Faschismus als Geschichte „böser Männer“
ZDF und SPIEGEL erzählen den Faschismus als Geschichte Hitlers und seines Täterkreises – modernes Historytainment mit einem erstaunlich alten Geschichtsmodell
Seit den 1990er Jahren gehört die Geschichte des Faschismus zu den Schwerpunkten populärer Geschichtsformate im deutschen Fernsehen. Besonders das ZDF entwickelte unter Guido Knopp eine Form des Geschichtsfernsehens, deren Grundmuster bis heute fortwirkt. Reihen wie Hitlers Helfer (1996/98), später Komplizen des Bösen, Hitlers Hofstaat, Der Nazi-Clan oder bei SPIEGEL Geschichte Hitlers Paladine unterscheiden sich in Forschungslage, Gestaltung und Produktion. Gemeinsam ist ihnen jedoch eine auffällige Perspektive: Faschismus wird bevorzugt über Personen erzählt.[1]
Im Zentrum steht Hitler. Um ihn gruppieren sich Göring, Goebbels, Himmler, Speer, Bormann und andere Angehörige der faschistischen Führung. Schon die Titel machen aus gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen ein überschaubares Personenensemble: Helfer, Paladine, Hofstaat, Clan.
Damit wird nicht nur Geschichte popularisiert. Es wird zugleich eine bestimmte Vorstellung davon vermittelt, wie Geschichte überhaupt funktioniert.
Personalisierung – zurück zur Geschichte der „großen Männer“
Die Personalisierung erscheint modern, weil sie mit Archivbildern, Zeitzeugen, schnellen Schnitten, Musik, Reenactments und inzwischen digital bearbeitetem und koloriertem Material verbunden wird. Das zugrunde liegende Geschichtsmodell ist dagegen erstaunlich alt.
Es erinnert an die Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts: Geschichte erscheint wesentlich als Geschichte herausragender Personen. Herrscher, Staatsmänner und Feldherren handeln; gesellschaftliche Verhältnisse bilden den Hintergrund. Im gegenwärtigen Historytainment sind aus den „großen Männern“ gewissermaßen die „bösen Männer“ geworden.
Die moderne Geschichtswissenschaft hat dieses Geschichtsverständnis längst erweitert. Sozial-, Wirtschafts-, Alltags- und Gesellschaftsgeschichte fragen nach sozialen Gruppen, Institutionen, Eigentumsverhältnissen, Interessen, Mentalitäten und langfristigen gesellschaftlichen Prozessen. Im Historytainment kehrt die alte Personalisierung jedoch in audiovisuell modernisierter Form zurück.[2]
Das Problem besteht nicht darin, dass über Hitler, Göring, Goebbels, Himmler oder Speer berichtet wird. Ohne handelnde Personen lässt sich faschistische Herrschaft selbstverständlich nicht erklären. Problematisch wird es dort, wo Personen selbst zum dominierenden Erklärungsmodell werden.
Der Knopp-Ansatz
Guido Knopps Hitlers Helfer steht exemplarisch für die Durchsetzung dieses Modells im deutschen Geschichtsfernsehen. Die ZDF-Reihen verbanden Archivmaterial, kurze Zeitzeugenaussagen, Kommentar, Musik und nachinszenierte Szenen zu einer stark emotionalisierten Erzählform. Gerade die Standardisierung und Wiedererkennbarkeit dieser Gestaltung gehörten zu ihrem Publikumserfolg.[3]
Die Kritik daran setzte früh ein. Bemängelt wurden insbesondere Personalisierung, Dramatisierung und Emotionalisierung. Strukturen und gesellschaftliche Prozesse lassen sich im Fernsehen schwerer visualisieren als Personen und Ereignisse; die medienspezifische Schwierigkeit wird damit jedoch selbst zum Problem historischer Erklärung.[4]
Besonders deutlich zeigt sich die Personalisierung in Hitlers Helfer. Jede Folge porträtiert einen hochrangigen Funktionsträger aus Hitlers unmittelbarem Umfeld; zugleich folgen die einzelnen Episoden einem weitgehend gleichbleibenden seriellen Erzählschema.[5]
Wulf Kansteiner hat diesen Ansatz grundsätzlich kritisiert. In seiner Untersuchung der Knopp-Dokumentationen beschreibt er die kommerzielle und mediale Reproduktion eines Geschichtsbildes, in dem Hitler und sein unmittelbares Umfeld den Erinnerungsraum dominieren.[6] Auch der Einsatz von Zeitzeugen verändert sich innerhalb dieses Modells: Ihre Aussagen werden in kurze Sequenzen zerlegt und in eine durch Kommentar, Bild und Montage bereits strukturierte Erzählung eingefügt.
