Hanomags vorläufig letzter Akt: Horst-Dieter Esch und die IBH
Ein neues Werk, 3.000 garantierte Arbeitsplätze und Millionen von Stadt und Land – die Hanomag wird zum Gegenstand eines riskanten Finanzierungs- und Subventionsgeschäfts
Der Kaufpreis lag nach Auskunft des IBH-Chefs Esch in einem NDR-Interview nicht erheblich über der geplanten Aufstockung des Grundkapitals der IBH: Dies wurde von 68 auf 98 Mio. DM erhöht – macht 30 Mio. Dazu kamen ca. 40 Mio. für Grundstücke, Werksanlagen und Maschinen, die nicht direkt von der IBH, sondern von der IBH-Tochter „Hanomag Grundstücksverwaltung GmbH“ zu zahlen waren. Aus steuerlichen Gründen operiert diese Tochter selbständig, d. h. überlässt der Hanomag im „Leasing“ die Produktionsanlagen. Insgesamt ist damit der IBH ein großer Coup gelungen.
Doch die flotten IBH-Herren planten noch mehr: IBH erwartete, dass Banken und Zulieferer – besonders Reifenhersteller – zinsfreie Kredite zur Verfügung stellten. Die Kalkulation dabei war, dass diese am Weiterbestehen der Hanomag interessiert sein mussten.
Und schließlich – wer hätte es anders erwartet – sollte auch die niedersächsische Landesregierung einspringen: Sie sollte für einen Bankkredit in Höhe von 50 Mio. DM bürgen.
Die IBH erwarb Hanomag nicht nur „für ’nen Appel und ein Ei“ – nämlich für „nicht erheblich über“ 30 Mio. plus ca. 40 Mio. für Grundstücke usw., sondern machte sie von Anfang an zum Objekt erpresserischer Finanzmanöver – nicht nur gegenüber staatlichen Stellen, sondern auch gegenüber Zulieferern.
Wie schon oft in der Geschichte der Hanomag wurden von den „neuen Herren“ Versprechungen gemacht. So erklärte die IBH, dass beabsichtigt sei, die Produktion anderer voll ausgelasteter Werke des IBH-Konzerns zum Teil nach Hannover zu verlegen.
Das Pokern um ein neues Werk beginnt
In den nächsten Monaten tat sich jedoch nicht viel – bis auf ein kurzfristiges Sonderprogramm: die Produktion von Bergbaugerät.
Im Sommer ’80 begann sich aber etwas ganz anderes zu tun: Es verdichteten sich Gerüchte, dass die IBH das alte Hanomag-Werk schließen und ein neues „auf der grünen Wiese“ errichten wolle, das vielleicht nicht mehr in Hannover stehen würde. Der Hintergrund dafür war, dass im alten Werk nicht mehr konkurrenzfähig produziert werden kann und als Resultat des jahrelangen „Gesundschrumpfungsprozesses“ nur noch die Hälfte des Werkes genutzt wird. Die HAZ wies alarmierend auf ein ähnliches Vorhaben der IBH bei der Firma Zettelmayer in Konz bei Trier hin.
Anfang Juli teilte die Stadtverwaltung auf Befragen der BI Linden-Süd mit, dass die Stadt der IBH bei der Suche nach einem neuen Grundstück im Stadtgebiet behilflich sein wolle. Ein angebliches Angebot, das Grundstück der Hanomag zu kaufen, wurde dementiert. Der SPD-Ortsverein Linden/Limmer keifte: „Hanomag muss in Linden bleiben!“ Am 31.7.1981 sah sich Wirtschaftsdezernent Dr. Fischer genötigt, zu bestätigen, dass im Juli mit Esch Gespräche über den Kauf des Grundstücks durch die Stadt stattgefunden hatten. Fischer betonte jedoch gleichzeitig, dass dies die Möglichkeiten der Stadt übersteigen würde.
Anfang September schien man Möglichkeiten gefunden zu haben: Es wurde bekannt, dass die IBH den Neubau eines Werkes auf einem Teil des jetzigen Geländes plane und die Stadt am verbleibenden Rest des Hanomag-Geländes interessiert sei. Aus Gerüchten, die um die laufenden Gespräche um die Zukunft der Hanomag kursierten, konnte man im November 1980 entnehmen, dass die Stadt im Gegenzug für ihr Engagement Arbeitsplatzgarantien von der IBH forderte.
