Konservative – nationalistische – völkische – faschistische (Interessen)-Verbände

Major Pabst aus Oesterreich ausgewiesen.
Der bekannte Heimwehr-Führer Major Pabst ist in Wien verhaftet und aus dem Bereich der oesterreichischen Republik ausgewiesen worden. In Heimwehrkreisen hat der Beschluss der Regierung grosse Erregung hervorgerufen.
Major Pabst hat die oesterreichische Hauptstadt imFlugzeug verlassen; er begab sich nach Italien. (Bundesarchiv, Bild 183-2005-0413-500 / CC-BY-SA 3.0)

Waldemar Pabst

W. Pabst steht hier stellvertretend für zahlreiche Wegbereiter des Faschismus. Er verkörpertsmit seiner persönlichen Biographie zugleich die  Kontinuität faschistischer Strukturen vom Kaiserreich bis in die Bundesrepublik.

Pabst’s „Karriere“: Offizier im Ersten weltkrieg – Freicorps-Führer – Auftraggeber für die Morde an R. Luxemburg und Karl Liebknecht – militärisch Angriffe auf  streikende Arbeiter 1919 – vertuschter Putschist 1919 – Mittäter beim Kapp-Putsch 1920 – Absetzen nach Österreich, dort Führer der austrofaschistischen Miliz ‚Heimwehr‘ und parallel deutscher Agent – Aufbau von Kontakten ins faschistische Italien, dort Beteiligung an der Niederschlagung von Streiks – 1931 Direktor bei Rheinmetall:

Die wichtigste Aktivität in der Zeit zwischen 1931 und 1933 war die Gründung und Geschäftsführung der Gesellschaft zum Studium des Faschismus, mit der Pabst einen elitären politischen Klub ins Leben rief, der sich der Schaffung einer Diktatur nach italienischem Vorbild widmete. Hier konnte er neben Göring auch weitere Nationalsozialisten wie Walther Funk und Hans Frank mit Vertretern der DNVP, des Stahlhelms und führenden Wirtschaftsverbänden zusammenbringen.

Nach 1933 engagierter Rüstungslobbyist in Zusammenarbeit mit Rheinmetall und dem Wehrwirtschafts- und Rüstungsamt (Gründung der Export-Importfirma, die „SFINDEX“, mit der er aus der Schweiz und anderen neutralen Ländern Rüstungsgüter und Maschinen für die Wehrmacht besorgte), parallel dazu Wirtschftsspionage für die deutsch Abwehr – 1955 Rückkehr aus der Schweiz nach deutschland un weiterhin tätig als Rüstungslobbyist mit Kontakten Zu Bundeswehr und dem MAD. Pabst starb wohlhabend 1970.

Für seine Taten wurde er nie strafrechtlich zur Verantowrtung gezogen und wurdeimmer wieder politisch gedeckt.


(Die politische Anteilnahme, die aus der zeitgenössischen Bildbeschreibung des Fotos, dass Waldemar Pabst, wohl beim Aufmarsch der Heimwehr und des Schutzbundes in Wiener Neustadt am 7. Oktober 1928 zeigt, wird im auch heute noch zuteil auf einem einschlägigen Youtube-Kanal, der seine Vorträge aus der Nachkriegszet anbietet, in der er der NPD nahestand.)

Schon in den 1920er-Jahren existierte ein breites Geflecht unterschiedlicher Personen, Gruppen, Organisationen und Netzwerke des nationalistischen, völkisch-antisemitischen Aktivismus, für das der hier kurz vorgestellte Mörder und Rüstungslobbyist W. Pabst steht.

In der Literatur wird sehr oft ein Trennungsstrich zwischen diesen diversen rechtsextremistischen Gruppen und Verbänden und der NSDAP gezogen. Dieser fiktive Trennungsstrich suggeriert, dass es gravierende politische Unterschiede und/oder Differenzen gegeben hätte. So ist es jedoch nicht gewesen. Die aktiven Mitglieder dieser Verbänden bewegten sich alle in der gleichen ideologischen Welt, hatte weitgehend die gleichen politischen Ziele und den gleichen Gegner: die Organisationen der Arbeiterbewegung.

