Wer erklärt uns die Wirtschaft? Wirtschaftsforschungsinstitute und Sachverständigenrat
Wirtschaftstheoretische Orientierungen, institutionelle Interessen und ihre Bedeutung für die öffentliche Wirtschaftsdebatte
Wenn Wirtschaftsredaktionen von „den Experten“ sprechen, sind damit häufig Ökonominnen und Ökonomen aus dem Sachverständigenrat, den großen Wirtschaftsforschungsinstituten oder wirtschaftspolitischen Denkfabriken gemeint. Ihre Studien, Prognosen und Stellungnahmen beeinflussen die öffentliche Wahrnehmung wirtschaftlicher Probleme. Ihre wirtschaftspolitischen Positionen unterscheiden sich zum Teil erheblich. Die entscheidende Gemeinsamkeit liegt jedoch tiefer: Überwiegend wird die kapitalistische Marktwirtschaft als vorausgesetzte gesellschaftliche Ordnung behandelt, deren Funktionsweise verbessert, stabilisiert oder reguliert werden soll.
Die folgenden beiden Tabellen behalten die bisherige Auswahl und die Forschungsschwerpunkte bei. Sie zeigen zugleich die institutionelle Einbindung: öffentlich grundfinanzierte, formal unabhängige Einrichtungen, unternehmens- und arbeitgebergetragene Institute, gewerkschaftsnahe Forschung sowie Einrichtungen der staatlichen Arbeitsmarktverwaltung und stiftungsfinanzierte Denkfabriken. Forschungsschwerpunkte sind noch keine theoretischen Grundpositionen. Deshalb werden Selbstdarstellungen und konkrete wirtschaftspolitische Veröffentlichungen anhand der Kritik der politischen Ökonomie auf ihre vorausgesetzten Kategorien und gesellschaftlichen Verhältnisse hin eingeordnet. [1]
Die zahlreichen Forschungsfelder – Außenhandel, Finanzmärkte, Innovation, Beschäftigung, Steuern und Verteilung – erzeugen den Eindruck einer weitreichenden theoretischen Vielfalt. Doch die Vielfalt der Gegenstände und Methoden ist nicht gleichbedeutend mit gesellschaftstheoretischem Pluralismus. Der gemeinsame Bezugspunkt der etablierten Institute sind vor allem Märkte, Unternehmen, Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und Staatsfinanzen innerhalb bestehender Eigentums- und Produktionsverhältnisse. Eine systematische Kritik der kapitalistischen Klassen-, Eigentums- und Verwertungsverhältnisse ist in dieser Institutsübersicht nicht als eigenständiger, gleichberechtigter Forschungsansatz vertreten. Das ist die politisch-ökonomische Einordnung der dokumentierten Forschungsprogramme, nicht deren Selbstdarstellung. [2]
Der Sachverständigenrat: wirtschaftswissenschaftliche Beratung mit gesetzlichem Auftrag
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung – häufig „Wirtschaftsweise“ genannt – ist ein gesetzlich eingesetztes, unabhängiges fünfköpfiges Beratungsgremium. Nach § 2 seines Errichtungsgesetzes soll er wirtschaftliche Entwicklungen untersuchen, dabei ausdrücklich auch Einkommens- und Vermögensverteilung berücksichtigen und wirtschaftliche Spannungen zwischen Nachfrage und Angebot analysieren. Sein gesetzlicher Auftrag steht zugleich unter der Voraussetzung einer marktwirtschaftlichen Ordnung. Das Gesetz erlaubt abweichende Minderheitsvoten (§ 3). [3]
Die personelle Zusammensetzung ist nicht konstant. Seit März 2026 gehört Gabriel Felbermayr dem Rat an; er folgte auf Ulrike Malmendier. Die folgende Übersicht zeigt den Stand von Oktober 2026. [4]
| Ratsmitglied (Stand: Oktober 2026) | Forschungsschwerpunkte | Wirtschaftstheoretische Einordnung (analytisch) |
|---|---|---|
| Monika Schnitzer | Vorsitzende; Wettbewerb, Innovation, multinationale Unternehmen | Mikroökonomische Wettbewerbs- und Innovationsforschung; markt- und institutionenorientiert. |
| Gabriel Felbermayr | Internationale Handelstheorie, Außenwirtschaft, europäische Integration | Internationaler Handel und offene Märkte; berücksichtigt geoökonomische Risiken und industriepolitische Fragen. |
| Veronika Grimm | Energiemärkte, Marktdesign, Verhaltensökonomik | Markt- und anreizorientierte Analyse, besonders bei Energie- und Transformationsfragen. |
| Achim Truger | Makroökonomie, öffentliche Finanzen, Finanzpolitik | Keynesianisch orientierte Makroökonomie; betont staatliche Investitionen und finanzpolitische Spielräume. |
| Martin Werding | Sozialpolitik, Alterung, öffentliche Finanzen, Arbeitsmarkt | Finanzwissenschaftlich und anreizorientiert; Schwerpunkt Tragfähigkeit der Sozialversicherung. |
Die Tabelle dokumentiert Unterschiede der Forschungsgegenstände und wirtschaftspolitischen Empfehlungen. Truger argumentiert stärker nachfrageorientiert, Grimm mit Schwerpunkt auf Anreizen und Marktdesign, Felbermayr aus der Perspektive internationaler Handelsbeziehungen. Gerade im Streit über unterschiedliche Mittel bleibt jedoch der übergreifende Bezugsrahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung bestehen. Die vom Gesetz eröffnete wissenschaftliche Kontroverse ist keine institutionelle Öffnung zur systematischen Kritik kapitalistischer Eigentums- und Klassenverhältnisse. Die Profile der Ratsmitglieder sind über ihre Namen in der Tabelle verlinkt.
