Der Rat der Götter – wer macht Geschichte?

Lernweg „Der Rat der Götter“ (1950)

Historische Wirklichkeit, filmische Konstruktion und gesellschaftliche Bedingungen

Der Lernweg zu Der Rat der Götter folgt dem Analysemodell der Lernwerkstatt Filmrealität – Bezugsrealität – Bedingungsrealität – Wirkungsrealität. Diese vier Bereiche werden jedoch nicht als voneinander getrennte Kategorien abgearbeitet. Sie strukturieren einen Lernprozess, in dem sich die Fragen an den Film schrittweise verändern.

Ausgangspunkt ist deshalb nicht die historische Information über IG Farben und auch nicht die Einordnung des Films als DEFA-Produktion der frühen DDR. Ausgangspunkt ist der Film selbst als historisches Deutungsangebot. Die Schülerinnen und Schüler sollen zunächst herausfinden, welche Geschichte ihnen der Film erzählt, bevor sie untersuchen, warum er sie möglicherweise gerade so erzählt.


Warum nicht mit dem historischen Hintergrund beginnen?

Bei Der Rat der Götter liegt es nahe, den Film zunächst über IG Farben, Nationalsozialismus, Nürnberger Prozesse, DEFA und DDR einzuordnen. Ein solches Vorgehen liefert den Schülerinnen und Schülern jedoch bereits wesentliche Kategorien für ihre Interpretation.

Besonders die frühe Kennzeichnung als „DDR-Film“ oder „antifaschistischer DEFA-Film“ kann dazu führen, dass die Analyse schnell bei einer vermeintlich fertigen Erklärung endet:

Der Film erzählt die Geschichte so, weil er in der DDR entstanden ist.

Damit würde gerade das übersprungen, was untersucht werden soll. Der Lernweg kehrt die Reihenfolge deshalb um:

Film beobachten  →  filmische Erklärung rekonstruieren  →  historische Aussagen überprüfen  →  nach den Produktionsbedingungen fragen  →  unterschiedliche Wahrnehmungen untersuchen

Die Bedingungsrealität dient damit nicht als vorangestellte Erklärung des Films. Sie wird selbst zum Gegenstand der Untersuchung.


Die Bewegung des Lernwegs

1. Was erzählt der Film?

Der erste Zugang gilt ausschließlich der Filmrealität. Die Schülerinnen und Schüler beobachten Personen, Entscheidungen, Räume und Machtverhältnisse und entwickeln daraus eine erste Hypothese: Wie erklärt dieser Film Faschismus und Krieg?

Historisches Zusatzwissen soll in dieser Phase möglichst nicht vorgegeben werden. Die ersten Antworten müssen nicht „richtig“ sein. Sie bilden Hypothesen, auf die im Verlauf des Lernwegs immer wieder zurückgegriffen wird.

2. Wer hat Macht?

Im zweiten Schritt wird die Filmrealität genauer untersucht. Im Mittelpunkt stehen Konzernleitung, politische Macht, militärische Interessen, Beschäftigte und Opfer. Dabei geht es nicht nur darum festzustellen, wer Macht besitzt, sondern darum, wie der Film Machtbeziehungen sichtbar macht.

Räume, Kleidung, Kamera, Dialoge und Entscheidungsprozesse werden deshalb ebenso wichtig wie die Handlung. Hinter einzelnen Figuren werden zunehmend gesellschaftliche Beziehungen erkennbar.

3. Wissen – Mitmachen – Verantwortung

Mit Dr. Scholz verschiebt sich die Perspektive auf das Verhältnis von individuellem Handeln und gesellschaftlichen Strukturen.

Was weiß Scholz? Was könnte er wissen? Warum fragt er nicht? Welche beruflichen und persönlichen Interessen beeinflussen sein Verhalten? Welche Handlungsmöglichkeiten besitzt er?

Die einfache Frage nach persönlicher Schuld wird damit erweitert: Wie entsteht Verantwortung innerhalb gesellschaftlicher Strukturen, in denen Menschen nicht alles entscheiden, aber dennoch handeln?

