Filmproduktion in Niedersachsen – … und außerdem

Ende des Jahres 1945 gründen Rudi Mischke und Adolf Girmann, der offensichtlich auch für den Firmennamen verantwortlich ist, die „Agir-Filmwerbe KG“ in der Bahnhofstraße 9. Im Auftrag der britischen Militärregierung produziert das junge Unternehmen den ersten norddeutschen Werbefilm nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Tod lauert auf der Straße soll Unfällen im Straßenverkehr entgegenwirken. Später übernimmt Rudi Mischke die Alleinvertretung der Agir-Werbe, die sich noch heute im Familienbesitz befindet. Ihre Angebotspalette umfasst die Werbefilmproduktion für Kino und Fernsehen, Funk- sowie Filmtheaterwerbung. Bisheriger Höhepunkt der Firmen-Vita ist die Verleihung des „Silbernen Löwen“ bei den Internationalen Werbefilmfestspielen in Cannes für den Film Rosskohle, bei dem Rudolf Dornis die Kamera führt.

1958 tun sich die Hobbyfilmer Volker Graf von Bethusy-Huc, Erhardt Meyer-Sewering und Horst Latzke zusammen und stellen zunächst Auftragsfilme, z.B. für die Stadt Hannover, her. Die drei machen sich selbständig und gründen 1965 die „Filmproduktion Graf v. Bethusy-Huc“, die ihren Sitz zunächst in Hannover und ab 1977 in Großburgwedel hat. Produziert werden in erster Linie Dokumentar- und Kulturfilme. Ab 1968 arbeiten sie drei Jahre an der Realisierung eines frei finanzierten, abendfüllenden Kinofilms, dem Tierspielfilm Pim, Pam, Pummelchen (1970, Regie und Buch: Horst Latzke). Danach konzentriert sich das Unternehmen auf die Produktion von Industriefilmen und erhält u.a. mehrere Bundeswirtschaftsfilmpreise. 1993 zeichnet das Land die Filmproduktion Graf v. Bethusy-Huc als die erfolgreichste niedersächsische Industriefilm-Produktionsfirma aus.

Der Autor und Regisseur Horst Latzke arbeitet seit 1977 als selbständiger Produzent und realisiert in erster Linie Auftragsproduktionen. Ihn thematisch festzulegen fällt schwer: Menschen, Tiere, Städte, die Natur, Wirtschafts- und Kulturbereiche stehen gleichermaßen im Mittelpunkt seiner Arbeit. Immer aber sind seine Filme engagiert, ob für den Aufbau von Sportgruppen für behinderte Kinder (Einfach anfangen, 1980) oder den Kampf von Vogelschützern für das Überleben der Greifvögel (Lasst sie leben, 1981). Eine spezielle Vorliebe scheint Latzke dennoch zu haben: Etliche Filme hat er schon über seine Wahlheimat Hannover realisiert. Zur Expo 2000 dreht er ein weiteres großes Stadtportrait, das er pünktlich zum Expo-Jahr fertigstellt.

Seit den siebziger Jahren arbeiten Rudolf Dornis, Winfried Wallat, Wolfgang Jost und Dieter Hermann in Hannover und realisieren als Freiberufler engagierte Projekte.

Rudolf Dornis ist ab 1966 als Kameramann bei der Agir-Werbe beschäftigt. 1970 macht er sich selbständig und produziert neben zahlreichen Kinowerbefilmen, TV-Spots und Beiträgen für deutsche und ausländische Fernsehanstalten auch zahlreiche Dokumentar- und Spielfilme. 1987 entsteht Man kann ja nie wissen (Regie: Gerhard Hostermann), den die „Fuzzi Film Produktion“ in Hannover und Berlin dreht. Dornis übernimmt die Kameraführung, Michael Hemmerling und Winfried Wallat sorgen für den richtigen Ton. Der Dokumentarspielfilm über den MERZ-Künstler Kurt Schwitters profitiert als erster Film von der neu eingerichteten Filmförderung in Niedersachsen und wird für den Deutschen Filmpreis 1988 nominiert. Rudolf Dornis ist jetzt fester Kameramann bei TVN in Hannover.