Das Millionen-Ding beginnt Gestalt anzunehmen
Es blieb daraufhin Monate ruhig, bis am 2.7.1981 von der Stadt Hannover, dem Land Niedersachsen und der IBH-Hanomag eine „Absichtserklärung“ unterzeichnet wurde. Ihr Inhalt: Stadt und Land wollen die „Umstrukturierung“ der Hanomag mit 75 Mio. durch Grundstückskäufe und direkte Zuschüsse unterstützen. Die IBH verpflichtet sich im Gegenzug, ab Mitte ’85 bei Hanomag 3.000 Arbeitsplätze zu garantieren und für jeden der garantierten Arbeitsplätze, der nicht besetzt ist, DM 10.000 an die Stadt zu bezahlen.
Verschleierungsaktion durch die Stadt
Auf Anfrage der DKP im Rat gab Wirtschaftsdezernent Fischer am 28.11.1981 bekannt, dass die Vertragsverhandlungen im Dezember im Sinne der Absichtserklärung abgeschlossen würden. Am 11. Dezember betonte Fischer auf weitere Nachfragen im Rat, dass die Vertragsunterzeichnung abhängig sei vom Ergebnis einer Überprüfung der wirtschaftlichen Lage der IBH durch das bundeseigene Wirtschaftsprüfungsunternehmen „Treuarbeit“.
Am 29. Dezember war es dann soweit – wie sich später herausstellte, ohne dass die Stadt das „Treuarbeit“-Gutachten kannte: Ein Rahmenvertrag zur Umstrukturierung der Hanomag wurde paraphiert. Als Begründung für die schnelle Paraphierung noch im Jahre ’81 wurde angeführt, dass die Grundstücksverkäufe für IBH-Hanomag noch für 1981 hätten „bilanzwirksam“ werden müssen. Der Hintergrund dafür sollte bald deutlich werden.
Für die notarielle Seite des Zustandekommens der Vertragsparaphierung sorgten drei Notare, die – natürlich rein zufällig – aus SPD/CDU/FDP kamen. Der Notar Walter Heinemann, der in seiner Freizeit SPD-Fraktionsvorsitzender im Rat ist, verwahrte sich im Nachhinein, dass er für seinen Part 72.000 DM bekommen habe. Nein! Für die Vertragsparaphierung eines der drei Teilverträge hätte sein Büro nur 68.000 DM eingestrichen, denn die zusätzlichen 4.500 MwSt. verblieben ja nicht in seiner Tasche.
Dass die schnelle Vertragsparaphierung etwas mit der wirtschaftlichen Lage der IBH-Hanomag zu tun haben könnte – wie die GABL vermutete – wies der Sprecher der Hanomag-Geschäftsleitung, Dr. Freimuth, zurück: Das sei „völliger Unsinn“.
Wider besseres Wissen und Verstand …
Was Dr. Freimuth damit für Unsinn redete, wurde in der Zeit bis zur endgültigen Vertragsunterzeichnung am 18. März deutlich.
Das Gutachten der „Treuarbeit“ zur finanziellen Situation des IBH-Konzerns lag inzwischen dem Land vor. Entgegen anderslautenden Ankündigungen hielt es sich aus der Hanomag-Problematik weitgehend heraus. Der Stadt wurde es nicht einmal zugänglich gemacht. Lediglich über Berichterstatter des Landes erfuhr die Stadt vom Inhalt. Wie der auch ohne gesonderte Betrachtung des Falles Hanomag aufgefallen sein musste, ließ sich aus der Reaktion des Landes ablesen:
Als Voraussetzung für Bürgschaft und Zuschüsse wurde plötzlich – vorher war davon keine Rede – eine kräftige Kapitalerhöhung der IBH erwartet (90 Mio. DM). Außerdem forderte das Land als weitere Voraussetzung für seine Verpflichtungen, dass die Stadt mit den ihren in Vorhand treten müsse.
