Das Brot und der Himmel – Wege aus der Nachkriegskrise

Hinweise für Lehrkräfte

UND ÜBER UNS DER HIMMEL (Josef von Báky, 1947) und UNSER TÄGLICH BROT (Slatan Dudow, 1949) erzählen von einer Gesellschaft, die aus Krieg, Zerstörung, Hunger und dem Zusammenbruch vertrauter Ordnungen heraus einen neuen Anfang sucht. Beide Filme greifen ähnliche Erfahrungen auf: Heimkehr, Wohnungsnot, Schwarzmarkt, Familienkonflikte, die Suche nach Arbeit und die Frage, wie es weitergehen soll.

Gerade deshalb eignet sich der Vergleich. Die Filme beziehen sich auf eine in wesentlichen Teilen gemeinsame historische Wirklichkeit – aber sie machen daraus unterschiedliche Geschichten.

Der Lernweg fragt deshalb nicht zunächst:

Welcher Film zeigt die Nachkriegswirklichkeit richtig?

Sondern:

Wie werden aus vergleichbaren historischen Erfahrungen unterschiedliche filmische Vorstellungen von Gesellschaft, Arbeit und Zukunft?


Nicht mit „Ostfilm gegen Westfilm“ beginnen

Die politische Entwicklung nach 1945 legt eine einfache Gegenüberstellung nahe: hier der westdeutsche Film, dort der ostdeutsche Film; hier Individualismus, dort Kollektivismus; hier Unterhaltung, dort politisches Lehrstück.

Eine solche Einordnung kann am Ende der Untersuchung diskutiert werden. Am Anfang würde sie jedoch den Blick verengen.

Die Schülerinnen und Schüler sollen zunächst beobachten, welche Menschen, Konflikte, Räume und Handlungsmöglichkeiten die Filme zeigen. Erst aus diesen Beobachtungen werden Vergleichskategorien entwickelt. Produktionsbedingungen, politische Kontexte und spätere Interpretationen werden schrittweise hinzugezogen.

Damit folgt der Lernweg derselben Grundentscheidung wie der Lernweg zu den Dokumentarfilmsequenzen in DER RAT DER GÖTTER: Die Interpretation wird nicht vor die Analyse gestellt, sondern soll aus ihr hervorgehen und anschließend überprüft werden. Dort wird dieser Erkenntnisweg als Wahrnehmen, Zerlegen, Vergleichen, Zusammenhänge erkennen, Hypothesen bilden und Hypothesen überprüfen operationalisiert.

WAHRNEHMEN → BESCHREIBEN → VERGLEICHEN → HISTORISCH KONTEXTUALISIEREN → ZUSAMMENHÄNGE ERKENNEN → HYPOTHESEN BILDEN → HYPOTHESEN ÜBERPRÜFEN → URTEILEN


Vom ersten Eindruck zur vergleichenden Analyse

Der Lernweg beginnt deshalb bewusst mit der Frage: Was nehmen wir in den beiden Filmen wahr?

Noch bevor Produktionsgeschichte oder politische Zuordnungen eingeführt werden, halten die Schülerinnen und Schüler fest, welche Figuren ihnen auffallen, welche Szenen im Gedächtnis bleiben, welche Konflikte sie erkennen und welche Zukunftsvorstellungen sie zunächst wahrnehmen.

Diese ersten Deutungen werden gespeichert. Sie bilden keinen bloßen Einstieg, sondern Material für die spätere Reflexion: Am Ende des Lernwegs können die Schülerinnen und Schüler prüfen, was sie an ihren ursprünglichen Einschätzungen verändern, präzisieren oder auch beibehalten würden.


Vergleichen als Analyseverfahren

Die Filme werden nicht zunächst vollständig getrennt analysiert und erst am Ende miteinander verglichen. Der Vergleich selbst ist das zentrale Analyseinstrument.

Die Schülerinnen und Schüler untersuchen wiederkehrende Motive und Konfliktfelder:

Nachkriegsnot → Schwarzmarkt → Vater und Sohn → Arbeit → Familie und Gemeinschaft → Geschlechterrollen → Vergangenheit → filmische Gestaltung → Zukunft

Dadurch werden Unterschiede sichtbar, ohne Gemeinsamkeiten vorschnell aus dem Blick zu verlieren.

Gerade diese Gemeinsamkeiten sind historisch interessant. Wenn unterschiedlich produzierte und politisch unterschiedlich einzuordnende Filme ähnliche Vorstellungen von „ehrlicher Arbeit“, Familie, moralischer Neuorientierung oder persönlicher Bewährung entwickeln, entsteht eine weiterführende Frage:

Was sagen nicht nur die Unterschiede, sondern auch die Gemeinsamkeiten über die deutsche Nachkriegsgesellschaft aus?


Das historisch-kritische Analysemodell als Arbeitsinstrument

Die vier Realitätsfelder werden nicht als nacheinander abzuarbeitende Kategorien eingeführt. Sie werden dort aktiviert, wo sie für die jeweilige Fragestellung benötigt werden.

FILMREALITÄT
Welche Geschichte konstruiert der Film? Welche Figuren, Konflikte, Räume und filmischen Mittel erzeugen diese Geschichte?

BEZUGSREALITÄT
Auf welche historischen Erfahrungen und gesellschaftlichen Verhältnisse bezieht sich die filmische Darstellung?

BEDINGUNGSREALITÄT
Unter welchen politischen, ökonomischen, institutionellen, personellen und filmkulturellen Bedingungen entsteht der Film?

WIRKUNGSREALITÄT
Welche Wahrnehmungen, Identifikationen und gesellschaftlichen Orientierungen bietet der Film an? Wie konnten zeitgenössische Zuschauerinnen und Zuschauer ihn wahrnehmen – und wie sehen wir ihn heute?

In jedem Arbeitsblatt bleiben alle vier Felder sichtbar. Die jeweils besonders relevanten Bereiche werden hervorgehoben. Dadurch soll das Modell nicht als abstraktes Schema gelernt, sondern im Analyseprozess verwendet werden.


Der methodische STOPP

Nach den Arbeitsblättern zu Nachkriegswirklichkeit, Schwarzmarkt, Generationenkonflikt und Arbeit bietet sich – analog zum STOPP im Lernweg „Dokumente der Vergangenheit“ – ein bewusster methodischer Einschnitt an. Dort dient der STOPP dazu, nach mehreren Analyseoperationen zu fragen, was eigentlich untersucht wurde und Filmrealität und Bezugsrealität neu aufeinander zu beziehen.

