City-Bildung – Hannovers Entwicklung zu einer Großstadt


Im Zuge der seit den 1880er Jahren einsetzenden sogenannten City-Bildurg veränderte sich der innerstädtische Raum in allen deutschen Städten. Mit fortschreitender Industrialisierung und zunehmender Arbeitsteilung wuchsen Nachfrage und Angebot an Dienstleistungen aller Art. Kleinhändler und mittelständische Betriebe konnten den Bedarf nicht mehr befriedigen. Gefragt waren größere und besser durchstrukturierte Organisationsformen, wie Großbanken mit ihren Filialen, wie Versicherungsgesellschaften, Kauf- und Warenhäuser. Um der Kundschaft näher zu sein und um optimale Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten zu schaffen, drängte der Dienstleistungsektor in die Innenstädte. Dieser Prozess ereichte in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts seinen ersten Höhepunkt und setzte sich dann in Schüben im 20. Jahrhundert fort.

Wegen der großen Nachfrage nach Grundstücken im Zentrum stiegen dort die Preise überdimensional an. Die hohen Grundstückspreise fungierten selbst wieder als eine Art
Motor, mit dem der Umbau der Stadt vorangetrieben wurde. Sie erlaubten nurmehr eine
vcrdichtete Bauweise, weil meist nur so Investitionen rentabel waren. Kritiker sprachen schon damals von Auswüchsen der modernen Geschäftswut. Dabei gingen Arbeitsstätten
älteren Typs verloren, wurden ehemalige Wohnhäuser umfunktioniert oder gar durch neue
Geschäftshäuser ersetzt. Im Zuge der City-Bildung wurde ein Teil der Wohnbevölkerung aus der Innenstadt verdrängt, wobei die saubersten, besten und landschaftlich schönsten Außenbezirke den Oberschichten vorbehalten blieben. (1)

Um die City herum bildeten sich sogenannte Zonen der Transition, in denen vor allem jene Arbeiter und Arbeiterinnen wohnten, deren Arbeitsplätze noch im Innern der Städte lagen. Meist stammten die Häusuer aus früheren Jahrhunderten, waren in schlechterm Zustand, oft halb verfallen. Wann diese Areale in den Citybildungsprozeß einbezogen werdcn würden, war ungewiß und führte oftmals zu Spekulationen.

Die neue Städtetechnik, wie Gas und später Elektrizität, schuf das existenznotwendige „Unterfutter“ der modemen Stadt. Neue Verkehrsmittel, wie Straßenbahn und später das Auto, machten die City für alle mehr oder weniger leicht erreichbar, gleichgültig, wo man wohnte.

Die zunehmende Kommerzialisierung der Freizeitkultur konzentrierte sich ebenfalls auf die Innenstädte, schuf viele Vergnügungsstätten, die das Profil des Stadtzentrums veränderten.

Obwohl die City-Bildung jede größere Stadt betraf,  waren Tempo und Intensität des Prozesses verschieden. Außerdem gab es stets stadteigene Spezifika, welche die Entwicklung prägten.

Adelheid von Saldern (1991)

Das Herz der neuen City

In Hannover bildete sich das Zentrum am Rande der Altstadt heraus. Auf dem Gelände der abgetragenen Stadtwälle wurde die Georgstraße. das Herz der neuen City, angelegt.


Kröpcke
City-Bildung – Hannovers Entwicklung zu einer Großstadt

Die Texte und Bilder dieses Themenbereichs stammen – wenn nicht anders angegeben – aus der Diareihe „Citybildung in Hannover“ und ihrem Beiheft, die 1991 von der Landesmedienstelle konzipiert wurde. Die Diareihe sollte Aspekte der Herausbildung der Zentrumsfunktion einer Großstadt am Beispiel Hannovers von der Zeit vor dem Eisenbahnbau bis in die frühe Nachkriegszeit dokumentieren.

Herausgeber: NLVwA – Landesmedienstelle
Stiftstraße 13, 3000 Hannover

AutorInnen: Adelheid von Sladern und Richard Birkefeld

Redaktion und pädagogischeBeratung:
Detlef Endeward, Hansgeorg Heil

Hannover 1991


Zusammenstellung, Erweiterung und Aufbereitung für die Lernwerkstatt:
Detlef Endeward (2022)

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