Winfried Wallat ist seit 1978 freier Toningenieur bei Rundfunk- und TV-Anstalten sowie diversen Filmproduktionen tätig. 1986 gründet er in Hannover die „Lumière-Film-Produktion“, die unter anderem 1991 Linden – ein Arbeiterlied produziert. Zeitzeugen, die in den dreißiger Jahren in Linden gelebt haben, berichten hier über ihre persönlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen. Regie führt Wallat gemeinsam mit Wolfgang Jost.

Wolfgang Jost ist seit 1980 fest angestellter Kameramann beim NDR und hat häufig mit dem Regisseur Klaus Wildenhahn zusammenarbeitet. Darüber hinaus ist er als freier Kameramann und Autor tätig. Ebenfalls freiberuflich engagiert ist Dieter Hermann, der von 1975 bis 1981 Leiter der Glocksee-Schule Hannover war. Seit 1976 ist er im Bereich Film und Video aktiv. Ein größeres Projekt seiner „Dieter Hermann Audio-, Film & VideoPraxis“ ist Ihr seht die Welt von hinten, ich von vorn – Geschichte einer Kindheit (1984/86), das mit Unterstützung des Kuratorium junger deutscher Film entsteht. Bei dieser Dokumentation über ein schwer erziehbares Kind führt Hermann Regie, an der Kamera: Rudolf Dornis.

Eine Gruppe ehemaliger Filmstudenten der Hamburger Hochschule der Künste zieht 1975 in den Landkreis Lüchow-Dannenberg, um auf kollektiver Basis „eingreifende“ Filme zu machen. Roswitha Ziegler, Niels-Christian Bolbrinker und Bernd G. Westphal gründen die „Wendländische Filmcooperative“. Zwei Jahre später sollen nach dem Willen der niedersächsischen Landesregierung bei Gorleben eine Wiederaufbereitungsanlage (WAA) und ein Endlager für Atommüll errichtet werden.

Das Wendland, bis dahin vergessener Zipfel der Bundesrepublik, gerät in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Bundesweiter Widerstand regt sich. Die Wendländische Filmcooperative dokumentiert den Protest von 1977 bis 1985 in drei Filmen: Die Herren machen das selber, dasz ihnen der arme Mann Feyndt wird (1977/78), Der Traum von einer Sache (1980/81) und Zwischenzeit (1985). Die „Gorleben-Trilogie“ will „Gegenöffentlichkeit“ zur offiziellen Berichterstattung sein und beschreibt die Ereignisse von einem subjektiven, mit dem Widerstand sympathisierenden Standpunkt. Im Fernsehen ist die Trilogie deshalb nur verkürzt, im Spätprogramm oder überhaupt nicht zu sehen.

Seit 1975 produziert die Wendländische Filmcooperative auch zahlreiche Dokumentarfilme zu anderen Themen. Landfrauen (1978), Der lieben Mutter (1987), Geld – fortlaufende Notierungen (1990), Gestern war heute noch morgen (1991) und Das Ende des blauen Montags (1992) sind ihre abendfüllenden Werke. Außerdem finanziert sie sich durch Beiträge für verschiedene Fernsehanstalten, wie z.B. Die Sendung mit der Maus (WDR).

Zehn Jahre nach Zwischenzeit arbeitet die Cooperative erneut an einem Film zum Thema „Gorleben“: Der Transport. Vier Filmteams begleiten den mit radioaktivem Müll beladenen „Castor“-Behälter von Philippsburg ins „Zwischenlager“ nach Gorleben. Rebbecca Harms, zeitweilig Mitarbeiterin der Cooperative, beschreibt die Situation im Wendland so: „Vor zehn oder fünfzehn Jahren wäre niemand auf die Idee gekommen, dass die Grenzanlagen verschwinden würden, aber dass man was gegen die Grenzanlagen der WAA tun könnte. Heute stellt sich das genau umgekehrt dar.“

Für Freymuth Schultz, Kinobesitzer und Gründer der „Arctia Film GmbH“ in Borkum, erfüllt sich 1993 ein Lebenstraum. Die „GEO-Film“ Berlin produziert im Auftrag der Arctia nach seiner Idee den abendfüllenden Dokumentarfilm Sturmflut – Schönheit und Vergänglichkeit der Küste und ihrer Inseln. Von Juni 1992 bis Januar 1993 dreht das Filmteam in 60 Tagen eine Dokumentation über die Ost- und Nordfriesischen Inseln. Laut Drehbuch soll der Film an einem ruhigen Morgen an der Nordsee beginnen, während des Tages per Helikopter die Inseln vorstellen und abends mit einer Sturmflut enden. Da jedoch Herbststürme während der geplanten Drehzeit ausbleiben, behilft sich die Produktion zunächst mit Wochenschaumaterial aus dem Jahre 1962.