Hier könnte die Zwischenfrage lauten:

Vergleichen wir noch zwei Geschichten – oder bereits zwei unterschiedliche Gesellschaftsentwürfe?

Die Schülerinnen und Schüler sammeln ihre bisherigen Ergebnisse und formulieren eine vorläufige Hypothese. Beispielsweise:

UND ÜBER UNS DER HIMMEL erzählt gesellschaftlichen Neubeginn vor allem als Veränderung und Bewährung des Einzelnen; UNSER TÄGLICH BROT erzählt ihn stärker als Veränderung gesellschaftlicher Beziehungen.

Diese oder eine andere von den Schülerinnen und Schülern entwickelte Hypothese wird ausdrücklich nicht als Ergebnis festgeschrieben. Die folgenden Arbeitsblätter zu Gemeinschaft, Geschlechterrollen, NS-Vergangenheit, Filmsprache und Produktionsbedingungen dienen auch dazu, sie zu überprüfen, zu differenzieren oder zu verwerfen.


Vom Beispiel zur selbstständigen Untersuchung

Mit fortschreitendem Lernweg sollte die Steuerung durch die Arbeitsblätter abnehmen. Während die ersten Tabs Beobachtungs- und Vergleichskategorien stärker vorgeben, können spätere Untersuchungen arbeitsteilig organisiert werden.

Gruppen können beispielsweise unterschiedliche Analysefelder übernehmen: Arbeit, Familie, Frauenbilder, Vergangenheit, filmische Gestaltung oder Produktionsbedingungen. Entscheidend ist anschließend die gemeinsame Zusammenführung.

Die Schülerinnen und Schüler sollen dabei zunehmend selbst entscheiden, welche Szenen und Materialien sie benötigen, um ihre Aussagen zu belegen.


Organisation und Operationalisierung des Lernwegs

Gegenstand:
Vergleichende historisch-kritische Analyse von UND ÜBER UNS DER HIMMEL (Josef von Báky, 1947) und UNSER TÄGLICH BROT (Slatan Dudow, 1949).

Leitfrage:
Wie werden aus vergleichbaren Erfahrungen der deutschen Nachkriegsgesellschaft unterschiedliche filmische Vorstellungen von Arbeit, Zusammenleben, gesellschaftlichem Neubeginn und Zukunft?


Der Lernweg

Der Lernweg ist keine fertig ausgearbeitete Unterrichtseinheit. Er legt weder einen verbindlichen Zeitrahmen noch eine festgelegte Abfolge von Unterrichtsstunden fest.

Die einzelnen Tabs eröffnen unterschiedliche Zugänge zu den beiden Filmen. Sie können vollständig, in Auswahl, in veränderter Reihenfolge oder arbeitsteilig genutzt werden. Einzelne Fragestellungen können vertieft, andere zurückgestellt und neue, aus der Untersuchung entstehende Fragen aufgenommen werden.

Entscheidend ist nicht die vollständige Bearbeitung aller Aufgaben, sondern die Entwicklung eines zunehmend differenzierten Verständnisses der Filme in ihren historischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen.


Das historisch-kritische Analysemodell

Orientierung bietet das historisch-kritische Filmanalysemodell mit seinen vier miteinander verbundenen Realitätsfeldern:

FILMREALITÄT
Welche Geschichte konstruiert der Film? Wie gestaltet er Figuren, Konflikte, Räume, Zeit und Handlung?

BEZUGSREALITÄT
Auf welche historischen Erfahrungen, gesellschaftlichen Verhältnisse und Konflikte bezieht sich die filmische Darstellung?

BEDINGUNGSREALITÄT
Unter welchen politischen, ökonomischen, institutionellen, personellen und filmkulturellen Bedingungen entsteht der Film?

WIRKUNGSREALITÄT
Welche Wahrnehmungen, Identifikationen und Deutungen ermöglicht oder begünstigt der Film? Wie konnte er zeitgenössisch wahrgenommen werden – und wie begegnen wir ihm heute?

Die vier Realitätsfelder bilden keine nacheinander abzuarbeitenden Stufen. Je nach Fragestellung treten einzelne Felder in den Vordergrund und werden mit anderen verbunden.


Das Raum-Zeit-Kontinuum Film

Film wird in diesem Lernweg nicht lediglich als Illustration einer bereits bekannten Geschichte und auch nicht nur als Quelle für eine vergangene Wirklichkeit verstanden.

In ihm begegnen sich unterschiedliche Zeitdimensionen: die dargestellte historische Zeit, die Zeit der Filmproduktion, zeitgenössische Erfahrungen und Deutungen, spätere Wirkungsgeschichten und schließlich die Gegenwart derjenigen, die den Film heute sehen und befragen.

Die Analyse richtet sich deshalb auf das Verhältnis dieser unterschiedlichen Zeiten und Wirklichkeiten. Gerade ihre Überlagerungen, Widersprüche und Leerstellen machen Film für historisches Lernen interessant.


Mögliche Arbeits- und Untersuchungsfelder

Die Tabs markieren mögliche Stationen der Untersuchung, keinen verbindlichen Stunden- oder Ablaufplan:

Tab 1 – Zwei Filme – zwei erste Eindrücke
Wahrnehmen, beschreiben, Fragen entwickeln und erste Vergleichsvermutungen festhalten.

Tab 2 – Nachkriegswirklichkeit – was zeigen die Filme?
Filmische Darstellung und historische Bezugsrealität aufeinander beziehen.

Tab 3 – Gleiche Probleme – unterschiedliche Geschichten?
Gemeinsame Motive erkennen und unterschiedliche filmische Bearbeitungen vergleichen.

Tab 4 – Schwarzmarkt – organisieren oder profitieren?
Materielle Not, Eigentum, Moral und ökonomisches Handeln untersuchen.

Tab 5 – Väter und Söhne – wer kennt den richtigen Weg?
Familien- und Generationenkonflikte als mögliche Verdichtungen gesellschaftlicher Orientierungskonflikte analysieren.

Tab 6 – Arbeit – wofür arbeiten die Menschen?
Arbeit als Existenzsicherung, individuelle Bewährung, gesellschaftliche Tätigkeit und Konflikt um Verfügung untersuchen.

STOPP – Zwei Geschichten oder zwei Gesellschaftsentwürfe?
Bisherige Beobachtungen zusammenführen, Zusammenhänge herstellen und eine vorläufige Arbeitshypothese formulieren.

Tab 7 – Familie oder Betrieb – wo entsteht Gemeinschaft?
Unterschiedliche Formen von Zugehörigkeit, Solidarität und gesellschaftlicher Integration vergleichen.

