Kriegstüchtigkeit und Aufrüstung

Sicherheit, Frieden und gesellschaftliche Interessen – politische Entscheidungen und ihre Folgen

Redaktion Lernwerkstatt (10/2026)

„Kriegstüchtigkeit“, „Zeitenwende“ und „Verteidigungsfähigkeit“ sind zu zentralen Begriffen der deutschen Sicherheitspolitik geworden. Angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und veränderter internationaler Machtverhältnisse werden höhere Rüstungsausgaben, der Ausbau militärischer Fähigkeiten und die Umstellung industrieller Produktionskapazitäten als notwendige Antworten auf neue Bedrohungen begründet.

Doch damit sind die politischen und gesellschaftlichen Fragen keineswegs beantwortet.

Wer entscheidet, welche Bedrohungen mit welchen Mitteln beantwortet werden? Wer profitiert von steigenden Rüstungsausgaben, wer trägt die Kosten? Welche Interessen verbinden Staat, Militär, Rüstungsunternehmen und Finanzkapital? Was bedeutet die Ausweitung militärischer Produktion für zivile Industrie, Beschäftigte, öffentliche Haushalte und gesellschaftliche Prioritäten? Und welche Vorstellungen von Sicherheit und Frieden setzen sich in der politischen und medialen Öffentlichkeit durch?

Die Beiträge in diesem Arbeitsbereich untersuchen die gegenwärtige Aufrüstung deshalb nicht allein als militärische oder außenpolitische Entwicklung. Sie fragen nach ihren politisch-ökonomischen Voraussetzungen, gesellschaftlichen Folgen, historischen Kontinuitäten und Brüchen sowie nach den Deutungsmustern, mit denen politische Entscheidungen begründet und legitimiert werden.

Dabei geht es auch um die Geschichte: um Militarismus und Rüstungswirtschaft, um das Verhältnis von Krieg und Kapitalismus, um Erfahrungen mit industrieller Kriegsproduktion und um die unterschiedlichen Antworten, die Gesellschaften auf Krieg und Kriegsgefahr gefunden haben.

Kriegstüchtigkeit ist eine politische Zielsetzung. Frieden ist keine zwangsläufige Folge militärischer Stärke. Ob Abschreckung Sicherheit schafft, welche Rolle Diplomatie und Rüstungskontrolle spielen können und welche gesellschaftlichen Alternativen bestehen, sind Fragen, die untersucht und öffentlich diskutiert werden müssen.

Die Beiträge sollen dafür Informationen, historische Bezüge und unterschiedliche Perspektiven erschließen – und dazu anregen, die gegenwärtige Entwicklung nicht nur innerhalb der vorgegebenen sicherheitspolitischen Deutungsrahmen zu betrachten, sondern auch diese Rahmen selbst zu hinterfragen.

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