Aber das war noch nicht alles. Anfang März wurde die Geschäftsführung der Hanomag bei der Stadt vorstellig. Anlass: Die IBH konnte trotz der finanziellen Versprechen von Stadt und Land, trotz der Vertragsparaphierung keine Kreditzusagen von Banken vorweisen, um ihren Anteil an der Hanomag-Umstrukturierung zu finanzieren.
Im Gegenteil: Die Situation stellte sich so dar, dass eine Vertragsunterzeichnung am 18. März für die Aufnahme laufender Betriebsmittelkredite nötig war, die im Übrigen nicht nur 10 Mio. – wie offiziell genannt –, sondern 60 Mio. DM betrugen, weil kurzfristige Kredite in Höhe von 50 Mio. DM ausliefen und nicht verlängert wurden!
Das schreckte sogar die Vertreter der Stadtverwaltung auf. Sie forderten jetzt, dass die Finanzierung des Werksneubaus vor Vertragsunterzeichnung gesichert werden müsse. Ohne gesichertes Finanzierungskonzept des Eigenanteils der IBH/Hanomag riet sie von dem ohnehin schon halsbrecherischen Unternehmen Hanomag-Vertrag ab, der nun den letzten Hauch von Seriosität verloren hatte.
In der Ausschusssitzung vor der entscheidenden Ratssitzung am 18. März waren sich Ratsvertreter und Verwaltung denn auch weitgehend einig: Keine Unterzeichnung ohne gesicherte Finanzierung, Verschiebung der ganzen Aktion, bis ein Finanzierungskonzept vorliegt.
Doch jetzt erwies sich, was die Hanomag wirklich wert ist – in der Hand des Horst-Dieter Esch: Wenn die Verträge nicht unterzeichnet würden, keine Kredite für den laufenden Betrieb und dann sei die Hanomag futsch, mitsamt ihren Arbeitsplätzen. Und das alles innerhalb weniger Wochen!
So wurde binnen kürzester Zeit klar, wer hier Forderungen stellte.
Und schließlich ließ Esch „seine“ Arbeiter aufmarschieren – wie zwei Tage vor der Ratssitzung in die SPD- und die CDU-Fraktion – zusammen mit der Hanomag-Geschäftsführung.
Die Drohung einiger Lindener SPD-Funktionäre, im Falle einer Weigerung, das Vertragswerk zu unterzeichnen (die Hanomag im Stich lassen nennt sich sowas neuerdings), aus der Partei auszutreten, tat ein Übriges, diejenigen zur Raison zu bringen, die den Kopf noch zum Nachdenken (und Nachrechnen) benutzten.
Aber gar zu peinlich sollte das Ganze dann wiederum auch nicht werden – fand Herr Esch, und diktierte sich ganz harte Bedingungen: Der Vertrag wird zwar unterzeichnet, aber bis zum 15. November des Jahres muss die IBH ein gesichertes Finanzierungskonzept nachreichen – sonst darf die Stadt kostenlos vom Vertrag zurücktreten.
Herr Esch sicherte damit die Stadt so toll ab, dass sogar Frau Taeglichsbeck (FDP) keine gute Miene zu dem bösen Spiel machen wollte und offenherzig bekannte:
„Die Stadt wird auch am 15. November nicht den Mut haben, von ihrem Rücktrittsrecht Gebrauch zu machen, falls die Hanomag bis dahin kein klares Finanzierungskonzept präsentiert.“
Die Produktionsstilllegung war schon vorbereitet
Obwohl Esch auf die Frage, was denn gewesen wäre, wenn der Rat die Verträge nicht gebilligt hätte, nicht antworten mochte, schrieb die NP, dass in diesem Falle auf der gleichen Pressekonferenz die Verlagerung der Hanomag-Produktion in andere Unternehmen des IBH-Konzerns angekündigt worden wäre. Ohne Subventionen ist die Hanomag für den Herrn Esch eben nichts wert!
Was steht in den Verträgen?
