Kapitalismus – ein global vernetztes Weltsystem
Kapitalismus ist von Anfang an global
Kapitalismus entwickelte sich nicht aus inneren europäischen Dynamiken. Er entstand aus globalen Verflechtungen, die Gewalt, Sklaverei, Kolonialismus und staatliche Macht einschließen. Die verschiedenen Welt-Regionen entwickeln sich dabei nicht linear, sondern in wechselseitiger Abhängigkeit.
Das heißt:
Es gibt keinen „Normalweg“ – nur unterschiedliche historische und strukturelle Positionen im Weltsystem. Insofern ist der Kapitalismus auch ein System regionaler Spezialisierungen in verschiedenen histiorischen Phasen z.B.
- Zwangsarbeit und Plantagen (USA, Karibik, Brasilien)
- Industrielle Verarbeitung (England, später Deutschland)
- Finanzzentren (London, Amsterdam, später New York)
- Rohstoffperipherien (Indien, Ägypten, Westafrika)
- Staatlich forcierte Industrialisierung (Deutschland, Japan)
Diese Rollen bedingen einander. Keine Region ist „vorne“ oder „hinten“ – sie sind funktional verknüpft.
Kapitalismus produziert systemische Krisen – nicht als Ausnahme, sondern als strukturelles Funktionsprinzip
In der Perspektive der Weltsystemanalyse und der kritischen politischen Ökonomie gilt:
- Kapitalismus braucht Krisen, um sich zu erneuern.
- Krisen sind Akkumulationsschübe, keine Störungen.
- Krisen entstehen aus Überakkumulation, Profitratenfall, Marktsättigung, sozialen Konflikten.
- Krisen entstehen aus geopolitischen Strategieverwerfungen
Krisen sind strukturell notwendig, um das System zu stabilisieren.
Literatur
Beckert, Sven (2014): Empire of Cotton: A Global History (2014)
Beckert, Sven (2025): Kapitalismus. Geschichte einer Weltrevolution. Hamburg 2025
- Rezensionen:
Hubert, Martin: Sven Beckert: „Kapitalismus“ Geschichte einer Weltrevolution. Deutschlandfunk, 17.11.2025 [zuletzt abgerufen: 22.03.2026]
Lichtenstein, Nelson: Die Geschiche der kapitalistischen Weltrevolution. jacobin 13.12.2025 [zuletzt abgerufen: 22.03.2026] - Fragen an den Autor:
Der Kapitalismus war schon immer ein globaler Prozess
Interview mit Sven Beckert, geführt von Loren Balhorn, jacobin, 3. März 2026
Harvard-Historiker Sven Beckert: „Man kann sich dem Kapitalismus nicht entziehen“. Sven Beckert beantwortet Fragen von Simon Zeise
Historiker über Kapitalismus – „Alles, was Menschen gemacht haben, können sie auch verändern“.
Interview von Michael Hesse mit Sven Beckert. fr.de/kultur, 12.12.2025
Harvard-Historiker: »Kapitalismus bedeutet permanente Revolution«
Sven Beckert im Interview mit Max Hauser, Surplus. Das Wirtschaftsmagazin, 11. November 2025
Erleben wir noch das Ende des Kapitalismus? Ein Historiker zieht Bilanz
Gespräch mit Sven Beckert von Harald Stutte, rnd
Beer, Max (1931): Allgemeine Geschichte des Sozialismus und der sozialen Kämpfe. Berlin 1931 (Reprint: Erlangen 1971
Hobsbawm, Eric (2017): Das lange 19. Jahrhundert. 3. Bände, WBG, Darmstadt 2017
Kofler, Leo (1948/1974): Zur Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft. Versuch einer verstehenden Deutung der Neuzeit. Darmstadt und Neuwied 1974 (Erste Auflage: Halle 1948
Krippendorff, Ekkehart (1975): Internationales System als Geschichte. >einführung in die internationalen Beziehungen I. Frankfurt/M. 1975
Müller, Rudolf Wolfgang (1981): Geld und Geist. Zur Entstehungsgeschichte von Identitätsbewusstsein und Rationalität seit der Antike. Frankfurt a.M./New York 1981
Sweezy,Paul u.a. (1978): Der Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus. Frankfurt/M. 1978
Wittfogel, Karl. A. (1977): Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft. Von ihren Anfängen bis zur Schwelle der großen Revolution. Hannover 1977
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Warum wir vom Kapitalismus sprechen (müssen)
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