Das Verhältnis der Klassen zueinander
Die Regierung von Papen war zugleich ein Ausdruck der sich verändernden politischen Gewichte innerhalb der industriellen Klasse wie auch der Versuch, die schwerindustriell-
agrarische Krisenlösungsstrategie durchzusetzen ohne die anderen Industriebereiche zu schädigen – und dass ohne politische Massenbasis.(1) Die Regierung kam auf Grundlage
des Bündnisses von Schwerindustrie und Agrarwirtschaft bei gleichzeitiger politischer Handlungsunfähigkeit der Exportindustrie zustande.(2)
Mit einer Tolerierung ihrer Politik durch die SPD konnte die Regierung v. Papen nicht rechnen, was ihrer Handlungsfähigkeit Grenzen setzte. Eine gegen die organisierte Arbeiterklasse gerichtete Krisenlösungsstrategie ließ sich ohne Massenbasis nicht durchführen. (3) Durch die Einbindung der (selbständigen) Mittelkasse, bisher nur am Rande des „Bündnisverhandlung“ vertreten, sollte versucht werden, eine solche zu finden.
So fand im Lauf des Jahres 1932 bei bedeutenden Kreisen der Industrie eine stärkere Orientierung hin auf die NSDAP, in der mittständische Forderungen eine „politische Heimat“ gefunden hatten, statt. Die NSDAP bekam eine politische Funktion für die Krisenlösungsstrategien in Industrie, Agrarwirtschaft und (selbständigem) Mittelstand. Sie hatte sich ausgewiesen als eine Organisation, die Willens und in der Lage war, massiv und gewalttätig gegen die Arbeiterparteien und Gewerkschaften vorzugehen.
Detlef Endeward
Anmerkungen
- Vgl. D. Stegmann, a.a.O., S. 49f
- Vgl. zur Wirtschaftspolitik der Regierung von Papen: J. Flemming u.a.. (Hrsg.), a.a.O., Bd. 2, S. 330f
- Vor diesem Hintergrund schrumpfte die Differenz zwischen autoritärem und faschistischem Weg jedenfalls für die industriellen und vorindustriellen Eliten.“ A. Lüdtke: a.a.O.. S. 6
Der Charakter der Krise 1929 bis 1933: eine Systemkrise
- Merkmale der System- und Gesellschaftskrise
- Zum Verlauf der Wirtschaftskrise
- Modell zum wirtschaftlichen Krisenzyklus
- Bedingungen der Wirtschaftskrise in Deutschland
Zur wirtschaftlichen Interessenlage der verschiedenen Klassen
- Zur Interessenlage der (Groß-)Industrie
- Zur Interessenlage der (groß)agrarischen Produzenten
- Zur Interessenlage der Mittelklasse
- Zur Interessenlage der organiserten Arbeiterklasse
Politik und Ökonomie in der Endphase der Weimarer Republik
- Politik und Ökonomie in der Phase der Regierung Brüning
- Politik und Ökonomie in der Phase der Regierung v. Papen
- Wirtschaftspolitik der Regierung
- Das Verhältnis der Klassen zueinander