Der Sachverständigenrat ist keine in allen Einzelfragen einheitlich argumentierende Stimme. Er empfahl 2024 beispielsweise eine flexiblere Schuldenbremse und diskutierte öffentliche Investitionen. Andere Gutachten befassen sich mit Produktivität, Anreizen und der Tragfähigkeit öffentlicher Finanzen. Solche Differenzen bestätigen in der öffentlichen Debatte den gemeinsamen Bezugsrahmen gerade dadurch, dass er selbst nicht zum Streitgegenstand wird. Was als umfassender wissenschaftlicher Meinungsstreit erscheint, bleibt in wesentlichen gesellschaftlichen Grundannahmen auf die marktwirtschaftliche Ordnung bezogen. [5]
Deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute und wirtschaftspolitische Beratungseinrichtungen
Die folgende Tabelle behält die Auswahl und die bisherigen fachlichen Zuordnungen bei. Sie macht die organisatorische Einbindung für alle Einrichtungen ausdrücklich kenntlich. Die Originalangaben zu Finanzierung, Trägern und Forschungsgegenständen stammen aus den Selbstdarstellungen der Institute und werden im Anmerkungsapparat unmittelbar verlinkt. Die wirtschaftstheoretische Zuordnung ist dagegen eine Analyse der jeweiligen Fragestellungen, Modelle und wirtschaftspolitischen Empfehlungen – nicht die unkritische Übernahme einer institutionellen Eigenwerbung. [6]
| Institut / institutionelle Einbindung | Tradition / wirtschaftstheoretische Orientierung | Typische Themen und wirtschaftspolitische Akzente |
|---|---|---|
| ifo Institut, MünchenÖffentlich grundfinanziertes Leibniz-Institut; formal unabhängig; wirtschafts- und politikberatende Netzwerke, auch mit Wirtschaftsvertretern. [7] | Dominanter Mainstream; Markt-, Wettbewerbs- und Anreizmodelle; überwiegend ordnungs- und angebotsorientierte Politikberatung. | Steuer- und Abgabenreformen, Investitions- und Arbeitsanreize, Wettbewerbsfähigkeit. |
| IfW Kiel – Kiel Institut für WeltwirtschaftÖffentlich grundfinanziertes Leibniz-Institut; formal unabhängig; internationale Wirtschafts- und Politikberatung. [8] | Mainstream internationaler Ökonomik; Außenhandel, Standort- und Wettbewerbszusammenhänge innerhalb offener Marktwirtschaften. | Außenhandel, internationale Integration, Geoökonomie, Weltkonjunktur; keine einheitliche Position zu jeder fiskalischen Frage. |
| RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, EssenÖffentlich grundfinanziertes Leibniz-Institut; formal unabhängig; anwendungsorientierte Politikberatung. [9] | Empirisch-kausalanalytischer Mainstream; Markt-, Arbeitsmarkt- und Anreizbeziehungen als Forschungsrahmen. | Arbeitsmarkt, Bildung, Gesundheit, Klima, Konjunktur; kausale Wirkungsevaluation. |
| IWH – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung HalleÖffentlich grundfinanziertes Leibniz-Institut; formal unabhängig; Forschung zu Unternehmen, Banken und Kapitalmärkten. [10] | Mainstream-Mikro- und Makroökonomie; Firmen, Finanzmärkte und Kapitalallokation innerhalb bestehender Eigentumsverhältnisse. | Banken, Kapitalallokation, Strukturwandel, Produktivität und Regulierung. |
| ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, MannheimÖffentlich gefördertes Leibniz-Institut (gGmbH); formal unabhängig; Forschung mit Leitbild funktionsfähiger Märkte. [11] | Empirisch-mikroökonomischer Mainstream; funktionsfähige Märkte, Wettbewerb und Institutionen als Leitperspektive. | Innovations- und Wettbewerbspolitik, Unternehmensbesteuerung, Arbeitsmarkt, Ungleichheit. |
| DIW BerlinÖffentlich grundfinanziertes Leibniz-Institut; formal unabhängig; auch Unternehmens- und Gewerkschaftsvertreter unter institutionellen Mitgliedern. [12] | Empirischer Mainstream mit teilweise keynesianischen und verteilungsorientierten Akzenten; auch Markt- und Unternehmensforschung. | Öffentliche Investitionen, Schuldenbremse, Verteilung, Energie- und Industriepolitik. |
| IW – Institut der deutschen Wirtschaft, KölnVon Wirtschafts- und Arbeitgeberverbänden sowie Unternehmen getragener Verein; ausdrücklich unternehmens- und arbeitgebernah. [13] | Markt-, Standort- und Wettbewerbsorientierung; häufig angebotsorientierte Interessen- und Politikperspektive. | Steuerentlastung, Wettbewerbsfähigkeit, Arbeitsanreize, Begrenzung von Sozialabgaben. |
| IMK – Institut für Makroökonomie und KonjunkturforschungInstitut der Hans-Böckler-Stiftung (DGB); gewerkschaftsnah. [14] | Keynesianisch geprägte Makroökonomie; Nachfrage und Verteilung; Reformperspektive innerhalb einer marktwirtschaftlichen Ordnung. | Nachfrage, Löhne, öffentliche Investitionen, konjunkturelle Stabilisierung. |
| WSI – Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches InstitutInstitut der Hans-Böckler-Stiftung (DGB); gewerkschaftsnah. [15] | Interdisziplinäre Arbeits-, Verteilungs- und Sozialforschung; Beschäftigtenperspektive, nicht identisch mit marxistischer Kritik der politischen Ökonomie. | Tarifbindung, Verteilung, Arbeitsbedingungen, Sozialstaat und soziale Ungleichheit. |
| IAB – Institut für Arbeitsmarkt- und BerufsforschungForschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit; gesetzlicher Forschungsauftrag; institutionell staatlich-sozialpolitisch eingebunden. [16] | Empirische, überwiegend mainstream-kompatible Arbeitsmarkt- und Wirkungsforschung; sozialpolitische Fragestellungen im gesetzlichen Auftrag. | Beschäftigung, Qualifizierung, Grundsicherung, Migration und Wirkungen von Arbeitsmarktinstrumenten. |
| FiFo Köln – Finanzwissenschaftliches ForschungsinstitutGemeinnütziges Institut, getragen von Förderverein mit öffentlichen und privaten Mitgliedern; Unternehmens- und Verbandsvertreter in Gremien; Auftragsforschung. [17] | Angewandte öffentliche Finanzwissenschaft; Effizienz, Nachhaltigkeit, Steuern und staatliche Steuerung in marktwirtschaftlicher Ordnung. | Steuern, kommunale Finanzen, Finanzausgleich, Ausgabenprogramme, fiskalische Nachhaltigkeit. |
| Dezernat Zukunft – Institut für MakrofinanzenEigenständiger gemeinnütziger Verein; überwiegend über Stiftungsförderung und Spenden finanziert; reformorientierte Denkfabrik. [18] | Reformorientierte Makrofinanzperspektive mit kritischer Haltung zu Gewinnmaximierung; öffentliche Finanzierung und Investitionen, nicht primär marxistische Eigentums- und Klassenanalyse. | Fiskalregeln, öffentliche Investitionen, nachhaltige Finanzierung, makroökonomische Politik. |
Einordnung der Tabelle: Bei den öffentlich geförderten Instituten ist „unabhängig“ zunächst eine rechtliche und organisatorische Eigenschaft, keine Aussage über theoretische Pluralität. „Gewerkschaftsnah“ wird ausdrücklich genannt; entsprechend sind auch unternehmens- und arbeitgebergetragene sowie stiftungs- und auftragsfinanzierte Einrichtungen ausgewiesen. Heterodoxe Forschungsrichtungen existieren in Deutschland durchaus, sind in dieser Auswahl der etablierten Beratungseinrichtungen aber kaum als eigenständiges Institut repräsentiert. Insbesondere fehlt eine institutionalisierte marxistische Kritik der politischen Ökonomie als gleichberechtigte Stimme.