Im Januar 1993 wird das Filmteam tatsächlich von einer Sturmflut überrascht: Der Film muss neu geschnitten werden. Die Produktionsleitung von Sturmflut hat Bernd Westphal-Matthies inne, ehemals Mitbegründer der „Wendländischen Filmcooperative“. Das nächste Projekt der Arctia-Film ist bereits in Planung: eine Dokumentation über Halligen.

Die „Roya Film GmbH“ wird 1989 von Ruth Maria und Mansour Ghadarkah in Rastede bei Oldenburg gegründet. Sie haben sich das Ziel gesetzt, in einer „bewussten und inhaltlich humanen Filmgestaltung“ mit Niveau zu unterhalten. Im Mittelpunkt ihrer Firmenstrategie steht die engagierte und überzeugte Arbeit, die sie in Film- und Fernsehproduktionen und seit 1993 im eigenen Verleih umsetzen wollen.

Nach einer mehrjährigen Finanzierungsphase realisieren die Ghardakahs ihr erstes Spielfilmprojekt …Auge um Auge… (1993, Regie: Mansour Ghadarkah), eine Flüchtlingstragödie aus Sicht der Betroffenen. Hadi (Andreas Pauls) und Mona (Renan Demirkan) fliehen mit ihrer Familie aus einem diktatorischen Land. Sie versuchen, sich in einem deutschen Asylwohnheim einzurichten, doch die Erinnerung an die erlittenen Folterungen lässt sie nicht los. „Der Film verliert sich nicht in einer sozialkritschen Milieu-Studie, sondern erzählt einen spannenden Thriller.“ (NDR) Die Roya-Film hat ihren Sitz inzwischen in Thedinghausen bei Achim.

Hans-Erich Viet wächst in Ostfriesland auf. Er studiert an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin und wirkt u.a. als Co-Regisseur und Darsteller bei Detlev Bucks Karniggels (1991) mit. Seine Abschlussarbeit Schnaps im Wasserkessel (1991) ist ein Dokumentarfilm über seine ostfriesisch-rheiderländische Heimat und eine Hommage an die dort lebende Eltern- und Großelterngeneration.

„In Ostfriesland ist es am besten“ spielt die 88jährige Katharina Wilkens zu Beginn des Films auf der Mundharmonika, doch Schnaps im Wasserkessel ist kein verklärender Heimatfilm. 1950 bereits wurde in der Gegend ein solcher gedreht: Vor der Kamera dreschten die Arbeiter der Umgebung nach einer längst überholten Methode Raps und wurden dafür mit Schnaps und Rosinenbrot entlohnt. Vierzig Jahre später hat Viet den Film und die noch wenigen lebenden „Statisten“ aufgespürt. Er lässt die Landarbeiter, Bauern, Mägde, Schnaps- und Ziegelbrenner, Hasenjäger und VW-Arbeiter im rheiderländer Platt von ihrem Leben und ihrer Arbeit erzählen. „Vertrauliches wiederzufinden, aber auch das, was mich weggetrieben hat, bin ich zurückgekehrt, habe ich diesen Film gemacht.“(Viet) Schnaps im Wasserkessel wird von der in Bunde und Berlin ansässigen „VIET-Filmproduktion“ im Auftrag des ZDF produziert.

