Kategorie: Greffrath, Bettina

Formen der Wahrnehmung der Gegenwart

Formen der Wahrnehmung der Gegenwart

Der Beitrag untersucht, wie Spielfilme der frühen Nachkriegszeit die Wahrnehmung der Gegenwart inszenieren. Fensterblicke, Dunkelheit, Rummelplätze und gestörte Wahrnehmungen stehen für Verunsicherung und Realitätsflucht. Am Beispiel von Wozzeck und Nachtwache wird sichtbar, wie Hinsehen, Wegsehen und Verdrängen zu zentralen Deutungsmustern der Nachkriegsgesellschaft werden.

Spielfilmanalyse und sozialpsychologische Beschreibungen

Die folgende Gesamtzusammenfassung versucht, die in den Einzeldarstellungen enthaltenen Beobachtungen noch einmal in ihrem inhärenten Zusammenhang anzudeuten und hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Nachkriegsentwicklung und Ausprägung einer kollektiven politischen Identität zu reflektieren.

Eine Gesellschaft in Bewegung?

Die Gegenwartsbilder der untersuchten Filme zeigten sich durch ein spezifisches Empfinden bestimmt: durch das Gefühl, in einem mitunter unwirklich anmutenden Zwischenreich zu existieren, in dem traditionell und historisch gelernte Sichtweisen und Orientierungen außer Kraft sind und die Realität dem einzelnen undurchschaubar und zumeist feindlich entgegentritt

Der Ruf (1949)

Der Film von Josef v. Baky nach einer Idee und dem Drehbuch von Fritz Kortner thematisiert die Schwierigkeiten der Remigration im Nachkriegsdeutschland. Der jüdische Professor Mauthner kehrt aus dem US-Exil nach Deutschland zurück, um an seine alte Universität zurückzukehren. Dort stößt er auf Ablehnung, Antisemitismus und alte Feindbilder.