive Typ, ein Opfer der Verhältnisse. Soweit er überhaupt Aktivitäten entfaltet, tut er dies, um seine unmittelbare Lebensnot zu lindern bzw. um sein privates Glück zu erlangen. Gesellschaftspolitische Aktivitäten liegen ihm fern. In einer Szene kommt Otto an einer Litfaßsäule vorbei, auf der – in Anspielung an Staudtes engagierten Trümmerfilm – ein Plakat mit der Aufschrift „Der Täter ist unter uns, Mörder gesucht“ klebt. Der Normalverbraucher beachtet es nicht.
Als er dann ein einziges Mal in einem gesellschaftspolitischen Konflikt aktiv wird, wird er niedergeschlagen, sein Protest ist zwecklos. Und auch als Otto sich nach seinem scheinbaren Tod noch einmal aufrafft, um das Böse zu beerdigen, erscheint dies wenig überzeugend. Auf seinen moralischen Appell hin beerdigen die Vertreter der schlechten menschlichen Eigenschaften rasch alles Böse – Angst, Egoismus, Mißmut, Gleichgültigkeit, Haß – und wie im Märchen endet alles gut. Die menschliche Vernunft habe gesiegt, heißt es. Wie so etwas passiert, davon erfahren weder Otto noch der Zuschauer etwas. Doch selbst dieses aufgesetzte und oberflächliche Eingreifen ist Otto etwas unheimlich – schnell rennt er mit seinem privaten Liebesglück davon.
Wie in ihrer formalen Gestaltung, so ist die „Berliner Ballade“ auch in ihrer inhaltlichen Aussage widersprüchlich. Sie kritisiert auf der einen Seite ironisch-satirisch gesellschaftliche Probleme und bedrohliche Entwicklungen in der Nachkriegszeit, wie Militarismus und Kriegstreiberei, Propagandareden und phrasenhafte Schlagworte. Und auch die Geschichte des Otto Normalverbraucher macht deutlich: ein Überleben ist nur dann möglich, wenn diesen Entwicklungen, vor allem neu aufkeimendem Militarismus, Einhalt geboten wird. Gleichzeitig jedoch reduziert der Film – ganz deutlich am Schluß – gesellschaftliche Probleme auf allgemein menschliche Eigenschaften, die es zu beerdigen gilt. Die skizzierte Lösung erscheint so als ein unverbindlicher Appell, der nicht zuletzt durch denjenigen, der ihn ausspricht, unglaubhaft wird: den politisch abstinenten, passiven, nur auf sein privates Glück bedachten Normalverbraucher, wie ihn der Film die ganze Zeit in sympathischer und Mitleid erheischender Weise inszeniert.

Die Lebenseinstellung des Otto Normalverbraucher, das im Film transportierte Weltbild, sie entsprechen durchaus einer in der Nachkriegszeit weit verbreiteten Mentalität. Die Entfaltung von Aktivitäten schien vielen nur (noch) im privaten Bereich sinnvoll, hier wurden Glück, Zufriedenheit und eine Perspektive gesucht, darüber hinausgehendes Engagement erschien meist zwecklos. Das Zeittypische spiegelt sich auch in einigen Klischeebildern jener Jahre, die der Film transportiert: Als auf der „Weltkonferenz“ in einem formal gelungenen Einsatz von Ton und Bild Vertreter der vier Siegermächte sich zu Wort melden, deren Nationalität über eine landesspezifische Musik ausgedrückt wird, redet der russische Vertreter am längsten und am aggressivsten, während seines Beitrages geht auch die Weltkugel in Flammen auf. Letztlich reflektiert die „Berliner Ballade“ als Ganzes, in Themenwahl, Zugriff und Gestaltung eine Entwicklungsstufe im (west-)deutschen Nachkriegsfilm: Die Nachkriegszeit mit all ihren täglichen Problemen und Sorgen ist noch Thema, die Flucht aus der gesellschaftlichen Realität, die noch in den folgenden Jahren den westdeutschen Film kennzeichnet und im Heimatfilm einen Höhepunkt erreicht, ist noch nicht angetreten. Gleichwohl ist es ein anderer Blick auf die Nachkriegszeit als in den früheren Trümmerfilmen – ein distanziert-ironischer Blick, ein Blick Ende 1948, als die Währungsreform die Wende bereits eingeleitet hatte. Die Zeit der schlimmsten materiellen Not war vorbei. „Langsam beginnt der deutsche Zeitfilm sich aus dem starren Pathos seiner seelischen und realen Trümmer zu lösen“, so ein Rezensent in „Der neue Film“ Anfang 1949.