4. Dokument oder Inszenierung?

Nun rückt die filmische Konstruktion selbst in den Mittelpunkt. Historisches Bildmaterial und inszenierte Spielfilmbilder werden miteinander verglichen. Untersucht werden Montage, Auswahl und die dadurch erzeugten Eindrücke von Authentizität.

Damit wird eine grundlegende Unterscheidung vorbereitet: Filmrealität ist nicht historische Wirklichkeit. Der Film bildet Vergangenheit nicht einfach ab. Er wählt aus, ordnet, verbindet, verdichtet und interpretiert.

5. Filmgeschichte und Geschichte vergleichen

Erst jetzt wird die Bezugsrealität systematisch untersucht. Die Schülerinnen und Schüler überprüfen die Aussagen des Films anhand historischer Materialien.

Der Vergleich sollte ausdrücklich nicht auf die Alternative „richtig oder falsch“ reduziert werden. Produktiver sind die Fragen: Was übernimmt der Film? Was wählt er aus? Was verdichtet er? Was verändert er? Was lässt er weg?

Die entscheidende Frage lautet: Welche historische Erklärung entsteht durch diese Auswahl?

STOPP – Was wissen wir eigentlich über den Film?

An dieser Stelle wird der Lernweg bewusst unterbrochen. Die Schülerinnen und Schüler haben inzwischen einiges über die erzählte Geschichte und ihre historische Bezugsrealität herausgefunden. Die Entstehung des Films selbst ist dagegen bisher weitgehend ausgeblendet worden.

Warum interessiert sich dieser Film so stark für wirtschaftliche Macht, Konzerninteressen, Aufrüstung, Krieg und Nachkriegsordnung? Warum wird gerade diese Geschichte erzählt – und wann eigentlich?

Bevor recherchiert wird, entwickeln die Schülerinnen und Schüler Vermutungen. Der STOPP markiert damit den Übergang von der Frage „Was erzählt uns der Film über die Vergangenheit?“ zur Frage „Was erzählt uns diese Darstellung der Vergangenheit über die Zeit, in der der Film entstanden ist?“

6. Warum wird diese Geschichte 1950 so erzählt?

Jetzt wird die Bedingungsrealität geöffnet: Gründung von Bundesrepublik und DDR, Ost-West-Konflikt, unterschiedliche Vorstellungen wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Neuordnung, Umgang mit dem Nationalsozialismus und Bedingungen der Filmproduktion.

Entscheidend ist anschließend die Rückkehr zu bereits untersuchten Filmszenen: Was sehen wir jetzt anders?

7. Ein Film – verschiedene Zuschauer

Mit der Wirkungsrealität kommt eine weitere Zeitebene hinzu. Zeitgenössische Wahrnehmungen können mit späteren Bewertungen und der heutigen Wahrnehmung verglichen werden.

Dabei geht es nicht darum zu entscheiden, welche Rezeption „richtig“ ist, sondern zu untersuchen, unter welchen Bedingungen Filme wahrgenommen und gedeutet werden. Auch Wirkung besitzt Geschichte.

8. Wer macht Geschichte?

Am Ende werden Filmrealität, Bezugsrealität, Bedingungsrealität und Wirkungsrealität wieder zusammengeführt. Die Schülerinnen und Schüler kehren zu ihrer ersten Hypothese zurück.

Was macht der Film sichtbar? Was verdichtet oder vereinfacht er? Was lässt er unsichtbar? Welche Bedeutung erhalten Unternehmen, politische Herrschaft, Wissenschaftler, Beschäftigte und individuelle Entscheidungen?

Damit kehrt der Lernweg zu seiner Ausgangsfrage zurück: Wer macht Geschichte?


Organisation des Lernwegs

Film: Der Rat der Götter (Kurt Maetzig, DEFA 1950)

Themen: Nationalsozialismus und Wirtschaft · IG Farben · Krieg und Aufrüstung · Zwangsarbeit und NS-Verbrechen · Verantwortung · Nachkriegsgesellschaft · Umgang mit der NS-Vergangenheit · Film und Geschichtsbilder

Analysemodell: Filmrealität – Bezugsrealität – Bedingungsrealität – Wirkungsrealität

Leitfrage:
Wer trägt Verantwortung für Faschismus und Krieg – und wie macht ein Film daraus eine Geschichte?


