Kanalbau und Hafenentwicklung in Hannover und Linden bis 1918

Hannover und Linden am Wasser: Infrastrukturwandel im Kaiserreich

Mit dem preußischen Wassergesetz vom 1. April 1905 erreichte ein jahrzehntelanger politischer Konflikt zwischen ostelbischen Agrarinteressen und westdeutscher Industriepolitik seinen Wendepunkt: Der Bau des Ems-Weser-Kanals mit Anschluss nach Hannover und Linden – später als Mittellandkanal bekannt – wurde beschlossen. Einer der wichtigsten Befürworter war der Hannoveraner Ferdinand Wallbrecht. Der Kanalbau rückte damit in die Phase der konkreten Umsetzung.

Zwischen 1913 und 1916 erreichte der Kanal das hannoversche Gebiet. Die Anbindung erfolgte über den Leineabstiegskanal bei Limmer, der seit 1914 die Verbindung zwischen Leine und dem Lindener Stichkanal herstellte. Parallel dazu begann die damals noch selbständige Industriestadt Linden 1914 mit dem Bau eines eigenen Hafens am Ende des elf Kilometer langen Stichkanals. Die Schleuse in Limmer überwand den Höhenunterschied von 7,8 Metern zwischen Kanal und Hafenbecken.

Mitten im Ersten Weltkrieg, am 18. April 1917, löschte das Motorschiff Poseidon die erste Ladung Kohle im neuen Lindener Hafen. Der Hafen war sofort ein Erfolg: Bereits im ersten Betriebsjahr 1917/18 wurden über 500.000 Tonnen Güter umgeschlagen. Die Hafenbahn – ein entscheidender Vorteil gegenüber dem späteren hannoverschen Leinehafen – verband das Becken direkt mit der Güterumgehungsbahn und erschloss die umliegenden Industriebetriebe. Schon 1927 existierten 57 Werkanschlüsse.

Auch Hannover selbst baute während des Krieges einen eigenen Hafen: den Leinehafen, der 1917 in Betrieb ging. Er erstreckte sich vom Zusammenfluss von Leine und Ihme bis nach Dornröschen und war mit elektrischen Portalkränen ausgestattet. Doch fehlte ihm ein Anschluss an das Reichsbahnnetz, und die Zufahrt über Leine und Schleusen war umständlich. Daher blieb der Leinehafen gegenüber dem Lindener Hafen stets im Nachteil.

Bis 1918 hatte sich die Region Hannover damit zu einem neuen Verkehrsknotenpunkt entwickelt: Der Mittellandkanal, die Schleusenanlagen und die ersten modernen Binnenhäfen bildeten ein leistungsfähiges System, das die kriegsbelastete Eisenbahn entlastete und die Versorgung der Industrie sicherte. Linden war dabei der eigentliche Gewinner der Vorkriegs- und Kriegsjahre – mit einem Hafen, der schon vor der Eingemeindung 1920 die Rolle eines regionalen Logistikzentrums übernahm.


Literatur

Bohne, Horst (2013): Hannover und Linden als alte (und neue) Hafenstädte (Teil 2). Lebensraum Linden [Eingestellt am 06.02.2013; zuletzt geändert am 09.04.2013]

Mlynek, Klaus/Röhrbein, Waldemar R. (1991): Hannover Chronik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Zahlen. Daten. Fakten. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 1991, S. 151

Hannover Archiv, Bl.

Hannovers Wirtschaft im Kaiserreich

Kanalbau und Hafenentwicklung in Hannover und LInden bis 1918

Bedeutende Industrieunternehmen in Hannover und Linden

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