Rundfunk in Hannover

1946 richtete der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) – das Rundfunksystm der britischen Besatzungszone – ein Rundfunkbüro in Hannover ein. Im Februar 1948 ging der „NWDR Hannover“ zum ersten Mal auf Sendung.

Das Funkhaus in Hannover

Die Funkanstalt war zu jenem Zeitpunkt in der Pädagogischen Hochschule provisorisch untergebracht. Es dauerte nicht lange, und der Generaldirektor des NWDR in Hamburg, Adolf Grimme, forderte für den kulturpolitischen Neubeginn des Rundfunkbetriebs auch eine bauliche Entsprechung in Hannover. Es lag auf der Hand, dass mit dem Funkhausbau ein niedersächsisches Prestigeobjekt geschaffen werden sollte. Bei der Planung des Funkhauses handelte es sich um eines der ersten Bauprojekte eines öffentlichen Trägers, mit dem ein Signal für künftiges modernes Bauen in Hannover gesetzt werden sollte.

Als Standort für den Rundfunkbau wurde von der Stadt die bevorzugte Maschseelage zur Bebauung freigegeben. Wenig später schrieb der NWDR einen Wettbewerb für eine begrenzte Anzahl von Architekten aus, deren Ergebnisse am 6. und 7. Dezember 1948 in Hamburg vorgestellt wurden. Der erste Preis ging an den Architekten Kraemer für sein städtebauliches Konzept. Der zweite Preis wurde dem Architekten Lichthahn für bautechnische und organisatorische Qualitäten überreicht und den dritten Preis erhielt der Architekt Oesterlen für architektonische Qualität. Nach dem Wettbewerb wurden die drei Preisträger dazu aufgefordert, sich in einer Arbeitsgemeinschaft zusammenzufinden, um einen neuen Projektentwurf zu erarbeiten.

Bei den gemeinsamen Planungsarbeiten wählte Kraemer in seinen Entwürfen eine freiere Formung der Baukörper, um „dadurch eine doppelte Gefahr zu vermeiden: die, die in der Hervorbringung von Bauten öffentlicher Körperschaften durch ‚Monumentalität‘ liegt, und zugleich die andere, dem Bau den Fabrikcharakter technischer Anlagen zu geben. “ 1)

Angesichts der äußerst knappen Planungszeit mussten die Architekten von einigen ihrer baulichen Idealvorstellungen erhebliche Abstriche machen. Hubert Hoffmann stellte später fest, dass der neue Entwurf in „seiner baulichen und städtebaulichen Haltung nicht einmal die Vorzuge der preisgekrönten Projekte der einzelnen Verfasser erreicht(e).“ 2)

Der erste Bauabschnitt, der am 20.01 .1952 fertiggestellt wurde, umfasste den Funkhausausbau, Technik- und Verwaltungsräume und einen kleinen Sendesaal – alles um einen Grünhof gruppiert.

„Heute ist der Eindruck einer unauffälligen Alltäglichkeit der äußeren Bauform geblieben.

Damit ist die programmatisch geforderte ‚Einordnung in die große Ordnung‘ gelungen. Das liegt nicht an den Dimensionen oder der freiplastischen Gruppierung der Baukörper; es sind die Details, die so sehr den Zeitgeist der 50er .Jahre spiegeln: die etwas langweilige, spannungsarme Keramikfassade des Bürohauses mit ihren großflächigen Fensterhöhlen; die dünne, kartonartige Dachabdeckung, deren Schattenkanten Profil geben sollten, und der zwar leichte, aber zu große Dachaufbau.“ 3) In den Jahren 1955/56 wurde das Grundrisssystem des Funkhauses um zwei Hörspielstudios erweitert. Der dritte Bauabschnitt erfolgte 1961-63 mit dem Bau des großen Sendesaals. Bei diesen Planungen besann sich die Arbeitsgemeinschaft auf das frühere Thema ‚Fabrikarchitektur‘ als eine konsequent funktionale Architektur: „Der eigentliche Sendesaal wurde als geschlossener Schallraum in der Form einer Containerkiste … ausgeführt. Der kompakte Eindruck wurde nach außen hin noch betont: Die einheitliche Bekleidung mit weißemaillierten Stahlblechplatten und das nur punktuelle Auflagern des Saalkörpers, der frei über ein transparent verglastes Foyer kragt, verstärkt die Massigkeit des Saales ebenso wie die Leichtigkeit des Eingangsbereichs, der besonders bei abendlichen Veranstaltungen in festlicher Transparenz erstrahlt. “ 4)


  1. Zitat übern. aus: Wie die Moderne vom Weg abkam, der Bau des Funkhauses, Bearb. v. Sid Auffahrt. In: Das Funkhaus Hannover, Hrsg. v. Wolfram Köhler, Hannover’1987, S. 135
  2. Hubert Hoffmann: Der Wettbewerb um das Haus des NWDR in Hannover. In: Neue Bauwelt. Berlin Jg. 4, 1949, H.17, S 266
  3. Sid Auffahrt, In: Das Funkhaus Hannover, a.a.O., S. 1 35
  4. S.136

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