Der Bagnosträfling (1949)
von GFS-Admin_2021 · Veröffentlicht · Aktualisiert
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Mit Der Bagnosträfling wagt sich die Junge Film-Union 1949 an einen aufwendigen historischen Abenteuerfilm. Paris, Unterwelt, Giftmord, Verfolgungsjagden und die Qualen des Bagno verbinden sich mit Familien- und Liebesdrama. Der Film markiert zugleich den Weg der JFU von den zeitnahen Stoffen der ersten Nachkriegsjahre zum publikumsorientierten Unterhaltungsfilm.

Filmdaten
Titel: Der Bagnosträfling
Produktionsjahr: 1949
Produktionsland: Deutschland (Bundesrepublik Deutschland)
Länge: 2721 m · 99 Min.
Bild/Ton: Schwarzweiß · Mono-Tonfilm
Produktion und Verleih
Produktionsfirma: Junge Film-Union Rolf Meyer, Hamburg
Produzent: Rolf Meyer (Gesamtleitung)
Produktionsleitung: Helmuth Volmer
Aufnahmeleitung: Herbert Junghans, Willi Rother
Erstverleih: Schorcht-Filmgesellschaft mbH (Westdeutschland/West-Berlin)
Prüfung/Zensur: 14. September 1949 · FSK, ab 12 Jahre, feiertagsfrei
Uraufführung: 23. September 1949 · Hamburg
Erstaufführung Berlin-West: 5. Februar 1950
Austauschfilm der DEFA: Der Biberpelz
Künstlerische Leitung
Regie: Gustav Fröhlich
Regieassistenz: Hans Wollinger
Drehbuch: Gustav Fröhlich
Vorlage: nach Motiven von Honoré de Balzac
Kamera: Igor Oberberg
Kameraassistenz: Emil Eisenbach
Musik: Werner Eisbrenner
Technische Gestaltung
Schnitt: Martha Dübber
Ton: Martin Müller
Bauten: Franz Schroedter
Künstlerische Mitarbeit/Bauten: Heinrich Beisenherz, Theo Zwierski
Requisite: Karl-Heinz Suhr, Erich Stroczyk
Kostüme: Margot Ütvar
Garderobe: Margarete Markwordt, Willi Brückner
Maske: Walter Wegener, Carl Eduard Schulz, Ellen Schulz
Standfotos: Richard Wesel
Darsteller/innen
| Darsteller/in | Rolle |
| Paul Dahlke | Robert de Troissaules |
| Richard Häußler | Pierre de Troissaules |
| Käthe Dorsch | Eugénie, Marquise de Troissaules |
| Winnie Markus | Cyprienne |
| Udo Löptin | Tamboryn |
| Walter Franck | Courbet, Kriminalinspektor |
| Paul Hörbiger | Dr. Bianchon, Armenarzt von Paris |
| Ida Ehre | Madame Vauquer |
| Jester Naefe | Nanette |
| Albert Florath | Livreuil, Präsident der Bank von Frankreich |
| Adrian Hoven | Victor |
| Peter Mosbacher | Lapin |
| Joseph Offenbach | Dubois |
| Karl-Heinz Peters | Martell |
| Otto Gebühr | Jean |
| Helmut Rudolph | Innenminister von Frankreich |
| Richard Lauffen | – |
| Edda Seippel | – |
Drehorte
Drehzeit: Mai – Juli 1949
Außenaufnahmen: Bendestorf und Umgebung, Buxtehude
Innenaufnahmen: Ruine der Wewelsburg
Atelieraufnahmen: Bendestorf
Frankreich, in der spätnapoleonischen Ära. Robert de Troissaules und sein jüngerer Bruder Pierre sind von adeliger Herkunft und doch in ihrem Wesen grundverschieden. Frankreich erleidet bei der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 eine schwere Niederlage, und seitdem sind die heimischen Truppen nur noch auf dem Rückzug. In diesen Zeiten politischer Wirren verübt Robert einen Überfall auf einen für die Nationalbank Frankreich bestimmten Goldtransport. Der Coup gelingt, doch verrät Roberts eigene Ehefrau Cyprienne, die Roberts Bruder Pierre liebt, ihren Gatten an die Polizei, die bald daraufhin Robert verhaftet und in Ketten legt. Sein Strafmaß lautet 15 Jahre. Als so genannter Bagnosträfling wird der Verbrecher deportiert und eines Tages sogar für tot erklärt. Während Robert ein jämmerliches Dasein fristet, macht Bruder Pierre Karriere bei der Staatsmacht und steigt bis zum Polizeipräfekten auf.