Autorengruppe Nachkriegsspielfilme, 1992/93

Das Kabarett war nie das Brettl einer allgemeinen Volksunterhaltung. Es spitzte die Pfeile seines Geistes, die aus dem Köcher des gehobenen Verstandes stammten, nur für eine besondere Kaste der Intellektualität, die den anspruchsvollen Themen gewachsen war und für den Zynismus, die Hintergründigkeit, die Exzentrik und den Individualismus dieser eigenwilligen Gattung der geschliffenen Kleinkunst das genügende Interesse und eine gewisse Überlegenheit mitbrachte.
Heute, in einer Zeit, die durch ihren grausamen Humor selbst wie ein großes Forum des Kabaretts wirkt, ist die kabarettistische Ausdrucksform geradezu ein Mode-Stil geworden. Die Rundfunksender bedienen sich eines kabarettistischen Zungenschlages. Die Bühnen entwickelten sich zum Brettl. Und jetzt wurde sogar noch der kabarettistische Film geboren. Statt der hektischen Ironie des Alltags auszuweichen, hält man ihr in der Kunst noch den Zerrspiegel vor. Statt den Himmel – und sei es auch nur der Himmel einer liebenswürdigen Illusion – zu zeigen, heizt man noch das Fegefeuer der eigenen Qual an. Jeder Witz hat den doppelten Boden einer aktuellen Beziehung. Jede Pointe ist in politischen Pulverdampf gehüllt. Und wehe dem armen Bürger, der sich für sein Eintrittsgeld den Eintritt in das Reich der Träume erkaufen will! – er wird nur immer sich selbst wiederfinden, seine Armseligkeit und sein unheimlich armseliges Milieu, dessen eigene Groteske ihn für die Übertreibung dieser Groteske bereits abgestumpft hat.
Es ist bezeichnend, dass nun auch der Film, dessen merkantile Erfahrung sich stets nach der Masse richtete, nach kabarettistischen Themen und Mitteln greift, die doch im übrigen sogar seinen Gesetzen widersprechen – denn früher (und das lag wiederum an dem Reichtum an künstlerischen Einzelleistungen) bestand das Kabarett nicht aus einer durchgehenden Handlung, sondern aus einer Reihe verschiedenartiger Nummern, deren Eigenwilligkeit sich aneinanderrieb. Zuerst servierte Helmut Käutner seinen Film „Der Apfel ist ab“. Nun zeigte Günter Neumann seine „Berliner Ballade“.
Die Reaktion auf Käutners saftlosen „Apfel“, der aus dem Treibhaus geistiger Überzüchtung stammt, war unmißverständlich (Käutner bezeichnete die Premiere selbst als ein „Begräbnis erster Klasse“). Die Aufnahme von Neumanns „Berliner Ballade“ hatte allerdings ein stärkeres Echo. Das lag daran, dass Neumanns geistige Kapriolen und Sprünge, die dem Film die unzähligen Facetten einzelner kabarettistischer Einlagen gaben, doch immer wieder den Weg auf den Boden und in eine natürliche Welt zurückfanden. Film braucht nun einmal den Schwerpunkt einer Realität und darf selbst bei der reizvollen Spielerei mit technischen und phantastischen Tricks diese Beziehung zur Wirklichkeit nicht außer acht lassen.
Trotz des berechtigten Achtungserfolges, den Günter Neumann für seine Begabung und das Raffinement seiner Leistung buchen darf, soll man jedoch diese Art von Filmen nur als einzelne Experimente für einige Kenner bezeichnen. Denn Kabarett wird nie das Brettl einer allgemeinen Volksunterhaltung. Und selbst nicht in unserer Gegenwart, die ein Hexentanz kabarettistischer Bitternis ist und sich deshalb naturgemäß aus dieser gespenstigen Welt heraussehnt …

Cornelia Herstatt: Das große Kabarett der Gegenwart. In: Entscheidung, Berlin, 15.01.1949.