Tab 8 – Frauen – unverzichtbar, aber ohne gesellschaftliche Macht?
Geschlechterrollen, Handlungsmöglichkeiten und gesellschaftliche Machtverhältnisse untersuchen.

Tab 9 – Wo ist der Nationalsozialismus?
Nach dem Sichtbaren und dem Nicht-Gezeigten fragen: Vergangenheit, Verantwortung, Kontinuitäten und Leerstellen.

Tab 10 – Wie macht Film aus Geschichte Bedeutung?
Untersuchen, wie Kamera, Montage, Musik, Schauspiel und Dramaturgie historische und gesellschaftliche Bedeutungen erzeugen.

Tab 11 – Warum erzählen die Filme so unterschiedlich?
Produktionsbedingungen, Personen, Institutionen und filmische Traditionen einbeziehen und die gewonnenen Erklärungen wieder am Film überprüfen.

Tab 12 – Das Brot und der Himmel
Die unterschiedlichen Untersuchungsergebnisse zusammenführen, frühere Hypothesen überprüfen und ein begründetes historisches Urteil entwickeln.


Operationalisierung: vom Wahrnehmen zum Urteilen

Die Aufgaben unterstützen einen Erkenntnisprozess, dessen Verlauf nicht vollständig vorweggenommen werden kann.

WAHRNEHMEN → BESCHREIBEN → FRAGEN → VERGLEICHEN → RECHERCHIEREN → HISTORISCH KONTEXTUALISIEREN → ANALYSIEREN → ZUSAMMENHÄNGE HERSTELLEN → HYPOTHESEN BILDEN → ÜBERPRÜFEN → WIDERSPRECHEN → DIFFERENZIEREN → BEGRÜNDEN → URTEILEN → WEITERFRAGEN

Auch diese Folge ist kein starres Ablaufschema. Neue Informationen können zu früheren Fragen zurückführen; eine Recherche kann eine Interpretation infrage stellen; eine später untersuchte Szene kann den Blick auf eine bereits analysierte Szene verändern.

Solche Rückwege und Umwege sind kein Scheitern der Planung, sondern Bestandteil historischen Lernens.


Gemeinsames Analyseinstrument

BEOBACHTUNG → SZENE / SEQUENZ → FIGUREN UND KONFLIKTE → FILMISCHE GESTALTUNG → HISTORISCHER BEZUG → AUSWAHL UND LEERSTELLEN → PRODUKTIONSBEDINGUNGEN → DEUTUNGSANGEBOT → VERGLEICH → BEGRÜNDETE AUSSAGE

Auch dieses Raster ist keine Checkliste. Es stellt mögliche Analyseoperationen bereit, die abhängig von der jeweiligen Frage ausgewählt und miteinander verbunden werden können.


Materialien und Recherche

Die Materialien bilden keinen abzuarbeitenden Materialanhang. Ausgangspunkt bleiben die Filme, die Beobachtungen der Lernenden und die daraus entstehenden Fragen.

Vorhandene Materialien, Sequenzprotokolle und weiterführende Quellen werden dort herangezogen, wo sie zur Überprüfung einer Beobachtung, zur historischen Kontextualisierung oder zur Weiterentwicklung einer Fragestellung benötigt werden.

Die vergleichende Gesamtanalyse sollte möglichst erst dann herangezogen werden, wenn eigene Beobachtungen und Hypothesen vorliegen. Sie ist keine Musterlösung, sondern eine weitere Interpretation, die geprüft, ergänzt und kritisiert werden kann.


Arbeitsformen und Selbstlernen

Der Lernweg kann im Unterricht in Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit, in gemeinsamen Filmgesprächen und in arbeitsteiligen Recherchen genutzt werden. Welche Form sinnvoll ist, ergibt sich aus der jeweiligen Fragestellung und den konkreten Lernbedingungen.

Die Lernwege können ebenso als Orientierung für Selbstlernprozesse genutzt werden. Die interaktiven Arbeitsblätter ermöglichen es, Beobachtungen festzuhalten, Zwischenergebnisse zu speichern, Hypothesen zu entwickeln und den eigenen Erkenntnisweg zu dokumentieren.

Dabei muss weder jeder Tab bearbeitet noch die vorgeschlagene Reihenfolge eingehalten werden. Eigene Fragen können zum Ausgangspunkt für einen individuellen Weg durch Filme und Materialien werden.


Grundsatz

Nicht das Lernen sollte einem restriktiven Zeitmanagement angepasst werden. Die Bedingungen des Lernens sollten so weit wie möglich dem Lernen angepasst werden.

Die Auseinandersetzung mit Komplexität braucht Zeit. Beobachten, Fragen, Recherchieren, Irrtümer erkennen, Hypothesen verändern und Zusammenhänge herstellen sind keine Umwege um das Lernen herum – sie sind das Lernen.

Ein Lernweg muss deshalb nicht mit einer endgültigen Antwort enden. Er kann gerade dann produktiv gewesen sein, wenn am Ende mehr und bessere Fragen stehen als zu Beginn.

P.S.: Die Lernwege können auch als Orientierung für Selbstlernprozesse verstanden und genutzt werden. Sie geben mögliche Zugänge, Fragen und Werkzeuge an die Hand – den eigenen Weg muss man nicht vorgeschrieben bekommen. Viel Spaß dabei!

1. Zwei Filme – zwei erste Eindrücke

Wahrnehmen – beschreiben – Fragen entwickeln

Leitfrage:
Was erzählen UND ÜBER UNS DER HIMMEL und UNSER TÄGLICH BROT auf den ersten Blick über Menschen, Gesellschaft und Zukunft in der Nachkriegszeit?
Historisch-kritisches Filmanalysemodell – in diesem Arbeitsblatt:
Filmrealität
Bezugsrealität
Bedingungsrealität
Wirkungsrealität

Markiert: Filmrealität und Wirkungsrealität. Zunächst geht es darum, was die Filme zeigen, wie sie ihre Geschichten erzählen und was bei euch als Zuschauerinnen und Zuschauern hängen bleibt. Die historische Überprüfung und die Frage nach den Produktionsbedingungen folgen später.

Am Anfang steht eure Wahrnehmung.

