(Beziehungs-)Komödien/Filmlustspiele
Zwischen Ufa-Tradition, Nachkriegswirklichkeit und dem Wunsch nach neuer Normalität
Komödien und Filmlustspiele gehören zu den langlebigsten Genres des deutschen Unterhaltungskinos. Kennzeichnend sind meist überschaubare Konflikte, Verwechslungen, Liebes- und Beziehungsgeschichten sowie ein versöhnliches Ende. Gerade im Nachkriegsfilm ist jedoch interessant, wie diese vertrauten Formen mit der gesellschaftlichen Realität nach 1945 verbunden wurden.
Im FILM OHNE TITEL (1948) diskutieren ein Autor, ein Regisseur und ein Schauspieler ausdrücklich darüber, welchen Film man „vor dem dunklen Hintergrund der Zeit“ überhaupt drehen könne. Was der Film schließlich zeigt – eine Beziehungsgeschichte mit komödiantischen Elementen –, steht beispielhaft für eine Reihe von Produktionen der Jahre 1946 bis 1949. Durch seine selbstironische und selbstreflexive Anlage hebt sich FILM OHNE TITEL allerdings deutlich von den meisten Filmen dieses Genres ab.
Das Gros der Filmkomödien knüpfte weitgehend an die Traditionen des deutschen Ufa-Unterhaltungskinos an. Stoffe, Erzählmuster, Darsteller und Inszenierungsformen wirkten über 1945 hinaus fort und prägten das westdeutsche Kino bis weit in die 1950er und frühen 1960er Jahre. Ein besonders anschauliches Beispiel ist SAG DIE WAHRHEIT (1946), der erste unter westalliierter – britischer – Lizenz produzierte deutsche Nachkriegsspielfilm. Er war zugleich die Neufassung eines bereits 1944 begonnenen und nicht fertiggestellten Filmprojekts und kann deshalb geradezu als ein filmisches Kontinuitätsprodukt gelten.
Dennoch waren auch diese scheinbar „leichten“ Filme auf ihre Weise Seismographen der Nachkriegsgesellschaft und ihrer Mentalitäten. Entscheidend ist, wie sie den „dunklen Hintergrund der Zeit“ aufnehmen: Manche beziehen Wohnungsnot, Heimkehr, soziale Unsicherheit oder materielle Not unmittelbar in ihre Geschichten ein, andere lassen diese Realität nur noch am Rande erkennen. Im filmischen Happy End artikulieren sich zugleich Wünsche nach Liebe, privatem Glück, sozialer Sicherheit und einer Rückkehr zur Normalität.
Bis 1948 war das Filmlustspiel allerdings noch nicht das bestimmende Genre des Nachkriegsfilms. Gleichzeitig entstanden zahlreiche Filme, die sich ernsthaft und aus unterschiedlichen Perspektiven mit den Problemen der Gegenwart und der unmittelbaren Vergangenheit auseinandersetzten: Heimkehrergeschichten, Filme über die besondere Situation von Jugendlichen sowie Filme über Krieg, Nationalsozialismus, Schuld und gesellschaftlichen Neubeginn.
Erst ab 1949 begann der eigentliche „Siegeszug“ des westdeutschen Filmlustspiels. Allein in diesem Jahr wurden elf entsprechende Filme uraufgeführt – sämtlich in den Westzonen beziehungsweise der neu gegründeten Bundesrepublik. Damit kündigt sich jene Dominanz des Unterhaltungsfilms an, die das westdeutsche Kino der 1950er Jahre zunehmend prägen sollte.
Vertiefend: Am Beispiel von FILM OHNE TITEL lässt sich genauer untersuchen, wie sich im Nachkriegsfilm ästhetische Kontinuitäten zur Ufa-Tradition, gesellschaftliche Wunschbilder und der Übergang zum bundesdeutschen Unterhaltungskino miteinander verbinden. → (Beziehungs-)Komödien „vor dem dunklen Hintergrund der Zeit“
Filmsatiren/Filmparodien









