Die Geschichte des Sozialstaats im Dokumentarfilm
Soziale Rechte, gesellschaftliche Konflikte und politische Richtungsentscheidungen
Kaiserreich: Soziale Sicherung zwischen Arbeiterbewegung und staatlicher Integration
| Film / Dokumentation | Gegenstand und historische Einordnung | Ansatz für die Sozialstaatsdiskussion |
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| Die Sozialversicherung Planet Wissen, WDR; verlinkte Ausstrahlung vom 14. November 2024; Überblickssendung | Führt von der Einführung der Sozialversicherung unter Bismarck zur späteren Entwicklung. Keine ausschließlich dem Kaiserreich gewidmete historische Dokumentation. | Entstehung sozialer Sicherung: Wird die Sozialversicherung als Leistung eines Staatsmannes erzählt, oder werden Industrialisierung, soziale Not, Arbeiterbewegung und der politische Druck auf die herrschende Ordnung sichtbar? |
| Akte D: Das Versagen der Wohnungspolitik ARD 2017; historische Längsschnittdokumentation | Verfolgt die Wohnungsfrage vom Wohnungselend im Kaiserreich über Genossenschaften und sozialen Wohnungsbau bis zu Deregulierung und Privatisierung. | Wohnen als öffentliche Aufgabe: Unter welchen Bedingungen wird Wohnraum gesellschaftlich bereitgestellt, und wann wird er verstärkt privaten Verwertungsinteressen überlassen? Epochenübergreifender Zugang zu einem zentralen Bereich sozialstaatlicher Verantwortung. |
Weimarer Republik: Soziale Rechte und ihre Gefährdung
| Film / Dokumentation | Gegenstand und historische Einordnung | Ansatz für die Sozialstaatsdiskussion |
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| Die Weimarer Republik 1925–1930 Wolfgang Kiepenheuer; ältere Unterrichtsdokumentation; 13 Minuten | Behandelt neben politischen Entwicklungen ausdrücklich das Gesetz über Arbeitslosenunterstützung und Arbeitsvermittlung. Kein Spezialfilm zum Sozialstaat. Die bpb-Nachweise nennen unterschiedliche Datierungen: Produktion 1963, Beschreibung und Copyright 1968. | Ausbau sozialer Sicherung und historisches Geschichtsbild: Wie werden sozialpolitische Errungenschaften in die Geschichte der Republik eingeordnet? Der Film ist zugleich ein Dokument der Geschichtsvermittlung seiner Entstehungszeit. |
| Zeitprobleme. Wie der Arbeiter wohnt Slatan Dudow; Deutschland 1930; ca. 13 Minuten; zeitgenössischer Dokumentarfilm | Proletarischer Reportagefilm, der elende Wohnverhältnisse mit dem Wohlstand anderer gesellschaftlicher Gruppen konfrontiert. | Wohnungsnot als Klassen- und Verteilungsfrage: Wie stellt die Montage soziale Gegensätze her? Welche politischen Folgerungen legt die Gegenüberstellung nahe? |
| Wahlfilmaufnahmen mit Toni Sender und Theodor Leipart 1928; zeitgenössische politische Filmquellen | Toni Sender spricht gegen Miet- und Preissteigerungen; der ADGB-Vorsitzende Theodor Leipart unter anderem zum Sozialstaat. | Gewerkschaften und Sozialdemokratie als handelnde Akteure: Welche sozialen Forderungen werden formuliert? Wie werden Interessenvertretung, Wahlentscheidung und soziale Rechte miteinander verbunden? |
Frühe Bundesrepublik: Soziale Sicherheit als politisches Versprechen
| Film / Dokumentation | Gegenstand und historische Einordnung | Ansatz für die Sozialstaatsdiskussion |
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| Rentenreform 1957 Zeitgenössischer Beitrag im Deutschlandspiegel 28/1957 | Dokumentiert die parlamentarische Behandlung der Rentenreform und ihre öffentliche Vermittlung. | Soziale Sicherheit im politischen Bild: Wie werden die Neuordnung der Alterssicherung, ihre Akteure und ihre Bedeutung für die Bevölkerung dargestellt? |
| 65 Jahre Sicherheit für Generationen Deutsche Rentenversicherung; 2022; historisches Informationsangebot mit Video | Video, Broschüre und Chronologie rekonstruieren die Rentenreform von 1957. | Institutionelle Erinnerung: Welche Bedeutung schreibt die Rentenversicherung der Reform zu? Welche Konflikte, Alternativen und gesellschaftlichen Voraussetzungen werden hervorgehoben? |
| Akte D: Die Rentenlüge ARD 2017; historische Dokumentation | Nimmt die Reform von 1957 und den Schreiber-Plan zum Ausgangspunkt einer Untersuchung späterer Rentenpolitik. Die Produktionsbeschreibung konzentriert sich auf Demografie und politische Fehlentscheidungen. | Erklärung der Rentenentwicklung: Welchen Raum erhalten Arbeitsmarktentwicklung, Lohnverteilung, Finanzierungsbasis und private Versicherungsinteressen? Geeignet zum Vergleich mit zeitgenössischer Vermittlung und institutionellem Rückblick. |