Zielgruppe: Sekundarstufe II; mit stärkerer Auswahl, Vorauswahl der Materialien und gemeinsamer Auswertung auch für die oberen Jahrgänge der Sekundarstufe I geeignet.

Zeitbedarf: Für den vollständigen Lernweg sind 8–12 Unterrichtsstunden realistisch. Der tatsächliche Umfang hängt vor allem davon ab, wie ausführlich Filmszenen analysiert werden und ob die historische Recherche selbstständig oder mit einer Vorauswahl von Materialien erfolgt.

Arbeitsformen: Einzel- und Partnerarbeit bei Filmbeobachtung und Hypothesenbildung; Gruppenarbeit bei Filmanalyse und historischer Recherche; Plenum zur Sicherung von Zwischenergebnissen und insbesondere beim Perspektivwechsel des STOPP-Tabs.


Materialien und Recherche

Der Lernweg gibt bewusst keine verbindliche Zusammenstellung einzelner Materialien vor. Die Arbeitsblätter formulieren Fragen, Untersuchungsbereiche und Rechercheaufträge. Wie die dafür notwendigen Informationen erschlossen werden, kann der Lerngruppe, den vorhandenen Recherchekompetenzen und dem verfügbaren Zeitbudget angepasst werden.

Bei ausreichender Zeit können Schülerinnen und Schüler selbstständig recherchieren, Materialien auswählen, deren Aussagekraft prüfen und unterschiedliche Darstellungen miteinander vergleichen. Damit wird auch die Auswahl von Quellen und Darstellungen Bestandteil des Lernprozesses.

Bei geringerem Zeitbudget oder wenn stärker angeleitet gearbeitet werden soll, kann die Lehrkraft Materialien vorauswählen. Die Lernwerkstatt stellt dafür insbesondere folgende Arbeitsbereiche zur Verfügung:

Film und Filmanalyse
Der Rat der Götter (1950) – Filminformationen und Materialien
Ausgangspunkt für die Arbeit am Film: Filminformationen, Sequenzen, Analyseangebote, dokumentarische und inszenierte Elemente, Produktionszusammenhänge und Rezeption.

Historische Bezugsrealität: IG Farben
Informationen und Materialien zur Geschichte der IG Farben
Der zentrale Recherchebereich für die Geschichte des Konzerns, sein Verhältnis zum Nationalsozialismus, Kriegsvorbereitung und Krieg, Zwangsarbeit und NS-Verbrechen sowie Prozesse und Kontinuitäten nach 1945.

Film- und Produktionsgeschichte
Film im Nachkriegsdeutschland 1945–1950
Materialien zur Filmproduktion und Filmkultur im politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Umbruch der unmittelbaren Nachkriegszeit. Der Bereich ist besonders für die Untersuchung der Bedingungsrealität bedeutsam.

Historischer Kontext nach 1945
Deutschland nach 1945
Materialien zu Entnazifizierung, NS-Kontinuitäten, Tätern und Mitläufern, politischer und ökonomischer Neuordnung sowie zur Entstehung von Bundesrepublik und DDR.

Materialpool, nicht vorgeschriebener Lernpfad:
Die Lehrkraft kann aus diesen Bereichen einzelne Materialien auswählen; Schülerinnen und Schüler können innerhalb der Lernwerkstatt selbst recherchieren oder ihre Recherche über die Lernwerkstatt hinaus erweitern. Die Arbeitsblätter bleiben deshalb bewusst offen für unterschiedliche Materialentscheidungen.

Wichtig für die Dramaturgie

Informationen zur DEFA, zur DDR und zu den konkreten Produktionsbedingungen sollten nicht bereits am Anfang als fertige Erklärung des Films vorgegeben werden. Die Schülerinnen und Schüler rekonstruieren zunächst das Deutungsangebot des Films und überprüfen es an der historischen Bezugsrealität.

Erst der STOPP öffnet systematisch die Frage nach der Entstehungszeit. Die Bedingungsrealität wird damit nicht zur vorgegebenen Erklärung, sondern selbst zum Gegenstand der Untersuchung.