„Berliner Ballade“:

Man spürt sofort: Die Väter dieses eigenwilligen Films sind Kabarettisten. Das Drehbuch von Günter Neumann lehnt sich – auch in den Chansons – an seine zeitsatirische Kabarettrevue „Schwarzer Markt“ an, die Anfang 1948 im Berliner Ulenspiegel-Kabarett ständig ausverkauft war.
[…] Der vom Münchener „Simpl“ bekannte Hauptdarsteller Fröbe, eine Fülle ironisch-witziger Einfälle und die Tatsache, dass das Ganze rückblickend von einem Sprecher aus dem Jahre 2048 im Plauderton berichtet wird, ließen das Wagnis gelingen, die düsteren Probleme des Falls Berlin ohne politische Tendenz humorvoll aufzulockern. Wir erheben uns für eine Stunde aus den Ängsten des Alltags und lachen „frei von Furcht“ über unsere Zeit und uns selbst. Der Film ist eine Geschichtslektion, vor die das Vorwort des „Simplicius Simplicissimus“ von Grimmelshausen gestellt werden könnte: „Es hat mir wollen behagen, mit Lachen die Wahrheit zu sagen.“
Der Kameramann Georg Krause – „Karikatur mit der Kamera“ hat man seine Arbeit genannt – zog bei den Aufnahmen nach Art der italienischen Neo-Realisten auf der Jagd nach Motiven durch alle Winkel Berlins. Die Berliner, durch die Presse aufmerksam gemacht, sollen durch originelle Tips tatkräftig geholfen haben. – Wir empfehlen den Film als ein Musterbeispiel heiterer Erziehungskunst von der Leinwand her.

„Berliner Ballade“. In: Filmdienst der Jugend, Düsseldorf, 15.02.1949.

In dem Film „Der Apfel ist ab“ haben wir gesehen, wie ein kabarettistischer Film nicht sein darf. Die „Berliner Ballade“ zeigt, wie eine taktvoll ausgeführte kabarettistische Auflösung des filmischen Geschehens auflockernd und distanzierend wirkt und damit gleichzeitig neue Ausblicke und Anregungen gibt, für das Herz wie für den Verstand. Dieser Film ist kein großes Kunstwerk. Aber er ist aus einer künstlerischen Verantwortung heraus geschaffen, wie sie vielen der heute gedrehten Filme leider abgeht. Die Filmdramaturgie gibt neue Möglichkeiten, Probleme des Alltags in ihren Besonderheiten zu zeigen und ebenso Menschen, die sich diesen Problemen stellen und ihnen gewachsen sind.

Otto Normalverbraucher, der im Mittelpunkt dieses Filmes steht, ist ein Heimkehrer, den die Behörden der Westzonen nach Berlin zurückschicken. Er erlebt das Nachkriegsschicksal dieser Stadt in seinen eigenen Existenznöten, aber auch in der Gelassenheit und Anpassungsfähigkeit, mit der ihre Bewohner allen Widerwärtigkeiten, die an sie herantreten, gewachsen sind.

Die Auflösung dieser aktuellen Situation in pointierte Episoden und witzige Schlaglichter /Gags ist mitkünstlerischem Geschick und menschlichem Takt durchgeführt ohne Entgleisung nach der sentimentalen oder martialischen Seite hin. Der Film unterhält und regt geistig an; und er verlangt sogar ein nicht allzu langsames geistiges Mitgehen, will man den oft doppelten Sinn mancher Gags verstehen.

Die menschliche Klarheit und Sauberkeit, mit der Otto Normalverbraucher seinen Weg geht, gibt auch dem christlichen Beschauer Hoffnung, daß der neue deutsche Film nicht nur filmkünstlerisch fortschreitet, sondern auch in der Themenwahl und Ausführung gewissenhafter und sauberer arbeitet.

Der Film ist zu begrüßen.