Esch hat sich verpflichtet, bis Mitte 1985 ein neues Hanomag-Werk zu bauen, das ca. 150 Mio. kosten soll. Er garantiert in diesem Werk 3.000 Arbeitsplätze und will für jeden nicht besetzten Arbeitsplatz 10.000 DM pro Jahr an die Stadt zahlen. Stadt und Land subventionieren diesen Neubau zusammen mit 75 Mio. plus ca. 50 Mio. DM Bürgschaften des Landes.
Da Stadt und Land rechtlich nicht einfach diese Millionen der IBH in die Tasche schieben dürfen, musste ein regelrechtes Schachtelwerk von Zuschüssen, Subventionskäufen und Garantien errichtet werden.
Die Stadt steigt mit 48 Mio. ein, und zwar über den Kauf des Hanomag-Grundstücks. Die Hälfte des Geländes erhält die IBH-Hanomag auf Erbpachtbasis (bei einem 5-prozentigen Erbpachtzins) zurück. Den Rest erwirbt die Stadt für Industrieansiedlungszwecke.
Den rechten Sinn erhält diese Transaktion dadurch, dass die Stadt nach dem Gemeindehaushaltsrecht keine direkten (besser: offenen) Investitionszuschüsse zahlen darf. Was lag da näher, als der Erwerb des Hanomag-Geländes zu einem überhöhten Preis, um Esch 48 Mio. zukommen zu lassen.
Um die Stadt formal darüber hinaus „sauber“ zu halten, stieg die städtische Immobiliengesellschaft „Union-Boden“, die bislang nur für Parkhäuser und Tiefgaragen zuständig war, in den Handel ein: Formal hat die „Union-Boden“ den Teil des Grundstücks erworben, den die IBH-Hanomag auf Erbpachtbasis zurückerhält.
Aber rechtlich klaffte in der gesamten Transaktion noch ein weiteres Loch: Bund und Land weisen den Großraum Hannover nicht als ein besonderes Fördergebiet aus.
Fortsetzung von S. 19 auf S. 22
Darum kann das Land auch nur einen Zuschuss von festgelegten 7,5 % auf die Investitionssumme von 150 Mio. DM gewähren: Das macht 11,25 Mio. DM.
Mit 48 Mio. DM steigt wie erwähnt die Stadt bzw. Union-Boden ein. Nach der Absichtserklärung von Stadt, Land und IBH wollen Stadt und Land aber insgesamt einen Beitrag von 75 Mio. DM leisten. D. h. in der Rechnung fehlen noch 15,25 Mio. DM.
Die wurden nun urplötzlich vom Zweckverband Großraum Hannover geschlossen: Der Zweckverband tauchte mit den in der Finanzierung gerade fehlenden 15,25 Mio. DM auf. Hier schien der Zweckverband wie die Jungfrau zum Kinde gekommen zu sein.
Der Zweckverband war weder an den Verhandlungen beteiligt, noch fanden sich im Verwaltungsentwurf des Haushaltsplanes ’82 derartige Zuschüsse.
Des Rätsels Lösung: Das Land stellt dem Großraum für sein Stadtbahnbeschaffungsprogramm der ÜSTRA 15 Mio. DM zur Verfügung. Der Zweckverband konnte dann seinerseits die so frei werdenden Mittel Esch in den Rachen werfen, und das Land umging auf diese Weise die allgemeinen Bestimmungen für direkte Investitionsbeihilfen.
Nun gibt es zu diesem Handel einiges anzumerken:
– Nach Aussagen von Hanomag-Kollegen dürften die Abbrucharbeiten, zu denen sich die Stadt gegenüber der IBH-Hannover verpflichtet, damit Esch sein neues Werk auf dem alten Gelände bauen kann, sehr teuer werden. Das Gelände ist mit alten Bunkern untertunnelt, von massiven Fundamenten übersät und von Versorgungskanälen durchzogen. Hier kann sich der Stadt ein Fass ohne Boden auftun.
– Alle unter Denkmalschutz stehenden Fabrikgebäude werden an die Stadt abgeschoben; die kann dann sehen, was sie mit ihnen macht.
