Zur Konstruktion von Realität in den Nachrichtenmedien

Ein Beitrag der Medienbildung zur politischen Bildung

Fundamentale Aufgabe der politischen Bildung ist es, Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, Verständnis für Politik zu wecken, Einsichten in politische Zusammenhänge zu gewinnen und Kompetenzen zu entwickeln, sich in politische Willensbildungsprozesse aktiv einzubringen. Dabei bewegt man sich mit dem Thema „Politik, Öffentlichkeit und Medien“ im Zentrum des Politischen.
„Im Mittelpunkt steht nicht nur die Aufklärung über die mediale ‚Darstellung‘ von Politik, sondern auch die vertiefende Auseinandersetzung mit den medienabhängigen und –unabhängigen Faktoren der ‚Herstellung‘ von Politik, also der ‚Entscheidungspolitik‘ […] Mit Blick auf die Vermittlung einer politikrelevanten Medienkompetenz gilt es zweierlei im Auge zu behalten, den Systembezug ebenso wie den Subjekt- bzw. Bürgerbezug. Deshalb interessieren die Medien einmal als Agenturen der Politikvermittlung, wie überhaupt das Mediale als eine Dimension des Politischen bzw. auch Unpolitischen in den Blick kommen muss. Zum anderen ist Medienkompetenz als Teil einer spezifisch politischen Handlungskompetenz, nämlich als Basisqualifikation demokratischer Bürgerkompetenz zu begreifen. (Sarcinelli, Ulrich: Politische Kommunikation in Deutschland. Medien und Politikvermittlung im demokratischen System. Ein Lehrbuch, 3., erweiterte und überarbeitete Auflage, Wiesbaden 2011, S. 165f)
Ganz in diesem Sinne sollen diese Seiten, die anknüpfen an eine Publikation aus dem Jahr 2013 Anregungen und Materialien für die politische Bildung in der Schule bereitstellen, weil auch heute noch vieles von dem, was vor mehr als 10 Jahren geschrieben wurde, Gültigkeit beanspruchen kann.
Der pädagogische Kern ist dabei, dass Medienkompetenz nicht zuletzt auch auf
Strukturwissen über Medien aufbaut. Es gilt also, die Medienwirklichkeit entschlüsseln und Wirklichkeitsangebote und -konstruktionen vergleichen lernen!“ ((Sarcinelli, Ulrich: ebd.)

Detlef Endeward (2013/2024)

Medienpädagogische und politik-didaktische Vorbemerkung 2013

Wolf-Rüdiger Wagner

Eine zentrale Aufgabe der Massenmedien besteht darin, das „Selbstgespräch der Gesellschaft“ zu organisieren und zu moderieren, d. h. die politisch wichtigen Themen und Entwicklungen auf die „gesellschaftliche Tagesordnung“ zu setzen. Die Berichterstattung in den Massenmedien sollte uns in die Lage versetzten, als Staatsbürger mündige Entscheidungen zu treffen.

Aus Sicht der Politikdidaktik steht also die Frage im Mittelpunkt, wie die Massenmedien im Bereich der politischen Berichterstattung ihre Funktion als „Gatekeeper“ wahrnehmen, also im Sinne einer journalistischen Dienstleistung aus der Fülle des Weltgeschehens, die für die Urteils- und Meinungsbildung wichtigen Themen herausfiltern.

Politische Bildung als Unterrichtsprinzip findet ihren Platz nicht nur im Politikunterricht. So ist bei dem Thema „Nachrichten und Berichterstattung“ insbesondere auch der Deutschunterricht angesprochen. Der Schwerpunkt im Deutschunterricht liegt dabei auf der Auseinandersetzung mit nachrichtenspezifischen Textsorten wie Meldung, Bericht, Kommentar und Interview. Analyse und Eigenproduktion von journalistischen Texten bis hin zur Erstellung von Zeitungen bzw. Radio- und Fernsehsendungen können sich dabei sinnvoll ergänzen. Diese aktive Auseinandersetzung mit Formen der Informationsvermittlung und Berichterstattung schafft eine wichtige Grundlage für die bewusstere Nutzung der Massenmedien.

Mit Blick auf die begrenzte Unterrichtszeit muss sich der Politikunterricht auf die genuin politischen Aspekte des Themas „Nachrichten und Berichterstattung“ konzentrieren. Medienkritik als Überprüfung bzw. Widerlegung von Tatsachenaussagen, als Kritik an oberflächlicher und falscher Recherche hat ihre Berechtigung. Inhaltsbezogene Kritik sollte aber nicht zum Kernpunkt der kritischen Beschäftigung mit Medien werden, denn letztlich führt diese Einzelfallkritik lediglich zu einem „Grundmisstrauen“ gegenüber den Medien. Medienkompetenz baut auf dem Strukturwissen über Medien auf. Notwendig ist das Aufdecken und Überprüfen der Prinzipien, nach denen „Wirklichkeit“ für uns durch die Medien konstruiert, inszeniert und interpretiert wird.

Literatur

Wilhelm, Ulrich: Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayrischen Rundfunks, im Gespräch mit der SZ vom 21. Mai 2011. www.br.de/presse/inhalt/intendant/sz-ulrichwilhelm100.html

Medien-Wirklichkeit im TV-Zeitalter

Medien-Wirklichkeit und Erfahrungsverlust (1993)

Von der Aktualität zu Echtzeit – Beschleunigung und Kommunikationskultur (1993)

Entwicklungstendenzen im Fernsehjournalismus (1994)

Massenmedien und Risikogesellschaft (1994)

Zur Konstruktionvon Realität in den Nachrichtenmedien (2013)

Wolf-Rüdiger Wagner: Zur Konstruktion von Realität in den Nachrichtenmedien – Ein Beitrag der Medienbildung zur politischen Bildung.
(= Texte zur Medienbildung 7).  Hrsg. vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ)
Red.: Detlef Endeward, Hildesheim 2013 (pdf)

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