Wohnraumnot in den Nachkriegsjahren

Trümmerlandschaft in Hannover

Die große Wohnraumnot war – nach den Versorgungsproblemen – das zweite zentrale Problem für die Bevölkerung. In den westlichen Besatzungszonen waren fast 20 % der Wohnungen total zerstört und nur etwa die Hälfte unbeschädigt geblieben. Vor allem in den Großstädten, wo die Bombenangriffe in erster Linie die Wohngebiete getroffen hatten, herrschten katastrophale Verhältnisse. Verschärft wurde die Not durch den Zustrom der Flüchtlinge und durch die Beschlagnahme von Gebäuden durch die Besatzungsmächte. 

Kleinere und mittelgroße Städte, wie z.B Wolfenbüttel, gehörten dabei zu den Gebieten, die vergleichsweise in einer günstigeren Situation waren. Die Stadt hatt unter den Folgen der Kriegszerstörungen kaum zu leiden. Und die Zahl der Flüchtlinge war im Raum Wolfenbüttel geringer als in vielen anderen Regionen Niedersachsens. Trotzdem gab es Wohnraumprobleme auch hier.

Generell galt, dass in den Städten viele vorhandenene Wohnungen  überbelegt waren. Daraus erwuchsen Spannungen und Konflikte zwischen Nachbarn, Mietern, Wohnungsinhabern und Zwangszugewiesenen.  Aufgrund des Zusammenlebens auf engstem Raum fehlten persönliche Rückzugsräume  und man war ständig gezwungen, Kompromisse zu schließen. Daraus folgten strake psychische Belastungen.

Die Behörden unternahmen alle erdenklichen Anstrengungen, die Wohnverhältnisse durch planvolle Bewirtschaftung des vorhandenen und Schaffung neuen Wohnraums zu verbessern. Die Militärregierung erließ Gesetze und Anordnungen, die massiv in das Privatleben der Menschen eingriffen. In den Kreisen und Gemeinden wurden Wohnungsämter eingerichtet und die kommunalen Vertretungen bildeten Wohnungsausschüsse, die sich ausschließlich um die Wohnraumbewirtschaftung kümmerten.

Diese Einrichtungen bemühten sich, sämtlichen vorhandenen wohnraum zu erfassen. Alle Einwohner wurden verpflichtet, ihren Wohnraum zu melden. Die Ämter konnten anordnen, daß vor allem zweckentfremdeter Wohnraum wieder in Wohnungen umgewandelt wurde, daß wohnungstausch vorgenommen wurde, daß vorhandener wohnraum wirksamer ausgenutzt wurde und vor allem konnten sie freien Wohnraum zuteilen, auch zwangsweise.

All diese Maßnahmen waren jedoch nur im Zusammenhang mit zahlreichen Kontrollen durchzuführen. Verstöße gegen die Anordnungen der Behörden wurden mit Strafen geahndet. Trotzdem ließen sich viele Maßnahmen häufig nur mit Polizeigewalt durchsetzen.

Man versuchte, alle nur irgendwie verfügbaren Räume als Wohnräume zu nutzen: Keller und Böden, Gartenlauben und Fabrikräume. Dort wurden v.a. Flüchtlingsfamilien untergebracht.  In vielen dieser Notunterkünfte mangelte es an sanitären Einrichtungen, Koch- und Heizmöglichkeiten. Die Beleuchtung in den meisten Räumen war schlecht, die Wände waren häufig feucht und die hygienischen Zustände folglichkatastrophal. Daraus erwuchsen natürlich auch erhebliche gesundheitliche Gefahren für die Gesundheit der betroffenen Menschen.

Auch bei der Beschaffung von neuem Wohnraum stieß man auf erhebliche Schwierigkeiten. Die Bautätigkeit lag lange Zeit nahezu still, weil keine Baustoffe zur Verfügung standen. In Wolfenbüttel z.B. mussten bis Anfang 1946 etwa 95% aller Bauanträge abgelehnt werden. Zu dieser Zeit durften nur Erste-Hilfe-Reparaturen an „fliegergeschädigten“ Häusern durchgeführt und Behelfsheime und Notbaracken errichtet werden.

Umfangreiche Baumaßnahmen setzten erst gegen Ende der 40er Jahre ein. Jetzt wurde privates Bauen mit öffentlichen Darlehen gefördert und Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften gegründet. Viele Gemeinden versuchten darüber hinaus, eine Verschlechterung der Wohnsituation dadurch zu verhindern, dass sie den Zuzug erschwerten. Dadurch wurden die Probleme allerdings nur auf andere Gemeinden verlagert.

Der Erfolg aller Bemühungen musste notwendigerweise lange hinter den Erfordernissen und v.a. auch Erwartungen der Bevölkerung zurückbleiben. Die Wohnprobleme konnten nicht kurzfristig gelöst werden, es blieb letztlich nur, den Mangel möglichst „gerecht“ zu verteilen. Darüber, was gerecht war, gab es allerdings bei den Betroffenen durchaus unterschiedliche Einschätzungen. Beispielsweisen gingen die Vorstellungen von Flüchtlingen, die dringend eine Unterkunft brauchten, und einem Wohnungsinhaber, der seine Wohnung mit Fremden teilen sollte, weit auseinander.

Kritk an den Behörden war weit verbreitet und die Schiedmänner und Berufungsinstanzen hatten zahlreiche Beschwerden zu bearbeiten

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