Sie waren die Wegbereiter, die dem Faschismus den Boden bereiteten. (1)

Die soziale Basis all dieser Verbände stellte eine für jeden Verband spezifische Mischung aus den alten Eliten des Kaiserreichs in Militär, Adel und Großgrundbesitz, den ökonomischen Eliten der Banken und der Mittel- und Großindustrie sowie der höheren staatlichen Bürokratie dar. Personelle Überschneidungen und der Austausch untereinander, trotz taktischer Differenzen, schufen ein verbreitetes Netzwerk zur Beseitigung der demokratischen Strukturen der Weimarer Republik und zur Sicherung der ökonomischen Interessen des Kapitals. Die NSDAP und ihre Nebenorganisationen waren Teil dieses Netzwerks: Mit der faschistischen Machtübergabe/nahme erfüllten sich vielleicht nicht die individuellen Karrierewünsche einzelner Personen aber durchaus die politisch-ökonomischen Ziele auf „kleinstem gemeinsamen Nenner“. WIchtig in diesem Zusammenhang ist , dass diese durchaus fragile MAchtblock dominiert wurde von Hegemonie der Großindustrie

(1) Präsentiert bei einer dreitägigen Tagung in Gelsenkirchen im September/Oktober 2013

„Das Konzept des „Wegbereiters“ [hat sich] als fruchtbarer Ansatz erwiesen, da die Etablierung des NS-Regimes nur unter der Berücksichtigung all jener Akteure verstanden werden kann, die sich völkischem, nationalem und antisemitischem Gedankengut verschrieben, auch wenn sie selbst nicht Teil der NS-Bewegung waren.“

Aus: Tagungsbericht Wegbereiter des Nationalsozialismus: Personen, Organisationen, Netzwerke des völkisch-antisemitischen Aktivismus 1919-1933. 30.09.2013–02.10.2013, Gelsenkirchen, in: HSoz-Kult 12.04.2014.

Der Alldeutsche Verband (bis 1894 Allgemeiner Deutscher Verband)[1] bestand von 1891 bis 1939. In der Zeit des Deutschen Kaiserreichs zählte er zeitweise zu den größten und bekanntesten Agitationsverbänden.[2] Er wurde als eine der lautstärksten und einflussreichsten Organisationen des völkischen Spektrums wahrgenommen. Sein Programm war expansionistischpangermanischmilitaristischnationalistisch sowie von rassistischen und antisemitischen Denkweisen bestimmt.[3] Regional war der Alldeutsche Verband in Ortsgruppen organisiert, die auch im Ausland existierten.[4]

 

Der Freundeskreis ging 1933 aus dem von Wilhelm Keppler, Mitglied der NSDAP seit 1927, auf Veranlassung Hitlers im Frühjahr 1932 gegründeten „Studienkreis für Wirtschaftsfragen“ hervor. Im Juni 1932 stellte Keppler Hitler etwa 20 Mitglieder des lockeren Kreises vor. Sekretär der Gruppe war Fritz Kranefuß (1900–1945), ein früherer Mitarbeiter und Neffe Kepplers. Der Keppler-Kreis beschäftigte sich mit der Erstellung eines Wirtschafts- und Finanzprogramms für die NSDAP. In drei Unterausschüssen (Finanz-, Industrie- und allgemeine Wirtschaftsfragen) wurden zahlreiche Denkschriften entworfen. Laut dem Historiker Dirk Stegmann ist im Keppler-Kreis die Keimzelle für wichtige Grundsatzentscheidungen der späteren Wirtschaftspolitik des NS-Regimes zu suchen. Vom Keppler-Kreis ging auch die Initiative zur Industrielleneingabe aus (ein Brief vom 19. November 1932 appellierte an den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu ernennen).

