Die Weimarer Republik

Die Weimarer Republik

In diesem Themenbereich werden Filme behandelt, die für das soziale und politische Klima sowie die kulturelle, politische und ökonomische Entwicklung in der Weimarer Republik aufschlussreich sind, darunter auch Filme, die aus der Weimarer Republik in ihrem historischen Kontext auf den Ersten Weltkrieg zurückblicken.

Bedingungen des Faschismus

Einen inhaltlichen Schwerpunkt bilden dabei Themen zur Endphase der Weimarer Republik. Wir beschäftigen uns vor allem mit der Frage, wie es zum Faschismus in Deutschland kommen konnte.  Zur Beantwortung dieser Frage reicht der Blick allein auf die politische Sphäre und das Handeln führender Politiker nicht aus. Man muss sich sowohl mit den sozialen, politischen und vor allem ökonomischen Bedingungen für die faschistische Machtübernahme am Ende der Weimarer Republik beschäftigen. Das dafür verantwortliche Bedingungsgefüge, dass all diese Dimensionen umfasst, wird dabei, asugehend von verschiedenen Filmen,  Gegenstand der Auseinandersetzung sein.


Die historischen Themen


Niedersächsisches Kerncurriculum Geschichte für die Schuljahrgänge 5-10 an Gymnasien

In der derzeit gültigen Fassung des niedersächsischen Kerncurriculums Geschichte für die Schuljahrgänge 5-10 an Gymnasien aus dem Jahr 2015 werden folgende Inhalte zur Geschichte der Weimarer Reublik und des Faschismus in den Jahrgängen 9 und 10 ausgewiesen:

Strukturierende
Aspekte
Inhalt Begriffe, Daten

Herrschaft und Staatlichkeit
Gesellschaft und Recht
Wirtschaft und Umwelt

Weimarer Republik – Chancen (z. B. Modernisierung, Partizipation, Emanzipation) und Belastungen Versailler Vertrag, Inflation,
Weltwirtschaftskrise
Weltdeutung und Religion

Elemente der nationalsozialistischen
Ideologie (und deren Wurzeln)

Rassenideologie, Antisemitismus, Führermythos,
„Volksgemeinschaft“

Herrschaft und Staatlichkeit

Zerstörung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit

1933
„Ermächtigungsgesetz“
„Gleichschaltung“
Konzentrationslager
Gesellschaft und Recht Lebenswirklichkeiten und Handlungsspielräume im Nationalsozialismus zwischen Unterstützung und Anpassung,
Verfolgung und Widerstand

Novemberpogrome 1938

Herrschaft und Staatlichkeit
Transkulturalität
Zweiter Weltkrieg 1.9.1939
Vernichtungskrieg
Holocaust
Flucht und Vertreibung

Das KC weist eine politikgeschichtliche Verengung unter weitgehender Ausblendung sozial-ökonomischer Strukturen und Prozesse aus. Dem wollen wir einige „versäumte Lektionen“ hinzufügen.

 

Moderne Zeiten

Ausgehend von zeitgenössischen Filmen soll hier versucht werden, über deren Bilder einen differenzierten Blick auf Kultur und Gesellschaft diese Jahre zu werfen 

Wochenend und schöner Schein – Freizeit und Massenkultur in den 20er Jahren

In den Bereichen Arbeit und Beruf, Wohnen, Freizeit und städtischer Raum setzten sich seit Ende des 19. Jahrhun­derts, besonders verstärkt aufgrund der politischen Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg, strukturelle Veränderungen durch. Die alltägliche Lebensweise der Menschen wurde mehr denn je vom kapitalistischen Marktmechanismus bestimmt. Diese Entwicklung vollzog sich aber keineswegs einheitlich. Eine hochkommerzialisierte Kultur-, Freizeit- und Verkehrsindustrie durchdrang, überlagerte und verdrängte traditionelle Wahrnehmungsweisen und kulturelle Praxisformen.
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Umkämpfte Erinnerung

In diesem Bereich soll das politisch-gesellschaftliche Klima im Deutschland vor 1933 anhand ausgewählter Filmbeispiele thematisiert werden, deren Handlung vor dem geschichtlichen Hintergrund des Ersten Weltkrieges bzw. der Weimarer Republik spielt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Auseinandersetzungen um den Film „IM WESTEN NICHTS NEUES“.

Die ausgewählten Filme, neben IM WESTEN NICHTS NEUES“, „WESTFRONT 1918“, „HEIMKEHR“ und „MORGENROT“ können für den Geschichtsunterricht zugleich Quelle und Darstellung sein: Filme als beabsichtigte bzw. unbeabsichtigte Überlieferung von kollektiven Befindlichkeiten und politischen Überzeugungen – hier der Gesellschaft in der Endphase der Weimarer Republik – sowie Darstellungen bzw. Konstruktion von geschichtlichen Ereignissen – hier der Erste Weltkrieg.
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Wem gehört die Welt (nicht)? – Film im Dienst des Klassenkampfs

Filme, die sich kritisch mit der sozialen Wirklichkeit und dem Arbeiteralltag in der Weimarer Republik auseinandersetzten, waren gegenüber dem Massenangebot des Unterhaltungskinos in der Weimarer Zeit zahlenmäßig in der Minderzahl. Das lag zum Einen an den eingeschränkten Produktionsmöglichkeiten, denn im Rahmen der Filmindustrie konnten nur mit großen Schwierigkeiten Filme realisiert werden, die die bestehenden Verhältnisse in Frage stellten.

