Filme in ihrer Zeit Filmgeschichte von den Filmanfängen bis zum Ende des 20. Jahrhunderts

Filme in ihrer Zeit

„Das 20. Jahrhundert ist das Jahrhundert des bewegten Bildes. Ein großer Teil des kulturellen Erbes steckt in unseren Filmen. Das Material spiegelt unsere Wahrnehmung, Kultur, unser Sozialleben und unsere Geschichte wider. Vor allem für junge Menschen sind der Zugang, die Kenntnis, der Umgang und die Vermittlung dieses kulturellen Erbes von größter Wichtigkeit für ihre persönliche Entwicklung als mündige Bürger/innen.“[1]

Zur Filmauswahl

Detlef Endeward (08/2026)

Alle für die Lernwerkstatt ausgewählten Filme thematisieren Ereignisse, gesellschaftliche Verhältnisse oder historische Erfahrungen des 20. Jahrhunderts und/oder setzen sich mit den politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Problemen ihrer Entstehungszeit auseinander. Sie tun dies aus unterschiedlichen Perspektiven und mit unterschiedlichen filmischen Mitteln. Gerade diese Vielstimmigkeit macht sie für die historisch-politische Bildungsarbeit wertvoll.

Aus der Perspektive des Konzepts der Gesellschaftskompetenzen verschieben sich jedoch die Auswahlkriterien. Entscheidend ist nicht in erster Linie der filmhistorische Kanon oder die ästhetische Bedeutung eines Films, sondern sein Potenzial, gesellschaftliche Zusammenhänge sichtbar und analysierbar zu machen. Filme werden als historische Quellen, kulturelle Ausdrucksformen und gesellschaftliche Dokumente verstanden. Sie eröffnen Zugänge zu Mentalitäten, Wertvorstellungen, Konflikten, Machtverhältnissen und Ideologien ihrer Zeit und ermöglichen zugleich eine Reflexion der eigenen Gegenwart.

Der Schwerpunkt der Filmauswahl liegt weiterhin auf deutschen Kino-Spielfilmen. Sie ermöglichen einen besonderen Zugang zur deutschen Geschichte und Erinnerungskultur. Internationale Spielfilme werden dort einbezogen, wo sie für das Verständnis historischer Entwicklungen oder transnationaler Zusammenhänge unverzichtbar sind, etwa bei der Auseinandersetzung mit dem Holocaust, Kolonialismus oder internationalen Konflikten.

Dokumentarfilme und Fernsehdokumentationen werden nicht als objektive Abbilder der Vergangenheit verstanden, sondern als historische Deutungen. Ihre Auswahl erfolgt deshalb nicht nur aufgrund ihres Informationsgehalts, sondern auch wegen ihrer Bedeutung für die Analyse medialer Geschichtsbilder. Gerade weil dokumentarische Formate den Geschichtsunterricht bis heute prägen, gehört ihre kritische Analyse zu den zentralen Aufgaben historischer und medialer Bildung.

Für den Zeitraum seit den 1960er Jahren werden verstärkt Fernsehproduktionen berücksichtigt. Die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Geschichte findet seitdem wesentlich über das Fernsehen und heute zunehmend über digitale Medien statt. Zudem entstehen viele historische Spielfilme nur noch als Koproduktionen mit öffentlich-rechtlichen oder privaten Fernsehanstalten. Auch diese Produktionsbedingungen sind selbst Teil der gesellschaftlichen Bedingungsrealität von Filmen.

Gegenwärtig konzentriert sich die Lernwerkstatt auf Filme aus den Nachkriegsjahren bis zur Mitte der 1960er Jahre sowie exemplarisch auf Werke der Weimarer Republik. Jüngere Filmproduktionen werden bislang themenbezogen aufgenommen. Langfristig soll das Spektrum schrittweise erweitert werden.