Bei geringerem Zeitbudget

Die Arbeitsblätter 2 und 3 können arbeitsteilig bearbeitet werden. Arbeitsblatt 4 kann auf eine exemplarische Montage beschränkt werden. Für Arbeitsblatt 5 können Gruppen unterschiedliche Bereiche der IG-Farben-Geschichte untersuchen und ihre Ergebnisse anschließend zusammenführen.

Nicht entfallen sollte der STOPP zwischen Bezugs- und Bedingungsrealität, weil hier der entscheidende Perspektivwechsel des Lernwegs erfolgt.

Minimaler Lernweg:
Arbeitsblatt 1 → exemplarische Filmanalyse aus 2/3/4 → Arbeitsblatt 5 → STOPP → Arbeitsblatt 6 → Arbeitsblatt 8.

Damit bleibt die grundlegende Bewegung Filmrealität → Bezugsrealität → Bedingungsrealität → Rückkehr zum Film erhalten.

Ergebnissicherung

Die Arbeitsblätter können direkt im Browser ausgefüllt und jeweils einzeln ausgedruckt bzw. als PDF gesichert werden. Der abschließende Tab greift ausdrücklich auf die erste Hypothese zurück. Das Ergebnis von Arbeitsblatt 1 sollte deshalb bis zum Ende des Lernwegs aufbewahrt werden.


Didaktischer Ertrag

Ziel ist nicht die Übernahme einer vorgegebenen Interpretation. Die Schülerinnen und Schüler sollen zunehmend genauer unterscheiden können zwischen historischem Geschehen, seiner filmischen Konstruktion, den gesellschaftlichen Bedingungen dieser Konstruktion und ihrer jeweils zeitgebundenen Wahrnehmung.

Das Analysemodell wird dabei nicht als Schema verwendet, in das Ergebnisse einsortiert werden. Es strukturiert eine Lernbewegung:

FILMREALITÄT
Was sehen wir – welche Geschichte wird uns angeboten?
↓
BEZUGSREALITÄT
Auf welche historische Wirklichkeit bezieht sich diese Geschichte?
↓
STOPP
Warum wird gerade diese Geschichte erzählt?
↓
BEDINGUNGSREALITÄT
Unter welchen Bedingungen entsteht diese Darstellung?
↓
WIRKUNGSREALITÄT
Wie wird der Film unter anderen Bedingungen wahrgenommen?
↓
RÜCKKEHR ZUR FILMREALITÄT
Was sehen und verstehen wir jetzt anders?

Der Film steht damit am Anfang und am Ende der Untersuchung. Ein produktives Ergebnis des Lernwegs besteht deshalb nicht darin, dass am Ende alle Fragen beantwortet sind. Schülerinnen und Schüler sollten vielmehr in der Lage sein, genauere und weiterführende Fragen an Film, Geschichte und gesellschaftliche Wirklichkeit zu stellen als zu Beginn.

Arbeitsblatt 1: Was erzählt der Film?
Erste Begegnung mit Der Rat der Götter
FILMREALITÄT BEZUGSREALITÄT BEDINGUNGSREALITÄT WIRKUNGSREALITÄT
Wer trägt Verantwortung für Faschismus und Krieg – und wie macht der Film daraus eine Geschichte?
Zunächst nur beobachten!
Recherchiert noch nichts über IG Farben, DEFA oder die Entstehungszeit des Films. Ausgangspunkt ist allein das, was ihr im Film sehen und hören könnt.

1Beobachten

Frage an den Film Unsere Beobachtung
Wer handelt?
Wer entscheidet?
Wer besitzt Macht?
Wer trägt die Folgen?
Welche Bilder, Räume oder Einstellungen fallen besonders auf?

2Zusammenhänge entdecken

Welche Beziehungen stellt der Film zwischen wirtschaftlicher Macht, politischer Macht und Krieg her?

3Eine erste Hypothese formulieren

Der Film erklärt Faschismus und Krieg vor allem durch …

Was wir jetzt wissen – und welche Fragen offenbleiben

Was glauben wir nach der ersten Filmbegegnung bereits verstanden zu haben?

Was müssten wir überprüfen, bevor wir unserer Erklärung vertrauen können?