Versucht noch nicht zu entscheiden, welcher Film die Nachkriegszeit „richtiger“ darstellt oder welcher Film politisch welcher Position zuzuordnen ist. Haltet zunächst fest,
  • was ihr wahrnehmt,
  • welche Szenen euch auffallen,
  • welche Konflikte ihr erkennt,
  • welche Wirkung der Film auf euch hat und
  • welche Fragen dadurch entstehen.
Unterschiedliche Wahrnehmungen sind möglich und erwünscht. Wichtig: Eure Ergebnisse werden gespeichert. Ihr benötigt sie später beim STOPP „Zwei Geschichten oder zwei Gesellschaftsentwürfe?“ und am Ende des Lernwegs noch einmal.
Aufgabe 1 – Was bleibt zuerst hängen?

Notiert zu jedem Film drei Begriffe, die euren unmittelbaren Eindruck möglichst genau wiedergeben.

Es geht noch nicht darum, die Begriffe zu erklären oder historisch zu überprüfen.

UND ÜBER UNS DER HIMMEL
UNSER TÄGLICH BROT
Aufgabe 2 – Wer steht im Mittelpunkt?

Welche Person oder Personengruppe steht für euch im Mittelpunkt des jeweiligen Films?

Nennt mindestens eine konkrete Szene oder Beobachtung, die eure Einschätzung stützt.

UND ÜBER UNS DER HIMMEL
UNSER TÄGLICH BROT
Aufgabe 3 – Eine Szene, die im Gedächtnis bleibt

Wählt aus jedem Film eine Szene aus, an die ihr euch besonders deutlich erinnert.

Arbeitet in zwei Schritten:

  1. Beschreiben: Was geschieht?
  2. Wirkung: Warum ist euch gerade diese Szene im Gedächtnis geblieben?
UND ÜBER UNS DER HIMMEL
UNSER TÄGLICH BROT
Sequenzhilfe

Wenn ihr euch an eine Szene erinnert, aber ihre genaue Stelle im Film nicht mehr wisst, nutzt die vorhandenen Sequenzprotokolle.

Hinweis: Benutzt das Protokoll hier nur, um eure selbst ausgewählte Szene wiederzufinden. Die Szene soll nicht durch das Protokoll vorgegeben werden.

Aufgabe 4 – Wo liegt der Konflikt?

Jede Geschichte braucht Konflikte. Dabei muss es sich nicht nur um einen Streit zwischen Personen handeln.

Menschen können auch unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie man leben, arbeiten und handeln soll.

Formuliert für jeden Film den Konflikt, der euch nach der ersten Sichtung am wichtigsten erscheint.

UND ÜBER UNS DER HIMMEL
UNSER TÄGLICH BROT
Aufgabe 5 – Was verändert sich?

Vergleicht für jeden Film Anfang und Ende.

Notiert:

  • Was hat sich für die Hauptfiguren verändert?
  • Welche Konflikte sind gelöst – welche vielleicht nicht?
  • Was erscheint am Ende als möglicher Weg in die Zukunft?
UND ÜBER UNS DER HIMMEL
UNSER TÄGLICH BROT
Aufgabe 6 – Welche Frage stellt der Film?

Versucht jetzt einen Perspektivwechsel.

Stellt euch vor, der Film selbst würde eine Frage an seine Zuschauerinnen und Zuschauer richten.

UND ÜBER UNS DER HIMMEL
UNSER TÄGLICH BROT
Aufgabe 7 – Welche Frage habt ihr an den Film?

Nun geht es nicht mehr um die Frage des Films, sondern um eure eigene Frage an den Film.

Formuliert etwas, das ihr im weiteren Lernweg genauer untersuchen möchtet. Die Frage muss jetzt noch nicht beantwortet werden können.

Meine Frage an UND ÜBER UNS DER HIMMEL
Meine Frage an UNSER TÄGLICH BROT
Aufgabe 8 – Ein erster Vergleich

Bis jetzt habt ihr die Filme überwiegend getrennt betrachtet. Stellt sie nun erstmals unmittelbar nebeneinander.

Nennt eine auffällige Gemeinsamkeit und einen auffälligen Unterschied.

Materialien für dieses Arbeitsblatt

Für diesen ersten Arbeitsschritt stehen die beiden Filme selbst im Mittelpunkt. Die Sequenzprotokolle dienen nur als Orientierung.

Noch nicht verwenden:
Die Seite Das Brot und der Himmel – vergleichende Analyse enthält bereits weiterführende Interpretationen. Für dieses erste Arbeitsblatt sollt ihr diese möglichst noch nicht lesen. Zunächst interessieren eure eigenen Wahrnehmungen und Fragen.
Ertrag – unsere erste Deutung

Formuliert für jeden Film eine vorläufige Aussage.

Versucht dabei, eure bisherigen Beobachtungen in einem Zusammenhang auszudrücken.


Eine erste Vermutung zum Unterschied

Formuliert jetzt einen ersten Vergleichssatz.

Dafür braucht ihr noch keine historischen Zusatzinformationen. Es geht ausschließlich um eine erste Hypothese aus eurer Filmsichtung.

Nicht nachträglich verbessern!

Diese erste Vermutung darf unvollständig sein – und sie darf sich im Verlauf des Lernwegs als falsch erweisen. Speichert sie so, wie ihr die Filme jetzt wahrnehmt. Beim späteren STOPP wird gefragt:
  • Was davon würden wir beibehalten?
  • Was müssen wir verändern?
  • Welche neuen Zusammenhänge haben wir erkannt?
Zum Weiterarbeiten – eine offene Frage mitnehmen

Welche Frage erscheint euch nach diesem ersten Vergleich besonders wichtig?

Sie kann sich auf Menschen, Arbeit, Familie, Schwarzmarkt, Vergangenheit, gesellschaftliche Ordnung oder die unterschiedliche Gestaltung der Filme beziehen.

2. Nachkriegswirklichkeit – was zeigen die Filme?

Filmbeobachtung und historische Wirklichkeit unterscheiden

Leitfrage:
Welche Erfahrungen der Nachkriegsgesellschaft greifen die Filme auf – und welche Auswahl treffen sie dabei?
Historisch-kritisches Filmanalysemodell – in diesem Arbeitsblatt:
Filmrealität
Bezugsrealität
Bedingungsrealität
Wirkungsrealität

Markiert: Filmrealität und Bezugsrealität. Ihr vergleicht die filmische Darstellung mit historischen Verhältnissen.

Arbeitsprinzip: Ein Spielfilm ist kein Fenster, durch das wir unmittelbar in die Vergangenheit sehen. Er wählt aus, ordnet, verdichtet und lässt anderes weg. Unterscheidet deshalb immer zwischen historischer Wirklichkeit und filmischer Konstruktion.
Aufgabe 1 – Spuren der Nachkriegszeit

Untersucht, welche Erfahrungen in beiden Filmen sichtbar werden. Notiert konkrete Beispiele.