Die entscheidende Kritik richtet sich deshalb nicht in erster Linie gegen einzelne sachliche Fehler. Auch eine Ansammlung historisch richtiger Einzelinformationen kann ein verkürztes Geschichtsbild erzeugen.
Von Hitlers Helfern zu Hitlers Paladinen
Gerade darin liegt die langfristige Wirkung des Knopp-Modells. Die Produktionen der folgenden Jahrzehnte haben neue Forschungsergebnisse aufgenommen und ältere Entlastungslegenden teilweise korrigiert. Speers Selbstdarstellung als unpolitischer Technokrat wird heute beispielsweise wesentlich kritischer behandelt.
Die narrative Grundstruktur bleibt dennoch auffällig stabil:
Hitlers Helfer.
Hitlers Hofstaat.
Hitlers Paladine.
Der Nazi-Clan – Hitlers Hofstaat.
Die 2025 ausgestrahlte ZDFinfo-Reihe Der Nazi-Clan besteht aus sechs biografisch angelegten Folgen über Joseph Goebbels, Hermann Göring, Rudolf Hess, Albert Speer, Martin Bormann und Eva Braun. Das ZDF selbst kündigt die Reihe als Darstellung der „Biografien wichtiger Figuren aus Hitlers Machtzirkel“ an und verbindet dabei ausdrücklich politische Macht mit Privatleben, persönlichen Beziehungen und Konkurrenz innerhalb dieses Kreises.[7]
SPIEGEL Geschichte folgt mit Hitlers Paladine einem vergleichbaren Muster. Die vier Folgen konzentrieren sich auf Göring, Goebbels, Himmler und Speer.[8]
Über Jahrzehnte entsteht so ein serieller Erinnerungsraum, dessen Personal dem Publikum längst vertraut ist.
Was die Personalisierung unsichtbar macht
Die entscheidende Verkürzung entsteht durch diese Auswahl. Wenn Faschismus überwiegend über seine Führungspersonen erzählt wird, geraten die gesellschaftlichen Bedingungen seiner Herrschaft in den Hintergrund.
Weniger sichtbar werden Unternehmen und Banken, Ministerien und Verwaltungen, Wehrmacht und Polizei, Justiz und Wissenschaft, gesellschaftliche Eliten und Verbände – ebenso die Millionen Menschen, die innerhalb dieser Institutionen handelten, profitierten, zustimmten, ausführten, wegschauten oder Widerstand leisteten.
Vor allem aber gerät die politische Ökonomie des Faschismus aus dem Blick: Eigentum und wirtschaftliche Macht, Aufrüstung und Profite, Enteignung und „Arisierung“, Zwangsarbeit, Interessen gesellschaftlicher Klassen und Gruppen sowie das Verhältnis von Staat und Kapital.
Faschismus erscheint dadurch weniger als historisch entstandene gesellschaftliche Herrschaftsform denn als das Werk einer außergewöhnlichen Tätergruppe.
Die entlastende Wirkung
Das hat erinnerungspolitische Konsequenzen.
Je stärker Verantwortung auf Hitler und seinen engeren Kreis konzentriert wird, desto leichter kann die übrige Gesellschaft außerhalb dieses Täterzentrums erscheinen. Die Täter sind identifizierbar, moralisch eindeutig und historisch abgeschlossen.
Eine solche Darstellung muss die Gesellschaft keineswegs ausdrücklich entlasten. Die Entlastung kann bereits aus der Struktur der Erzählung entstehen.
Hitler und seine Helfer handeln; die Gesellschaft erscheint demgegenüber vor allem als beherrscht, manipuliert oder verführt. Die schwierigere Auseinandersetzung mit Mittäterschaft, Interessen, gesellschaftlicher Unterstützung und institutioneller Kontinuität tritt zurück.[9]
Damit erhält die moderne Personalisierung eine paradoxe Funktion: Sie individualisiert Schuld gerade dort, wo die historische Forschung seit Jahrzehnten die gesellschaftliche Dimension faschistischer Herrschaft herausgearbeitet hat.
