Warum sprechen wir von Faschismus und nicht von Nationalsozialismus?
Begriffliche Klarheit gegen historische und politische Verkürzungen
Detlef Endeward (01/2026)
Der Begriff Faschismus wird verwendet, weil er eine analytische Kategorie zur Beschreibung spezifischer Formen autoritärer Macht- und Herrschaftsausübung innerhalb kapitalistischer Gesellschaften darstellt. In diesem Verständnis ist der deutsche Faschismus nicht als historischer Ausnahmefall zu begreifen, sondern als eine besondere Ausprägung faschistischer Herrschaft, die aus konkreten ökonomischen, sozialen und politischen Bedingungen hervorgegangen ist.
Eine solche Perspektive erfordert es, die zwölf Jahre faschistischer Herrschaft nicht isoliert zu betrachten, sondern sie in ihren historischen Voraussetzungen ebenso wie in ihren Nachwirkungen zu analysieren. Dazu gehören Kontinuitäten in staatlichen Institutionen, ökonomischen Machtstrukturen und gesellschaftlichen Ideologien vor 1933 und nach 1945.
Zugleich lehnt diese Begriffsverwendung die Übernahme der ideologischen Selbstbezeichnung Nationalsozialismus ab. Diese fungierte als propagandistische Verschleierung realer Herrschafts- und Klassenverhältnisse und zielte darauf ab, eine Nähe zum Sozialismus zu suggerieren, die inhaltlich nicht bestand. Die kritische Distanz zur Selbstbezeichnung der Faschisten ist daher nicht nur historiografisch geboten, sondern auch politisch relevant.
Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund aktueller Debatten, in denen politische Akteure erneut versuchen, Faschismus und Sozialismus begrifflich oder historisch zu verknüpfen, um beide gleichermaßen zu delegitimieren. Eine analytisch präzise Verwendung des Faschismusbegriffs widerspricht solchen Verkürzungen und ermöglicht eine materialistische Einordnung faschistischer Herrschaft.
Warum sprechen wir von Faschismus
Texte zur Faschismusdiskussion in den 20er, 30er und 40er Jahren
Poltik und Ökonomie im Faschismus
Kulturelle Hegemonie im Faschismus
Alltag, Kultur und Gesellschaft im Faschismus
Niedersachsen und Hannover in der Zeit des Faschismus