Zur Interessenlage der verschiedenen Klassen

Klassenbegriff

Als „Klassen“ werden hier also Personenvielheiten bezeichnet, die durch den Besitz bzw. Nicht-Besitz an (Verfügungsmacht bzw. Nicht-Verfügungsmacht über) Kapital und daraus folgende gemeinsame bzw. entgegengesetzte Interessen definiert sind, die sich der Tendenz nach aufgrund dieser Merkmale als zusammengehörig bzw. einander entgegengesetzt begreifen und die sich – wieder der Tendenz nach – auf dieser Grundlage zu gemeinsamen bzw. entgegengesetzten Aktionen zusammenschließen und organisieren.

Aus: Lern- und Arbeitsbuch deutsche Arbeiterbewegung, Bd. 1.- Texte und MAterialien, BONN 19882, S. 18

Auf der Grundlage der jeweils vorhandenen ökonomischen Lage der werschiedenen Klassen können die daraus resultierende Interessen analysiert werden. Gerade die Bedingungen für die Durchsetzung der spezifischen Interessen der sozialen Klassen machen erst eine Interpretation der Bedeutung der faschistischen Massenbewegung innerhalb der sozioökonomischen Strukturen möglich. Als allgemeines Strukturmerkmal ist zu konstatieren, dass „man den interessen-politischen Machtkampf auf die außerpar-lamentarische Ebene (verschob), wo nicht mehr die Zahl der Stimmen, sondern die Macht des Einflusses und der Querverbindungen maßgebend sein würder“. (1)

Dadurch wurde den Arbeiterorganisationen ein erheblicher Teil ihrer politischen Stärke genommen und befanden sich die politischen Spitzenverbände von Industrie, Landwirtschaft
und Mittelklasse in einer für den Verlauf der Entwicklung bedeutsamen Position. In ihnen und zwischen ihnen verliefen die entscheidenen Konflikte um die Durchsetzung bestimmter Positionen und deren Umsetzung in staatliche Politik. (2) In der zunehmenden Wendung gegen
die Arbeiterorganisationen ging es schließlich um „mehr als eine Überbrückung der wirtschaftlichen Notlage; es bedeutete die Erweiterung des prinzipiellen Interessenkampfes um die Erhaltung des kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems zu einem Angriff auf
das demokratische ‚System‘ der Weimarer Republik.“ (3)

Und damit bekam die NSDAP in diesen Auseinandersetzungen eine gewichtige Bedeutung.


  1. K. D. Bracher; a.a.O., S. 271
  2. Es entwickelten sich z.T. enge Kooperationen zwischen der Ministerialbürokratie und den Interessenverbänden. Die Machtkärnpfe drückten sich auch in der Kumulierung von Ämtern und Posten in den Verbänden und den Behörden. Vgl. zur Rolle der Verbände in der Weimarer
    Republik: H. Mommsen u.a. (Hrsg.): Industrielles System, Bd 2, S. 611ff und J. Flemming u.a. (Hrsg.), Die Republik von Weimar, Bd. 1, S. 179ff und Bd. 2, S. 283ff und S. 349ff
  3. K.D. Bracher, a.a.O., S: 271
Materialien zum Verhältnis von Politik und Ökonomie am Ende der Weimarer Republik

Der Charakter der Krise 1929 bis 1933: eine Systemkrise

Zur wirtschaftlichen Interessenlage der verschiedenen Klassen

Politik und Ökonomie in der Endphase der Weimarer Republik

Der Charakter der faschistischen Krisenlösung

 

Das könnte dich auch interessieren …