Langsam beginnt der deutsche Zeitfilm sich aus dem starren Pathos, seiner seelischen und realen Trümmer zu lösen. Mit der Vergrößerung des Abstandes von den Ereignissen des Zusammenbruchs wächst der Wille, dieses Geschehen durch die Optik ironisch-satirischer Betrachtung zu fixieren. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn man – selbst auf die Gefahr hin, den Weg des üblichen Filmstils zu verlassen – nun entscheidende Anleihen bei dem zeitbezogenen politischen Kabarett macht.
Das Unternehmen ist eine Gefahr. Denn das einzige, was Kabarett und Film gemeinsam haben, ist der Gag. Aber was auf dem kleinen Ausschnitt der Bühne durch die Buntheit der Dekoration, durch den Wechsel von Solo- und Ensemble-Szenchen wirkt, wo die einzelnen Nummern als Perlen auf den Faden einer Idee gereiht sind, bedarf auf der schwarz-weißen Fläche eines stärkeren Fadens, um nicht zu zerreißen.
Günter Neumann fand ihn in dem Schicksalstagen von „Otto Normalverbraucher“, dem heimgekehrten Berliner, betrachtet aus der Perspektive des Jahres 2048. Von seinem erfolgreichen „Schwarzen Jahrmarkt“ hat er nur zwei Nummern übernommen: den Meckerer Werner Oehlschlägers mit seinem berühmten „Nee, wissense, nee“ und das „Kampflied“ der deutschen Männer. Es ist bezeichnend, dass gerade diese beiden Nummern sich nicht einfügen und am wenigsten „ankommen“. Und doch muß dieser in jeder Beziehung mutige Versuch von Alf Teichs voll anerkannt werden. Es ist nicht entscheidend, inwieweit dieses Experiment gelungen ist, entscheidend ist die Tatsache, dass es überhaupt unternommen wurde. Dass das Publikum die Absicht merkte und nicht verstimmt, sondern angesprochen war, zeigt die Notwendigkeit dieses Vorstoßes in filmisches Neuland.
[…] Es bleibt auch müßig, darüber zu debattieren, ob dies nun filmisches Kabarett oder kabarettistischer Film sei – es ist eine wörtlich, bildlich und musikalisch gleich geistreiche Chronik geworden (wenn auch keine Ballade, so gut der Titel klingt), deren geistiger Vater Günter Neumann sich mit seinen Geburtshelfern R. A. Stemmle, Werner Eisbrenner und Georg Krause den Ruhm teilen kann, eine Form gefunden zu haben, die bisher im deutschen Film noch niemals so weit gelungen ist.
Dieser Film lebt von der Ironie des Wortes und vom Witz der Optik ebensosehr wie von der vorbildlich pointierenden Musik. Ob der Wannsee-Dampfer von Galeerensklaven betrieben wird, ob eine diplomatische Konferenz in ein mimisch-musikalisches Intermezzo aufgelöst wird, ob O. E. Hasse in einer überraschenden Doppelrolle Biertischstrategie mit sich selber führt, ob eine Parade noch nicht abgerüsteter Straßennamen durch schmissige Marschmusik persifliert wird – immer geschieht dies mit den wirksamsten Mitteln akustisch-optischer Brillanz.
Unter Stemmles kluger Regie und vor Krauses einfallsreicher Kamera tummelt sich eine Menge von Darstellern, unter denen der ausgezeichnete Aribert Wäscher, die liebenswürdig-witzige Tatjana Sais hervorragen. Gert Fröbe hat die Anonymität des heimgekehrten Normalverbrauchers. Auch ohne die Sprache des Berliners verleiht seine starke mimische Begabung der Zentralfigur etwas Allgemeingültiges, das weniger dem „Köppchen“ als dem Herzen entspringt. Ute Sielisch ist genau das süße Kuchenfräulein seiner Träume. Ein gutes Stück Alt-Berlin verkörpert Hans Deppe als Lorbeerbaum-Verleiher und sehr amüsant Karl Schönböck in der Parodie eines Rundfunkreporters. Die Bauten von Gabriel Pellon und der ausgezeichnete Schnitt von Walter Wischniewsky haben die besonderen Schwierigkeiten dieses Films geschickt überwunden, wie überhaupt die Vollendung des Technischen nichts davon spüren läßt, dass er im blockierten Berlin entstand, unter Bedingungen, die in den westlichen Produktionsstätten unmöglich erscheinen. Der Mangel aber bedingte gleichzeitig die Atmosphäre, die hoffentlich auch die spüren werden, die kaum eine Vorstellung vorn heutigen Berlin haben.
Es ist bedauerlich, dass sich am Schluß der Zeigefinger plötzlich sichtbar erhebt, das ist vielleicht der einzige wirkliche Schönheitsfehler des geistreichen, liebenswürdigen, witzigen und amüsanten Werkes – wann hat man bisher einem deutschen Film alle diese Attribute geben können?
Die Berliner applaudierten im Marmorhaus während der Vorführung ebenso lebhaft, wie sie den Beteiligten herzlich dankten für einen Film, der es unternommen hatte, ihrer Stadt in ihren trübsten Tagen ein so heiteres Denkmal zu setzen. Professor Dr. Reuter und Polizeipräsident Stumm hatten das Protektorat übernommen und als Vertreter der Besatzungsmächte bekundeten Mr. Winston und Mr. Herald für den amerikanischen und Mr. Heigh Brown für den britischen Sektor ihr besonderes Interesse an diesem Berliner Zeitbild. Direktor Jakob gab mit einem echten Berliner Rummelplatz im Vestibül dem Ganzen die lokale Note, und sicher wird dieser im Dietz-Verleih und im Norddeutschen Filmverleih Adolf Bejöhr erscheinende Film auch außerhalb der Berliner Mauern seine verdiente Resonanz finden.