Die theoretischen Zuordnungen bewerten nicht nur Schlagworte aus den Selbstdarstellungen. „Innovation“, „Wettbewerb“, „Arbeitsmarkt“ oder „Finanzwissenschaft“ benennen Forschungsgegenstände; sie sagen noch nicht, ob beispielsweise Eigentumsverhältnisse, gesellschaftliche Arbeit und kapitalistische Verwertung zum Erklärungsgegenstand werden. Die Einordnung beruht deshalb auf dem Forschungsprofil, der verwendeten wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive, charakteristischen Politikempfehlungen und den institutionellen Bedingungen. Der Ausdruck „Mainstream“ bezeichnet dabei nicht Theorie- oder Interessenfreiheit, sondern die wissenschaftlich dominierenden, überwiegend markt- und modellorientierten Ansätze.
Welche Einordnungen lassen sich konkret nachweisen?
An konkreten Veröffentlichungen wird sichtbar, wie aus Forschungsprofilen politische Problemdefinitionen entstehen. Das ifo Institut entwickelte 2024 Vorschläge für eine Reform des Steuer- und Abgabensystems, deren Argumentation Investitionsanreize, Arbeitsangebot, Wettbewerbsfähigkeit und Standortkosten in den Mittelpunkt stellt (Dorn u. a. 2024; Volltext im Literaturverzeichnis). Bemerkenswert ist auch der Auftraggeber dieser Studie: die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern. Hier wird die Verbindung zwischen Forschungsfrage, wirtschaftspolitischer Orientierung und institutionellem Auftrag besonders greifbar. [19]
Das DIW Berlin betont in Arbeiten zur Schuldenbremse die Notwendigkeit öffentlicher Investitionen und finanzpolitischer Handlungsspielräume. Marcel Fratzscher fordert 2025 darüber hinaus eine stärkere Verteilungsgerechtigkeit (Fratzscher 2025; Originaltext im Literaturverzeichnis). Das erweitert die wirtschaftspolitischen Antwortmöglichkeiten gegenüber angebotsorientierten Vorschlägen. Der zentrale Bezugsrahmen bleibt jedoch auch hier die Stabilisierung und Gestaltung einer kapitalistischen Marktwirtschaft.
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) nimmt in der Politikberatung besonders die Wettbewerbsfähigkeit und die Kosten der Unternehmen in den Blick. Ein IW-Policy-Paper von 2025 behandelt steigende Sozialversicherungsbeiträge als Belastung der Wettbewerbsfähigkeit und fordert Einschnitte beziehungsweise Ausgabendisziplin in den sozialen Sicherungssystemen (Hüther/Obst/Pimpertz 2025; Originaltext im Literaturverzeichnis). Dass das Institut von Wirtschafts- und Arbeitgeberverbänden sowie Unternehmen getragen wird, ist Teil seiner eigenen institutionellen Selbstdarstellung. Der Zusammenhang zwischen Trägerschaft, Forschungsproblem und wirtschaftspolitischer Empfehlung tritt hier offen hervor.
Das IMK bezeichnet seine Forschungsgrundlagen ausdrücklich als keynesianisch geprägt. Im Zentrum stehen gesamtwirtschaftliche Nachfrage, Konjunktur und öffentliche Investitionen. Das WSI untersucht Arbeitsbeziehungen, Tarifpolitik, soziale Ungleichheit und die Sicherung der Beschäftigten. Beide Institute gehören zur Hans-Böckler-Stiftung. Ihre gewerkschaftsnahe Perspektive setzt wichtige Gegenakzente zur Arbeitgeberorientierung des IW, bewegt sich in der etablierten Politikberatung aber überwiegend im Rahmen einer zu reformierenden Marktwirtschaft. Eine eigenständige marxistische Analyse der kapitalistischen Produktionsverhältnisse wird dadurch institutionell nicht ersetzt.
Die Forschungsprogramme der weiteren Institute zeigen dieselbe Struktur: ZEW, IWH und RWI widmen sich unter anderem Marktinstitutionen, Unternehmen, Kapitalallokation und der Wirkung politischer Instrumente. Das IAB untersucht Arbeitsmarkt und soziale Sicherung im gesetzlichen Auftrag der Bundesagentur für Arbeit; das FiFo behandelt öffentliche Finanzen und arbeitet auch für private und öffentliche Auftraggeber. Das Dezernat Zukunft setzt mit öffentlichen Investitionen und demokratischer Gestaltung eigene reformorientierte Akzente. Die Unterschiedlichkeit dieser Gegenstände und Positionen hebt die gemeinsame Orientierung an ökonomischen Steuerungs- und Reformproblemen nicht auf. Die institutionellen Selbstbeschreibungen, auf denen diese Darstellung beruht, stehen direkt im Anmerkungsapparat.