Die Auswahl orientiert sich dabei an mehreren miteinander verbundenen Gesichtspunkten:

  • Filme als Spuren gesellschaftlicher Wirklichkeit und historischer Mentalitäten;
  • Filme als Ausdruck ökonomischer, politischer und kultureller Produktionsbedingungen;
  • Filme als Quellen kollektiver Erinnerungen, gesellschaftlicher Konflikte und ideologischer Auseinandersetzungen;
  • Filme als Medien, die historische Wirklichkeit nicht lediglich abbilden, sondern interpretieren und mitgestalten;
  • Filme als Ausgangspunkt für die Entwicklung historischer, medialer, politischer, ökonomischer, kultureller und ethischer Gesellschaftskompetenzen.

Die aufgeführten Filmbereiche verstehen sich deshalb nicht als abgeschlossener Kanon, sondern als offene Lern- und Forschungsfelder. Sie werden kontinuierlich erweitert und durch Analysen, Unterrichtsmaterialien und didaktische Konzepte erschlossen. Ziel ist es, Filme nicht nur als Gegenstände der Filmgeschichte zu behandeln, sondern sie gesellschaftskompetent lesen zu lernen: als vielschichtige Zeugnisse ihrer Zeit und als Anlässe, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in ihren Zusammenhängen kritisch zu reflektieren.

Gegenwärtig konzentrieren wir uns auf Filme aus den Nachkriegsjahren bis zur Mitte der 60er Jahre sowie exemplarisch auf Filme aus der Weimarer Republik. Jüngere Filmproduktionen werden bisher nur bezogen auf die bisher barbeiteten historischen Themen einbezogen.

Die im Folgenden darüber hinaus aufgeführten (und zurzeit nicht aktiv verlinkten) Bereiche sollen aber in „naher“ Zukunft mit Inhalten zum Leben erweckt werden.

[1] http://www.visionkino.de/WebObjects/VisionKino.woa/wa/CMSshow/1240048

Filme in ihrer Zeit

Film in der Weimarer Republik 1919 bis 1933

Film im Faschismus 1933 bis 1945

Film im Nachkriegsdeutschland 1945 bis 1950

Film in der BRD der 50er und frühen 60er Jahren

Film in der DDR der 50er und frühen 60er Jahren

Film in der BRD der 60er und 70er Jahre

Film in der DDR der 60er und 70er Jahre

Film in der BRD der 80er Jahre

Die letzten Jahre des DDR-Films

Anfänge eines gesamtdeutschen Films nach 1990

Anmerkung

Der Umfang der Ausarbeitungen zu den einzelnen Phasen der deutschen Filmgeschichte ist bislang sehr unterschiedlich. Besonders umfangreich liegen Materialien zu den Bereichen Film in der Weimarer Republik, Film im Nachkriegsdeutschland sowie Film der 1950er‑Jahre (Schwerpunkt BRD) vor. Diese Schwerpunkte ergeben sich daraus, dass wir in diesen Feldern bereits über viele Jahre intensiv gearbeitet haben. Ein großer Teil der Materialien wurde ursprünglich für die schulische Bildungsarbeit und die Fortbildung von Lehrkräften erstellt und bislang nie veröffentlicht. Andere Texte sind nur in verstreuten, teils schwer zugänglichen Publikationen erschienen.

Die Lernwerkstatt bündelt diese Materialien nun an einem Ort: teils im Original als zeitgenössische Dokumente der Auseinandersetzung, teils in aktualisierter Form, wenn neue Erkenntnisse dies erforderlich machen. Ergänzend integrieren wir frei verfügbare Online‑Ressourcen und verweisen in den Literaturverzeichnissen auf weiterführende Forschung.

Gleichzeitig bleibt das Projekt ein bewusst offenes Vorhaben – ein Work in Progress. Die Zusammenstellung ist noch unausgewogen, an vielen Stellen ausbaufähig und bedarf fortlaufender Weiterentwicklung. Genau darin liegt jedoch die Stärke der Lernwerkstatt: Sie wächst mit neuen Fragen, neuen Materialien und neuen Perspektiven.