Schlagwörter: Alltagskultur
Für die neue Körperkultur spielte der Sport eine zentrale Rolle. Ein Großteil seiner Attraktivität beruhte auf seinen vielfältigen Funktionen. Mit an vorderster Stelle stand die Gesundheit, zumindest aus der Sicht der Freizeitpädagogen und Gesundheitsreformer und –reformerinnen.
Die neuartige Verfügbarkeit über eine Tonkonserve mit klassischer oder populärer Tanzmusik rückte das Grammophon in den unterhaltenden Mittelpunkt nicht nur der bürgerlich-häuslichen Geselligkeit, sondern auch in die mancher Arbeiterquariere. Auch die tragbaren mechanischen Koffer-Apparate waren beliebte Reisebegleiter bei Autofahrten, Segelpartien und Wochenend-Ausflügen.
Als am 16. Dezember 1924 die Norddeutsche Rundfunkanstalt (Norag) in der Mansarde des Hanomag-Verwaltungsgebäudes ihren Sendebetrieb aufnahm, brach auch in Hannover das Radio-Fieber aus. Schon eine Woche später waren Rundfunkempfangsgeräte die Schlager des Weihnachtsgeschäftes. Da leistungsstarke Fernempfänger unerschwinglich teuer waren, bauten sich in den Anfangsjahren weit über die Hälfte der hannoverschen Rundfunkempfänge die einfachen Detektor-Empfangsgeräte selber.
Wer in den 20er Jahren stolzer Besitzer eines Automobils war, nutzte sein Gefährt häufig an den Wochenenden zur Erkundung der näheren und weiteren Umgebung Hannovers. Der Kauf eines teuren Autos war in der Regel nur einer wohlhabenden Minderheit vorbehalten.
Differenzierung der Freizeitformen Kommunale Freizeiteinrichtungen Traditioneller Freizeitkommerz Moderne kommerzialisierte Freizeit Bürgerliche Freizeit Freizeit im Milieu Eckkneipen Familienfeste Gesellschaftsspiele Kinderspiele Straßenleben im Wohnquartier Klönen auf der Straße oder im Laden Abenteuerspielplatz Maschwiesen Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung Hannovers Arbeiterfreizeit
Jungen aus verschiedenen Stadtteilen Hannovers trugen hier im Frühjahr und Herbst ihre Bandenkriege aus. Im Winter drehten schlittschubegeisterte HannoveranerInnen auf dem Eis der gefluteten Maschwiesen ihre Runden.
Klönen war Erfahrungsaustausch, Ratsuche, Informationsbörse auf der Straße, im Hof, im Laden. Besonders alte Leute waren auf soziale Kontakte und kommunikative Teilhabe angewiesen.
Da es in den Wohnungen wenig Platz gab, spielten die Arbeiterkinder hauptsächlich auf Hinterhof und Straße. Aber auch dafür verblieb wenig Zeit, denn viele Kinder mussten mit Botengängen, Zeitungen austragen und anderen kleinen Handreichungen „dazuverdienen“.
Die Straße war ursprünglich Aufenthaltsort vor dem Haus als Ergänzung zum häufig viel zu kleinen Wohnbereich. Noch behinderte der Verkehr den vielfältigen Gebrauch der Straße nicht. Das sollte bald anders werden.
Aus fast ausschließlich eigenen finanziellen Mitteln und in gemeinsamer Arbeit entstand in Mellendorf am Lönssee 1922 und an vielen anderen Orten Deutschlands bis 1929 ein Netz von 241 Schutzhütten und Heimen. Kollektiver Häuserbau, gemeinsames Planen und Arbeiten schien für viele damals ein Stück verwirklichter sozialistischer Utopie auszudrücken.
Heraus aus den lauten und dumpfen Fabriken, den engen Wohnungen, den Kneipen. Weg von Tabak und Alkohol, zum gemeinsamen Wandern in die frische Waldluft, so lauteten die Forderungen der Naturfreunde.
Organisationen in der Arbeiterschaft blieben nicht auf den politischen und den gewerkschaftlichen Bereich beschränkt. Von Beginn an entwickelte sich ein klassenbewusstes kulturelles und geselliges Vereinsleben. Viele Arbeitervereine standen der SPD nahe.