Eines Tages wird erneut ein Überfall auf die Bank von Frankreich verübt, und Pierre nimmt sofort an, dass nur sein Bruder dahinter stecken kann. Tatsächlich ist Robert in der Zwischenzeit aus dem Bagno entflohen. Bald darauf hat seine Mutter sogar eine Begnadigung ihres fehlgeleiteten Ältesten durchgesetzt. Tatsächlich ist Robert wieder nach Paris zurückgekehrt und hat, nachdem er den Überfall begangen hatte, seine Spuren verwischt und auf den gesetzestreuen Pierre gelenkt. Der aber ist nicht bereit, für die Schlechtigkeit des großen Bruders einzustehen und stellt diesem eine Falle. Im Hause beider Mutter Eugénie, der Marquise de Troissaules, kann Robert gefasst und verhaftet werden. Nun ist auch Cyprienne endlich frei für Pierre, und beide können ihre gemeinsame Zukunft planen.
Textübernommen: (Wikipedia 21.09.2026)
Der letzte Film des zweiten Produktionszyklus
Der Bagnosträfling war der sechste Spielfilm der Jungen Film-Union und entstand 1949 unter der Regie von Gustav Fröhlich. Gedreht wurde von Mai bis Juli 1949 in den Bendestorfer Ateliers sowie an verschiedenen Außenmotiven.[1]
Die Produktion gehört zu einer neuen Phase der JFU. Während die ersten Spielfilme Menschen in Gottes Hand, Wege im Zwielicht und Die Söhne des Herrn Gaspary noch Geschichten aus der unmittelbaren Nachkriegszeit erzählten, wandte sich die JFU nach der Währungsreform verstärkt Stoffen ohne direkten Gegenwartsbezug zu.[2]
Vom Nachkriegsfilm zum Unterhaltungsfilm

Foto von den Dreharbeiten mit Paul Hörbiger und Paul Dahlke (Filminstitut Hannover)
Peter Stettner ordnet Der Bagnosträfling zusammen mit Diese Nacht vergess’ ich nie und Das Fräulein und der Vagabund einem breiten Spektrum des „zeitlosen Unterhaltungsfilms“ zu. Die JFU produzierte damit nahezu gleichzeitig eine Verwechslungskomödie, einen Kostüm- und Abenteuerfilm und eine Liebesgeschichte im ländlichen Milieu.
Stettner bringt diese Entwicklung mit den veränderten Bedingungen nach der Währungsreform und dem Ende der alliierten Vorzensur in Verbindung. Rolf Meyer versuchte mit unterschiedlichen Genres auch herauszufinden, welche Stoffe beim Publikum erfolgreich sein konnten.[3]
Der Bagnosträfling wurde dabei zur bislang aufwendigsten historischen Produktion der JFU. Stettner bezeichnet ihn als den ersten großen deutschen Kostümfilm der Nachkriegszeit.[4]
Ein Stoff aus der Zeit vor 1945
Neu war der Stoff nicht. Grundlage war Balzacs Der Galeerensträfling. Rolf Meyer hatte ihn gemeinsam mit dem Autor Tjadens bereits vor 1945 bearbeitet; zu einer Verfilmung war es damals nicht gekommen.[5]
Auch Regisseur Gustav Fröhlich gehörte zu den erfahrenen Filmschaffenden der Vorkriegszeit. Für die Hauptrollen verpflichtete die JFU bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler wie Paul Dahlke, Winnie Markus, Käthe Dorsch und Richard Häußler.[6]
Die westdeutsche Filmproduktion der Nachkriegszeit begann damit auch bei dieser Produktion personell und stofflich keineswegs bei null. Neue Produktionsunternehmen und Produktionsorte arbeiteten mit Stoffen, Erfahrungen und Filmschaffenden, deren Geschichte in die Zeit vor 1945 zurückreichte.
Bendestorf wird zum Produktionszentrum
Zwischen den ersten JFU-Dreharbeiten 1947 und Der Bagnosträfling hatte sich Bendestorf erheblich verändert.
Für Menschen in Gottes Hand hatte die JFU noch unter improvisierten Bedingungen arbeiten müssen. Der Tanzsaal des Gasthauses „Zum Schlangenbaum“ wurde zum provisorischen Atelier. Seit 1948 entstanden eigene Aufnahmehallen und weitere technische Einrichtungen. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich Bendestorf zu einem regulären Studiobetrieb.[7]

Am Dorfrand von Bendestorf entstand für die Außenaufnahmen eine ganze historische Straßenzeile (Filminstitut Hannover)
Der Bagnosträfling stellte andere Anforderungen als die bisherigen Produktionen. Die Handlung spielt im Frankreich des frühen 19. Jahrhunderts. Historische Räume mussten deshalb im Atelier und auf dem Freigelände erst geschaffen werden.