Arbeitsblatt 2: Wer hat Macht?
Personen, Räume, Interessen und Entscheidungen untersuchen
FILMREALITÄT BEZUGSREALITÄT BEDINGUNGSREALITÄT WIRKUNGSREALITÄT

1Die Mächtigen beobachten

Untersucht eine Szene, in der Vertreter des Konzerns beraten oder Entscheidungen treffen.

Beobachtungsbereich Was fällt euch auf?
Raum und Ausstattung
Kleidung und Auftreten
Kamera und Bildaufbau
Sprache und Dialog
Wer spricht – wer schweigt?
Wer entscheidet?

2Interessen erkennen

Was wollen die Beteiligten erreichen?

Wer profitiert von den Entscheidungen – und wer trägt ihre Folgen?

3Ein Machtbild entwickeln

Entwickelt aus euren Beobachtungen ein Beziehungsbild. Beschriftet die Pfeile: Wer beeinflusst wen? Wer benötigt wen? Wer gewinnt – und wer trägt die Folgen?

KONZERN ⇄ POLITIK ⇄ MILITÄR
↓
BESCHÄFTIGTE – BEVÖLKERUNG – OPFER

Zwischenergebnis

Wie erklärt der Film gesellschaftliche Macht?

Neue Frage:
Ist dieses Machtmodell bereits historische Wirklichkeit – oder zunächst die Wirklichkeit, die der Film konstruiert?

Arbeitsblatt 3: Wissen – Mitmachen – Verantwortung
Dr. Scholz und die Frage nach individuellem Handeln
FILMREALITÄT BEZUGSREALITÄT BEDINGUNGSREALITÄT WIRKUNGSREALITÄT

1Scholz beobachten

Frage Filmszene / Beobachtung
Was weiß Scholz?
Was weiß er nicht?
Was könnte er wissen?
Wann könnte er nachfragen?
Wann beginnt er zu zweifeln?
Wann verändert sich sein Verhalten?

2Warum macht jemand mit?

Welche Aussagen helfen, das Verhalten von Scholz zu erklären? Mehrere Antworten können zutreffen.

Begründet eure Auswahl mit Beobachtungen aus dem Film.

3Individuum und Struktur

Welche Möglichkeiten hat Scholz, anders zu handeln?

Welche gesellschaftlichen, beruflichen oder persönlichen Bedingungen begrenzen seine Handlungsmöglichkeiten?

Mehr als eine Schuldfrage

Die Frage „Ist Scholz schuldig?“ reicht für eine historische Analyse nicht aus.

Formuliert drei genauere Fragen über das Verhältnis von Wissen – Interessen – Handeln – Verantwortung – gesellschaftlichen Strukturen.

Arbeitsblatt 4: Dokument oder Inszenierung?
Wie der Film historische Wirklichkeit konstruiert
FILMREALITÄT BEZUGSREALITÄT BEDINGUNGSREALITÄT WIRKUNGSREALITÄT

1Bilder unterscheiden

Untersucht ausgewählte Filmstellen. Versucht zunächst festzustellen, welche Bilder historisches Filmmaterial und welche inszenierte Aufnahmen sind.

Filmstelle Historisches Material? Inszenierte Aufnahme? Woran erkennen wir das?
1
2
3

2Montage untersuchen

Was geschieht, wenn historische Aufnahmen und inszenierte Spielfilmbilder unmittelbar miteinander verbunden werden?

Welcher Eindruck von Wirklichkeit und Glaubwürdigkeit entsteht dadurch?

3Nach der Funktion fragen

Warum könnte der Film dokumentarisches Material verwenden?

Welche Wirkung hätte dieselbe Filmhandlung ohne diese historischen Bilder?

Filmrealität ist Konstruktion

Vervollständigt:

Der Film bildet historische Wirklichkeit nicht einfach ab. Er …

Arbeitsblatt 5: Filmgeschichte und Geschichte vergleichen
Jetzt überprüfen wir die historische Bezugsrealität.
FILMREALITÄT BEZUGSREALITÄT BEDINGUNGSREALITÄT WIRKUNGSREALITÄT
Was geschah tatsächlich – und was macht der Film daraus?
Materialien der Lernwerkstatt:
Der Rat der Götter
Deutschland nach 1945

1Rechercheauftrag wählen

Bearbeitet einen der folgenden Zusammenhänge:

2Film und historische Materialien vergleichen

Was behauptet oder zeigt der Film? Was zeigen die historischen Materialien? Unser Ergebnis

3Genauer als „richtig oder falsch“

Ordnet eure Ergebnisse danach, was der Film mit historischer Wirklichkeit macht.

