Zur Lage der Flüchtlinge

Die Aufnahme dokumentiert einen kurzen Moment aus dem Leben von vier Flüchtlingen, deren Schicksal aber dem von Zigtausenden glich. Die Bildunterschrift lautet nüchtern: „Flüchtlingslager Stöcken bei Hannover, März 1947“ 1)

Der Weg der meisten Flüchtlinge und Vertriebenen aus den Ostgebieten führte nach tage- oder wochenlangen Fahrten zunächst nach Hannover. Die Stadt war der wichtigste westdeutsche Eisenbahnknotenpunkt am Schnittpunkt der Ost-West und Nord-Süd-Verbindungen.2) Für viele Flüchtlinge wurde Hannover zu einer Zwischenstation auf ihrem Weg. Für 60.000 aber wurde Hannover zur neuen Heimat. Die kurz- oder längerfristige Unterbringung des enormen Flüchtlingsstroms stellte die Stadt vor erhebliche Probleme. Dies hatte zur Folge, dass Notunterkünfte, d.h. Massenunterkünfte errichtet werden mussten. Aber auch Unterkünfte aus der NS-Zeit wurden genutzt. Das abgebildete Foto zeigt beispielsweise das Flüchtlingslager Stöcken, eine ehemalige Außenstelle des KZ Neuengamme.

Die Zustände in den Notunterkünften waren alles andere als befriedigend. Überaus beengte Wohnverhältnisse, ein ständiger Mangel an Kleidung, Nahrung und Einrichtungsgegenständen bestimmten über Jahre hinweg das alltägliche Leben der Flüchtlinge. Hinzu kam die vielfach ablehnende Haltung der einheimischen Bevölkerung, die in den Neuankömmlingen unliebsame Konkurrenten im Kampf um Arbeitsplätze, Wohnraum, Nahrung und Kleidung sahen.

„Dennoch haben sich auf Dauer die Integrationsfaktoren wie Eheschließung, gemeinsame Mitgliedschaft und Tätigkeit in Sport- und anderen Vereinen, in kirchlichen Organisationen und Parteien, der gemeinsame Schulbesuch, vor allem das Erleben des mit vereinten Kräften bewirkten Wiederaufbaus als stärker erwiesen. Wirtschaft und Produktion haben in hohen Maße von der besonders stark ausgeprägten beruflichen und räumlichen Mobilität und von einer extremen Leistungs- und Anpassungsbereitschaft der Neuankömmlinge profitieren können.“ 3)

Die nebenstehenden Abbildungen zeigen, woher die Vertriebenen und Flüchtlinge kamen und wo sie sich in Niedersachsen neu ansiedelten.


  • Im Flüchtlingslager 1947/48. Hrsg.: D. Krebs, Edition Photothek XII. Kreuzberg 1985, S. 8
  • ebd.
  • Wege aus dem Chaos, S. 88
Flucht und Vertreibung

Umfangreiche Materialien zu den Problemen von Flüchtlingen und Vertreibenen werden unter dem Thema“Flucht und Verteibung“ angeboten.

Neben Dokumenten, Beiträgen und zeitgenössischen Spielfilmen ist dort auch ein zentrales Dokument der Nachkriegszeit, der von Rudolf Kipp 1948/49 im britischen Auftrag hergestellte Kurzfilm Asylrecht / Report on the Refugee Situation / Flüchtlingsnot an der Zonengrenze, didaktisch aufbereitet worden

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