Schlagwörter: Nachkriegsspielfilm
Der Herr vom andern Stern entwirft eine Satire auf Bürokratie, Militarismus, politische Demagogie und gesellschaftlichen Konformismus. Doch das humanistische Gegenmodell bleibt ort- und folgenlos. Heinrichs Rückkehr ins All verweist auf Resignation: Die Utopie einer freien und friedlichen Gesellschaft wird ins Erdenferne verbannt.
Schuld allein ist der Wein entwirft das Land als Fluchtpunkt aus der bedrückenden Nachkriegswirklichkeit: Tradition, Gemeinschaft und Heimat versprechen Ordnung und Sicherheit. Doch unter der schwankhaften Idylle wirkt die Gegenwart fort. Im Zentrum steht die modellhafte Bagatellisierung von Schuld durch Aufdeckung, Vergebung und Vergessen.
Träum nicht, Annette! verlagert die Nachkriegswirklichkeit in eine Welt der Träume. Wünsche nach Liebe, Anerkennung und sozialer Erhöhung verkehren sich dabei in Erniedrigung und Bestrafung. Im Wechsel von Größenphantasie und Verkleinerung erscheint ein verunsichertes, gekränktes Selbst.
DAS GEHEIMNIS DER ROTEN KATZE (A, 1949) Dieser amerikanisch lizenzierte Spielfilm (Regie und Drehbuch: Helmut Weiss/Urauff. 14.4.1949) ist einer jener Versuche, durch die Differenz von Zeit, Ort und Milieu die Fäden zur Nachkriegswirklichkeit mit ihren belastenden Momenten zu kappen. Heinz...
Die „Erdenschwere“ der unmittelbaren Nachkriegszeit prägt zunächst auch den Spielfilm. Seit 1948 mehren sich jedoch Versuche, Trümmer, Not und gesellschaftliche Konflikte durch zeitferne Schauplätze und „überzeitliche“ Stoffe hinter sich zu lassen. Eskapismus erweist sich dabei selbst als zeittypische Reaktion auf die belastende Gegenwart.
Gefährdete Jugend zwischen Fürsorge, Selbstregulierung und demokratischer Verantwortung Bettina Greffrath (1993) Kinder und Jugendliche sind in den Jahren 1947 und (besonders) 1948 häufig Haupthandlungsträger. 1) Dieser Trend korrespondiert mit der Tendenz zu einer heiteren und optimistischen Lebenssicht in den Filmen....
Die beiden DEFA-Filme entwerfen unterschiedliche Modelle des Umgangs mit gefährdeten und straffällig gewordenen Jugendlichen. Zwischen Selbstregulierung, Verantwortung, kollektiver Erziehung und autoritärer Kontrolle zeigen sie die Suche der frühen Nachkriegszeit nach neuen pädagogischen und gesellschaftlichen Orientierungen.
Jugendkriminalität erscheint in westdeutschen Nachkriegsfilmen als Folge von Krieg, Entwurzelung und moralischer Gefährdung. MARTINA und MÄDCHEN HINTER GITTERN verhandeln unterschiedliche Erziehungskonzepte, führen die „Rettung“ ihrer Protagonistinnen jedoch auf individuelle Wandlung zurück.
Spielfilme sind mehr als Abbilder vergangener Wirklichkeit. Als Produkte ihrer Zeit artikulieren sie gesellschaftliche Wahrnehmungen, Bedürfnisse, Ängste, Hoffnungen und Wunschbilder – bewusst wie unbeabsichtigt. Im Anschluss an Kracauer und Ferro wird der Spielfilm so als historische Quelle lesbar, die Zugänge zu Mentalitäten und gesellschaftlichen Bewusstseinslagen eröffnet.
Aus der Perspektive des Jahre 1993 Im Folgenden behandelt Bettina Greffrath überblicksweise kleinere Arbeiten zum deutschen Nachkriegsspielfilm. Diese werden primär im Hinblick auf für ihre Studie zu Gesellschaftsbildern der Nacjkriegszeit anregende inhaltliche und methodische Schwerpunkte betrachtet. Bettina Greffrath (19923)...
Bettina Greffraths Beitrag aus dem Jahr 1993 setzt sich kritisch mit fünf Untersuchungen zum deutschen Nachkriegsspielfilm auseinander. Im Zentrum stehen ihre Auswahl der Filme, die verwendeten Quellen und Methoden sowie unterschiedliche Vorstellungen vom Verhältnis zwischen Film, Gesellschaft und Publikum. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach gesellschaftlichen Deutungsmustern, Publikumsbezug, Ideologiekritik und dem Quellenwert von Spielfilmen. Damit wird zugleich das eigene historisch-sozialpsychologische Forschungsprofil geschärft.
Die Zusammenfassung bündelt die Deutungsmuster früher Nachkriegsfilme: Die Jahre vor dem Krieg bleiben weitgehend ausgespart, Täter treten selten hervor und Verantwortung wird häufig auf Hitler konzentriert. Zugleich erscheinen Deutsche überwiegend als Opfer von Krieg und NS-Herrschaft. Nur wenige Filme durchbrechen diese Perspektive und fragen nach eigener Verstrickung und Schuld.