DDR: Soziale Rechte, Alltag und staatliche Selbstdarstellung
| Film / Dokumentation | Gegenstand und historische Einordnung | Ansatz für die Sozialstaatsdiskussion |
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| Hüben und drüben Walter Heynowski; DDR 1964; 41 Minuten; zeitgenössischer Dokumentarfilm | Vergleicht die Wohnungspolitik beider deutscher Staaten, insbesondere den Umgang mit Altbauten und Mietsteigerungen. | Sozialpolitik im Systemvergleich: Eine ausdrücklich parteiliche Gegenüberstellung. Zu prüfen sind Auswahl der Beispiele, Argumentation und Ausblendungen. |
| Vier Kapitel DDR Georg Kilian; DDR 1976; 39 Minuten; staatliche Selbstdarstellung | Ein Kapitel behandelt ausdrücklich das soziale Leben und die Zukunft der Bevölkerung. | Offizielles sozialpolitisches Selbstverständnis: Welche Rechte und Leistungen legitimieren den Staat? Als Quelle der Selbstdarstellung und nicht als unabhängige Bestandsaufnahme zu untersuchen. |
| Leben in Wittstock Volker Koepp; DDR 1984; 85 Minuten; zeitgenössische Langzeitbeobachtung | Verbindet über Jahre entstandene Beobachtungen von Textilarbeiterinnen zu Arbeit und Privatleben. | Gelebte Erfahrung neben offiziellen Leistungsbilanzen: Wie erfahren die Frauen ihre Arbeits- und Lebensbedingungen selbst? Welche Ansprüche formulieren sie, und welche Widersprüche werden sichtbar? |
| In Fürsorge für das Volk Uwe Belz, Gitta Nickel und Wolfgang Schwarze; Deutschland 1993; 45 Minuten; rückblickende Dokumentation | Untersucht die Honecker-Zeit und das soziale Sicherungsnetz von der Kinderbetreuung bis zum Altenheim. | Sozialpolitik im historischen Rückblick: Wie werden soziale Leistungen, wirtschaftliche Voraussetzungen und staatliche Herrschaft aufeinander bezogen? Geeignet zum Vergleich mit Selbstdarstellung und Alltagsperspektive. |
| Übergabe der „einmillionsten Wohnung“ durch Erich Honecker Aktuelle Kamera; DDR, 25. August 1978; knapp 4 Minuten; zeitgenössischer Nachrichtenbeitrag | Zeigt die feierliche Übergabe einer Wohnung in Berlin-Marzahn als öffentliches Ereignis. | Inszenierung sozialpolitischer Leistungen: Wie legitimieren Personen, Rituale, Bildauswahl und Kommentar ein staatliches Programm? |
Deutschland seit den 1980er-Jahren: Marktanpassung, soziale Unsicherheit und Gegenwehr
| Film / Dokumentation | Gegenstand und historische Einordnung | Ansatz für die Sozialstaatsdiskussion |
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| Die Umschulung Harun Farocki; Deutschland 1994; 44 Minuten; zeitgenössischer Dokumentarfilm | Beobachtet ostdeutsche Beschäftigte bei einem Verkaufstraining nach dem Eigentümerwechsel ihrer Betriebe. | Anpassung an die neue Marktordnung: Wie werden Verhalten und Selbstverständnis verändert? Kein Überblick über Sozialgesetzgebung, sondern eine Quelle zur gesellschaftlichen Transformation der 1990er-Jahre. |
| Die Bewerbung Harun Farocki; Deutschland 1997; 58 Minuten; zeitgenössischer Dokumentarfilm | Zeigt Bewerbungstrainings für unterschiedliche Gruppen, in denen Menschen lernen sollen, sich erfolgreich anzubieten. | Individualisierung gesellschaftlicher Arbeitsmarktprobleme: Welche Anforderungen werden an Erwerbslose gestellt? Wie wird aus dem Anspruch auf Arbeit die Verpflichtung zur Selbstvermarktung? |
| neueWUT – vereinzelter Protest oder neue soziale Bewegung Martin Keßler; Deutschland 2005; 90 Minuten; zeitgenössische Langzeitbeobachtung | Begleitet Proteste gegen Hartz IV und Arbeitskämpfe bei Opel. Bezieht Betroffene, Regierung, Gewerkschaften und Aktivisten ein. | Umkämpfter Umbau des Sozialstaats: Betroffene erscheinen als politisch Handelnde. Welche Interessen stoßen aufeinander, und unter welchen Bedingungen entsteht gemeinsame Gegenwehr? |
Für die unmittelbaren sozialpolitischen Richtungsentscheidungen der 1980er-Jahre bleibt in der bisherigen Filmauswahl noch eine Lücke. Die hier aufgeführten zeitgenössischen Filme erschließen insbesondere die Transformation der 1990er-Jahre und die Konflikte um die Agenda 2010.
Filmbearbeitungen und Vorschläge für Lernwege folgen.
