Ein Bildungskonzept der Komplexitätsfähigkeit
Zusammenhänge erkennen, Widersprüche aushalten und Möglichkeiten denken
Eine grundlegende Denk- und Lernhaltung im Konzept der Gesellschaftskompetenzen
Die Überlegungen führen zu einer wichtigen Erweiterung des Konzepts der Gesellschaftskompetenzen: Komplexitätsfähigkeit ist mehr als die Fähigkeit, komplizierte gesellschaftliche Zusammenhänge zu verstehen. Sie bezeichnet eine grundlegende Haltung gegenüber gesellschaftlicher Wirklichkeit, ihrer historischen Entstehung, ihren Widersprüchen und ihrer Veränderbarkeit.
Dabei lassen sich drei eng miteinander verbundene Fähigkeiten unterscheiden:
Komplexitätsbewusstsein: Zusammenhänge, Wechselwirkungen, Abhängigkeiten und Widersprüche wahrnehmen und untersuchen, statt gesellschaftliche Probleme auf isolierte Ursachen zu reduzieren.
Ambiguitätstoleranz: Mehrdeutigkeiten, Unsicherheiten, unvollständiges Wissen und widersprüchliche Erkenntnisse aushalten können, ohne vorschnell nach Eindeutigkeit zu suchen.
Möglichkeitssinn: Die bestehende Wirklichkeit nicht mit der einzig möglichen Wirklichkeit verwechseln. Sowohl in der Vergangenheit nicht verwirklichte Möglichkeiten als auch in der Gegenwart angelegte Zukunftsalternativen erkennen und gedanklich erschließen.
Entscheidend ist ihr Zusammenhang: Komplexitätsbewusstsein eröffnet die Wahrnehmung gesellschaftlicher Widersprüche. Ambiguitätstoleranz ermöglicht es, diese Widersprüche auszuhalten und weiter zu untersuchen. Möglichkeitssinn verhindert, dass die Erkenntnis von Komplexität in Orientierungslosigkeit, Fatalismus oder bloßer Anpassung endet.
Komplexitätsfähigkeit ist damit nicht nur eine Voraussetzung gesellschaftlicher Urteilsfähigkeit, sondern auch eine Voraussetzung emanzipatorischer Handlungsfähigkeit.
> Erste Überlegungen: Ausarbeitung folgt….