Dokumentarische Bilder – konstruierte Geschichte
Verstärkt wird diese Wirkung durch die ästhetische Form. Archivbilder, Zeitzeugenaussagen, Voice-over, Musik, Geräusche, Nachinszenierungen und inzwischen koloriertes Material erzeugen den Eindruck unmittelbarer Nähe zur Vergangenheit.
Doch auch authentisches historisches Material erhält seine Bedeutung erst durch Auswahl, Ausschnitt, Reihenfolge, Kommentar und Montage. Judith Keilbach hat am bundesdeutschen Geschichtsfernsehen detailliert gezeigt, wie historisches Bildmaterial wiederverwendet, bearbeitet und in neue narrative Zusammenhänge gestellt wird. So weist sie etwa die nahezu wortgleiche Übernahme einer Sequenz aus Joachim Fests Hitler – Eine Karriere in Knopps Hitler – Eine Bilanz nach.[10]
Das historische Dokument kann authentisch sein. Die daraus montierte Geschichte ist eine gegenwärtige Konstruktion.
Gerade weil diese Konstruktion als Dokumentation erscheint, bleiben ihre Auswahlentscheidungen leicht unsichtbar. Nicht die Quellen sind „pseudo“. Problematisch ist der Eindruck, die Vergangenheit selbst werde sichtbar, obwohl tatsächlich eine hochgradig selektive Interpretation präsentiert wird.
Historytainment als erinnerungspolitisches Programm
Dafür müssen die einzelnen Sendungen keinem gemeinsamen politischen Auftrag folgen. Die Wirkung entsteht durch Serialität, Wiederholung und Formatlogik.
Erfolgreiche Erzählmuster werden reproduziert. Bekannte Täter garantieren Wiedererkennbarkeit. Biografien lassen sich leichter dramatisieren als gesellschaftliche Strukturen. Hitler, Göring oder Goebbels lassen sich zeigen; Eigentumsverhältnisse, Bürokratien, Klasseninteressen und institutionelle Kontinuitäten sehr viel schwerer.
So kann aus vielen einzelnen Produktionen über Jahrzehnte ein relativ stabiles Geschichtsbild entstehen. Historytainment entscheidet deshalb nicht nur darüber, was über den Faschismus gewusst wird, sondern auch darüber, welche Zusammenhänge immer wieder sichtbar und welche immer wieder unsichtbar werden.
Die Geschichte des Faschismus wird damit paradoxerweise in einer medial hochmodernen Form erzählt – mit einem Geschichtsmodell, das in seiner Konzentration auf herausragende Personen weit in das 19. Jahrhundert zurückweist.
Für historisch-politische Bildung werden diese Produktionen deshalb selbst zu Quellen: nicht nur für die Geschichte des Faschismus, sondern für die Frage, wie die Bundesrepublik sich an den Faschismus erinnert – und wie diese Erinnerung medial produziert wird.
Anmerkungen und Belege
[1] Gemeint ist keine Gleichsetzung der genannten Produktionen. Zwischen ihnen liegen fast drei Jahrzehnte, unterschiedliche Produktionsbedingungen und Veränderungen des Forschungsstandes. Untersucht wird die Kontinuität eines personenzentrierten seriellen Erzählmusters. Zur Entwicklung der ZDF-Formate vgl. Bundeszentrale für politische Bildung, Geschichtsvermittlung als Bildung, Abschnitt „Dokumentarreihen von Guido Knopp“. ↩
[2] Zur Personalisierung als einem Grundelement gegenwärtiger Geschichtsdokumentationen vgl. Rainer Wirtz: „Alles authentisch: so war’s“, in: Thomas Fischer/Rainer Wirtz (Hg.): Alles authentisch? Popularisierung der Geschichte im Fernsehen, Konstanz 2008, S. 9–21, hier besonders S. 15. Wirtz beschreibt Personalisierung, Dramatisierung und Emotionalisierung als zentrale Elemente populärer Geschichtsdarstellung. ↩
[3] Die Bundeszentrale für politische Bildung hebt bei den Knopp-Reihen ausdrücklich die Mischung von dokumentarischem Material und Reenactments sowie die „Standardisierung ihrer Elemente“ und die „Wiedererkennbarkeit der Formen“ hervor; zugleich verweist sie auf die fachwissenschaftliche Kritik am starken Unterhaltungscharakter und die Histotainment-Kontroverse auf dem Historikertag 2006. Vgl. Geschichtsvermittlung als Bildung. ↩