UND ÜBER UNS DER HIMMEL
UNSER TÄGLICH BROT
Sequenzhinweise
  • UND ÜBER UNS DER HIMMEL: besonders die Rückkehr Hans Richters in das zerstörte Berlin, die Szenen im zerstörten Wohnhaus, die Schwarzmarktszenen sowie Hans’ Gang durch die arbeitende Trümmer- und Aufbaugesellschaft.
  • UNSER TÄGLICH BROT: besonders die Eingangssequenzen mit Zug und Lebensmittelversorgung, die Wohnung der Familie Webers, Inges Weg durch die zerstörte Stadt sowie die Szenen um den Wiederaufbau des Maschinenbaubetriebs.
Aufgabe 2 – Drei Beobachtungen historisch überprüfen

Wählt drei Motive aus. Recherchiert, was historische Materialien darüber aussagen.

Aufgabe 3 – Auswahl und Leerstelle

Was zeigen beide Filme häufig? Was erscheint nur selten oder überhaupt nicht?

Das wird sichtbar
Das bleibt weitgehend unsichtbar
Ertrag

Formuliert eine begründete Antwort:

3. Gleiche Probleme – unterschiedliche Geschichten?

Gemeinsame Motive vergleichen und unterschiedliche Deutungen erkennen

Leitfrage:
Wie machen die beiden Filme aus ähnlichen Erfahrungen der Nachkriegszeit unterschiedliche Geschichten?
Historisch-kritisches Filmanalysemodell – in diesem Arbeitsblatt:
Filmrealität
Bezugsrealität
Bedingungsrealität
Wirkungsrealität
Vergleicht nicht nur, ob ein Motiv vorkommt. Fragt vor allem: Welche Bedeutung erhält es innerhalb der jeweiligen Geschichte?
Aufgabe 1 – Vergleichsfelder
MotivUND ÜBER UNS DER HIMMELUNSER TÄGLICH BROT
Zerstörung
Familie
Vater und Sohn
Schwarzmarkt
Arbeit
Vergangenheit
Zukunft
Aufgabe 2 – Von der Beobachtung zur Deutung

Wählt drei Motive aus, bei denen der Unterschied besonders deutlich wird. Nennt jeweils eine Filmszene als Beleg.

Ertrag – erste Vergleichsthese

4. Schwarzmarkt – organisieren oder profitieren?

Not, Moral und Ökonomie in der Nachkriegsgesellschaft

Leitfrage:
Wo ziehen die Filme die Grenze zwischen verständlichem „Organisieren“ und verwerflichem Geschäft mit der Not?
Historisch-kritisches Filmanalysemodell – in diesem Arbeitsblatt:
Filmrealität
Bezugsrealität
Bedingungsrealität
Wirkungsrealität
Sequenzen
  • UND ÜBER UNS DER HIMMEL: Schwarzmarkt vor der Haitibar; Hans' Tauschgeschäfte für die Wohnung; sein Einstieg in das professionelle Geschäft; Ehepaar Heise; Hans' Ausstieg aus der Schiebergesellschaft.
  • UNSER TÄGLICH BROT: Nickis Hamsterfahrt; Harrys Verbindung zu Fürbringer; Beratung der professionellen Schwarzhändler; Harrys Scheitern.
Aufgabe 1 – Handlungen bewerten

Ordnet zunächst selbst ein. Begründet anschließend eure Bewertung.

Aufgabe 2 – Wie bewerten die Filme?
UND ÜBER UNS DER HIMMEL
UNSER TÄGLICH BROT
Aufgabe 3 – Historischer Hintergrund

Recherchiert Lebensmittelkarten, Hamsterfahrten, Tauschhandel und Schwarzmarkt. Was erklärt die historische Situation?

Ertrag

5. Väter und Söhne – wer kennt den richtigen Weg?

Familienkonflikt als gesellschaftlicher Konflikt

Leitfrage:
Geht es nur um Generationenkonflikte – oder um unterschiedliche Vorstellungen davon, wie nach 1945 gelebt und gewirtschaftet werden soll?
Historisch-kritisches Filmanalysemodell – in diesem Arbeitsblatt:
Filmrealität
Bezugsrealität
Bedingungsrealität
Wirkungsrealität
Sequenzhinweise
  • HIMMEL: Heimkehr Werners; Konflikt über Hans' Geschäfte; Hans' Orientierungssuche; Gespräch und Streit am Kran; Hans' Entscheidung zum Ausstieg.
  • BROT: die zentralen Streitgespräche Karl/Ernst am Küchentisch; Ernsts Auszug; spätere Konfrontationen; Harry als Gegenweg.
Aufgabe 1 – Positionen bestimmen
Hans und Werner Richter
Karl, Ernst und Harry Webers
Aufgabe 2 – Wer verändert sich?

Untersucht Anfang und Ende der Konflikte. Wer lernt? Wer scheitert? Wem gibt die Filmerzählung recht?

Ertrag

6. Arbeit – wofür arbeiten die Menschen?

Individuelle Bewährung oder gesellschaftliche Produktion?

Leitfrage:
Welche Bedeutung erhält „ehrliche Arbeit“ in den beiden Filmen?
Historisch-kritisches Filmanalysemodell – in diesem Arbeitsblatt:
Filmrealität
Bezugsrealität
Bedingungsrealität
Wirkungsrealität
Schlüsselsequenzen
  • UND ÜBER UNS DER HIMMEL: Hans am alten Kran; Aufbauarbeit; besonders das Gespräch Hans/Werner am Kran und Werners Beschreibung seiner Arbeit.
  • UNSER TÄGLICH BROT: Beratung über den Wiederaufbau der Fabrik; Inges Eintritt in den Betrieb; Betriebsversammlung; Beginn der Produktion; gemeinsames Essen.
Aufgabe 1 – Arbeit genau beobachten
UND ÜBER UNS DER HIMMEL
UNSER TÄGLICH BROT
Aufgabe 2 – Arbeit als gesellschaftliches Verhältnis

Fragt nun genauer: Für wen wird gearbeitet? Wer entscheidet? Wem gehören die Produktionsmittel? Welchem Zweck dient die Produktion?

HIMMEL
BROT
Aufgabe 3 – Zwei Aussagen prüfen

A: Arbeit verändert den Menschen.
B: Arbeit verändert die Gesellschaft.

Ertrag

STOPP – Zwischenbilanz

Zwei Geschichten oder zwei Gesellschaftsentwürfe?