Edith Hamann: „Berliner Ballade“. In: Der Neue Film Nr. 2, 1949.

Der Filmdienst sieht den Film eher positiv: „Einfallsreiche Produktion, die weniger durch spezifisch filmische Qualitäten als durch ihre witzige, melancholische und doch optimistische Bestandsaufnahme des geistigen und politischen Klimas jener Zeit interessant bleibt.“ Dem Rezensenten des Holsteiner Courier gefallen Satire und Humor ebenfalls. Für Bandmann/Hembus ist dagegen das „Kabarett (…) der Todfeind des Films“. Entsprechend dieser Einschätzung zählt BERLINER BALLADE – auch wenn noch als „bestes Werk“ dieser Art Filme bezeichnet – zu der Vielzahl eher misslungener Filme der Nachkriegszeit.

Für das Westdeutsches Tageblatt ist der Film im Jahr 1956 nachwievor aktuell.

Lebensernst im Schellenkleid des Humors:

Otto Normalverbraucher heißt der Held des FiIms „Berliner Ballade“, den der Filmclub am Sonntag seinen Mitgliedern vorführte. Normalverbraucher – das soll doch wohl heißen, dass er eine Art Durchschnittsmensch ist, der allen seinen Zeitgenossen irgendwie verwandt ist und ihnen etwas zu zagen hat. Wenn man ihn kennenlernt, wie er im abgetragenen Soldatenrock aus Rußland heimkehrt in seine Vaterstadt Berlin und sich zwischen den Trümmern kaum zurechtfinden kann, wie er zu Hause vor dem Nichts steht und sich mit seiner ihm zugeteilten Lebensmittelkarte mehr schlecht als recht durchschlägt, glaubt man in ihm einen alten Bekannten wiederzutreffen: den Normalverbraucher von nebenan, dem das Leben arg mitgespielt hatte, den aber die Not weise und einsichtig machte.
Viele von uns sind auf dem besten Wege, ihre mit Opfern errungene Einsicht wieder zu vergessen. Der Film will uns die im Krieg erfahrenen Lehren noch einmal in aller Deutlichkeit vor Augen halten. Auf welche Art er das erreicht, ist ebenso eigenwillig wie echt berlinerisch. Trotz der Ruinen, der Armut und des Elends tritt uns hier das alte Berlin in all seiner frechen Heiterkeit und seinem kecken Scharm entgegen. Sauertopfmienen kann der lebenskluge Berliner nicht um sich sehen, und daher kleidet er allen Lebensernst in das Schellenkleid der Satire, der Ironie, des Humors. Der Film gibt diese Lebenshaltung anschaulich wieder.
Unverkennbar ist die Note, die das Moment der augenzwinkernden Spitzbübischkeit erhöht und zugleich theaterhaft abstrahierend und mit grotesker Phantasie das Wesentliche in den Vordergrund rückt. Der Drehbuchautor, ein Kabarettist, hat mit Recht viel Liebe auf diese Schlaglichter geistreicher Ironie und Typisierung verwandt.
Was den Film aber besonders liebenswert macht, ist die Tatsache, dass der charaktervolle Normalverbraucher sich letzten Endes ohne alle zweifelhaften Mittel durchsetzt. Von der Gleichgültigkeit, dem Haß und dem Egoismus seiner Mitmenschen schon an den Rand des Grabes gebracht, rafft er sich noch einmal auf und bewegt sogar die Mitmenschen dazu, statt seiner ihre Fehler zu begraben.