[4] Vgl. Thomas Fischer/Rainer Wirtz (Hg.): Alles authentisch? Popularisierung der Geschichte im Fernsehen, Konstanz 2008; insbesondere Rainer Wirtz, S. 9–21, sowie Edgar Lersch: „Zur Geschichte dokumentarischer Formen und ihrer ästhetischen Gestaltung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen“, ebd., S. 109–136. Die einschlägige Literatur beschreibt Personalisierung, Emotionalisierung und Dramatisierung nicht nur als Gestaltungsmittel, sondern als Bedingungen des Geschichtsfernsehens. ↩
[5] Steffen Rütten: Der Zeitzeuge – zur Strategie medialer Geschichtsvermittlung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen der Bundesrepublik, Köln 2009, Kap. 3.2 „Hitlers Helfer“, S. 44–62. Rütten konstatiert für die ZDF-Produktionen nach 1995 eine grundsätzliche Tendenz zur personalisierten Darstellung und beschreibt das nahezu identisch wiederkehrende Erzählschema der einzelnen Hitlers-Helfer-Folgen. Volltext bei der Deutschen Nationalbibliothek. ↩
[6] Wulf Kansteiner: „Die Radikalisierung des deutschen Gedächtnisses im Zeitalter seiner kommerziellen Reproduktion: Hitler und das ‚Dritte Reich‘ in den Fernsehdokumentationen von Guido Knopp“, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 51. Jg. (2003), H. 7, S. 626–648. Der Beitrag untersucht die spezifische Verbindung von Personalisierung, medialer Vermarktung und kollektivem Gedächtnis in den Knopp-Produktionen. Bibliografischer Nachweis beim Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts. ↩
[7] ZDFinfo beschreibt Der Nazi-Clan – Hitlers Hofstaat ausdrücklich als sechsteilige Reihe über die „Biografien wichtiger Figuren aus Hitlers Machtzirkel“. Die Folgen behandeln Goebbels, Göring, Hess, Speer, Bormann und Eva Braun; hervorgehoben werden neben politischer Macht auch Privatleben, Eifersucht und persönliche Beziehungen. Vgl. ZDFinfo, „ZDFinfo mit Dokureihe über Hitlers engstes Umfeld: Der Nazi-Clan – Hitlers Hofstaat“, 4. April 2025. Vgl. außerdem die Übersicht der sechs Folgen bei ZDF goes Schule. ↩
[8] SPIEGEL Geschichte: Hitlers Paladine, Folgen 1 und 2, zu Göring und Goebbels, sowie Folgen 3 und 4, zu Himmler und Speer. Bemerkenswert ist bereits die Selbstdarstellung des Formats: Die Geschichte wird über vier Männer organisiert, die Hitler Aufstieg, Herrschaft sowie Krieg und Vernichtung ermöglichten. ↩
[9] Zur Debatte um Individualisierung und gesellschaftliche Entlastung vgl. Hannes Heer: Hitler war’s. Die Befreiung der Deutschen von ihrer Vergangenheit, Berlin 2005, besonders die grundsätzliche Kritik an der Konzentration historischer Verantwortung auf Hitler und einen begrenzten Täterkreis. Vgl. ergänzend Kansteiner 2003, S. 626–648. Eine vergleichbare Problematik zeigt sich auch in Knopps eigener nachträglicher Deutung von Hitlers Helfer II; dazu Wulf Kansteiners Besprechung von Guido Knopp, Meine Geschichte, H-Soz-Kult, 2018. ↩
[10] Judith Keilbach: Geschichtsbilder und Zeitzeugen. Zur Darstellung des Nationalsozialismus im bundesdeutschen Fernsehen, Münster 2008. Zur Wiederverwendung und Bearbeitung historischen Bildmaterials siehe insbesondere das Kapitel „Geschichte der Bilder“, S. 31–137. Keilbach weist unter anderem auf S. 78 die Übernahme einer Sequenz aus Joachim Fests Hitler – Eine Karriere in Knopps Hitler – Eine Bilanz nach. Zur Veränderung fernsehhistorischer Darstellungsweisen und zur zunehmenden Dominanz des Visuellen vgl. S. 237–240. Bibliografischer Nachweis und Online-Ressource. ↩
Ausgewählte Literatur
Fischer, Thomas / Wirtz, Rainer (Hg.): Alles authentisch? Popularisierung der Geschichte im Fernsehen, Konstanz: UVK 2008.