Wissenschaftliche Vielfalt und institutionelle Macht
Die Unterschiede der Institute betreffen Forschungsgegenstände, Trägerschaft, Finanzierung und politische Adressaten. Öffentlich grundfinanzierte Leibniz-Institute stehen neben dem von Wirtschafts- und Arbeitgeberverbänden getragenen IW, den gewerkschaftsnahen Instituten IMK und WSI, der Forschungseinrichtung IAB innerhalb der Bundesagentur für Arbeit, dem FiFo mit einer Fördergesellschaft aus privaten und öffentlichen Mitgliedern und dem stiftungsfinanzierten Dezernat Zukunft. Die offengelegten institutionellen Verhältnisse müssen in der Wirtschaftsberichterstattung ebenso sichtbar werden wie ihre Forschungsergebnisse. [1]
Die institutionellen Bindungen erklären für sich allein keine einzelne wissenschaftliche Aussage. Für die politisch-ökonomische Einordnung entscheidend ist, welche gesellschaftlichen Voraussetzungen Forschungsfragen und Modelle übernehmen. Märkte, Unternehmen, Gewinne, Löhne und Staatshaushalte werden überwiegend als gegebene Institutionen untersucht, deren Funktionsfähigkeit verbessert werden soll. Umstritten sind Steuern, Verteilung, Regulierung, Staatsausgaben und Anreize; der kapitalistische Eigentums- und Verwertungszusammenhang selbst wird in den etablierten Programmen dagegen nicht systematisch zum Gegenstand. Diese Gemeinsamkeit erklärt, weshalb die veröffentlichten Positionen trotz ihrer Gegensätze einen gemeinsamen Deutungsrahmen reproduzieren.
Die Studie Wirtschaftspolitische Paradigmen als Deutungsmuster im öffentlichen Diskurs über Arbeitsmarktpolitik von Otto u. a. untersucht die Dominanz angebotsorientierter Problemdefinitionen und die Beziehungen zwischen Regierung, Parlament und Medien. In ihrem Forschungsstand behandelt sie die institutionelle Marginalisierung heterodoxer Wirtschaftswissenschaften und die Arbeit des Sachverständigenrats. Heise, Sander und Thieme analysieren die Reproduktion der herrschenden wirtschaftswissenschaftlichen Lehr- und Forschungsrichtungen; Köhrsen zeigt die Stabilität wirtschaftspolitischer Orientierungen in der Politikberatung auch während der Finanzkrise. Diese Arbeiten bilden eine Grundlage für die Erklärung, wie sich wirtschaftswissenschaftliche Deutungen institutionell und medial durchsetzen.
Aus Sicht der Kritik der politischen Ökonomie geht es daher nicht nur um unzureichende Meinungsvielfalt. Wenn die unterschiedlichen Institute wirtschaftliche Probleme als Fragen effizienter Märkte, produktiver Unternehmen, angemessener Nachfrage oder tragfähiger öffentlicher Haushalte behandeln, setzen sie die kapitalistische Produktionsweise bereits voraus. Ihre Kontroversen bestätigen diesen Rahmen: Sie diskutieren konkurrierende Lösungen innerhalb derselben gesellschaftlichen Ordnung und reproduzieren ihn dabei als scheinbar selbstverständliche Grundlage wirtschaftlicher Vernunft. Gewerkschaftsnahe und nachfrageorientierte Einrichtungen erweitern das Spektrum, stehen im institutionellen Feld aber eher am Rand der dominierenden Ausrichtung. Eigenständige heterodoxe Ansätze und insbesondere eine marxistische Kritik der politischen Ökonomie sind in den hier erfassten großen Beratungsinstitutionen nicht als gleichberechtigte Forschungsrichtungen vertreten. [20]
Nicht verwechseln: Sachverständigenrat und Wirtschaftsrat der CDU
Der Wirtschaftsrat der CDU e. V. ist kein gesetzliches Sachverständigengremium, sondern bezeichnet sich selbst als unternehmerischen Berufsverband. Er vertritt nach seinem eigenen Leitbild unternehmerische Interessen gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit und wird durch seine Mitglieder finanziert. Seine programmatische Orientierung an der Sozialen Marktwirtschaft, am Wirtschaftsstandort und an der Wettbewerbsfähigkeit unterscheidet sich institutionell vom gesetzlichen Auftrag des unabhängigen Sachverständigenrats. Für journalistische Beiträge ist diese begriffliche Trennung unverzichtbar. [21]
Wirtschaftsnahe Verbände, Stiftungen und Kampagnenorganisationen
Die wirtschaftspolitische Öffentlichkeit wird nicht allein von Universitäten, Forschungsinstituten und Sachverständigenräten geprägt. Unternehmerverbände, wirtschaftsnahe Stiftungen, Vereine und Kommunikationsgesellschaften erzeugen und verbreiten eigene wirtschaftspolitische Problemdefinitionen. Sie vergeben Forschungsaufträge, organisieren Beiräte und Konferenzen, entwickeln Positionen für Gesetzgebungsverfahren und setzen ihre Themen durch professionelle Medienarbeit auf die öffentliche Agenda.
Die folgende Übersicht unterscheidet die jeweilige institutionelle Form und Finanzierung von der politischen Funktion. Ein Arbeitgeberverband ist nicht dasselbe wie eine gemeinnützige Stiftung oder ein über Mitgliedsbeiträge finanzierter Steuerzahlerverein. Für die Kritik der politischen Ökonomie ist jedoch entscheidend, welche gesellschaftlichen Voraussetzungen die jeweiligen Erklärungen und Forderungen teilen: In den hier aufgeführten Einrichtungen werden Eigentum, privatwirtschaftliche Investitionsentscheidung, Marktwettbewerb und Wettbewerbsfähigkeit im Wesentlichen als Ordnungsvoraussetzungen behandelt, nicht als grundsätzlich zur Disposition stehende Produktionsverhältnisse.
