Kategorie: Gesellschaftskompetenzen

Völlig neutral – selbstverständlich!

Kann Unterricht neutral und voraussetzungslos sein? Die Glosse treibt den Anspruch auf Paradigmenfreiheit bis zum erkenntnistheoretischen Perpetuum mobile. Denn schon Fragen, Begriffe, Auswahl und Gewichtung setzen Perspektiven voraus. Nicht Perspektivlosigkeit ist deshalb das Ziel, sondern die Fähigkeit, eigene Voraussetzungen offenzulegen, andere Sichtweisen einzubeziehen und begründet zu urteilen.

6. September 2026: In Sachsen-Anhalt wurde gewählt

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist Anlass für eine fortlaufende Analyse, die über Wahlergebnisse und Parteien hinausfragt. Im Mittelpunkt stehen gesellschaftliche Erfahrungen, politische und mediale Deutungen sowie die Frage, ob sich in den Wahlergebnissen Risse einer bisherigen kulturellen Hegemonie zeigen – und welche neuen Erzählungen an ihre Stelle treten könnten.

Die Wahl ist vorbei – die Erklärungen waren schon vorher da

Noch bevor das Wahlergebnis vollständig verarbeitet ist, stehen die Erklärungen bereit. Politiker, Tagesschau und alternative Medien ordnen die Wahl jeweils in ihre eigenen Deutungsmuster ein. Der Kommentar fragt deshalb nicht zuerst, warum Menschen AfD gewählt haben, sondern nach dem Zusammenhang von gesellschaftlicher Erfahrung, politischer Deutung und Wahlentscheidung – und macht dabei auch das eigene Paradigma zum Gegenstand der Kritik.

Wenn die alte Erzählung nicht mehr trägt

Die Wahl in Sachsen-Anhalt wird als Moment einer Entwicklung betrachtet, die weit über das Land hinausweist. Wenn die bisher hegemoniale Erzählung von Wachstum, Wettbewerb, Eigenverantwortung und politischen Sachzwängen immer weniger mit gesellschaftlichen Erfahrungen übereinstimmt, entstehen Risse. Mit Negt und Freire fragt der Beitrag, warum davon gegenwärtig eher autoritäre Versprechen von Sicherheit und Ordnung profitieren als emanzipatorische Zukunftsentwürfe.

Wahlabend in Sachsen-Anhalt

Noch ist der Wahlabend nicht vorbei, das endgültige Ergebnis steht nicht fest. Trotzdem werden bereits Ursachen benannt, Wähler erklärt und politische Konsequenzen verkündet. Dieser Beitrag verweigert sich der vorschnellen Gewissheit. Er hält inne, formuliert Fragen und erste Hypothesen. Die eigentliche Analyse folgt, wenn es etwas zu analysieren gibt.

Der Sozialstaat – nichts davon ist selbstverständlich

Rente, Gesundheit, Arbeitslosigkeit, Pflege, Bildung oder soziale Sicherung betreffen den Alltag der Menschen von der Kindheit bis ins hohe Alter. Der Sozialstaat organisiert gesellschaftliche Antworten auf diese Lebensrisiken. Doch seine Leistungen sind weder selbstverständlich noch unveränderlich: Sie sind historisch erkämpft, politisch institutionalisiert und bis heute Gegenstand von Interessen- und Verteilungskonflikten. Seine Zukunft bleibt offen.

Gewinn, Kosten und Produktivität bei Volkswagen

Volkswagen steckt in der Krise – und erwirtschaftet zugleich Milliarden. Der Beitrag untersucht, was Gewinne, Renditen, Markenergebnisse, Arbeitskosten und Produktivitätszahlen tatsächlich aussagen. Er zeigt die Grenzen einfacher Standortvergleiche und fragt, wann aus einem wirtschaftlichen Befund ein scheinbarer Sachzwang wird: Wer entscheidet, welcher Gewinn ausreicht – und wofür er verwendet wird?

Die Zukunft vorhersagen ist einfach

Nur vier Tage nach der satirischen Zukunftsvision liegt der VW-Kompromiss erstaunlich nahe an deren Logik: Die Werke werden vorerst nicht geschlossen, doch ihre Zukunft bleibt offen; Stellenabbau und Renditeziele bleiben bestehen. Der „Machtkampf“ ist damit nicht beendet. Der Klassenkonflikt wird vertagt – und die entscheidende Frage bleibt: Wer verfügt über Volkswagen?

Die VW-Krise in aktuellen TV-Dokumentationen

Innerhalb weniger Wochen widmeten sich ARD und NDR 2024 in zwei längeren Dokumentationen der Krise bei Volkswagen. Sie erweitern die Nachrichtenberichterstattung um Menschen, Orte und soziale Erfahrungen. Doch verändert sich damit auch die Erklärung der Krise? Die Filme werden zu Zeitzeugnissen dafür, wie öffentlich-rechtliches Fernsehen die VW-Krise wahrnimmt, deutet und erzählbar macht.

Die 50.000 – eine Zahl mit politischer Wirkung

50.000 Stellen weniger – aber möglichst sozialverträglich. Was beruhigend klingt, hat „kleine“ Nebenwirkungen: Frühverrentung entlastet Unternehmen, während zugleich vor steigenden Rentenlasten gewarnt wird. Nichtbesetzung verhindert Kündigungen, verschließt aber Jüngeren den Zugang zu guter Industriearbeit. Und über bedrohten Werken bleibt das Damoklesschwert betriebsbedingter Kündigungen hängen.

Ein Ergebnis – zwei Erklärungen, Deutungen und Rahmungen. Und eine dritte

Wie Tagesschau/NDR und Telepolis das vorläufige Ergebnis bei Volkswagen erzählen – und warum auch dieser Vergleich eine Geschichte erzählt Detlef Endeward (09/2026)* Im Beitrag „Die Krise erzählen – wie Medien aus einem Interessen- und Verteilungskonflikt ein Sachproblem machen“ ging es...

Warum VW?

Warum VW? Volkswagen ist mehr als ein Automobilkonzern. An seiner Geschichte und Gegenwart lassen sich Eigentum und Verfügungsmacht, Staat und Mitbestimmung, Arbeit und Rendite, Globalisierung und Transformation untersuchen. Die Seite gibt keine fertigen Antworten. Sie öffnet Perspektiven – und stellt Fragen, aus denen neue Fragen entstehen.