Hannover wird Messestadt

1947 hatte Hannover unter der britischen Regierung die Chance zum Aufbau eines neuen Messestandortes für deutsche Exportgüter erhalten.1) “Die Deutschen sollten – zur Entlastung des britischen Staatshaushaltes – in die Lage versetzt werden, die zur Einfuhr der dringend notwendigen Lebensmittel und Rohstoffe erforderlichen Devisen selbst zu erwirtschaften. „2) Nach Einschätzung der Militärregierung schien die Ausrichtung einer Messe für die Deutschen geradezu ideal, um wirtschaftliche Kontakte zum Ausland neu zu beleben bzw. aufzubauen, ,,aber auch, um der Welt eine erfolgreiche britische Besatzungspolitik vorzuführen.“ 3)

So wurde am Stadtrand von Hannover auf dem Gelände und in den Hallen der zur Demontage vorgesehenen Vereinigten LeichtmetallwerkeIn die Messe vorbereitet. In nur 123 Tagen Vorbereitungszeit wurde die erste Export-Messe eröffnet. 1 .337 Firmen stellten ihre Produkte zur Schau, ca. 750.000 Besucher wurden gezählt, Exportaufträqe von über 32 Mill. Dollar wurden abgeschlossen. 4)

„Der Publikumsandrang war überwältigend, nicht nur wegen der markenfreien Fischbrötchen, von denen 1 Millionen während der Messetage verkauft wurden, sondern vor allem die deutschen Firmen hatte auf die Gelegenheit gewartet, die durch den Krieg unterbrochenen Kontakte zu ausländischen Firmen wieder aufzunehmen. Schon im folgenden Jahr musste die Ausstellungsfläche verdoppelt werden, und die Ausstellerzahl kletterte  von 1.298 auf 2.300.“5)

Mit diesem Ergebnis wurde Hannover zum festen Standort für die alljährliche Exportmesse.1950 beteiligten sich erstmals ausländische Aussteller an der Messe, die zum „Schaufenster“ des deutschen Wirtschaftswunder wurde.

 

Folgen des Erfolgs für die Stadt

Diese erfolgreiche Entwicklung bedeutete für Hannover zugleich, dass die Stadt in- und ausländischen Messebesuchern adäquate Unterkünfte und ein vielfältiges kulturelles Angebot bereitstellen musste.

Vor allem die sog. „Messemuttis“ waren es, die in den Folgejahren  verlässlich Übernachtungsmöglichkeiten bereitstellten, so dass trotz der begrenzten Hotelkapazitäten die Unterbringung der Besucher realisiert werden konnte.

Neuaufbau des Café Kröpcke

Der provisorische Zeltaufbau des ’neuen‘ Café Kröpcke zählte 1948 zu den ersten Versuchen, den Innenstadtbereich für in- und ausländische Besucher der ersten Exportmesse in Hannover attraktiver zu gestalten. Zu der Ausweitung des kulturellen Angebotes zählte – wie schon erwähnt- der provisorische Neubau des Café Kröpcke. Dieses Café, im Herzen der Stadt, zählte bis zu seiner Zerstörung zu einem der beliebtesten Treffpunkte in der Innenstadt. Hier trafen sich Verliebte, Künstler, Prominente, Hausfrauenclubs etc. Der vielfach unterteilte Raumzuschnitt des Cafés ermöglichte ein ungestörtes Beisammensein der unterschiedlichsten Menschen unter einem Dach. Bei schönem Wetter zog es die Besucher in den Cafégarten, der hinter dem Gebäude lag und 2.500 Plätze bot. Angesichts der früheren Beliebtheit des Cafés war es nicht verwunderlich, dass sich die Gemüter vieler Hannoveraner erregten, als sie erfuhren, dass der Cafézutritt während der Messezeit “nach 18.00 Uhr nur gegen Vorlage des Messeausweises und einer Zahlung von 2 RM“ 6) gestattet war.

Der Neuaufbau des Cafés bzw. sein Name weckte vermutlich bei vielen Hannoveranern Erinnerungen an das Großstadtleben vor dem 2. Weltkrieg. Aber nicht nur Erinnerungen an ein Gestern wurden mit diesem provisorischen Bau wachgerufen, sondern vielmehr ein Zeichen für ein morgiges pulsierendes Großstadtleben gesetzt.


  1. In Leipzig hatte bereits 1946 eine erste Messe stattgefunden, aber dieser Standort in der russischen Zone war für die britische Besatzungsmacht wirtschaftspolitisch uninteressant. Nachdem Düsseldorf die Ausrichtung einer Messe abgelehnt hatte – weil man ihr keine Zukunftschancen einräumte – wurde Hannover das Angebot unterbreitet.
  2. Anpacken und Vollenden. Hannovers Wiederaufbau in den 50er Jahren. Hrsg.: Historisches Museum Hannover, 1993. S.45
  3. Ebd. S. 45
  4. Chronik S. 215
  5. Martin Thunich: Strukturpolitik als Daueraufgabe. Niedersachsens Wirtschaft im Wandel. In: Niedersachsen. Streiflichter aus 50 Jahren. Hrsg. v. d. Niedersächsischen LAndeszentral für politische Bildung, Hannover 1996, S. 50/51
  6. Wege aus dem Chaos. a.a.O.. S. 134

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