| Organisation | Form, Träger, Finanzierung | Wirkungsweise und Verbindungen | Wirtschaftspolitischer Orientierungsrahmen |
|---|---|---|---|
| INSM – Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft[23] | Kampagnen-GmbH; Finanzierung durch Gesamtmetall; alleinige Gesellschafterin: IW Medien GmbH. | Politische Öffentlichkeitsarbeit, Kampagnen und Studien; direkte Verbindung zwischen Arbeitgeberverband, IW-Umfeld und Medienarbeit. | Marktwirtschaftliche Reformen, Wettbewerb und unternehmerische Freiheit. |
| Gesamtmetall[24] | Dachverband der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie. | Tarifpolitische Koordination, Politikberatung, Öffentlichkeitsarbeit; Auftraggeber und Finanzier der INSM. | Arbeitgeberperspektive auf Arbeitskosten, Tarifpolitik und Standortbedingungen. |
| Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI)[25] | Spitzenverband der Industrie; Mitgliedsverbände sind Branchen- und Industrieverbände. | Bündelt Branchenpositionen und tritt gegenüber Regierung, EU, Parlament und Medien auf. | Wettbewerbsfähigkeit und Soziale Marktwirtschaft als explizite Ausgangspunkte. |
| Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)[26] | Spitzenverband der Arbeitgeber; getragen von Fach- und Landesverbänden. | Positioniert sich in Arbeits-, Sozial-, Tarif- und Bildungspolitik sowie bei Gesetzgebung und Sozialversicherung. | Arbeitgeber- und Unternehmensperspektive auf Arbeit, Sozialbeiträge und Sozialstaat. |
| Wirtschaftsrat der CDU e. V.[27] | Mitgliedsfinanzierter unternehmerischer Berufsverband; rechtlich keine CDU-Parteigliederung. | Fachkommissionen, wirtschaftspolitische Netzwerke und wissenschaftlicher Beirat mit Ökonomen aus Forschungsinstituten. | Soziale Marktwirtschaft, Wettbewerbsfähigkeit und unternehmerischer Erfolg. |
| DIE FAMILIENUNTERNEHMER e. V.[28] | Wirtschaftsverband; vor allem Mitgliedsbeiträge und wirtschaftliche Tätigkeit. | Gespräche mit Politik, Stellungnahmen und Lobbyarbeit zu Steuern, Regulierung, Arbeit und Unternehmertum. | Perspektive von Eigentümern und Führung familiengeführter Unternehmen. |
| Stiftung Familienunternehmen[29] | Gemeinnützige, von größeren Familienunternehmen geförderte Stiftung. | Vergibt Forschungsaufträge, unterstützt universitäre Institute und verbreitet Studien in Wissenschaft, Politik und Medien. | Familienunternehmen als eigenständiger, gesellschaftlich förderungswürdiger Unternehmenstyp. |
| Stiftung Familienunternehmen und Politik[30] | Stiftung mit Dienstleistungsverträgen mit Familienunternehmen; gesonderte Interessenvertretung. | Stellungnahmen, Gespräche und Veranstaltungen mit Politik und Wissenschaft; im Lobbyregister geführt. | Steuer-, Eigentums-, Regulierungs- und Standortinteressen großer Familienunternehmen. |
| Stiftung Marktwirtschaft / Kronberger Kreis[31] | Privat unterstützter Thinktank; Kronberger Kreis als wissenschaftlicher Beirat. | Studien, Gutachten und Reformvorschläge; personelle Verbindungen zu Universitäten und Instituten. | Wettbewerbsordnung, Eigenverantwortung, Haushalts- und Steuerdisziplin. |
| Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft (ASM)[32] | 1953 gegründeter gemeinnütziger Verein; Mitgliedsbeiträge, Spenden und Förderung u. a. durch Heinz Nixdorf Stiftung. | Wirtschaftspolitische Bildung, wissenschaftliche Tagungen und Dialog mit Entscheidungsträgern. | Verbreitung und Legitimation der Sozialen Marktwirtschaft als Ordnungskonzept. |
| Bund der Steuerzahler Deutschland (BdSt)[33] | Vereinsverband; Finanzierung laut Selbstdarstellung über Beiträge und Spenden; nicht mit einem Arbeitgeberverband gleichzusetzen. | Schwarzbuch, Haushaltskritik, Musterprozesse, Lobby- und Medienarbeit. | Steuer- und Abgabensenkung, Schuldenabbau, Kritik öffentlicher Ausgaben. |
| Der Mittelstand. BVMW e. V.[34] | Freiwilliger Verband der mittelständischen Wirtschaft; eigenständiger Interessenverband. | Mittelstandsallianz, Wirtschaftssenat, politische Gremien und regionales Netzwerk. | Freies Unternehmertum, Soziale Marktwirtschaft, mittelständische Standortinteressen. |
| Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN)[35] | Dachverband von mehr als 100 Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden; Landesorganisation im BDA-/BDI-Netzwerk. | Interessenvertretung gegenüber Landespolitik, Gewerkschaften und Öffentlichkeit. | Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Niedersachsen und Arbeitgeberperspektive. |
| Ludwig-Erhard-Stiftung e. V.[36] | Gemeinnütziger Verein; Beiträge, Spenden und projektbezogene Fördermittel aus mehreren Quellen. | Publikationen, Preise für Wirtschaftspublizistik, Ludwig-Erhard-Forum, Netzwerk von Ökonomen und Publizisten. | Ordnungspolitische Verbreitung des Erhard-Verständnisses Sozialer Marktwirtschaft. |
Die Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft (ASM), gegründet 1953, und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) sind unterschiedliche Einrichtungen. Ebenso dürfen die Stiftung Familienunternehmen, die Stiftung Familienunternehmen und Politik und der Verband DIE FAMILIENUNTERNEHMER nicht als ein und dieselbe Organisation behandelt werden. Ihr gemeinsames politisches Themenfeld ersetzt nicht die Prüfung ihrer jeweiligen Träger- und Finanzierungsverhältnisse.
Wie Forschungsautorität und organisierte Interessenvertretung ineinandergreifen
Der Zusammenhang zwischen Forschung und Interessenvertretung lässt sich an konkreten Verbindungen nachweisen. Die INSM wird von Gesamtmetall finanziert und gehört über ihre Gesellschafterin IW Medien GmbH zum Umfeld des Instituts der deutschen Wirtschaft. Die Stiftung Familienunternehmen fördert Forschung und universitär angebundene Institute. Im wissenschaftlichen Beirat des Wirtschaftsrats der CDU wirken unter anderem Personen aus ifo, IWH, IfW und ZEW mit; der Kronberger Kreis verbindet Wissenschaftler mit der Stiftung Marktwirtschaft. Außerdem förderte die Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft nach den veröffentlichten Lobbyregisterangaben 2025 die Ludwig-Erhard-Stiftung. [37]
Diese Verbindungen schaffen einen institutionellen Zusammenhang von Forschungsproduktion, Politikberatung und öffentlicher Deutung. Wissenschaftliche Autorität kann politischen Forderungen Gewicht verleihen; Verbände und Stiftungen können dieselben Deutungen in Stellungnahmen, Gutachten, Interviews und Kampagnen erneut aufgreifen. Was als theoretisch und institutionell vielfältige Aussage erscheint, kann dadurch denselben vorausgesetzten wirtschaftlichen Ordnungsrahmen mehrfach bestätigen. Die wechselseitige Verstärkung ist nicht nur eine Möglichkeit, sondern eine strukturelle Folge, wenn unterschiedliche Akteure innerhalb dieses gemeinsamen Rahmens argumentieren.