Für den Historiker Karsten Heinz Schönbach ist das Konzept der Machtergreifung:

  1. Ernennung Hitlers zum Reichskanzler
  2. Wahl
  3. antiparlamentarische Verfassungsänderung (Ermächtigungsgesetz)

im Keppler-Kreis entstanden. So schrieb beispielsweise Keppler an Kurt Freiherr von Schröder am 26. Dezember 1932, dass von einer „Neuwahl nach Ernennung Hitlers unter der Parole: Hindenburg-Hitler, als Regierungswahl durchgeführt“ ein „weit besseres Ergebnis zu erwarten“ sei als von einer Neuwahl unter Schleicher. Und in der Industrielleneingabe hieß es, dass „jede Verfassungsänderung“ von einer breitesten „Volksströmung“ getragen werden müsse.[1]

Die Mitglieder gelten als spätere Nutznießer der Arisierung. Der Historiker Hans-Ulrich Thamer urteilte 1994, dass diesen dem Nationalsozialismus nahestehenden Industriellenzirkeln mit wenigen Ausnahmen bis 1933 „nur Wirtschaftsvertreter aus dem zweiten und dritten Glied der Eisen- und Stahlindustrie angehörten“.[2

 

Der Berliner Nationalklub von 1919 war ein am 2. Oktober 1919 gegründeter politischer Klub der deutschen Oberschicht und intellektuelles Zentrum der Nationalen Rechten. In ihm versammelten sich unter Führung Alfred Hugenbergs standesbewusste Vertreter der Politik, des Adels, des Militärs und der Wirtschaft, die eine Förderung des „nationalen Gedankens“ auf antikommunistischer Grundlage anstrebten. Der Klub stand der DNVP nahe und geriet zum Ende der Weimarer Republik in nationalsozialistisches Fahrwasser.

Der Klub wurde auf Initiative des Alldeutschen Verbandes gegründet und gehörte zum „System Hugenberg“.

Am 8. Dezember 1921, am 29. Mai 1922 und im Juni 1922 sprach Adolf Hitler vor dem Klub. Über den Inhalt und Verlauf dieser Ansprachen ist wenig bekannt geworden.

Über den Auftritt am 29. Mai 1922 schrieb Wilhelm Weicher, dass „sich die Clubräume mit einer ungewöhnlich stattlichen Besucherzahl“ gefüllt hätten. Die Versammlungsleitung habe in den Händen des Prinzen Karl zu Loewenstein gelegen. Mit „hinreißender Beredsamkeit und formvollendet“ sei Hitler auf sein Parteiprogramm eingegangen, nach der Rede „bildeten sich kleine Gruppen, die den Vortrag lebhaft erörterten“.[3]

In derselben Zeit schrieb Hitler eine Denkschrift an industrielle Gönner, so dass die historische Forschung davon ausgeht, dass Hitler ähnliches vor dem Berliner Klub ausführte. In dieser Denkschrift vom 22. Oktober 1922 schrieb Hitler:

„Die Bolschewisierung Deutschlands jedoch bedeutet die Vernichtung der gesamten christlich-abendländischen Kultur überhaupt. In der vorauszusehenden Erkenntnis dieser Katastrophe und der Unzulänglichkeit der Mittel zu ihrer Abwehr wurde vor drei Jahren, am 5. Januar 1919, die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei gegründet. Ihr Ziel heißt ganz kurz: Vernichtung und Ausrottung der marxistischen Weltanschauung. – Mittel hierzu soll 1. eine unvergleichliche, genial aufgezogene Propaganda- und Aufklärungsorganisation, alle Möglichkeiten der menschlichen Beeinflussung erfassend; 2. eine Organisation rücksichtlosester Kraft und brutaler Entschlossenheit, bereit, jedem Terror des Marxismus einen noch zehnfach größeren entgegenzusetzen.“[4]

Bei einem dieser Auftritte wurde auch der Präsident der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände Ernst von Borsig auf Hitler aufmerksam. Laut einem Schreiben des Privatsekretärs Borsigs, Fritz Detert, an Borsigs Sohn, war Borsig „durch das Erlebnis dieses Abends so stark gepackt“, dass er begann, die NSDAP zu finanzieren.[5]

Am 28. Februar 1926 und am 1. Dezember 1930 sprach Hitler auch vor dem Hamburger Nationalklub, am 11. April 1930 vor dem Sächsischen Nationalklub in Dresden.[6]

1937 wurde der 15. Jahrestag der ersten Rede Hitlers vor dem Klub in Anwesenheit Hitlers feierlich begangen.