Der Film … Unser Beispiel
übernimmt historische Vorgänge
wählt aus
verdichtet
verändert
lässt etwas weg

Zwischenergebnis

Filmrealität ist nicht Bezugsrealität.

Warum bedeutet das nicht automatisch: „Der Film ist historisch falsch“?

Welche historische Erklärung wird durch Auswahl, Verdichtung und Veränderung erzeugt?

STOPP: Was wissen wir eigentlich über den Film?
Bevor wir weiterarbeiten, wechseln wir die Perspektive.
FILMREALITÄT BEZUGSREALITÄT BEDINGUNGSREALITÄT WIRKUNGSREALITÄT
Wir haben untersucht, welche Geschichte der Film erzählt und auf welche historische Wirklichkeit er sich bezieht. Aber eine wichtige Frage haben wir bisher bewusst zurückgestellt: Warum wird gerade diese Geschichte gerade zu diesem Zeitpunkt erzählt?
Noch nicht recherchieren!
Versucht zunächst, allein aus euren bisherigen Ergebnissen Vermutungen zu entwickeln. Es geht nicht darum, die „richtige“ Antwort zu kennen, sondern neue Fragen an den Film zu stellen.

1Was wissen wir bisher?

Notiert in wenigen Stichpunkten, was ihr über den Film bisher herausgefunden habt.

Unsere bisherigen Ergebnisse Was daran erscheint uns besonders wichtig?
Der Film zeigt wirtschaftliche Macht und Konzerninteressen.
Der Film stellt Beziehungen zwischen Wirtschaft, Politik und Krieg her.
Der Film erzählt von individuellem Handeln und Verantwortung.
Der Film verwendet historische Bilder und inszenierte Bilder.
Filmrealität und historische Bezugsrealität sind nicht identisch.

2Was wissen wir noch nicht?

Bis jetzt haben wir eine Reihe von Fragen bewusst nicht gestellt.

Welche weiteren Fragen fallen euch ein?

3Vermutungen entwickeln

Der Film beschäftigt sich auffällig stark mit Konzernen, wirtschaftlicher Macht, Aufrüstung, Krieg, Verantwortung und der Nachkriegsordnung.

Warum könnten diese Themen für die Menschen zur Entstehungszeit des Films besonders wichtig gewesen sein?

Welche Konflikte oder gesellschaftlichen Auseinandersetzungen könnten hinter dieser Filmerzählung stehen?

4Eine Hypothese formulieren

Vervollständigt zunächst ohne weitere Recherche:

Vielleicht erzählt Der Rat der Götter die Geschichte von IG Farben auf diese Weise, weil zur Zeit seiner Entstehung …

Perspektivwechsel

Bis hierher haben wir vor allem gefragt:

Was erzählt der Film über die Vergangenheit – und wie verhält sich diese Erzählung zur historischen Wirklichkeit?

Jetzt verändert sich die Frage:

Was erzählt uns der Film durch seine Darstellung der Vergangenheit zugleich über die Zeit, in der er selbst entstanden ist?

Dafür müssen wir etwas untersuchen, das bisher bewusst im Hintergrund geblieben ist:

FILMREALITÄT + BEZUGSREALITÄT
↓
WER PRODUZIERT DIESEN FILM – WANN, WO UND UNTER WELCHEN BEDINGUNGEN?
↓
BEDINGUNGSREALITÄT

Unsere wichtigste Frage für den nächsten Arbeitsschritt:

Arbeitsblatt 6: Warum wird diese Geschichte 1950 so erzählt?
Die Bedingungen der Filmproduktion untersuchen
FILMREALITÄT BEZUGSREALITÄT BEDINGUNGSREALITÄT WIRKUNGSREALITÄT
Ein Film erzählt von einer vergangenen Zeit – wird aber in einer anderen Zeit hergestellt. Was bedeutet das für Der Rat der Götter?