Die Kritik sollte deshalb weder alle Einrichtungen institutionell gleichsetzen noch die Differenzen ihrer wirtschaftspolitischen Empfehlungen leugnen. Die Unterschiede sind real – etwa zwischen steuerpolitischer Interessenvertretung, Arbeitgeberpolitik, Forschungsförderung und Bildungsarbeit. Sie betreffen jedoch überwiegend die Ausgestaltung der Marktwirtschaft. Eine systematische Kritik an Eigentumsverhältnissen, Klassenmacht und Kapitalverwertung ist in dieser Auswahl keine gleichberechtigt institutionalisierte Perspektive. Der Bund der Steuerzahler ist etwa nicht als von Gesamtmetall finanzierter Arbeitgeberverband zu behandeln, auch wenn seine Steuer- und Haushaltsforderungen mit anderen markt- und angebotsorientierten Deutungen zusammenfallen können. [38]
Gerade diese zusätzliche Ebene ergänzt die Analysen der Lernwerkstatt zu den wirtschaftspolitischen Deutungsmustern, der Expertenauswahl in Wirtschaftsredaktionen und der betriebswirtschaftlichen Rahmung der Volkswagen-Berichterstattung: Nicht einzelne Stimmen, sondern ein Netzwerk aus Wissenschaft, Verbänden, Stiftungen, Medien und Politik reproduziert den gemeinsamen Deutungsrahmen.
Was bedeutet das für den Wirtschaftsjournalismus?
Die beiden Tabellen dokumentieren eine Vielfalt institutioneller Formen, Forschungsgegenstände, Methoden und wirtschaftspolitischer Positionen. Sie zeigen zugleich, wie ein gemeinsamer Deutungsrahmen durch unterschiedliche Stimmen bestätigt und dadurch stabilisiert wird. Experten können über Löhne, Steuern, Sozialleistungen, Investitionen und Schulden streiten; weil sie dabei dieselbe kapitalistische Wirtschaftsordnung voraussetzen, wird deren Grundstruktur nicht zur öffentlich verhandelten Frage. Die gegenseitige Bestätigung ist unter dieser Voraussetzung keine bloße Möglichkeit, sondern liegt in der Art der Kontroverse selbst: Der gemeinsame Rahmen erscheint durch die unterschiedlichen Antworten als unabhängig bestätigte Realität.
Eine sachkundige Wirtschaftsredaktion muss daher vier Ebenen auseinanderhalten: Was wurde empirisch gemessen? Welches Modell erklärt den Befund? Welche Eigentums-, Klassen- und Produktionsverhältnisse setzt das Modell voraus? Und welche Interessen berühren die empfohlenen Maßnahmen? Solange die dritte Frage ausbleibt, wird wirtschaftspolitischer Streit innerhalb des etablierten Rahmens als theoretischer Pluralismus präsentiert.
Der Zusammenhang mit unseren bisherigen Beiträgen ist unmittelbar: „Wer bestimmt, was als wirtschaftlich vernünftig gilt?“ zeigt die historische Dominanz bestimmter ökonomischer Deutungsmuster in Medien und Politik. „Wer erklärt uns die Wirtschaft?“ verbindet Befunde zur journalistischen Ausbildung, zum Framing und zur Themenauswahl. „Wenn sich Wirtschaftsredaktionen und Experten gegenseitig bestätigen“ untersucht die journalistische Bestätigungsschleife. Die „Kleine Nachhilfestunde für Wirtschaftsredakteure“ zeigt am Beispiel Volkswagen, wie betriebswirtschaftliche Rechnungsgrößen zu gesamtgesellschaftlichen Sachzwängen umgedeutet werden. Die Auswahl und Rahmung wirtschaftswissenschaftlicher Expertise ist Teil desselben Mechanismus: Unterschiedliche Aussagen werden als Bestätigung eines gemeinsamen, nicht mehr hinterfragten Orientierungsrahmens verwendet. [22]
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, welcher Experte etwas erklärt. Entscheidend ist, welche gesellschaftlichen Verhältnisse die gesamte Expertenauswahl als selbstverständlich voraussetzt – und welche Fragen dadurch aus der wirtschaftspolitischen Öffentlichkeit ausgeschlossen bleiben.
Anmerkungen und Originalquellen der Einrichtungen
[1]
BMWE, „Institutionelle Förderung der Leibniz-Wirtschaftsinstitute“ (öffentliche Grundfinanzierung und Politikberatung); ifo Institut, „Über ifo“ (ausdrücklich: Soziale Marktwirtschaft als Ordnungsrahmen). Die theoretische Einordnung wird aus den Forschungsprogrammen und den im Literaturverzeichnis dokumentierten wissenschaftlichen Analysen entwickelt.
[2]
Heise/Sander/Thieme (2017), insbesondere S. 39–52 und 53–126; Otto u. a., Kapitel 3.1, S. 23–36; Marx, Das Kapital, MEW 23. Vollständige Nachweise und digitale Zugänge stehen im Abschnitt „Weiterführende wissenschaftliche Literatur“. Der Unterschied zwischen Themenvielfalt und der Vielfalt gesellschaftstheoretischer Voraussetzungen ist die politisch-ökonomische Auswertung dieser Literatur.
[3]
Gesetz über die Bildung eines Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, § 2 (Auftrag und marktwirtschaftlicher Ordnungsrahmen); Sachverständigenrat, Gesetzestext einschließlich § 3 (abweichende Meinungen).
[4]
Sachverständigenrat Wirtschaft, „Ratsmitglieder“, mit direkten Einzelprofilen zu Monika Schnitzer, Gabriel Felbermayr, Veronika Grimm, Achim Truger und Martin Werding (Stand Oktober 2026). Die Einordnung der theoretischen Orientierung ist eine Auswertung der dort dokumentierten Fachgebiete und wirtschaftspolitischen Veröffentlichungen und keine Selbstklassifikation der Mitglieder.
[5]
Sachverständigenrat Wirtschaft, Policy Brief 1/2024, „Die Schuldenbremse nach dem BVerfG-Urteil: Flexibilität erhöhen – Stabilität wahren“ (Originaltext und PDF); Jahresgutachten 2025/26.
[6]
BMWE, „Wirtschaftspolitische Forschung und Analyse“, Abschnitt „Institutionelle Förderung der Leibniz-Wirtschaftsinstitute“. Die Quelle belegt Status und öffentliche Förderung; die theoretische Einordnung beruht zusätzlich auf den folgenden offiziellen Forschungsprofilen und den Publikationen im Literaturverzeichnis.
