Kommunikative Kompetenz
Unter kommunikativer Kompetenz verstehe ich eine Synthese von Dieter Baackes Medien- und Kommunikationsverständnis sowie Oskar Negts und Alexander Kluges Gedanken zu Öffentlichkeit und Erfahrung.
Während Baacke kommunikative Kompetenz zunächst als Fähigkeit versteht, sich sprachlich, medial und sozial verständigungsfähig zu machen, erweitern Negt und Kluge diese Perspektive um die gesellschaftliche Dimension: Kommunikation ist nicht nur Austausch von Informationen, sondern eine Voraussetzung dafür, Erfahrungen gesellschaftlich zu verarbeiten, Interessen zu artikulieren und kollektive Handlungsfähigkeit zu entwickeln.
Eine solche Synthese könnte etwa lauten:
Kommunikative Kompetenz ist die Fähigkeit, eigene Erfahrungen, Interessen und Bedürfnisse sprachlich, medial und sozial auszudrücken, die Perspektiven anderer zu verstehen, gesellschaftliche Zusammenhänge zu erschließen und sich an der gemeinsamen Gestaltung öffentlicher Wirklichkeit zu beteiligen. Sie ermöglicht Verständigung, Kritik, Kooperation und demokratische Handlungsfähigkeit.
Dabei verbinden sich mehrere Dimensionen:
- Ausdrucksfähigkeit (Baacke)
- Gedanken, Gefühle und Interessen formulieren können
- verschiedene sprachliche und mediale Ausdrucksformen beherrschen
- eigene Erfahrungen kommunizierbar machen
- Dialogfähigkeit (Baacke)
- zuhören können
- Perspektivwechsel vollziehen
- Konflikte kommunikativ bearbeiten
- Verständigung trotz unterschiedlicher Interessen ermöglichen
- Erfahrungsverarbeitung (Negt/Kluge)
- individuelle Erfahrungen mit gesellschaftlichen Bedingungen in Beziehung setzen
- die eigenen Lebenszusammenhänge reflektieren
- gesellschaftlich erzeugte Probleme als solche erkennen
- Öffentlichkeit herstellen (Negt/Kluge)
- private Erfahrungen in öffentliche Diskurse einbringen
- an gesellschaftlichen Debatten teilnehmen
- Gegenöffentlichkeiten entwickeln können
- Kritik- und Urteilsfähigkeit
- Informationen prüfen
- Interessen hinter Aussagen erkennen
- Macht- und Herrschaftsverhältnisse analysieren
- zwischen Information, Meinung und Propaganda unterscheiden
- Kooperations- und Gestaltungskompetenz
- gemeinsame Lösungen entwickeln
- solidarisch handeln
- demokratische Entscheidungsprozesse mitgestalten
- kollektive Lern- und Arbeitsprozesse organisieren
Für das Konzept der Gesellschaftskompetenz ist kommunikative Kompetenz deshalb weit mehr als Gesprächstechnik oder Rhetorik. Sie ist> erste Überlegungen: Ausarbeitung folgt eine Schlüsselkompetenz gesellschaftlicher Handlungsfähigkeit. Kommunikation dient nicht nur der Verständigung, sondern der gemeinsamen Erzeugung von Wissen, der Reflexion von Erfahrung und der Entwicklung von Gesellschaftskompetenz.
In diesem Sinne könnte man formulieren:
Kommunikative Kompetenz ist die Fähigkeit, Erfahrungen in Sprache zu überführen, Verständigung herzustellen, gesellschaftliche Wirklichkeit kritisch zu deuten und gemeinsam mit anderen an ihrer demokratischen Gestaltung mitzuwirken.
Damit wird Baackes eher pädagogisch-kommunikationstheoretischer Ansatz in die emanzipatorische Gesellschaftstheorie von Negt und Kluge eingebettet und erhält eine deutlich stärkere politische und demokratische Dimension.
> Erste Überlegungen: Ausarbeitung folgt