Bode & Troue
Stahlstich mit einer Vogelschau über das Gelände von Bode & Troue an der damaligen Vorderschöneworth 15, dem späteren Engelbosteler Damm; um 1900, hergestellt von Rob. Leunis & Chapman (gemeinfrei)
Hannovers Aufstieg zur Tresorindustrie (1858–1918)
Redaktion Lernwerkstatt
Aus einer Werkstatt für schmiedeeiserne Herde entstand in Hannover innerhalb weniger Jahrzehnte ein Industriebetrieb für Geldschränke, Panzerkassen und gesicherte Stahlkammern. Die 1858 von Louis Bode und Heinrich Troue gegründete Firma steht beispielhaft für den Wandel der Stadt zum Industriestandort: Aus handwerklicher Metallverarbeitung wurde eine spezialisierte, maschinell organisierte Produktion.[1]
In den 1880er Jahren errichtete Bode & Troue Fabrikationsanlagen am nördlichen Ende des Engelbosteler Damms, im damaligen Vorderschöneworth. Eine zentrale Dampfmaschine setzte über Transmissionen und Lederriemen mehr als hundert Spezialmaschinen in Bewegung. Diese Anordnung machte den Betrieb leistungsfähig, band aber auch die Arbeit aller Abteilungen an einen gemeinsamen Antrieb. Der Tresor war kein einzelnes Schmiedestück mehr. Seine Herstellung verlangte Maschinen, abgestimmte Arbeitsgänge und das Können vieler Beschäftigter.[2]
Die Nachfrage nach solchen Produkten wuchs mit der Ausbreitung von Banken, Versicherungen, Verwaltungen und größeren Unternehmen. Wo Geld, Wertpapiere und Akten verwahrt wurden, stiegen die Anforderungen an den Schutz vor Feuer und Einbruch. Bode & Troue machte daraus ein Geschäftsfeld. 1899 lieferte die Firma ihren 25.000. Panzerschrank aus. Die Zahl zeigt, wie weit sich die Produktion inzwischen von ihren handwerklichen Anfängen entfernt hatte.
Der Aufstieg beruhte zugleich auf industrieller Arbeit. Um 1900 arbeiteten nach der Hannover Chronik rund 280 Menschen im Betrieb. [3] Die Zahlen belegen die Größenordnung: Bode & Troue war zu einem bedeutenden Arbeitgeber geworden, dessen Erzeugnisse weit über Hannover hinaus Absatz fanden.
Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs hatte sich die Firma als Hersteller von Sicherheitstechnik etabliert. An ihrer Geschichte lässt sich ein Stück hannoverscher Industrialisierung konkret verfolgen: die Verlagerung aus der Werkstatt in die Fabrik, der Einsatz von Dampfkraft und Spezialmaschinen, die wachsende Zahl industrieller Arbeitsplätze und die Entstehung eines überregionalen Marktes. Hannovers Aufstieg zur Tresorindustrie war damit auch eine Geschichte der Menschen, die diese schweren, technisch anspruchsvollen Produkte herstellten.
Anmerkungen und Literatur
[1] Klaus Mlynek/Waldemar R. Röhrbein: Hannover Chronik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Zahlen. Daten. Fakten. Hannover 1991, S. 126; Hannover Archiv, Bl. B10. Zur Gründung siehe auch die Unternehmenschronik von Bode-Panzer. Das dort genannte Jahr 1858 weicht von einer biografischen Darstellung Louis Bodes ab, die 1868 nennt. bodepanzer.eu
[2] Mlynek/Röhrbein, Hannover Chronik, S. 126; Hannover Archiv, Bl. B10.
[3] Mlynek/Röhrbein, Hannover Chronik, S. 126; die heutige Unternehmenschronik nennt für diese Zeit 400 Beschäftigte. Die Angaben weichen voneinander ab und sollten deshalb nicht zu einer scheinbar eindeutigen Zahl zusammengezogen werden. Unternehmenschronik von Bode-Panzer.