Kategorie: Politische Kompetenz

6. September 2026: In Sachsen-Anhalt wurde gewählt

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist Anlass für eine fortlaufende Analyse, die über Wahlergebnisse und Parteien hinausfragt. Im Mittelpunkt stehen gesellschaftliche Erfahrungen, politische und mediale Deutungen sowie die Frage, ob sich in den Wahlergebnissen Risse einer bisherigen kulturellen Hegemonie zeigen – und welche neuen Erzählungen an ihre Stelle treten könnten.

Die Wahl ist vorbei – die Erklärungen waren schon vorher da

Noch bevor das Wahlergebnis vollständig verarbeitet ist, stehen die Erklärungen bereit. Politiker, Tagesschau und alternative Medien ordnen die Wahl jeweils in ihre eigenen Deutungsmuster ein. Der Kommentar fragt deshalb nicht zuerst, warum Menschen AfD gewählt haben, sondern nach dem Zusammenhang von gesellschaftlicher Erfahrung, politischer Deutung und Wahlentscheidung – und macht dabei auch das eigene Paradigma zum Gegenstand der Kritik.

Wenn die alte Erzählung nicht mehr trägt

Die Wahl in Sachsen-Anhalt wird als Moment einer Entwicklung betrachtet, die weit über das Land hinausweist. Wenn die bisher hegemoniale Erzählung von Wachstum, Wettbewerb, Eigenverantwortung und politischen Sachzwängen immer weniger mit gesellschaftlichen Erfahrungen übereinstimmt, entstehen Risse. Mit Negt und Freire fragt der Beitrag, warum davon gegenwärtig eher autoritäre Versprechen von Sicherheit und Ordnung profitieren als emanzipatorische Zukunftsentwürfe.

Wahlabend in Sachsen-Anhalt

Noch ist der Wahlabend nicht vorbei, das endgültige Ergebnis steht nicht fest. Trotzdem werden bereits Ursachen benannt, Wähler erklärt und politische Konsequenzen verkündet. Dieser Beitrag verweigert sich der vorschnellen Gewissheit. Er hält inne, formuliert Fragen und erste Hypothesen. Die eigentliche Analyse folgt, wenn es etwas zu analysieren gibt.

25 Jahre Bundesrepublik – 50 Jahre später wieder gelesen

1974 deutete Alexander von Brünneck 25 Jahre Bundesrepublik aus einer linkssozialistischen Perspektive. 50 Jahre später wird der Text selbst zur historischen Spur: Was und wie erzählt er Geschichte, wie rahmt Peter von Oertzen diese Deutung als Gegenstand kritischer Bildungsarbeit – und welche Fragen bleiben für Gesellschaftskompetenz heute aktuell?

Das Grundgesetz als politisches Handlungsfeld

Der Jungsozialisten-Text von 1976 erscheint fünfzig Jahre später als Dokument einer ausgeprägten politischen Bildungs- und Diskussionskultur. Seine Aktualität liegt weniger in den damaligen Antworten als in der Verbindung von Verfassung, gesellschaftlichen Machtverhältnissen und politischer Praxis. Neu gelesen eröffnet er damit bemerkenswerte Zugänge zur Gesellschaftskompetenz.

Wenn Krankheit und Pflege sich rechnen müssen

Die aktuellen Recherchen zu Reha und Pflege verweisen über einzelne Missstände hinaus auf ein strukturelles Problem: Wo Gesundheitsversorgung privatisiert und zum Anlagefeld für Kapital wird, gerät die Gesundheitslogik unter die Verwertungslogik. Gesellschaftskompetenz heißt, diese Zusammenhänge zu erkennen, Eigentums- und Machtfragen zu stellen – und sich im Konflikt zwischen Versorgung und Profit zu positionieren.

Historisch-politische Bildung wieder gelesen

Beiträge zur historisch-politischen Bildung aus den 1970er bis 1990er Jahren werden als Spuren ihrer Zeit wieder gelesen. Gefragt wird nach damaligen Deutungen, Konflikten und Bildungsansätzen – und danach, welche Bedeutung sie heute für historisch-politische Bildung und Gesellschaftskompetenz gewinnen können.

Politische Bildung zwischen kritischer Urteilsfähigkeit und gesellschaftlicher Bestandssicherung

Politische Bildung schützt Demokratie nicht dadurch, dass sie Menschen auf die bestehende Ordnung verpflichtet. Sie stärkt Demokratie, indem sie Menschen befähigt, gesellschaftliche Verhältnisse einschließlich ihrer Macht-, Herrschafts- und Eigentumsverhältnisse kritisch zu verstehen, begründet zu beurteilen und demokratisch handelnd zu verändern.

Demokratie: Gesellschaftsverhältnis – Lebensweise – Verhaltensweise

Demokratie als Verhaltensweise setzt bei Beziehungen, Konflikten und Entscheidungen an. Demokratie als Lebensform fragt nach den Bedingungen demokratischer Selbstbestimmung. Gesellschaftskompetenz verbindet beide Ebenen: Demokratie erfahren, Machtverhältnisse verstehen und gesellschaftliche Veränderung gemeinsam gestalten können.

Politische Kompetenz

Demokratiekompetenz beschreibt die Fähigkeit, sich innerhalb einer demokratischen Ordnung zu orientieren und zu handeln. Der „politische Mensch“ (O. Negt) fragt hingegen nach den gesellschaftlichen Voraussetzungen, unter denen Demokratie überhaupt möglich ist oder gefährdet wird. Deshalb gehören im Konzept der Gesellschaftskompetenzen die Analyse von Arbeit, Kapital, Eigentum, Staat, Öffentlichkeit, Medien und Macht nicht an den Rand der politischen Kompetenz, sondern in ihr Zentrum. Dadurch unterscheidet sich dieser Ansatz grundlegend von Kompetenzmodellen, die politische Bildung primär als Vermittlung demokratischer Werte, Einstellungen und Partizipationsfähigkeiten verstehen.

Demokratiebildung ≠ Staatsbürgerkunde

Demokratibildung, die die Analyse von Macht- und Herrschaftsverhältnissen sowie deren politisch-ökonomische Bedingungen ausblendet, reduziert sich auf eine normativ-moralisch aufgeladene Staatsbürgerkunde. Diese wird häufig als kritisch missverstanden, obwohl sie strukturelle Fragen systematisch vermeidet und damit die gesellschaftlichen Voraussetzungen demokratischer Teilhabe nicht adäquat thematisiert.