Joseph Goebbels notierte am 25. Juli 1940 in sein Tagebuch:

„Er [Hitler] spricht mit Verachtung von den höheren Kreisen. Dort ist für uns nicht viel zu holen. Wir müssen immer beim Volke bleiben. Er erzählt Beispiele aus der Geschichte der Bewegung, wie er damals im Berliner Nationalen Club redete und nur die Garderobenfrauen ihn verstanden.“[7]

Der Berliner Nationalklub von 1919 war ein am 2. Oktober 1919 gegründeter politischer Klub der deutschen Oberschicht und intellektuelles Zentrum der Nationalen Rechten. In ihm versammelten sich unter Führung Alfred Hugenbergs standesbewusste Vertreter der Politik, des Adels, des Militärs und der Wirtschaft, die eine Förderung des „nationalen Gedankens“ auf antikommunistischer Grundlage anstrebten. Der Klub stand der DNVP nahe und geriet zum Ende der Weimarer Republik in nationalsozialistisches Fahrwasser.

Mit anderen Worten:

Im Klub versammelten sich vorwiegend Unternehmer, Kaufleute, Bankiers, Offiziere höherer Ränge, hohe Beamte, Juristen, Mediziner und Pastoren. Als Geschäftsführer amtierte 1924 Gustav Adolf von Wulffen.[2] 1929 waren 503 Mitglieder verzeichnet. Frauen waren als Mitglieder nicht zugelassen. Der Jahresbeitrag lag in Höhe von 30 Reichsmark. Im Hotel Atlantic fanden regelmäßig Zusammenkünfte statt.

Die Mitglieder des Nationalklubs lehnten die Revolution von 1918 entschieden ab und bekämpften die Weimarer Republik. Die wichtigste Aufgabe sah der Klub in der „Erneuerung des nationalen Bewußtseins“. So heißt es in der Satzung des Klubs:

„Der Zweck des Vereins ist die Stärkung des nationalen Empfindens und die Vertiefung des Verständnisses für staatspolitische, insbesondere wirtschaftliche Aufgaben des Deutschen Reiches.“[3]

Der Klub wurde mit zahlreichen anderen Nationalklubs personell und ideologisch verklammert, vor allem mit dem Berliner Nationalklub. In regelmäßigen Abständen lud der Klub führende Persönlichkeiten als Redner ein. Unter ihnen befanden sich beispielsweise Alfred von Tirpitz, Heinrich Claß, Erich Ludendorff, der Reichskanzler Hans Luther, Reichsaußenminister Gustav Stresemann, Hjalmar Schacht und Hans von Seeckt. Themen waren zum Beispiel: „Völkische Abwehr und Aufbaupolitik“ (Wulle, 1922), „Deutsche Volksgemeinschaft“ (v. Gayl, 1924), „Wir und der Osten“ (Volck, 1922), „Was können wir tun, um die Lösung der österreichischen Frage vorzubereiten?“ (Ebert, 1922

 

Der Hamburger Nationalklub und die NSDAP

Nach der Neugründung der NSDAP 1925 erfreute diese sich in den Kreisen der Hanseaten wohlwollender Unterstützung. Am 28. Februar 1926 konnte Adolf Hitler vor dem Hamburger Nationalklub auftreten und wurde von Vorwerk begrüßt:

„Worte der Einführung sind eigentlich unnötig bei dem Gast, den wir heute abend bei uns zu sehen die Ehre haben. … Sein mannhaftes Eintreten für seine Überzeugung hat ihm in den weitesten Kreisen Achtung, Verehrung und Bewunderung eingetragen. Wir freuen uns sehr, daß er heute abend zu uns gekommen ist. Dieser Freude haben auch die Klubmitglieder dadurch Ausdruck gegeben, daß sie heute abend so zahlreich erschienen sind. … Die heutige Veranstaltung ist so stark besucht wie vielleicht noch keine Veranstaltung des Klubs.“[4]

Hitler sprach erneut am 1. Dezember 1930 vor dem Klub. 1931 wurde Joseph Goebbels als Redner geladen. Gottfried Feder sprach ebenfalls vor dem Klub.