Leitfrage:
Ihr habt inzwischen Nachkriegswirklichkeit, wiederkehrende Motive, Schwarzmarkt, Generationenkonflikte und Arbeit untersucht. Was ergibt sich, wenn ihr diese Einzelergebnisse jetzt zusammen betrachtet?
Historisch-kritisches Filmanalysemodell – Zwischenstand:
Filmrealität
Bezugsrealität
Bedingungsrealität
Wirkungsrealität

Jetzt miteinander verbinden: Filmrealität, Bezugsrealität und Wirkungsrealität. Die Produktionsbedingungen werden erst später systematisch untersucht. Ihr sollt deshalb noch nicht versuchen, Unterschiede einfach mit „Ost“ und „West“ zu erklären.

STOPP bedeutet: nicht sofort weiterarbeiten.
Schaut zunächst zurück. Bis hierher habt ihr einzelne Szenen, Figuren, Konflikte und historische Bezüge untersucht. Jetzt geht es darum, aus diesen Einzelbeobachtungen einen Zusammenhang herzustellen. Dabei entsteht eine Hypothese. Eine Hypothese ist noch kein Ergebnis. Sie ist eine begründete Vermutung, die durch die folgenden Untersuchungen bestätigt, verändert, differenziert oder verworfen werden kann.
Aufgabe 1 – Zurück zum Anfang

Erinnert euch an eure erste Einschätzung aus Tab 1. Formuliert sie hier noch einmal knapp – ohne sie bereits zu korrigieren.

Was würdet ihr nach den bisherigen Untersuchungen daran beibehalten?

Was würdet ihr inzwischen verändern oder genauer formulieren?

Aufgabe 2 – Was wissen wir inzwischen?

Fasst die wichtigsten bisherigen Ergebnisse zusammen. Beschränkt euch auf Aussagen, die ihr an konkreten Filmszenen oder historischen Materialien belegen könnt.

Untersuchungsfeld UND ÜBER UNS DER HIMMEL UNSER TÄGLICH BROT
Nachkriegswirklichkeit
Schwarzmarkt / ökonomisches Handeln
Väter und Söhne
Arbeit
Aufgabe 3 – Unterschiede bündeln

Versucht jetzt nicht mehr einzelne Szenen nebeneinanderzustellen. Welche grundlegenden Unterschiede zeichnen sich ab?

Aufgabe 4 – Und was ist ähnlich?

Die Suche nach Unterschieden kann Gemeinsamkeiten unsichtbar machen. Sucht deshalb ausdrücklich nach Vorstellungen, die beide Filme teilen.

Denkt beispielsweise an Arbeit, Familie, moralische Orientierung, Schwarzmarkt, persönliche Bewährung oder Zukunft.

Aufgabe 5 – Von der Geschichte zum Gesellschaftsbild

Vervollständigt für jeden Film den Satz:

UND ÜBER UNS DER HIMMEL
UNSER TÄGLICH BROT
Aufgabe 6 – Eine Hypothese formulieren

Formuliert nun eine vorläufige Antwort auf die Frage:

Erzählen die beiden Filme nur unterschiedliche Geschichten – oder entwerfen sie unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Gesellschaft nach 1945 neu beginnen soll?

Aufgabe 7 – Was könnte gegen unsere Hypothese sprechen?

Eine gute Hypothese muss widerlegbar sein. Sucht deshalb mindestens eine Beobachtung, die nicht ohne Weiteres zu eurer bisherigen Erklärung passt.

Was müsste in den folgenden Arbeitsblättern untersucht werden, um eure Hypothese zu überprüfen?

Wie geht es weiter?

Die folgenden Arbeitsblätter liefern keine automatische Bestätigung eurer Hypothese.

Ihr untersucht weitere Bereiche:

  • Familie und Betrieb: Wo entsteht Gemeinschaft?
  • Frauen: Wer kann gesellschaftlich handeln und entscheiden?
  • Nationalsozialismus: Wie gehen die Filme mit Vergangenheit und Verantwortung um?
  • Filmsprache: Wie wird das jeweilige Gesellschaftsbild filmisch hergestellt?
  • Produktionsbedingungen: Unter welchen Bedingungen konnten gerade diese Filme entstehen?

Bei jedem weiteren Schritt gilt: Passt das Ergebnis zu unserer Hypothese – oder müssen wir sie verändern?

Zwischenergebnis – unsere Arbeitshypothese

Formuliert zum Abschluss einen möglichst präzisen Vergleichssatz. Vermeidet zunächst einfache Etiketten wie „westlich“, „östlich“, „individualistisch“ oder „kollektivistisch“, wenn ihr sie nicht an konkreten Beobachtungen erklären könnt.

Diese Aussage bleibt vorläufig.
Speichert sie. Im letzten Arbeitsblatt wird sie noch einmal aufgerufen und mit den Ergebnissen des gesamten Lernwegs verglichen.
Materialien für die Zwischenbilanz

Für diesen STOPP benötigt ihr vor allem eure bisherigen Arbeitsergebnisse und die Sequenzprotokolle.

Noch zurückstellen: Die fertige vergleichende Analyse „Das Brot und der Himmel“ sollte für die Formulierung der eigenen Arbeitshypothese noch nicht als Lösung benutzt werden.

7. Familie oder Betrieb – wo entsteht Gemeinschaft?

Solidarität und gesellschaftlicher Zusammenhalt

Leitfrage:
Wo finden Menschen nach Krieg und Zusammenbruch neue Sicherheit – im Privaten oder in neuen gesellschaftlichen Zusammenhängen?
Historisch-kritisches Filmanalysemodell – in diesem Arbeitsblatt:
Filmrealität
Bezugsrealität
Bedingungsrealität
Wirkungsrealität
Aufgabe 1 – Gemeinschaften am Anfang
HIMMEL
BROT
Aufgabe 2 – Ein Netz der Solidarität

Beschreibt, wer wem hilft, wer ausgeschlossen wird und welche Beziehungen im Verlauf stärker oder schwächer werden.

HIMMEL
BROT
Aufgabe 3 – Familie und Betrieb

Welche gesellschaftliche Funktion übernimmt die Familie? Welche Funktion übernimmt in UNSER TÄGLICH BROT der Betrieb?