Die Filmbauten verantworteten Franz Schroedter, Theo Zwierski und Heinrich Beisenherz. Am Dorfrand von Bendestorf entstand für die Außenaufnahmen eine ganze historische Straßenzeile, die im Film Paris darstellen sollte.[8]
Weitere Aufnahmen entstanden in der Umgebung von Bendestorf und in Buxtehude.[9]
Eine Pariser Straße in der Lüneburger Heide
Der Bau der Pariser Straßenkulisse zeigt die inzwischen erreichte Größe der Bendestorfer Produktion. Der Film war nicht mehr auf vorhandene norddeutsche Schauplätze angewiesen. Für die historische Handlung konnten eigene Außenräume hergestellt werden.
Neben den Studiobauten entstand damit eine zweite Form des Ateliers: ein gestaltetes Außengelände, auf dem eine andere Stadt und eine andere historische Zeit inszeniert werden konnten.
Bendestorf wurde für die Dauer der Dreharbeiten zum Paris der Zeit nach Napoleon.
Die Wewelsburg wird zum französischen Straflager

Der Kerker des BAGNOSTRÄFLING in der Ruine der Wewelsburg (Filminstitut Hannover)
Für einen weiteren zentralen Schauplatz verließ das Filmteam Niedersachsen. Gedreht wurde an der Wewelsburg bei Paderborn.[10]
Die Burg besaß eine unmittelbare Vorgeschichte, die mit der Filmhandlung nichts zu tun hatte. Seit 1934 war die Wewelsburg von der SS genutzt und ausgebaut worden. Kurz vor dem Einmarsch amerikanischer Truppen versuchte die SS Ende März 1945, die Anlage zu zerstören. Große Teile der Burg brannten aus.
Vier Jahre später lag die Wewelsburg noch weitgehend in Trümmern. Dieser Zustand machte sie für die Filmproduktion nutzbar. Burg und Gelände wurden zum französischen Straflager, dem „Bagno“, des frühen 19. Jahrhunderts.[11]
Die Wewelsburger Gemeindechronik vermerkt außerdem, dass Einwohner des Dorfes als Statisten an den Dreharbeiten beteiligt waren.
So wurde eine reale Ruine des Jahres 1945 zur Kulisse einer historischen Abenteuerhandlung. Die konkrete deutsche Geschichte des Ortes verschwand aus dem Filmbild; sichtbar blieb die Ruine, nun mit einer anderen historischen Bedeutung versehen.
Produktionsaufwand und Kosten
Stettner bezeichnet Der Bagnosträfling als den ersten großen deutschen Kostümfilm der Nachkriegszeit. Die Produktionskosten betrugen rund 750.000 DM. Trotz der historischen Bauten, der Außenkulissen und der prominenten Besetzung war dies nach Stettners Einschätzung für eine deutsche Spielfilmproduktion dieser Zeit keine außergewöhnlich hohe Summe.[12]
Die Produktion zeigt zugleich, wie weit sich die technischen und organisatorischen Möglichkeiten der JFU seit ihren Anfängen erweitert hatten. 1947 war der erste Spielfilm noch in einem umgebauten Tanzsaal entstanden. Zwei Jahre später konnte die JFU einen Kostümfilm mit Atelierbauten, einer Pariser Straßenkulisse und Dreharbeiten an mehreren Außenorten herstellen.
Filmkontrolle im Übergang
Der Bagnosträfling entstand auch hinsichtlich der Filmkontrolle in einer Übergangszeit.
Als Film Nr. 6 der JFU durchlief er am 15. Juli 1949 noch die britische Zensur. Weil amerikanische und französische Zensurbescheide fehlten, wurde der Film anschließend zusätzlich der neu eingerichteten Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft vorgelegt.
Die FSK prüfte Der Bagnosträfling am 14. September 1949 und gab ihn frei.[13]
Die unmittelbar folgende JFU-Produktion Das Fräulein und der Vagabund wurde bereits ausschließlich von der FSK geprüft. Der Bagnosträfling entstand damit genau in der Übergangsphase von der alliierten Kontrolle des deutschen Films zur westdeutschen Filmselbstkontrolle.
Ein vielversprechender Start – aber kein großer Geschäftserfolg
Der Schorcht-Verleih übernahm die Auswertung des Films. Der Start verlief zunächst vielversprechend. Nach Stettner erwartete die Presse hohe Besucherzahlen; zugleich fand der Film als „dichterische“ Produktion Anerkennung.[14]
Die Erwartungen erfüllten sich jedoch nicht. Ende 1949 zeigte sich, dass die Einspielergebnisse hinter den Erwartungen zurückblieben. Rolf Meyer machte dafür vor allem die Auswertung durch den Schorcht-Verleih verantwortlich. Der Verleih verwies dagegen auf einen allgemeinen Zuschauerrückgang seit dem Winter 1948/49 und auf das erheblich gewachsene Filmangebot.[15]
Der Bagnosträfling spielte seine Herstellungskosten im Laufe der folgenden Jahre wieder ein, erzielte aber keinen nennenswerten Gewinn.[16]
Damit steht der Film für eine neue Phase der JFU: Die unmittelbare Nachkriegswirklichkeit verschwand weitgehend aus den erzählten Geschichten, während die Produktionsmittel größer, die Bauten aufwendiger und die Besetzungen prominenter wurden. Aus dem improvisierten Filmemachen der ersten Nachkriegsjahre entwickelte sich in Bendestorf eine professionelle Spielfilmproduktion.
Anmerkungen und Quellen
[1] Zu Filmdaten, Drehzeit, Produktionsfirma, Stab und Besetzung vgl. Lernwerkstatt Film und Geschichte: Der Bagnosträfling (1949) sowie Der Bagnosträfling bei filmportal.de.
[2] Peter Stettner: Vom Trümmerfilm zur Traumfabrik. Die „Junge Film-Union“ 1947–1952. Eine Fallstudie zur westdeutschen Filmproduktion, Hildesheim/Zürich/New York 1992, S. 53–54. Stettner hebt hervor, dass Diese Nacht vergess’ ich nie, Das Fräulein und der Vagabund und Der Bagnosträfling nicht mehr die Zeitnähe der ersten unter britischer Vorzensur hergestellten JFU-Filme aufweisen.
[3] Stettner, a. a. O., S. 66–67. Zum Zusammenhang von Währungsreform, Ende der alliierten Vorzensur und der Hinwendung zu unterschiedlichen Unterhaltungsgenres vgl. auch Lernwerkstatt Film und Geschichte: Aufbau einer „modernen“ Filmindustrie.
[4] Stettner, a. a. O., S. 66–67.
[5] Ebd. Nach Stettner hatte Rolf Meyer den Balzac-Stoff gemeinsam mit dem Autor Tjadens bereits vor 1945 bearbeitet, ohne ihn damals zu verfilmen.
[6] Zu Stab und Besetzung vgl. Der Bagnosträfling – filmportal.de und Lernwerkstatt Film und Geschichte: Der Bagnosträfling (1949).
[7] Zur Entwicklung der Atelierbetriebe in Bendestorf vgl. Filmmuseum Bendestorf: Historie sowie Lernwerkstatt Film und Geschichte: Aufbau einer „modernen“ Filmindustrie.
[8] Zur für Der Bagnosträfling errichteten Pariser Straßenkulisse vgl. Lernwerkstatt Film und Geschichte: Von Paris an den Rhein zurück.
[9] Zum Drehort Buxtehude vgl. Tageblatt
[10] Kreis Paderborn/Kreismuseum Wewelsburg: Der Bagnosträfling – die zerstörte Wewelsburg als Filmkulisse. Die erhaltene Gemeindechronik vermerkt auch die Beteiligung von Einwohnern als Statisten.
[11] Vgl. Kreismuseum Wewelsburg: Filmplakat „Der Bagnosträfling“. Zur Nutzung der noch zerstörten Burg während der Dreharbeiten siehe außerdem Kreis Paderborn: Der Bagnosträfling.
[12] Stettner, a. a. O., S. 66–67. Stettner nennt Herstellungskosten von etwa 750.000 DM und bewertet sie für eine deutsche Produktion dieser Jahre als durchschnittlich.
[13] Stettner, a. a. O., S. 107. Zur FSK-Prüfung vom 14. September 1949 vgl. auch Der Bagnosträfling – filmportal.de.
[14] Stettner, a. a. O., S. 79.
[15] Ebd. Stettner behandelt den Konflikt zwischen Rolf Meyer und dem Schorcht-Verleih im Zusammenhang mit der allgemeinen Verschlechterung der Auswertungsbedingungen 1949/50.
[16] Stettner, a. a. O., S. 66–67
Abenteuer, Unterwelt und Gefühl
Bis zum Herbst 1949 waren mit Diese Nacht vergess’ ich nie, Das Fräulein und der Vagabund und Der Bagnosträfling drei weitere Filme der Jungen Film-Union über den Schorcht-Verleih in die Kinos gelangt. Diese Nacht vergess’ ich nie und Der Bagnosträfling hatten zunächst einen vielversprechenden Start. Die Presse erwartete hohe Besucherzahlen und zollte insbesondere dem Bagnosträfling als „dichterischem“ Film Anerkennung.[1]
Die zeitgenössischen Kritiken zeigen zugleich, was der Film seinem Publikum bot. Der Spiegel fasste die Attraktionen des Films 1949 mit deutlicher Ironie zusammen: Überfälle auf das Gold der Bank von Frankreich, Verfolgungen im unterirdischen Paris, Giftmord und die Qualen des Bagno. Hinzu kamen die „napoleonische Pariser Wildwest-Romantik“ und starke emotionale Effekte. Besonders hervorgehoben wurde Käthe Dorsch in der Rolle der Mutter.[2]
Auch Die Zeit sah die Wirkung des Films in dieser Verbindung unterschiedlicher Elemente: „spannende Atmosphäre der Unterwelt, Giftmord, sentimentales Familienglück …“[3]
Damit wird deutlicher, was Stettner mit der Hinwendung der JFU zum „zeitlosen Unterhaltungsfilm“ bezeichnet. Der Bagnosträfling verbindet historischen Kostümfilm, Kriminal- und Abenteuergeschichte, Unterweltmilieu und Familiendrama. Der unmittelbare Alltag der deutschen Nachkriegsgesellschaft, der in den ersten JFU-Filmen noch die Handlung bestimmt hatte, ist verschwunden.
Der zunächst erwartete Publikumserfolg stellte sich allerdings nicht ein. Ende 1949 wurde deutlich, dass die Einspielergebnisse hinter den Erwartungen zurückblieben. Rolf Meyer führte dies vor allem auf eine unzureichende Auswertung durch den Schorcht-Verleih zurück. Schorcht verwies dagegen auf grundsätzlich veränderte Bedingungen des Kinomarktes: Seit dem Winter 1948/49 seien die Zuschauerzahlen zurückgegangen, zugleich habe sich das Angebot an Spielfilmen erheblich vergrößert.[4]
Der Film traf damit auf einen Kinomarkt, der sich bereits wieder veränderte. Ein aufwendiger Kostümfilm mit bekannten Stars, Abenteuer, Spannung und Gefühl garantierte 1949 nicht automatisch den erhofften wirtschaftlichen Erfolg.
Anmerkungen und Quellen
[1] Peter Stettner: Vom Trümmerfilm zur Traumfabrik. Die „Junge Film-Union“ 1947–1952. Eine Fallstudie zur westdeutschen Filmproduktion, Hildesheim/Zürich/New York 1992, S. 79.
[2] Der Spiegel, Nr. 40/1949, 29. September 1949. Die Besprechung charakterisiert den Film über seine Mischung aus Abenteuerhandlung, Unterwelt, Bagno und emotionalem Familiendrama.
DER SPIEGEL 40/1949 – Der Bagnosträfling
[3] Die Zeit, Nr. 39/1949. Die zeitgenössische Besprechung hebt die Verbindung von Unterweltmilieu, Giftmord und Familiengeschichte hervor.
ZEIT-Archiv – Jahrgang 1949
[4] Stettner, a. a. O., S. 79. Stettner rekonstruiert hier auch die unterschiedlichen Erklärungen Rolf Meyers und des Schorcht-Verleihs für die hinter den Erwartungen zurückbleibenden Einspielergebnisse.
Peter Stettner: Vom Trümmerfilm zur Traumfabrik. Die „Junge Film-Union“ 1947–1952. Eine Fallstudie zur westdeutschen Filmproduktion, Hildesheim/Zürich/New York 1992.
Digitalisierte Fassung – Lernwerkstatt Film und Geschichte
Lernwerkstatt Film und Geschichte:
Von Paris an den Rhein zurück
Aufbau einer „modernen“ Filmindustrie
filmportal.de:
Der Bagnosträfling
Kreis Paderborn / Kreismuseum Wewelsburg:
Der Bagnosträfling – Dreharbeiten auf der Wewelsburg
Filmplakat „Der Bagnosträfling“ – Objekt des Quartals
Filmmuseum Bendestorf:
Historie der Bendestorfer Filmstudios