Über die Rede Hitlers von 1926 ist eine Aufzeichnung erhalten geblieben. In dieser Rede empfahl sich Hitler dem exklusiven Hamburger Bürgertum als Retter vor dem Marxismus. Hitler führte aus:

„Wir haben 15 Millionen, die bewußt und gewollt antinational eingestellt sind, und solange diese 15 Millionen die den lebendigsten und tatkräfigsten Teil repräsentieren, nicht in den Schoß des gemeinsamen Nationalgefühls und Empfindens zurückgeführt werden, ist jede Rede von Wiederaufstieg und Wiedererhebung Geschwätz ohne jede Bedeutung. […] Aus dieser Erkenntnis heraus wurde einst die Bewegung gegründet, die ich mich bemühe, großzumachen und emporzubringen. Ihre Aufgabe ist sehr eng umschrieben: die Zertrümmerung und Vernichtung der marxistischen Weltanschauung.“[5]

Der Historiker Werner Jochmann urteilt, dass finanzielle Mittel der NSDAP vom Klub aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zugeflossen sind, wohl aber von einzelnen Mitgliedern. Aber der Gauleiter der NSDAP in Hamburg Albert Krebs berichtet in seinen Erinnerungen, dass die Hamburger Gauleitung „vorübergehend den Plan verfolgte, die ‚Hamburger Nachrichten‘ mit Spenden des ‚Nationalklubs‘ aufzukaufen“[6]

Max von Schinkel gehörte zwar als Monarchist und Anti-Demokrat zum rechten Spektrum der hamburgischen Elite, lehnte aber die Nationalsozialisten offen ab.[7] Der Bruder des Vorstandsmitgliedes John von Berenberg-Goßlers, der Bankier Cornelius von Berenberg-Goßler, war zwar Mitglied der NSDAP, verurteilte 1933 jedoch die Judenverfolgung und den Kampf gegen Österreich und trat 1934 empört aus der

 

Die Gesellschaft zum Studium des Faschismus (GSF) war zu Zeiten der Weimarer Republik eine Organisation, die sich zum Ziel setzte, die Erfahrungen des italienischen Faschismus auf Deutschland zu übertragen und eine Einheit der politischen Rechten zu organisieren. Sie wurde am 5. Dezember 1931,[1] wenige Wochen nach der Tagung der Harzburger Front, von Waldemar Pabst und Carl Eduard Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha in Potsdam gegründet und stellte ein Bindeglied zwischen konservativen Kreisen (vor allem aus dem Militär, Wirtschaftsverbänden und der rechtsnationalistischen Presse) und der NSDAP dar. Die Studiengesellschaft verstand sich als ein Katalysator für die zielgerichtete Rezeption des Faschismus in Deutschland, vor allem unter den politischen und wirtschaftlichen Eliten. Gemeinsames Ziel war die Ablösung der demokratischen Ordnung und die Errichtung einer national ausgerichteten Diktatur.

Ab März 1932 fanden monatliche Vortragsabende im internen Kreis und verschiedenen geladenen Gästen statt, welche die Hauptaktivität der GSF darstellten. Sie ist trotz ihres Namens und der Vortragsveranstaltungen als politischer Klub zu charakterisieren. Die Diskussionsabende und die Arbeitsgruppen dienten vor allem politischen Zwecken. Schwerpunkt der Organisation war die Konzeption der künftigen Sozial- und Gewerkschaftspolitik, die sich dezidiert gegen die sozialistische Bewegung richtete. Die gemeinsame Orientierung am italienischen Faschismus konnte dabei die Divergenzen zwischen den Vertretern der verschiedenen Interessengruppen temporär überbrücken. So hat die GSF dazu beigetragen, der Koalitionsregierung Hitler-Papen den Weg an die Macht zu ebnen.

Mit der Ernennung des Hitler-Kabinetts schien die GSF ihr Ziel erreicht zu haben. Zahlreiche ihrer Mitglieder rückten in den folgenden Wochen und Monaten in höchste Regierungsämter auf oder konnten einflussreiche Positionen innerhalb der sich bildenden Diktatur einnehmen. Die GSF selber konstituierte im März 1933 einen Aktionsausschuss, der sich als Beratungsinstanz der neuen Regierung vorrangig in Wirtschafts- und Sozialfragen etablieren wollte.[2] Die Position der GSF, die einen universalen Faschismus für Europa forderte und sich sozialpolitisch am Vorbild des italienischen Faschismus orientierte, stand aber bald im Gegensatz zum Alleinherrschaftsanspruch der NSDAP. Daher geriet die Studiengesellschaft schnell in eine isolierte Position, konnte keinen weiteren Einfluss gewinnen und wurde Ende 1933 aufgelöst.