Ertrag

8. Frauen – unverzichtbar, aber ohne gesellschaftliche Macht?

Arbeit, Alltag und Geschlechterrollen

Leitfrage:
Welche Handlungsmöglichkeiten geben die beiden Filme ihren weiblichen Figuren?
Historisch-kritisches Filmanalysemodell – in diesem Arbeitsblatt:
Filmrealität
Bezugsrealität
Bedingungsrealität
Wirkungsrealität
Aufgabe 1 – Frauenfiguren untersuchen
HIMMEL: Edith, Mietzi u. a.
BROT: Martha, Inge, Nicki, Mary, Ilse u. a.
Aufgabe 2 – Film und historische Wirklichkeit

Recherchiert Frauenarbeit, Trümmerarbeit, Kriegswitwen und Geschlechterverhältnisse nach 1945. Wo stimmen Film und historische Befunde überein, wo nicht?

Aufgabe 3 – Eine These prüfen

„Die Filme zeigen starke Frauen – aber keine gesellschaftliche Emanzipation der Frauen.“

Ertrag

9. Wo ist der Nationalsozialismus?

Vergangenheit, Verantwortung und die Leerstellen des Neuanfangs

Leitfrage:
Die Filme zeigen eine zerstörte Gesellschaft – aber wie erklären sie, warum diese Gesellschaft zerstört wurde?
Historisch-kritisches Filmanalysemodell – in diesem Arbeitsblatt:
Filmrealität
Bezugsrealität
Bedingungsrealität
Wirkungsrealität
Hier wird auch das Nicht-Gezeigte zur Quelle. Sucht nicht nur nach Aussagen über die Vergangenheit, sondern ebenso nach auffälligen Leerstellen.
Aufgabe 1 – Spurensuche

Sammelt Hinweise auf Nationalsozialismus, Krieg, Schuld, Verantwortung, Täter, Mitläufer, Verfolgung und Widerstand.

UND ÜBER UNS DER HIMMEL
UNSER TÄGLICH BROT
Sequenzhinweise
  • HIMMEL: Rückblicke auf das frühere Berlin, Werners Erinnerungen und die Orientierungssuche Hans Richters.
  • BROT: besonders die Streitgespräche zwischen Karl und Ernst Webers; achtet auf Ernsts Vorwurf an die ältere Generation.
Aufgabe 2 – Die Frage, die die Filme kaum stellen

Wie kam es eigentlich zu dieser zerstörten Gesellschaft?

Aufgabe 3 – Funktion der Leerstelle

Warum könnte es für die jeweilige Geschichte vom Neuanfang wichtig sein, bestimmte Fragen nicht ausführlich zu stellen?

Ertrag

10. Wie macht Film aus Geschichte Bedeutung?

Star-Kino und filmisches Lehrstück

Leitfrage:
Wie tragen Kamera, Montage, Musik, Schauspiel und Dramaturgie dazu bei, unterschiedliche Gesellschaftsbilder zu erzeugen?
Historisch-kritisches Filmanalysemodell – in diesem Arbeitsblatt:
Filmrealität
Bezugsrealität
Bedingungsrealität
Wirkungsrealität
Aufgabe 1 – Hans Albers und der individuelle Held

Untersucht eine zentrale Szene aus UND ÜBER UNS DER HIMMEL. Achtet auf Kamera, Großaufnahme, Musik, Schauspiel und die Position Hans Richters innerhalb des Bildes.

Aufgabe 2 – Familie Webers als gesellschaftliches Modell

Untersucht eine Küchentisch- oder Fabriksequenz aus UNSER TÄGLICH BROT. Achtet auf Figurenanordnung, Dialog, Montage, Musik und gegensätzliche Positionen.

Aufgabe 3 – Begriffe prüfen
„Star-Kino“
„Filmisches Lehrstück“
Ertrag

11. Warum erzählen die Filme so unterschiedlich?

Produktionsbedingungen, Filmemacher und filmische Traditionen

Leitfrage:
Was verstehen wir besser, wenn wir wissen, unter welchen Bedingungen die Filme hergestellt wurden?
Historisch-kritisches Filmanalysemodell – in diesem Arbeitsblatt:
Filmrealität
Bezugsrealität
Bedingungsrealität
Wirkungsrealität
Produktionsbedingungen sind keine automatische Erklärung eines Films. Prüft deshalb immer, ob sich ein recherchierter Zusammenhang tatsächlich an der Filmgestaltung belegen lässt.
Aufgabe 1 – UND ÜBER UNS DER HIMMEL

Recherchiert Josef von Báky, Hans Albers, Objectiv-Film, Lizenzierung und Filmproduktion in den Westzonen sowie Traditionen des deutschen Unterhaltungsfilms.

Aufgabe 2 – UNSER TÄGLICH BROT

Recherchiert Slatan Dudow, DEFA, sowjetische Besatzungszone, Hanns Eisler und die Tradition des proletarischen Films.

Aufgabe 3 – Zurück zum Film

Welche eurer bisherigen Beobachtungen könnt ihr jetzt besser erklären? Nennt mindestens drei Beispiele und verbindet Produktionsinformation und konkrete Filmszene.

Ertrag

12. Das Brot oder der Himmel?

Die Analyseergebnisse zusammenführen und ein historisches Urteil entwickeln

Leitfrage:
Entwerfen die beiden Filme tatsächlich gegensätzliche Wege aus der Nachkriegskrise – oder zeigen sich unterhalb der Unterschiede auch gemeinsame Vorstellungen?
Historisch-kritisches Filmanalysemodell – Synthese:
Filmrealität
Bezugsrealität
Bedingungsrealität
Wirkungsrealität

Jetzt werden alle vier Realitätsfelder zusammengeführt.

Aufgabe 1 – Vergleichsmatrix
AnalysefeldUND ÜBER UNS DER HIMMELUNSER TÄGLICH BROT
Filmrealität
Welche Geschichte wird konstruiert?
Bezugsrealität
Welche historische Wirklichkeit wird aufgegriffen?
Bedingungsrealität
Unter welchen Bedingungen entsteht der Film?
Wirkungsrealität
Welche Orientierung wird angeboten?
Aufgabe 2 – Unterschiede

Welche Unterschiede sind nach eurer Analyse grundlegend? Belegt mindestens drei.

Aufgabe 3 – Überraschende Gemeinsamkeiten

Prüft die einfache Formel „Westen = individuell und unpolitisch / Osten = kollektiv und politisch“. Welche Gemeinsamkeiten der Filme widersprechen einer solchen einfachen Gegenüberstellung?

Aufgabe 4 – Zurück zu eurem ersten Eindruck

Vergleicht eure Ergebnisse mit den Aussagen aus Arbeitsblatt 1. Was würdet ihr heute verändern?