Lebensernst im Schellenkleid des Humors. Der Filmclub zeigt „Berliner Ballade“ – Ein Heimkehrer-Schicksal. In: Holsteinischer Courier, Neumünster, 07.03.1956.

„Berliner Ballade“ bleibt aktuell:

Vielleicht war die Erinnerung im Jahre 1949 noch zu frisch, als Günter Neumanns kabarettistische Zeitsatire in den Kinos zu sehen war. R. A. Stemmle (Regie) verquickte das Dokumentarische mit der Persiflagenkritik so meisterhaft, dass man ein wenig mitschmunzelte. Aber wer konnte schon wissen, dass Otto Normalverbraucher (Gert Fröbe) die Entwicklung der „Berliner Ballade“ um Jahre vorhersah? Im Ausland begriff man es besser und huldigte diesem deutschen Film als einem [sic] der besten Schöpfungen in einem neuen Geist, den man nicht als pazifistisch abtun kann.
[…] Wenn auch die Distanz zu den tragikomischen Erlebnissen des heimkehrenden Berliner größer geworden ist, die Sturzflut der geistreichen Bild-, Wort- und Tonsymbole führt jetzt über heitere Selbstspottung hinweg zu unheimlicher Betroffenheit. Da wird der Tag der Währungsreform gezeigt. Die Menschen, so heißt es, trauen dem Braten noch nicht. Sie fürchten, der Rummel mit Wehrpflicht, Rüstung, Kriegsdebatten und Biertisch-Strategie werde jetzt neu belebt, wenn nicht einiges begraben wird: Egoismus, Gleichgültigkeit und Haß. Hat die Vernunft inzwischen Fortschritte gemacht? Haben sich Ost- und Westberlin inzwischen nicht noch weiter als zu Otto Normalverbrauchers Zeiten auseinandergeredet? Man ging nach einer im Zeichen der Bewunderung des Films stehenden Diskussion mit einem bitteren Gefühl auf der Zunge auseinander. Wo steht der deutsche Film im Jahre 1955? Wo stehen wir alle schon wieder? Nicht mehr bei der „Berliner Ballade“, die ein Staatsbegräbnis für unsere Angst vor der Zukunft vorschlug.

„Berliner Ballade“ bleibt aktuell. Kabarettistische Zeitsatire aus jenen Tagen im Dortmunder Filmklub. In: Westdeutsches Tageblatt, Dortmund, 07.10.1956.

Das Kabarett ist der Todfeind des Films und zugleich die größte Versuchung des Filmemachers, bei dem die Kraft zur filmischen Gestaltung nicht ausreicht; Kleinkunst, vom Tagesgeschehen gespeist und zum sofortigen Verbrauch bestimmt, von der Pointen-Dramaturgie reglementiert, »live« zu genießen.

Lässt der Film sich auch nur auf einen Flirt mit dem Kabarett ein, so muß er dafür bezahlen mit einem gestörten Verhältnis zur Realität wie zur Surrealität und gelangt niemals zu einer wünschenswerten Verbindung zwischen dem Satirischen und dem Episodischen, sondern immer nur zu einer Abfolge wohlfeiler und greller Effekte im Niemandsland zwischen allen Medien und Kunstformen. Mit Berliner Ballade und dem einen Monat zuvor uraufgeführten Käutner-Film Der Apfel ist ab beginnt die Liebesgeschichte des deutschen Nachkriegsfilms und des deutschen Kabaretts, die zu einer katastrophalen Ehe mit einer entsprechenden Anzahl von Mißgeburten führte. Dabei sind die Produkte, die aus der Verfilmung von Kabarett entstanden, immer noch leichter zu goutieren als die Filme, die wie ein Kabarettprogramm inszeniert wurden. (…) Das beste Werk aus der ersten Kategorie ist Berliner Ballade, das nichts anderes ist als das Kabarett-Programm Schwarzer Jahrmarkt, für das Kino angereichert um die zentrale Figur des Otto Normalverbraucher (der Start von Gert Fröbes großer Filmkarriere) und die Rahmenhandlung aus dem Jahre 2049, letzteres eine eher unglückliche Idee, die dem Ganzen eine utopische Nostalgie-Witz-Perspektive aufzwingt, was für ein Kabarett-Programm, egal ob auf der Bühne oder auf der Leinwand, auf jeden Fall die falsche Perspektive ist.


aus: Christa Bandmann/Joe Hembus: Klassiker des deutschen Tonfilms 1930 – 1960, München 1980, S. 158/59