Mitglieder

Der Gesellschaft gehörten im Verlauf ihres Bestehens 329 Mitglieder an, fast durchgängig hochrangige Vertreter verschiedener Interessengruppen des antirepublikanischen Spektrums.[3] Als politischer Klub etablierte die GSF ein eigenes Netzwerk, das sich überwiegend aus führenden Persönlichkeiten der rechtskonservativen und nationalistischen Parteien und Verbände, aus Repräsentanten der Großindustrie, des ostelbischen Landadels sowie jeweils ihrer Lobbyverbände, aus Berufsoffizieren sowie aus konservativen bis nationalistischen Intellektuellen, Publizisten, Journalisten und Verlegern zusammensetzte. Die Organisation teilte sich in 107 ordentliche und 222 Studienmitglieder auf, die wiederum in verschiedene Arbeitsgruppen aufgeteilt waren. Die meisten Mitglieder kamen parteipolitisch aus der DNVP und der NSDAP, andere Parteien waren nur marginal vertreten.[4] Der Stahlhelm war mit zahlreichen Personen auch aus der Leitungsebene vertreten. Die meisten Mitglieder kamen aus dem Bereich der Wirtschaft, als Unternehmer oder Funktionäre der Interessenverbände von Schwerindustrie und Agrarwirtschaft.

Mitglieder waren unter anderem:

Herbert von Bose, Mitarbeiter beim Deutschen Überseedienst

 Theodor Duesterberg, Vorsitzender des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten

Franz von Epp, Politiker

Hanns Heinz Ewers, Schriftsteller

Otto Christian Fischer, Vorstandsmitglied Reichs-Kredit-Gesellschaft AG

Walther Funk, Politiker und Journalist

Hermann Göring, Politiker

Max Hahn, Geschäftsführer des Mitteleuropäischen Wirtschaftstages

August Heinrichsbauer, Lobbyist des Bergbauvereins

Friedrich Hielscher, Schriftsteller

Rudolf Kratochwill, Vorstandsmitglied Deutscher Ring Lebensversicherung.

Arno Kriegsheim, Geschäftsführer des Deutschen Landbundes

Gustav Krukenberg, Geschäftsführer des Deutsch-Französischen Studienkomitees,

·     

 Hans von und zu Loewenstein, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Bergbauvereins

Erich Lübbert, Generaldirektor der Aktiengesellschaft für Verkehrswesen

Friedrich Minoux, Industrieller

Waldemar Pabst, Geschäftsführender Vorsitzender; Putschist; Direktor bei Rheinmetall

Günther Quandt, Industrieller

Hans Reupke, Publizist

Paul Rohde, Industrieller

Hjalmar Schacht, Bankier

Franz Schauwecker, Publizist

Otto Schmidt-Hannover, Politiker

Friedrich Reinhart, Vorstandssprecher Commerzbank

Eduard Stadtler, Politiker

Fritz Thyssen, Industrieller

Literatur

  • Manfred Wichmann: Waldemar Pabst und die Gesellschaft zum Studium des Faschismus (1931-1934). Mit 7 Dokumenten und 3 Abbildungen, Berlin 2013.
  • Walter Schmidtke: Gesellschaft zum Studium des Faschismus (GSF) 1931–1933. in: Dieter Fricke(Hrsg.): Die bürgerlichen Parteien in Deutschland, Handbuch der Geschichte der bürgerlichen Parteien und anderer bürgerlicher Interessenorganisationen vom Vormärz bis zum Jahre 1945. Bd. 2, Leipzig 1968, S. 174 ff.
  • Manfred Wichmann: Die Gesellschaft zum Studium des Faschismus. Ein antidemokratisches Netzwerk zwischen Rechtskonservativismus und Nationalsozialismusin: Werner Röhr (Hrsg.): Bulletin für Faschismus- und Weltkriegsforschung 31/32, Berlin 2008.

Der Text ist übernommen aus wikipedia, die Links zu den hier genannten Politiker wurden beibehalten und verweisen auf die entsprechenden Wikipedia-Seiten

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