Der Frühkapitalismus legte den Grundstein für eine große Fabrik
Grafische Darstellung: Egestorffs Maschinenfabrik und Eisengießerei im Jahre 1856
Vom Egestorffschen Familienunternehmen zur industriellen Großproduktion in Linden
Redaktionsgruppe Stadtpost 1982 / wiederveröffentlicht: Detlef Endeward (09/2026)
In der Frühphase industrieller kapitalistischer Entwicklung in Deutschland – in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts – sammelte der „Kalkjohann“ Egestorff mit verschiedensten Unternehmungen (u. a. gehörten ihm Ziegeleien, Kalkbrennereien, Kohlenbergwerke und eine Zuckerfabrik) das Kapital zusammen, das zum Ausgangspunkt einer Linden und später Hannover prägenden, weltweit bekannten Maschinenproduktion wurde.
1835 gründete sein Sohn Georg Egestorff gewissermaßen als „Zulieferbetrieb“ für die vom Vater ererbten Unternehmungen die „Eisengießerei und Maschinenfabrik“ in Linden. Das war zunächst eine ganz kleine Fabrik mit 20 Arbeitern. Die Maschinen stammten noch aus dem schon „industrialisierten“ England, ebenso wie die Vorarbeiter, die dort angeworben wurden.
Aber schon 1836 wurde dort die erste Dampfmaschine und 1846 bereits die erste Lokomotive produziert. Der Hintergrund dafür war der Ausbau der Eisenbahn im Königreich Hannover im Jahre 1842. Diese Lokomotive wurde damals auf eigene Kosten hergestellt, weil Ernst August, der König von Hannover, sich noch nicht zur Unterstützung der heimischen Wirtschaft hatte durchringen können. „Sie solle sich erst in der Konkurrenz bewähren“, schrieb er als Antwort auf einen Bittbrief Georg Egestorffs. Da zahlreiche Zollschranken und unzureichende Transportwege im zersplitterten Deutschland die Absatzmöglichkeiten erheblich schmälerten, war die Gunst des jeweiligen Landesherrn eine erstrebenswerte Vorbedingung fürs Geschäft. So erhielt die erste Lokomotive auch ohne staatliche Zuschüsse den Namen „Ernst-August“. Eine ganz anders geartete Ausgangslage als heute, wo staatliche Zuschüsse auch ohne den Radlader „Ernst-Albrecht“ im Übermaße sprudeln.

Die erste Lokomotive „Ernst August“, abgeliefert am 15. Juni 1846
Der Lokomotivbau wurde in den nächsten Jahren das wesentlichste Standbein der Maschinenfabrik. Daneben bestanden weiter der Dampfmaschinenbau, die Eisengießerei und der Werkzeugmaschinenbau, der allerdings in der ersten Wirtschaftskrise des noch jungen Kapitalismus 1855 wieder eingestellt wurde. Die ansteigende Zahl der Arbeiter signalisierte allerdings einen auch durch Krisen kaum gebremsten Aufschwung:
1852: 400 Arbeiter
1857: nach der Fertigstellung eines schon länger andauernden Fabrikneubaus 780 Beschäftigte
1867: 1.000 Beschäftigte
1868 starb Georg Egestorff, und wie viele patriarchalische Unternehmer hatte auch er es unterlassen, rechtzeitig seine Nachfolge vorzubereiten. 1868 war keiner in Sicht, und seine Erben verkauften das Unternehmen … und das hatte Folgen.
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