Bei Frankie, Jonny und die Anderen (1992/93), dem ersten Spielfilm der VIET-Film sind drei Fernsehanstalten, die Trans Film, Berlin, und mehrere Förderer – auch Niedersachsen – an der Finanzierung beteiligt. Wieder dreht Viet in seiner Heimat, doch dieses Mal spielen Jugendliche die Hauptrolle. Sie träumen sich raus aus der Provinz, wollen japanische Ninja-Kämpfer sein und besorgen sich die nötigen Kampfschwerter bei einem Einbruch in ein Spielwarengeschäft. Damit „was los ist“, basteln sie Bomben, sprengen zur Probe Mauern in die Luft, bis es auf einem Schützenfest ernst wird. Viets Jungdarsteller stehen zum ersten Mal vor der Kamera und sind – bis auf „Jonny“ Paul Herwig, der in Hannover Schauspiel studiert – Laien, die der Regisseur in Ostfriesland entdeckt. „Wieder ein Film der oft reinen Atmosphäre: die weite Landschaft und der Blues, die kleinen Sensationen des Alltags und die Slidegitarre.“ (Rolf Aurich)

(Diese Darstellung befindet sich auf dem Stand von 1995.)

Alexandra Schatz arbeitet seit 1986 als Regisseurin und Produzentin. Sie widmet sich in erster Linie dem Zeichentrickfilm für Kinder. Mit Kindern inszeniert und zeichnet sie 1987 die Filme ABC und Wir reisen nach Hiroshima, die mit dem Kommunalen Kino Hannover entstehen. Neben zahlreichen Kurzfilmen für das Fernsehen, z.B. für Die Sendung mit der Maus und für Das Sandmännchen, produziert die „Alexandra-Schatz-Filmproduktion“ in Hannover eigene Projekte.

Luzie taucht unter (1994), die Geschichte eines kleinen Krokodilmädchens, das sich in der Kanalisation verirrt, wird vielfach preisgekrönt. Um die Abenteuer von Luzie zehn Minuten lang in Szene zu setzen, hat Alexandra Schatz drei Jahre lang hart gearbeitet. Rund 15 000 Mal hat sie die Silhouette von Luzie mit der Hand ausgeschnitten und sie auf die von Michel Guerin gemalten Hintergründe geklebt. Doch nicht nur die künstlerische, auch die geschäftliche Betreuung ihrer Produktionen managt sie im „Ein-Frau-Betrieb“. Ihr neuestes Projekt ist Marvellous Milly, das sie mit einer Londoner Filmproduktion herstellen wird.

Gerd Gockell und Kirsten Winter betreiben ihr Animationsfilmproduktion „anigraf“ Tür an Tür mit Alexandra Schatz. Beide haben wie Alexandra Schatz an der HBK Braunschweig studiert und sich dem Zeichentrickfilm verschrieben. Seit 1990 stellt ihre Firma „anigraf“ eigene künstlerische Animationsfilme her, produziert im Autrag Titel- und Abspänne für Kinofilme (z.B. Schattenboxer und Bunte Hunde), Trailer für Filmfeste, vermietet ihr Equipment und gestaltet auch Printmedien, wie Kataloge und Filmplakate. Gockell und Winter experimentieren mit neuen und „klassischen“ Techniken des Animationsfilms. Das Spektrum ihrer Arbeiten reicht vom herkömmlichen Zeichentrickfilm, über die Verwendung von Fotos, Prints, Fotokopien und Collagen bis zur Ölmalerei auf Glas und Computergrafiken. Für Miles, so what! (1993) erhielt Gerd Gockell das Prädikat „besonders wertvoll“, ebenso wie Kirsten Winter für Clocks (1995).

(Diese Darstellung befindet sich auf dem Stand von 1995.)

Ein Zwillingspaar aus Hildesheim braucht nur siebeneinhalb Minuten, um ganz oben anzukommen: Die Brüder Christoph und Wolfgang Lauenstein werden für ihren Trickfilm Balance 1990 mit dem Bundesfilmpreis in Silber und dem „Oscar“ ausgezeichnet. Fünf stumme, kahle Gestalten stehen auf einer schwankenden Plattform, die nur durch abgestimmte Koordination ihrer Bewegungen im Gleichgewicht gehalten werden kann. Aus dem Nichts angelt eine der Figuren eine Truhe, welche die Harmonie zerstören wird. Im Kampf um ihren Besitz stürzen die Figuren nacheinander in den Abgrund, bis nur noch eine Gestalt und die Truhe übrig bleiben. Um die „Balance“ weiter halten zu können, muss die Figur sich immer auf der entgegengesetzten Seite der Truhe aufhalten.