1Deutschland 1949/50 untersuchen

Bereich Welche Bedingungen und Veränderungen finden wir?
Gründung von Bundesrepublik und DDR
Ost-West-Konflikt
Wirtschaftliche Neuordnung
Umgang mit dem Nationalsozialismus
DEFA und Filmproduktion

2Zurück zum Film

Wählt eine Szene aus, die ihr bereits untersucht habt.

Welche Bedeutung dieser Szene erkennen wir jetzt deutlicher?

Welche Verbindung besteht zwischen der dargestellten Vergangenheit und den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um 1950?

3Auswahl erklären

Warum könnten gerade wirtschaftliche Macht, Konzerninteressen, Krieg und die Nachkriegsordnung für einen Film des Jahres 1950 wichtige Themen sein?

Ein Film spricht über mehrere Zeiten

Der Film erzählt von 1933–1948 – und entsteht 1949/50.

Zeigt an einem Beispiel, wie beide Zeitebenen im Film zusammenkommen.

Arbeitsblatt 7: Ein Film – verschiedene Zuschauer
Wirkung und Wahrnehmung haben eine Geschichte.
FILMREALITÄT BEZUGSREALITÄT BEDINGUNGSREALITÄT WIRKUNGSREALITÄT
Warum kann derselbe Film zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich wahrgenommen werden?

1Reaktionen vergleichen

Frage DDR um 1950 Bundesrepublik / 1950er Spätere Betrachtung
Was wird hervorgehoben?
Was wird kritisiert?
Welche Aussagen des Films werden besonders beachtet?
Welches Geschichtsbild wird erkennbar?

2Und wir heute?

Was fällt uns am Film heute besonders auf?

Was wissen wir heute, was Zuschauerinnen und Zuschauer 1950 noch nicht wissen konnten?

Welche Erfahrungen und gesellschaftlichen Debatten unserer eigenen Gegenwart beeinflussen wiederum unsere Wahrnehmung?

Wirkungsrealität

Erklärt anhand eines Beispiels:

Warum besitzt eine Filmszene nicht zu jeder Zeit dieselbe Bedeutung?

Arbeitsblatt 8: Wer macht Geschichte?
Ertrag des Lernwegs
FILMREALITÄT BEZUGSREALITÄT BEDINGUNGSREALITÄT WIRKUNGSREALITÄT
Auf welche Wirklichkeiten gibt uns Der Rat der Götter Auskunft?

1Vier Analyseperspektiven zusammenführen

Analyseperspektive Unser Ergebnis
Filmrealität
Welche Geschichte konstruiert der Film?
Bezugsrealität
Auf welche historischen Verhältnisse und Ereignisse bezieht er sich?
Bedingungsrealität
Unter welchen gesellschaftlichen und filmischen Bedingungen entsteht er?
Wirkungsrealität
Wie wurde und wird er unter unterschiedlichen Bedingungen wahrgenommen?

2Zurück zum Anfang

Übertragt eure erste Hypothese aus Arbeitsblatt 1:

Wie beantworten wir die Frage heute?

Was hat sich an unserer Erklärung verändert – und wodurch?

3Sichtbar – vereinfacht – unsichtbar

Der Film macht sichtbar … Der Film vereinfacht oder verdichtet … Der Film lässt offen oder unsichtbar …

4Wer macht Geschichte?

Welche Bedeutung haben in der Erklärung des Films …

Akteure / Strukturen Welche Bedeutung weist ihnen der Film zu?
Unternehmen und Eigentümer
Politische Herrschaft
Wissenschaftler und Fachleute
Beschäftigte
Einzelne Menschen und ihre Entscheidungen

Ertrag des Lernwegs

Vervollständigt:

Der Rat der Götter ist für historische Bildung interessant, nicht weil der Film einfach zeigt, „wie es gewesen ist“, sondern weil …

Und welche Fragen bleiben?

Eine historische Untersuchung muss nicht mit einer endgültigen Antwort enden. Sie kann neue Fragen hervorbringen.

Unsere drei wichtigsten neuen Fragen:

1.

2.

3.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …