80 Jahre Niedersachsen
Kein – oder doch ein wenig – neuer Jubiläumsband
Redaktion Lernwerkstatt
80 Jahre Niedersachsen sind ein Anlass zurückzublicken. Aber nicht, um noch einmal eine möglichst vollständige Geschichte des Landes seit 1946 zu erzählen. Die Jubiläumsbücher überlassen wir anderen.
Uns interessiert etwas anderes.
Wir wollen aus verschiedenen Perspektiven auf diese 80 Jahre schauen – und dabei mit Fragen von heute an die Geschichte herangehen. Was erscheint wichtig, wenn wir von den Problemen und Erfahrungen unserer Gegenwart aus zurückblicken? Was entdecken wir dann, das in einer chronologisch erzählten Landesgeschichte vielleicht nur am Rande vorkommt?
Dabei beginnen wir immer wieder im Jahr 1946 – aber wir bleiben dort nicht stehen.
Wie wurde aus unterschiedlichen Regionen ein Land? Wer gehörte zum politischen Neuanfang – und wer nicht? Wie demokratisch war dieser Anfang? Wie wurde aus Natur „Agrarland“? Wie entstand das „Industrieland Niedersachsen“? Wer arbeitete dort, wem gehörten die Unternehmen, wer entschied über ihre Entwicklung? Wie veränderten Straßen, Eisenbahnen und Autos Städte und Landschaften? Was bedeuteten Flucht und Migration? Was wurde nach 1945 erinnert – und was lieber vergessen?
Und immer wieder begegnen uns Filme.
Sie zeigen uns Niedersachsen, wie Menschen es zu einer bestimmten Zeit sehen und zeigen wollten: das zerstörte Land, den Wiederaufbau, Landwirtschaft und Industrie, neue Städte und neue Straßen, gesellschaftlichen Fortschritt und politische Selbstbilder.
Deshalb fragen wir nicht nur: Was zeigt der Film? Sondern auch: Warum zeigt er es so? Was zeigt er nicht? Wer wollte wem welches Niedersachsen zeigen? Und was sehen wir heute darin?
Lernwege eröffnen – nicht Unterricht vorproduzieren
Die Lernwerkstatt stellt deshalb keine fertigen Unterrichtskoffer bereit, die nur noch ausgepackt und abgearbeitet werden müssen.
Wir machen Vorschläge. Wir stellen Fragen. Wir zeigen mögliche historische Spuren und eröffnen mögliche Lernwege. Dazu stellen wir ausgewählte Filme, Bilder, Texte, Quellen, Daten, Karten und Hinweise bereit.
Was daraus im Unterricht wird, entsteht jedoch in den Schulen.
Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler können Fragen aufnehmen, verändern oder verwerfen. Sie können andere Quellen suchen, regionale Spuren verfolgen, eigene Schwerpunkte setzen und zu Antworten kommen, die wir bei der Entwicklung der Materialien noch gar nicht kennen konnten.
Gerade das gehört zum Konzept.
Ein Lernweg ist keine vorgeschriebene Strecke von einer Frage zu einer bereits feststehenden Antwort. Er soll Orientierung ermöglichen und zugleich offen genug bleiben, damit eigene Wege, Umwege und neue Fragen entstehen können.
Und vielleicht kommt etwas zurück
Damit muss der Lernweg nicht in der einzelnen Schule enden.
Interessant wäre, wenn Ergebnisse, neue Quellen, lokale Entdeckungen, andere Fragen oder auch Kritik aus den Schulen in die Lernwerkstatt zurückfließen.
Dann würde aus „80 Jahre Niedersachsen“ nach und nach mehr als eine Sammlung von Materialien.
Es könnte ein gemeinsam wachsender Arbeitsraum entstehen: Die Lernwerkstatt gibt etwas in die Schulen hinein – Schulen arbeiten damit weiter – und e