Abschließender Ertrag

Verfasst nun eure begründete Antwort auf die Leitfrage:

12. Das Brot und der Himmel

Zwei Filme – zwei Gesellschaftsentwürfe? Analyseergebnisse zusammenführen und ein historisches Urteil entwickeln

Leitfrage:
Wie werden aus vergleichbaren Erfahrungen der Nachkriegszeit unterschiedliche filmische Vorstellungen davon, wie Menschen leben, arbeiten und Gesellschaft neu gestalten sollen?
Historisch-kritisches Filmanalysemodell – jetzt werden alle vier Realitätsfelder zusammengeführt:
Filmrealität
Bezugsrealität
Bedingungsrealität
Wirkungsrealität

Synthese: Jetzt geht es nicht mehr darum, ein einzelnes Realitätsfeld zu untersuchen. Ihr sollt vielmehr zeigen, wie die vier Felder miteinander zusammenhängen.

Am Ende steht nicht die „richtige“ Interpretation.

Ihr habt die Filme inzwischen aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht: Nachkriegswirklichkeit, Schwarzmarkt, Generationenkonflikte, Arbeit, Gemeinschaft, Geschlechterrollen, NS-Vergangenheit, Filmsprache und Produktionsbedingungen. Jetzt führt ihr diese Ergebnisse zusammen. Dabei sollt ihr
  • auf konkrete Filmszenen zurückgreifen,
  • historische Befunde berücksichtigen,
  • Produktionsbedingungen einbeziehen,
  • Gemeinsamkeiten ebenso ernst nehmen wie Unterschiede,
  • eure frühere Arbeitshypothese überprüfen und
  • ein eigenes begründetes Urteil formulieren.
Aufgabe 1 – Vier Realitätsfelder, zwei Filme

Fasst zunächst die wichtigsten Ergebnisse des Lernwegs zusammen. Beschränkt euch auf Aussagen, die ihr begründen könnt.

Realitätsfeld UND ÜBER UNS DER HIMMEL UNSER TÄGLICH BROT
Filmrealität
Welche Geschichte konstruiert der Film?
Bezugsrealität
Auf welche historische Wirklichkeit bezieht sich der Film?
Bedingungsrealität
Unter welchen Bedingungen entstand der Film?
Wirkungsrealität
Welche Wahrnehmung und Orientierung bietet der Film an?
Aufgabe 2 – Was unterscheidet die beiden Filme?

Wählt aus euren bisherigen Untersuchungen drei Unterschiede aus, die ihr für besonders wichtig haltet.

Nennt jeweils einen konkreten filmischen Beleg und erklärt, warum der Unterschied für das jeweilige Gesellschaftsbild wichtig ist.

Aufgabe 3 – Was haben die Filme gemeinsam?

Die unterschiedlichen Produktionsbedingungen können dazu verführen, nur nach Gegensätzen zu suchen.

Sucht deshalb ebenso nach Gemeinsamkeiten.

Prüft insbesondere:

  • Welche Bedeutung besitzt Arbeit?
  • Welche Rolle spielt Familie?
  • Welche moralischen Vorstellungen werden vertreten?
  • Wie werden Frauen und Männer dargestellt?
  • Wie wird mit der Vergangenheit umgegangen?
  • Was gilt als gesellschaftlich wünschenswerte Zukunft?
Aufgabe 4 – Eine einfache Gegenüberstellung prüfen

Prüft folgende vereinfachende Deutung:

„UND ÜBER UNS DER HIMMEL erzählt individualistisch und unpolitisch, UNSER TÄGLICH BROT kollektivistisch und politisch.“

Sucht zunächst Beobachtungen, die für diese Deutung sprechen.

Sucht anschließend Beobachtungen, die nicht in dieses Schema passen.

Aufgabe 5 – Vom ersten Eindruck zum historischen Urteil

Blickt jetzt auf euren eigenen Lernweg zurück.

Vergleicht drei Stationen:

  1. eure erste Vermutung aus Tab 1,
  2. eure Arbeitshypothese aus dem STOPP,
  3. eure heutige Einschätzung.
Aufgabe 6 – Was hat unsere Sicht verändert?

Nicht jede Untersuchung muss eure ursprüngliche Einschätzung verändert haben. Vielleicht wurde eine erste Vermutung auch bestätigt.

Nennt den Arbeitsschritt, die Szene oder den historischen Befund, der für euer heutiges Urteil besonders wichtig war.

Aufgabe 7 – Was wird gezeigt – und was bleibt außerhalb des Bildes?

Ein Gesellschaftsbild entsteht nicht nur durch das, was ein Film zeigt. Es entsteht auch durch Auswahl und Auslassung.

UND ÜBER UNS DER HIMMEL
UNSER TÄGLICH BROT
Aufgabe 8 – Zwei Antworten auf dieselbe historische Krise?

Versucht jetzt, die jeweilige Antwort der Filme auf eine gemeinsame Frage zu formulieren:

Wie kann nach Krieg, Diktatur, Zerstörung und gesellschaftlichem Zusammenbruch ein neuer Anfang gelingen?
Antwort von UND ÜBER UNS DER HIMMEL
Antwort von UNSER TÄGLICH BROT
Aufgabe 9 – Der Titel als Deutungsangebot

Kehrt nun zum Titel dieses Lernwegs zurück:

DAS BROT UND DER HIMMEL

Welche Bedeutung können „Brot“ und „Himmel“ nach eurer Analyse erhalten?

„Brot“
„Himmel“
Materialien zur abschließenden Überprüfung

Jetzt kann auch die vergleichende Gesamtanalyse herangezogen werden. Sie dient nicht als Musterlösung, sondern als weitere Interpretation, die ihr mit euren eigenen Ergebnissen vergleichen könnt.

Aufgabe 10 – Die vorliegende Interpretation prüfen

Vergleicht eure Ergebnisse jetzt mit der vergleichenden Analyse „Das Brot und der Himmel“.

Abschließender Ertrag – unser historisches Urteil

Formuliert nun eure Antwort auf die Leitfrage des Lernwegs.

Bezieht dabei die vier Realitätsfelder aufeinander und verwendet konkrete Belege aus den Filmen und den historischen Materialien.


Die Filme als historische Quellen
Zum Schluss – welche Frage bleibt?

Ein historischer Lernweg muss nicht damit enden, dass alle Fragen beantwortet sind.

Formuliert eine Frage, die durch eure Untersuchung neu entstanden ist.

Überlegt abschließend:

Welche gesellschaftlichen Zukünfte konnten sich Menschen nach 1945 vorstellen – und welche Möglichkeiten blieben selbst in diesen beiden unterschiedlichen Filmen außerhalb des Vorstellbaren?

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