– Schließlich ist nach dem Wert der eingehandelten Beschäftigungsgarantie zu fragen. Wenn es Hanomag wieder finanziell schlecht geht – und wie schnell Krisengeschrei verbreitet werden kann, wissen wir ja – wird es die Stadt wahrscheinlich tunlichst vermeiden, die 10.000 DM für jeden der nicht besetzten 3.000 Arbeitsplätze zu verlangen. Die restlichen Arbeitsplätze könnten dann ja auch gefährdet werden!
Ein neues Werk – und was dann?
In dem Zusammenhang muss deutlich gemacht werden, dass die Garantie von 3.000 Arbeitsplätzen nicht bedeutet, dass die jetzt bei Hanomag beschäftigten Kollegen ihre Arbeit behalten. Alles deutet darauf hin, dass die IBH ein Montagewerk in Hannover bauen will, in dem nach einer „Typenbereinigung“ die mittelgroßen Raupen und Radlader des IBH-Konzerns gefertigt werden.
Gerade die älteren Kollegen dürften „dran glauben“ müssen, die einer Montagefertigung physisch und psychisch nicht gewachsen sind.
Darüber hinaus dürfte es zu einer Dequalifizierung der Facharbeiter kommen, was nicht zuletzt zu Umgruppierungen in den Lohngruppen, d. h. zu finanziellen Einbußen der Kollegen führen würde.
Auf eine angestrebte reine Montagefertigung bei Hanomag deutet besonders die Ausbildung von Lehrlingen hin: Zeichner, Industriekaufleute und Dreher werden nicht mehr ausgebildet, sondern nur noch Maschinenschlosser, CO-Schweißer und – man höre und staune – Bauschlosser.
Bauschlosserlehrlinge in einem Industriebetrieb – das mag grotesk klingen – passt jedoch ins Konzept einer angestrebten Montagefertigung: Bauschlosser werden besonders im Richten von Metallteilen und Punktschweißen ausgebildet. Sie könnten in einer Bandproduktion die vorbereitenden Montagetätigkeiten übernehmen und die CO-Schweißer würden dann im laufenden Meter ihre Schweißnähte ziehen können.
Nicht schlecht, Herr Esch!
Esch fand ein Kamel
Soweit zum Vertragswerk und seinen Pferdefüßen. Wie ging die Geschichte mit IBH-Hanomag weiter?
Für die IBH geht es nun vor allem darum, die Finanzierung ihres Anteils sicherzustellen (oder zumindest als gesichert erscheinen zu lassen) und für die vom Land geforderte Kapitalerhöhung von 90 Mio. zu sorgen.
Von der geforderten Kapitalerhöhung war einstweilen nichts zu sehen. Die NP wusste am 19.3. nur zu berichten, „dass deutsche Aktionäre nicht bereit sind, weitere Millionen in die IBH zu stecken“. Lediglich ein in die Diskussion lancierter Ölscheich, der mit angeblich 90 Mio. DM in die IBH einsteigen wolle, sei interessiert.
Obwohl dieses Gerücht selbst gutgläubige Leute im Rathaus zum Schmunzeln brachte, trieb Esch wirklich einen Scheich auf – Salih el-Kamil (nicht Kamel!), Boss der saudi-arabischen Dallah-Gruppe, die die größte Baufirma des Landes ist, die saudischen Flughäfen wartet und insgesamt 20.000 Personen beschäftigt. Um das Märchen aus 1001 Nacht perfekt zu machen – neben Kamil ist ein echter Saudi-Prinz Hauptaktionär der Dallah-Gruppe: Prinz Chalid Ibn Abd el-Rahman.
Mit so einem Partner lässt sich natürlich werben. Und so wollen drei der bisherigen Aktionäre – General Motors, Powell Duffryn und die Privatbank Schröder, Münchmeyer, Hengst & Co. (SMH) – zu gleichen Teilen neue Aktien in Höhe von 60 Mio. zeichnen. Damit würde die Kapitalausstattung von gegenwärtig 170 Mio. auf 320 Mio. DM steigen. Bei einem geplanten Jahresumsatz von 3 Milliarden für 1982 „alles andere als üppig“ – wie das „manager magazin“ (5/82) urteilte.
Aber Geld war für Esch ja noch nie ein Problem: Das holt er sich von anderen.