Bau des neuen Rathauses

12 Jahre Bauzeit – 10 Millionen Mark an Kosten

Zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert entstand am Marktplatz die Baugruppe des Altstädter Rathauses, die über Jahrhunderte das politische Zentrum Hannovers blieb. Doch mit der Ausdehnung der Stadt im 19. Jahrhundert und dem rasanten Wachstum ihrer Verwaltung reichte das alte Rathaus nicht mehr aus. Bereits in den 1840er Jahren dachte man über einen Neubau am Marktplatz nach; der Abriss des Fachwerk‑Apothekerflügels und der Bau des sogenannten „Dogenpalasts“ zeugen von diesen frühen Modernisierungsversuchen. 1862 entschied sich der Magistrat jedoch für einen pragmatischen Schritt und zog in das Wangenheimpalais an der Friedrichstraße um.

In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Verwaltung weiter, verteilte sich auf zahlreiche angemietete Gebäude und verlor ihre räumliche Einheit. Um diesem Zustand abzuhelfen und zugleich ein repräsentatives Zeichen städtischer Selbstbehauptung zu setzen, schrieb die Stadt 1895 einen Architektenwettbewerb für ein neues Rathaus aus. Als Standort setzte sich das Gelände am damaligen südlichen Innenstadtrand durch – am Friedrichswall, wo bereits das Kestner‑Museum stand und wo ein neuer „Rathauspark“ als südliches Pendant zur Altstadt entstehen sollte.

Aus dem engeren Wettbewerb ging der Berliner Architekt Hermann Eggert als Sieger hervor, der sich bereits mit dem Straßburger Kaiserpalast und dem Frankfurter Hauptbahnhof einen Namen gemacht hatte. Eggert entwarf ein monumentales Gebäude im Stil der Neorenaissance, das bewusst auf den traditionellen Rathausturm verzichtete und stattdessen eine mächtige Kuppel erhielt – eine städtebaulich moderne Entscheidung, die auf Anregung Otto Wagners zurückging.

Der Bau begann 1901 und ruhte auf über 6000 Buchenpfählen. Während der Arbeiten kam es jedoch zu Konflikten über die Innenraumgestaltung: Eggert lehnte den von Stadtdirektor Heinrich Tramm bevorzugten Jugendstil ab und wurde 1909 durch Gustav Halmhuber ersetzt, der den Innenausbau prägte. Unter Tramm entwickelte sich das Projekt zu einem Höhepunkt bürgerlicher Repräsentationsarchitektur. Künstler wie Ferdinand Hodler, dessen monumentales Gemälde Einmütigkeit 1913 entstand, und zahlreiche Bildhauerinnen und Bildhauer gestalteten das Innere.

Kaiser Wilhelm II. bei der Einweihung, dritter von links ist Stadtdirektor Heinrich Tramm mit der Amtskette.

Nach zwölfjähriger Bauzeit wurde das Neue Rathaus am 20. Juni 1913 im Beisein Kaiser Wilhelms II. feierlich eingeweiht. Tramm überreichte dem Kaiser das Gebäude mit den berühmten Worten: „Alles bar bezahlt, Majestät.“ Der Bau kostete zehn Millionen Mark und demonstrierte selbstbewusst die Leistungsfähigkeit der aufstrebenden Großstadt Hannover.

Das Neue Rathaus wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, später jedoch wiederhergestellt. Heute ist es Sitz der Stadtverwaltung und eines der markantesten Wahrzeichen Hannovers – ein Monument der wilhelminischen Epoche, der städtischen Modernisierung und des politischen Selbstverständnisses der Stadt um 1900.

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