Technologische Kompetenz
Gesellschaftliche Wirkungen begreifen und Unterscheidungsvermögen entwickeln
Detlef Endeward (08/2025)
Technik prägt nicht nur die Arbeitswelt, sondern durchdringt alle Lebensbereiche. Sie ist nicht neutral, sondern wirkt als Herrschaftsmittel oder als Mittel zur Befreiung, je nach gesellschaftlicher Gestaltung. Zu berücksichtigen ist dabei, das in einer kapitalistischen Ökonomie Technologie fast zwangsläufig unter dem Gesichtspunkt der Verwertung eingesetzt wird – mit teils verheerenden sozialen Folgen.
Die pauschale Ablehnung von Technik führt zu moralischer Verweigerungshaltung oder symbolischer Gewalt. Stattdessen braucht es ein differenziertes Unterscheidungsvermögen, die Fähigkeit, zwischen bedrohlichen und befreienden Technologien zu unterscheiden: Welche Technologien sind gefährlich, welche nützlich?
Technologische Kompetenz bedeutet mehr als technische Fertigkeit, Sie umfasst vor allem das Verständnis gesellschaftlicher, politischer und psychosozialer Wirkungen von Technik, die Fähigkeit Technologiefolgen abschätzen zu können.
Am Beispiel der Entwicklung des Internets lässt sich ablesen wie bedeutsam diese Kompetenz ist. Ursprünglich durchaus auch als eine Technologie mit emanzipatorischem Potenhzial vorstellbar – Kommunikation unter Gleichen – hat es sich partiell zu einem „asoziales Monstrum“ verwandelt und zu einer Technologie der Konzerne.
Diffamierung und Ausgrenzung – durch algorithmisch verstärkte Polarisierung, Shitstorms, digitale Gewalt – auf der einen Seite und Profitmaximierung – durch Datenhandel, Aufmerksamkeitsökonomie, Plattformmonopole – auf der anderen Seite sind die zwei Seiten derselben Medaille. Es kann Befreiung bedeuten (Zugang zu Wissen, Vernetzung, Selbstermächtigung) Es kann aber auch Herrschaftsmittel sein (Überwachung, Manipulation, Ausschluss)
Bildung muss im besten Sinne Aufklärung über die ökonomische Funktion von Technik und den kulturellen Sinn von Technik schaffen und deren Einfluss auf Lebensverhältnisse ergründen. Sie muss helfen, Technik bewusst zu gestalten und zu nutzen, statt ihr ausgeliefert zu sein. Technik muss in einbeherrschbares Objekt rückübersetzt werden, das ethische Fragen aufwirft.
Die Ausbildung eines Differenzierungsvermögens gegenüber Technologien und die Folgen ihrer Anwendung ist eine dauerhafte Bildungsaufgabe. Dieses Fähigkeit kann nie abgeschlossen sein, weil sich Technologien ständig weiterentwickeln – und ihre gesellschaftliche Einbettung sich mit ihnen verändert.
Technologische Kompetenz als kritische Praxis
Man könnte sagen: Technologische Kompetenz bedeutet nicht nur, Technik zu verstehen – sondern auch, sie zu hinterfragen, zu entlarven und gegebenenfalls zu bekämpfen, wenn sie menschenfeindlich wirkt.