Heer, Hannes: Hitler war’s. Die Befreiung der Deutschen von ihrer Vergangenheit, Berlin: Aufbau 2005.
Kansteiner, Wulf: „Die Radikalisierung des deutschen Gedächtnisses im Zeitalter seiner kommerziellen Reproduktion: Hitler und das ‚Dritte Reich‘ in den Fernsehdokumentationen von Guido Knopp“, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 51 (2003), H. 7, S. 626–648.
Keilbach, Judith: Geschichtsbilder und Zeitzeugen. Zur Darstellung des Nationalsozialismus im bundesdeutschen Fernsehen, Münster: LIT 2008.
Rütten, Steffen: Der Zeitzeuge – zur Strategie medialer Geschichtsvermittlung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen der Bundesrepublik, Magisterarbeit, Universität Köln 2009, insbesondere S. 44–62.
Assmann, Aleida: Der lange Schatten der Vergangenheit. Erinnerungskultur und Geschichtspolitik, München: C.H. Beck 2006.
Wolfrum, Edgar: Geschichtspolitik in der Bundesrepublik Deutschland. Der Weg zur bundesrepublikanischen Erinnerung 1948–1990, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1999.
Eine kleine sachliche Veränderung gegenüber der vorigen Fassung ist wichtig: Ich habe **„pseudodokumentarisch“ aus der Überschrift und als pauschale Formatbezeichnung entfernt**. Die präzisere Kritik lautet jetzt: authentische Dokumente, aber eine durch Auswahl, Schnitt, Kommentar und Dramaturgie konstruierte Geschichtserzählung. Das lässt sich mit Keilbach wesentlich besser belegen und ist analytisch schwerer angreifbar. :chatgpt-content-reference{index=“1″}Die Serien – ein Erinnerungsraum über drei Jahrzehnte
Seit Hitlers Helfer (ZDF, 1996/98) kehren in unterschiedlichen Produktionen immer wieder dieselben Personen zurück. Auf Knopps frühe Reihe folgten Komplizen des Bösen – Hitlers Helfer (ZDFinfo, 2018), Hitlers Hofstaat (SPIEGEL Geschichte 2019, ZDFinfo 2021), Hitlers Paladine (SPIEGEL Geschichte, 2024/25) und Der Nazi-Clan – Hitlers Hofstaat (ZDFinfo, 2025). Über fast drei Jahrzehnte steht Hitler im Zentrum, um ihn gruppieren sich Göring, Goebbels, Himmler, Speer, Bormann, Heß und weitere Angehörige des faschistischen Führungspersonals.
Die einzelnen Produktionen unterscheiden sich in Forschungsstand, Gestaltung und historischer Bewertung. Auffällig konstant bleibt jedoch das personalisierende Erzählprinzip. Aus Helfern werden Komplizen, Paladine, ein Hofstaat oder ein Clan. Faschismus erhält damit über Jahrzehnte ein wiedererkennbares Personal.
Die Wiederholung ist erinnerungspolitisch bedeutsam. Was immer wieder gezeigt wird, prägt den historischen Vorstellungsraum; was selten vorkommt, bleibt leichter außerhalb dieses Raumes. Unternehmen und Eigentümer, Verwaltungen und Justiz, gesellschaftliche Eliten und Institutionen, ökonomische Interessen und die breite gesellschaftliche Beteiligung besitzen keine vergleichbare serielle Präsenz.
So entsteht ein medialer Erinnerungsraum über drei Jahrzehnte: audiovisuell immer wieder modernisiert, in seinem Grundmodell aber bemerkenswert stabil. Die Geschichte des Faschismus erscheint vor allem als Geschichte seiner prominenten „bösen Männer“.
Ergänzend: Die Produktionsdaten, Folgenzahlen, Regieangaben, Erstausstrahlungen und die gegenwärtige Verfügbarkeit der Reihen sind in einer gesonderten Übersicht zusammengestellt.