Deswegen begannen ab Mitte er 20er Jahre die Organisationen der Arbeiterbewegung selbst, Filme zu verleihen und zu produzieren. Diesie proletarische Filmpraxis ging über die Motive und Ziele der gesellschaftskritischen Filmproduktionr hinaus. Ihre Ziele waren die Darstellung gesellschaftlicher Realität, die Aufdeckung gesellschaftlicher Zusammenhänge und das Aufzeigen von Alternativen für die Arbeiterklasse. Damit stand der proletarische Film in einem direkten Bezug zur politischen Praxis der Organisationen der Arbeiterbewegung.

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Zuerst der Profit und dann…?

Die Krise der Jahre 1929 bis 1933 ist nicht ausschließlich als eine Wirtschaftskrise zu begreifen, wenn diese auch die Grundlage darstellte, sondern als eine umfassende Systemkrise. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten drückten sich sofort als soziale und politische Probleme aus und wurden in Verbindung mit den Strukturveränderungen im politischen System der Weimarer Gesellschaft bald zu einem, die Funktionsfähigkeit des gesamten Gesellschaftssystems bedrohenden Problemen:

Eine grundsätzliche politische und wirtschaftliche Krisenlösung wurde notwendig, in der die verschiedenen sozialen Klassen entsprechend ihrer unterschiedlichen Betroffenheit versuchten, ihre besonderen Interessen so weit wie möglich zu verwirklichen. Gesellschaftliche Strukturprobleme und verschärfte Klassenauseinandersetzungen kennzeichnen so die Jahre 1929 bis 1933. Die faschistische Krisenlösung setzte dieser Entwicklungsphase einen End – und Wendepunkt.

Die hier ausgewählten Filme leisten einen Beitrag zur Auseinandersetzung mit den sozioökonomischen Bedingungen für die faschistische Machtübernahme.

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Politik und Ökonomie: Wer hat die Macht?

Wegbereiter des Faschismus

Der Aufmarsch der „nationalen Front“ am 11. Oktober 1931 in Bad Harzburg war eine öffentliche Zurschaustellung des nationalistischen Bündnisses gegen die Demokratie der Weimarer Republik und für den Weg zu Diktatur. Diese sich hier öffentlich wahrnehmbare Allianz offenbarte, dass sich der Faschismus  aus einem Konglomerat von verschiedenen konservativen, nationalistischen und völkischen Bewegungen, Verbänden und Parteien, die z.T. ihre Wurzeln bereits im Kaiserreich hatten, entwickelte.

Ausgehend von einigen Spiel- und Dokumentarfilmen konzentrieren wir uns hier auf diese politischen Allianzen, die sich bereits früh in der Weimarer Republik abzeichneten und schließlich in der Krisenzeit auf ein gemeinsames Ziel hin arbeiteten.

Ein zu großen Teilen republikfeindlicher Verwaltungsapparat, eine politische Justiz und eine repressiver Polizeiapparat, ein reaktionärer Adel im Verbund mit einem immer kriegsbereiten Militär, völkisch-rassistische Bewegungen aus der „Mitte der Gesellschaft“ und mittelständische sowie großindustrielle Interessenverbände waren an dieser Entwicklung beteiligt und trugen jeweils ihren Anteil bei zur faschistischen Machtübernahme.

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Faschismus – eine klassenübergreifende Sammlungsbewegung?

„Der Faschismus bestach dabei nicht durch seine kohärente Ideologie, denn eine solche lässt sich kaum erkennen. Vielmehr propagierte er radikale Entschlusskraft und unbedingten Willen statt Kompromissorientierung, Aktion statt kritischen Intellekts, Gefühl statt Analyse, Gemeinschaft statt gesellschaftlicher Widersprüche, „Ideale“ statt Interessen. Er betrieb einen Kult um Einheit und Reinheit. Und er war auf kriegerische Expansion angelegt. Die liberale Gesellschaft lehnte er ebenso ab wie die sozialistischen Bewegungen. Getragen von überwiegend jungen Männern und oft (nicht nur!) von Deklassierten aller Schichten, war er eine klassenübergreifende Sammlungsbewegung – und ein politisches Paradox: Rigide Ordnungsvorstellungen verbanden sich in ihm mit der Lust an der Zerstörung, konservative Beharrung traf auf dynamisch-juvenile Mobilität.“
Sven Reichardt: Triumph der Tat. 27. August 2013. Editiert am 4. September 2013, ZEIT Geschichte Nr. 3/2013

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