Alu-Palast
Ein bemerkenswertes Kulturprojekt der Nachkriegszeit
Als am 18. August 1947 die erste Exportmesse in Hannover eröffnete, stand die Stadt vor einer doppelten Aufgabe: Sie musste ein funktionsfähiges Messegelände schaffen und zugleich unter den Bedingungen von Wohnungsnot, Hunger und zerstörter Infrastruktur Tausende Besucher aufnehmen. Auf dem Areal des demontierten Zweigwerks der Vereinigten Leichtmetallwerke in Laatzen entstanden provisorische Hallen, Straßen und Straßenbahngleise wurden instand gesetzt, der verwahrloste Bahnhofsvorplatz begrünt und am Kröpcke ein leichter, mit Planen verkleideter Notbau errichtet.
Zum Rahmenprogramm der Messe gehörten Kabarett, Theater, Konzerte und ein Zirkus auf dem Welfenplatz. Die spektakulärste Neuerung aber war der Alu‑Palast, ein vollständig aus Leichtmetall gefertigtes, transportables Großtheater. Die Vereinigten Leichtmetallwerke in Hannover‑Linden entwickelten und bauten das Gebäude innerhalb von nur drei Monaten. Der freitragende Saal bot 1.300 Menschen Platz und verfügte über eine größere Bühne als das zerstörte Opernhaus. Das Projekt zeigte, wie flexibel die nach 1945 noch vorhandenen Aluminiumvorräte genutzt wurden – aus dem Material entstanden damals auch Alltagsgegenstände wie Knöpfe, Haushaltsgeräte, Puppenwagen oder sogar Särge.
Am 17. August 1947 hob sich im Alu‑Palast erstmals der Vorhang. Zur Premiere kam die Revue „Liebes Express“ mit Stars wie Willy Fritsch, Walter Jankuhn, Barbara Gallauner und Gitta Lind. Trotz großer Lichttechnik und prominenter Besetzung blieb die Resonanz verhalten: Kritiker bemängelten fehlenden Schwung, schwache Texte und eine problematische Akustik des Metallbaus. Auch der Eintrittspreis von 18 RM sorgte für Unmut. (2)
Der Varieté-Unternehmer Alex Guidos, der bereits 1945 im Capitol die erste Nachkriegsrevue organisiert hatte, betrieb den Alu‑Palast. Doch das Experiment währte nur kurz: Bereits 1949 musste das Gebäude wegen baupolizeilicher Mängel abgebaut werden. Anschließend wurde es nach Hamburg transportiert und dort erneut errichtet.
Trotz seiner kurzen Existenz kann der Alu‑Palast als bemerkenswertes Nachkriegsprojekt angesehen werden – zugleich als ein Symbol für Improvisationskraft und den kulturellen Aufbruch Hannovers.
Anmerkungen
1) Vgl. hierzu: Hannover Archiv, Blatt H 03016
2) Horst Deukererinnert den 20. Juni als Premierentag. Siehe: Nach dem Krieg war immer Theater. Siehe auch: Operetten-Legende Walter Jankuhn