[7]
ifo Institut, „Über ifo“, insbesondere Mission, Soziale Marktwirtschaft als Ordnungsrahmen und Zusammensetzung der Gremien; „Forschung am ifo“, Forschungsbereiche und CESifo-Netzwerk; ifo-Projektbeschreibung mit Auftraggeber IHK München. Forschungsbericht Dorn u. a. (2024) mit direktem PDF im Literaturverzeichnis.
[8]
Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW), offizielle Website, Rubriken Forschung, Weltwirtschaft und Politikberatung; BMWE, öffentliche institutionelle Förderung. Die Einordnung als Forschungsprogramm des internationalen ökonomischen Mainstreams ergibt sich aus der Schwerpunktsetzung auf Handel, internationale Märkte und wirtschaftspolitische Steuerung.
[9]
RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, offizielle Website, Forschungsbereiche und Publikationen; Leibniz-Gemeinschaft, Institutsprofil des RWI; BMWE, institutionelle Förderung.
[10]
IWH Halle, „Kurzportrait“, Forschungsprofil, Schwerpunkte Finanzstabilität, Unternehmen, Produktivität und Strukturwandel; BMWE, institutionelle Förderung.
[11]
ZEW, „Über das ZEW“, Forschungsansatz, Finanzierung und Forschungsbereiche; BMWE, institutionelle Förderung. Die marktwirtschaftliche Leitperspektive wird anhand der dokumentierten Ausrichtung auf Wettbewerb, Märkte, Institutionen und Innovation eingeordnet.
[12]
DIW Berlin, „Über uns“, Mission und Finanzierung (öffentlich grundfinanziert, Drittmittel); „Organisation“, Liste institutioneller Mitglieder einschließlich Unternehmen, Bundesbank und DGB. Fratzscher (2025) zur Schuldenbremse: vollständiger Originalbeitrag im Literaturverzeichnis.
[13]
IW Köln, „Über uns“, Abschnitte „Mitglieder“ und Finanzierung: Mitgliedsverbände, Unternehmen, Mitgliedsbeiträge und eigene Bindung an die Soziale Marktwirtschaft. Die wirtschaftspolitische Position ist anhand von Hüther/Obst/Pimpertz (2025), IW-Policy-Paper 3/2025, dokumentiert; direkter PDF-Link im Literaturverzeichnis.
[14]
IMK, „Das Institut“: ausdrücklich keynesianisch geprägte moderne Wirtschaftstheorie, empirische Makroökonomie und Stiftungsfinanzierung; Hans-Böckler-Stiftung, „Die Institute“, institutionelle Zugehörigkeit.
[15]
WSI, „Forschung am WSI“: Arbeitsmarkt, Tarifpolitik, Verteilung, Sozialstaat; Hans-Böckler-Stiftung, „Die Institute“, Forschungsauftrag mit Bezug zu Beschäftigten und Gewerkschaften.
[16]
IAB, „Forschung, Daten und Beratung“; IAB, „Informationen für Teilnehmende“, Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit und gesetzliche Grundlagen (§ 55 SGB II, §§ 280, 282 SGB III).
[17]
FiFo Köln, „Das FiFo“, Forschungsfelder und Auftraggeber einschließlich Unternehmen und Verbänden; „Fördergesellschaft“, Zusammensetzung der Trägergesellschaft, Mitglieder und Gremien.
[18]
Dezernat Zukunft, „Institut“, Leitbild und Transparenzangaben: Gemeinnützigkeit, Vereinsstruktur, Stiftungsförderung und ausdrücklich formulierte Orientierung an menschlicher Entfaltung statt Gewinn- oder Wachstumsmaximierung.
[19]
Die Beispiele sind in der wissenschaftlichen Literatur dokumentiert: Dorn u. a. (2024), Fratzscher (2025), Hüther/Obst/Pimpertz (2025). Die vollständigen bibliografischen Angaben und die Direktlinks zu den digitalisierten Originalen stehen im folgenden Literaturverzeichnis.
[20]
Heise/Sander/Thieme (2017), besonders S. 53–126 zur Marginalisierung heterodoxer Ökonomik; Otto u. a., Kapitel 3.1 und 6.3; Köhrsen (2011) zur wirtschaftswissenschaftlichen Politikberatung. Außerdem Marx, Das Kapital, MEW 23, zur Differenz von einzelwirtschaftlichen Kategorien und gesellschaftlichen Produktionsverhältnissen. Vollständige Titel und digitalisierte Originale: Literaturverzeichnis.
[21]
Wirtschaftsrat der CDU e. V., „Leitbild“: Selbstbezeichnung als unternehmerischer Berufsverband, Mitgliederfinanzierung und Interessenvertretung; Sachverständigenratsgesetz, § 2 zum davon verschiedenen gesetzlichen Beratungsauftrag.
[22]
Die vier im Text genannten Originalbeiträge der Lernwerkstatt sind am Ende unter „Bezugsbeiträge“ einzeln verlinkt. Wissenschaftliche Bezugspunkte für die Einordnung: Heise/Sander/Thieme (2017), Otto u. a., Köhrsen (2011), Marx, Das Kapital. Die Zusammenführung als wechselseitig reproduzierter Orientierungsrahmen ist die Argumentation dieses Beitrags.
[23]
INSM, „Über uns“: ausschließliche Finanzierung durch Metall- und Elektro-Arbeitgeber über Gesamtmetall; die IW Medien GmbH ist alleinige Gesellschafterin. Lobbyregister R002337: Interessenvertretung im Auftrag von Gesamtmetall und Ziel der politischen Öffentlichkeitsarbeit.
[24]
Gesamtmetall, „Aufgaben“: Tarifpolitik, Politikberatung und die gemeinsame publizistische Linie der Mitgliedsverbände. INSM-Lobbyregister: Gesamtmetall als Auftraggeber.
[25]
BDI, „Unsere Mission“ (Soziale Marktwirtschaft, Positionen der Mitgliedsverbände, Kontakte zur Politik); Mitgliedsverbände und Satzung, § 2.
[26]
BDA, „Die BDA“: explizite Arbeitgeberinteressen und Wettbewerbsfähigkeit; „Mitglieder“: Fach- und Landesverbände, Interessenvertretung und Zusammenarbeit in den Sozialversicherungen.