Bereits 1982 richten sich Wolfgang und Christoph im Keller der elterlichen Wohnung in Hildesheim ein provisorisches Trickfilmstudio ein. Gemeinsam produzieren sie mehrere Kurzfilme. An der Herstellung der „anfangs komischen, zum Schluss in Mord und Verzweiflung endenden Parabel“ (Spiegel 14/90) Balance arbeiten die Lauensteins von 1987 bis 1989 nur während der Semesterferien. Wolfgang studiert Visuelle Kommunikation und Philosophie in Kassel, Christoph Visuelle Kommunikation und Musik in Hamburg. Der Film wird mit geringsten finanziellen und technischen Mitteln realisiert (als „Plattform“ dient ihnen eine einfache Tischtennisplatte) und läuft zunächst auf Festivals. Er erhält den Publikumspreis des Hamburger „Low-Budget“-Festivals und eine Auszeichnung in Annecy. Ein amerikanischer Verleiher wird auf den Trickfilm aufmerksam, bringt ihn in die US-Kinos und macht so die Oscar-Nominierung möglich.

Seit 1990 firmieren die Geschwister als „Lauenstein & Lauenstein“ in Hamburg, wo hauptsächlich Auftragsarbeiten und Werbespots entstehen.

(Diese Darstellung befindet sich auf dem Stand von 1995.)

Mit seiner in Walsrode ansässigen Produktion „octopus cinevideo“ (inzwischen „movielines“) dreht Michael Küspert 1991 den Kurzfilm Macanudo. Der Film nach dem Drehbuch von Enrique Fernandez spielt in Südamerika. Hier versucht ein Gangsterquartett, zwei wertvolle Statuen des Nachts aus einer Indio-Hütte zu stehlen. Doch am Ende stehen die Gringos mit demoliertem Chevrolet und ohne Beute in der Pampa: „Macanudo“ heißt in Peru soviel wie „Alles klar?“. Für die Dreharbeiten fliegt das Filmteam jedoch nicht nach Übersee: Die Indio-Hütte findet in einer Scheune bei Walsrode Platz. Die Maisfelder der Lüneburger Heide wirken so authentisch, dass Macanudo neben zahlreichen Preisen 1992 auch in Houston/Texas mit dem „World Fest Bronze Award“ ausgezeichnet wird.

Zwei Bier, zwei Korn, zwei Kaffee (1993), der zweite Kurzfilm der Wedemarker „Behring/Girardet Filmproduktion“ (Heiner und Ingo Behring sowie Christoph Girardet), entsteht in der „Schlemmerbude“ in Hannover-Stöcken. Hier nehmen zwei schweigsame Gäste einen Imbiss und die Titelgetränke zu sich. „It’s now or never“, meint Elvis aus der Musikbox, der Biertrinker (Matthias Scheuring) spielt Mundharmonika, der Korn- und Kaffeetrinker (Lutz Zeidler) schwingt das Tanzbein mit der japanischen Kellnerin (Kaori Matsuo). „Der Zuschauer wird ständig mit seiner Erwartungshaltung konfrontiert, aber es passiert letztlich nichts.“ (Heiner Behring). Das „Imbissstuben-Epos“ wird 1993 u.a. für den Bundesfilmpreis nominiert.

Nach einem Filmstudium in den USA dreht der Wolfsburger Bernhard Landen 1994 in seiner Heimatstadt den anspruchsvollen Kurzspielfilm Schichtwechsel. Auf dem nächtlichen Wolfsburger Bahnhof treffen der junge VW-Arbeiter Tim (Sebastian Rudolph) und ein namenloser Landstreicher (Heinz Werner Kraehkamp) aufeinander. Zwischen ihnen entwickelt sich ein in Tätlichkeiten endender Dialog, der Tim klarmacht, dass sein vom Schichtwechsel bestimmtes Leben trostloser ist als das des vermeintlich „schmarotzenden“ Gegenübers. „Ein Film nicht nur für Wolfsburger, aber über Wolfsburger“ (BZ 8.2.1995).

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