Der  Film entwirft ein ironisch-distanziertes Bild der  Alltagswelt  in der Berliner Nachkriegszeit.  „Otto  Normalverbraucher“ und sein sorgenreiches Leben in jener Zeit – Hunger und  materielle Sorgen aller Art,  Schwarzmarkt und  Arbeitslosigkeit,  die „große“ Politik, Kriegsangst, alter und neuer Militarismus etc.- stehen  im Mittelpunkt.  „Otto“ erlebt diese Welt als Opfer  der „Verhältnisse“, unfähig sie richtig zu verstehen oder gar handelnd zu  bestimmen.  Die Zuschauer wiederum erleben „Otto“,  den  sie vermutlich  – weil allzu „menschlich“ gezeichnet –  gut  verstehen können. Der spezifische Blick auf „Otto“ und seine Verhältnisse, den  der  Film produziert,  ist es,  der  BERLINER  BALLADE  zum Dokument der Nachkriegszeit werden läßt.

Im Jahr der Währungsreform produziert, markiert BERLINER BALLADE eine  Schnittstelle  – noch ein  Trümmerfilm,  aber  man  blickt bereits mit ironischer Distanz,  schmunzelnd auf diese  Trümmerzeit.  Diese Distanz wird durch den äußeren Rahmen betont  – ein allwissender  Erzähler  führt den Zuschauer über das  Jahr  2048 rückblickend  in  die Nachkriegszeit  ein.  Der  stets  präsente Kommentator  reflektiert  bereits  zu Beginn  den  Überdruß  des Publikums gegenüber zeitnahen Filmproduktionen:  „Ach je,  schon wieder  ein Heimkehrerfilm!“ Gleichwohl hat  mit  der  BERLINER BALLADE  die Flucht aus der Wirklichkeit im deutschen Film  noch nicht begonnen.

Der  Film zeigt dem Zuschauer von 1948 ironisch-distanziert  den durchaus  sympathisch  gezeichneten  „Otto   Normalverbraucher“, seine Sorgen und Wünsche.  Gleichzeitig bleibt BERLINER  BALLADE dem  unpolitischen Bewußtseinszustand des  Protagonisten  selbst verhaftet. Die dargestellten Phänomene, physische und psychische Not,  politische  und  gesellschaftliche  Konflikte,  erscheinen quasi naturhaft;  der Film trägt nicht dazu bei, die Entwicklungen und Verhältnisse besser begreifen zu können. Zum Schluß – der Film projiziert in das Jahr 1949 – findet „Otto“ sein Glück, aber eben  nur das ersehnte private,  das einzige,  welches  er  wohl richtig  versteht.  Dafür  verliert er in  der Beerdigungsszene seine Angst, und seine Mitmenschen   geloben,  Egoismus, Gleichgültigkeit,  Mißmut  und Haß abzulegen.  Nachdem  alle es versprochen haben,  kann „Otto“ mit seiner Traumfrau ins private Glück entfliehen. Das Versprechen aller Beteiligten, jetzt „gut“ zu  sein,  ist jedoch nicht näher motiviert und  erscheint  doch recht aufgesetzt. So dokumentiert BERLINER BALLADE auch, daß die Hoffnungen,  eine  friedliche und solidarische  Gesellschaft  zu schaffen, wohl eher schwach waren.

Die ironische Distanz der BERLINER BALLADE ist eng verbunden mit der  zugrundeliegenden Kabarettvorlage.  In diesem  Zusammenhang ist  eine Thematisierung der stilistischen Eigenarten des  Kabaretts (Szenenhaftigkeit, Wortwitz etc.) und der filmspezifischen Ausdrucksmittel sinnvoll.  Daß die Verbindung beider  Ausdrucksformen  in der BERLINER BALLADE nicht immer gelungen  ist,  läßt sich an verschiedenen Stellen des Films ablesen (siehe Kritik zu diesem Film).

Detlef Endeward. Arbeitspapiere für Filmseminare der Landesmedienstelle Niedersachsen, 1993

„Wir gehen mit Anstand vor die Hunde“

Wenn’s nicht so ernst wäre, wär’s vielleicht lustiger. Kabarettist Günter Neumann rückt mit munterem Wortwitz einer deprimierenden Nachkriegszeit zu Leibe. Ironie tropft aus jedem Satz. > weiter

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