[27]
Wirtschaftsrat der CDU, „Leitbild“: Berufsverband, eigenständige Rechtsform, Finanzierung aus Mitgliedsbeiträgen, wirtschaftspolitische Ziele. „Wissenschaftlicher Beirat“: Namen und institutionelle Zugehörigkeiten. Lobbyregister R001795.
[28]
DIE FAMILIENUNTERNEHMER, Lobbyregister R000433 (wirtschaftspolitische Interessenvertretung, Beitragsfinanzierung und gemeldete Vorhaben); ergänzend abgeordnetenwatch.de: Recherche zur Lobbymacht des Verbands.
[29]
Stiftung Familienunternehmen, „Was die Stiftung macht“: Förderung durch rund 600 Firmen; „Förderung wissenschaftlicher Institute“: Forschungsaufträge und Hochschulförderung; „Förderer werden“.
[30]
Stiftung Familienunternehmen und Politik, „Die Stiftung“: Finanzierung über Dienstleistungsverträge mit Familienunternehmen; Lobbyregister R000083: politische Tätigkeiten, Gesetzesvorhaben und Mittelaufwendungen.
[31]
Stiftung Marktwirtschaft, „Über uns“: Finanzierung aus privaten Mitteln, Leitbild und Reformaktivitäten; Kronberger Kreis als wissenschaftlicher Beirat; Stiftungsrat und Kuratorium.
[32]
Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft, „Über uns“: Gründung 1953, Ziele, Bildung und Förderung durch die Heinz Nixdorf Stiftung; „Mitgliedschaft“: Beiträge und Spenden. Nicht mit der INSM zu verwechseln.
[33]
Bund der Steuerzahler, „Der BdSt stellt sich vor“: Steuern, Schulden, Musterprozesse und Medienarbeit; „Aufbau und Struktur“: Beiträge und Spenden. Lobbyregister R001045: Bundesverband als Dach der Landesverbände.
[34]
BVMW, Satzung: eigenständige Interessenvertretung, Mittelstandsallianz und Wirtschaftssenat; „Über uns“: Gremien, Verbandsarbeit und Veranstaltungen.
[35]
Unternehmerverbände Niedersachsen, „Die UVN“: Mitgliedsverbände, Verbindung zu BDA und BDI sowie Interessenvertretung gegenüber Landesregierung, Parlament und Gewerkschaften.
[36]
Ludwig-Erhard-Stiftung, „Die Stiftung“: publizistische und ordnungspolitische Aufgaben; Lobbyregister R006613: für 2025 gemeldete Mittel, darunter Beiträge der Heinz Nixdorf Stiftung und der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft sowie öffentliche Projektförderung.
[37]
Direkte organisatorische Verbindungen: INSM – Gesamtmetall – IW Medien; Wirtschaftsrat: wissenschaftlicher Beirat; Stiftung Marktwirtschaft: Kronberger Kreis; Stiftung Familienunternehmen: Forschungsförderung; Ludwig-Erhard-Stiftung: Mittelherkunft. Die Überschneidungen belegen institutionelle und personelle Beziehungen, nicht automatisch eine vollständige Gleichheit aller Einzelpositionen.
[38]
Zur Differenzierung der Interessenformen: Bund der Steuerzahler nennt Mitgliedsbeiträge und Spenden als Finanzierung; Stiftung Marktwirtschaft betont Unabhängigkeit von Verbänden. Die politisch-ökonomische Aussage des Haupttextes betrifft den gemeinsamen Rahmen ihrer Problemdefinitionen, nicht die Behauptung eines identischen Finanzierungswegs.
Untersuchte Einrichtungen und zentrale Quellen
Sachverständigenrat: Mitglieder und Profile; Jahres- und Frühjahrsgutachten; Bundeswirtschaftsministerium: Forschung und Förderung. Weitere offizielle Institutsprofile sind über die beiden Tabellen sowie die Anmerkungen erschlossen.
Weiterführende wissenschaftliche Literatur
Dorn, Florian; Fuest, Clemens; Neumeier, Florian; Peichl, Andreas; Zamorski, Pascal (2024): Elemente einer grundlegenden Reform für das Steuer- und Abgabensystem in Deutschland. ifo Forschungsberichte 151. München: ifo Institut. Volltext (PDF); Auftraggeber und Projektbeschreibung (ifo).
Fratzscher, Marcel (2025): „Wir brauchen eine generationengerechte Schuldenbremse“. In: DIW Wochenbericht 11/2025, S. 180. Originalbeitrag und PDF-Download.
Heise, Arne (2007): Das Ende der neoklassischen Orthodoxie? Oder: Wieso ein methodischer Pluralismus gut täte. Bibliografischer Nachweis und ZusammenfassungDigitalisierter Originaltext (PDF) · .
Heise, Arne; Sander, Henrike; Thieme, Sebastian (2017): Das Ende der Heterodoxie? Die Entwicklung der Wirtschaftswissenschaften in Deutschland. Wiesbaden: Springer VS. Verlagsausgabe.
Hüther, Michael; Obst, Thomas; Pimpertz, Jochen (2025): Steigende Sozialversicherungsbeiträge belasten die Wettbewerbsfähigkeit. IW-Policy-Paper 3/2025. Köln: Institut der deutschen Wirtschaft. Volltext (PDF).
Köhrsen, Jens-Ole (2011): Paradigmenwechsel in der wirtschaftswissenschaftlichen Politikberatung? IMK Study 2/2011. Volltext (PDF).
Marx, Karl (1867): Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band. In: Marx-Engels-Werke, Band 23. Berlin: Dietz. Digitalisierte Ausgabe.
Otto, Kim u. a.: Wirtschaftspolitische Paradigmen als Deutungsmuster im öffentlichen Diskurs über Arbeitsmarktpolitik. Hans-Böckler-Stiftung. Volltext (PDF).
Weitere Dokumentationen zur wirtschaftspolitischen Interessenvertretung
LobbyControl (2025): „SOS Wirtschaft“ – Analyse der INSM-Kampagnen im Bundestagswahlkampf.
Röttger, Tania (2023, aktualisiert 2026): Die Lobbymacht der Familienunternehmer. abgeordnetenwatch.de.
Lobbyregister des Deutschen Bundestags: öffentlich zugängliche Registereinträge zu Organisationsform, Auftraggebern, Finanzierung, Personal und politischer Interessenvertretung.
Bezugsbeiträge der Lernwerkstatt Film und Geschichte
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Neoliberalismus als ideologisches Element kultureller Hegemonie.
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