Schlagwörter: Alltagskultur
Die Einweihung des ersten „strömungsfreien“ Volksbades an der Lister Mühle am 5.8.1927 war für Hannover eine schon lange überfällige Maßnahme. Denn die Flussbadeanstalten im innerstädtischen Bereich hatten durch ständig steigende Abwasserbelastungen ihre Attraktivität verloren, wähend das Bedürfnis der städtischen Bevölkerung nach Sonne, Wind und Wasser immer mehr Bedeutung gewann.
Eine größere Breitenwirkung als Volkshochschulen und ähnliche Bildungseinrichtungen erreichten die Volksbibliotheken. Ab 1919 begann der systematische Ausbau von Volksbüchereien seitens der Stadt.
Beim ersten Sängerbundesfest nach dem verlorenen Weltkrieg in Hannover stand der nationale bzw. nationalistische Charakter des gemeinschaftlichen Singens weiterhin im Vordergrund.
Manche Sportarten blieben in den Zwanziger Jahren zum großen Teil ein Privileg bürgerlicher Schichten. Die finanziellen Möglichkeiten bestimmten die sportlichen. Je teurer die notwendige Ausrüstung, die Anschaffung eines Segelbootes beispielsweise, desto exklusiver die Sport treibende Schicht.
Sportliches Rudern fand aber immer mehr Anhängerinnen. Langsam entstanden in vielen deutschen Städten Frauenruderabteilungen und selbständige Clubs, in Hannover 1928 der Frauen-Ruderclub.
Um dem lärmenden Betrieb der Großstadt und der täglichen Anspannung für kurze Zeit zu entkommen, nutzten viele Städter das Wochenende oder Festtage zu Wanderungen und Fahrten in die nähere und weitere Umgebung Hannovers
Café Kröpcke, Operncafé, Georgspalast oder Hotel Mußmann etc. Waren beliebte Treffpunkte von HannoveranerInnen. In diesen zentral gelegenen Cafés traf sich das bürgerliche Publikum.
Nicht nur für das Motorradrennen galt Hannover als Dorado, sondern auch für den Radsport, der schon seit der Jahrhundertwende in der Stadt große Popularität genoss.
Von 1924 – 1939, jeweils im Frühjahr, fand im hannoverschen Stadtwald das Eilenriede-Motorradrennen statt. 1950 wurde wieder an die Tradition des Motorradrennens in der Eilenriede angeknüpft. Umweltschutzgründe und gestiegene Sicherheitsauflagen1956 zur Absage und in der Folge zum Ende der Rennveranstaltungen.
Nach dem Ersten Weltkrieg brach eine regelrechte Tanzwut aus, die den Behörden oft zu schaffen machte (Tanzverbote, vorverlegte Polizeistunde) und die von Konservativen aber auch von manchen Linken als „Kulturverfall“ interpretiert wurde.l
Besonders beliebt waren die Tanzcafés, vor allem bei Frauen und jungen Mädchen. Cafés galten als solide, so dass auch Frauen aus bürgerlichen Schichten ohne Begleit- und Aufsichtspersonen meist Sonntagnachmittag dorthin gehen konnten.
Fast noch stärker als in der Vergnügungsindustrie fand die Kommerzialisierung ihren Ausdruck in dem mächtig anschwellenden Sportenthusiasmus, der in den Zwanziger Jahren Formen annahm, die bis heute bestimmend geblieben sind.