Primanerinnen (1951)

Die Schüler Ursula und Thomas verlieben sich und verbringen einen romantischen Sommer miteinander. Dann verlässt Thomas die Stadt, um zu studieren. Er verspricht, bald wiederzukommen, und Ursula wartet auf ihn. Als Thomas nach Jahren wieder in die Stadt seiner Jugend kommt, besucht er Ursula, die nun erkennt, dass ihr Wiedersehen nur zufällig ist. Und als Thomas wieder seines Weges geht, erkennt er, dass Ursula seine große Liebe war.

Ingrid Andree (Foto: Filminstitut Hannover)

Regie: Rolf Thiele.
Buch: Rolf Thiele; nach der Novelle „Ursula“ von Klaus Erich Boerner.
Kamera: Georg Krause.
Bauten : Walter Haag; Assistenz : P. H. Koester.
Schnitt: Caspar van den Berg; Assistenz: Erwin
Marno.
Ton: Ernst Otto Hoppe; Assistenz: Werner Schlagge.
Musik: Hans Martin Majewski.

Darsteller :

lngid Andree (Ursula),
Walter Giller (Thomas),
Christiane Jansen (Regine),
Jochen Wolfgang Meyn (Hans Rühle),
Gudrun Rabente (Veronika),
Beate Koepnick (Brigitte),
Ina Baumbach (Grete),
Hans Zesch-Ballot (Ursulas Vater),
Erich Ponto (Krautkopf),
Harald Paulsen (Unternehmer),
Ernst Waldow (Amtsrichter Birkenfeld),
Alfred Braun (Herr Lullus),
Leonore Esdar (Studienrätin),
Rose Kipper (Therese).

Produktion : Filmaufbau GmbH, Göttingen.
Produzent: Hans Abich, Rolf Thiele.
ProduktionsIeitung: Hans Abich.
Aufnahmeleitung: Willi Rother, Heinz Götze.
Drehort: Atelier Gottingen, Behelfsatelier
Hersleld;
Außenaufiuhmenr Hersfeld und Umgebung.
Länge: 95 min, 2606 m
Format: 35 mm, s/w, I : L33.
Uraufführung: 30.11.1951, Hannover (Weltspiele).

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„Ursula“ und die PRIMANERINNEN

Die Geschichte der „Ursula“, die als Stoffvorlage für den Film dient, hat Klaus E. Boerner Mitte der dreißiger Jahre geschrieben und darin – nur wenig getarnt – Erinnerungen an die eigene Schulzeit und die erste Liebe in Bad Hersfeld verarbeitet. Während des Krieges erreichte die Novelle als Feldpostausgabe eine Auflagen von mehr als 400.000. 1949 tritt Otto Ensslin, Kaufmann und Student der Wirtschaftswissenschaften in Göttingen, an die Filmaufbau heran mit dem Vorschlag, die beliebte Erzählung des bei Stalingrad gefallenen Boerner zu verfilmen. Die bitter-süße Liebesgeschichte, die mit dem selbstmord der unglücklich liebenden Ursula endet findet wohl nicht sofort die begeisterte Zustimmung der Produzenten Hans Abich und Rof Thiele. Jedenfalls dauert es fast zwei Jahre, bis sie sich zurRealisierung des Stoffes entschließen, und Abich kommentiert diese Entscheidung später mit der vielsagenden Feststellung, daß sich „schlechte literatur immer noch leichter verfilmen läßt als gute. Und außerdem gibt es ja kaum gute.“1) Thiele verfaßt das Drehbuch und bemüht sich von Anfang an um die „Trockenlegung der tränenreichen Novelle“. 2)

Erzählt wird die Geschichte

„Der Traum aller jungen Mädchen“

Filmstar-Suche 1951 – Der Film PRIMANERINNEN  und sein Publikum

Am 30. November 1951, 1815 Uhr: festliche Uraufführung in den Weltspielen, Hannovers wichtigstem Premierentheater. Gezeigt wird der vierte Film der Göttinger Filmaufbau GmbH: PRIMANERINNEN nach der Novelle „Ursula“ von Klaus Erich Boerner. Neben dem Komponisten

Der „Film der jungen Herzen“, wie er vom Verleih angekündigt wird, sorgt speziell beim jugendlichen Publikum für Diskussionsstoff. Viele empfinden einige Szenen als zu anzüglich und zu wenig realistisch, als dass sie sich darin wiederfinden könnten. Von der Kritik wird der Film dagegen überwiegend positiv aufgenommen.

Als Statisten wirkten sie gern mit, die Primaner und Primanerinnen rund um Göttingens Tore. Nach der Uraufführung hagelten ihre Proteste. Zunächst ertönte der Schrei von der weiblichen, dann von der jungmännlichen Seite gegen das schiefe Bild der ins Bild Gestellten. Viel Lärm um eine junge Liebe, möchte man dazu sagen, Explosivstoff, der nicht zündete, weil man den

PRIMANERINNEN nur einen falschen Titel gab. Typisch für diesen Schuljahrgang ist dieser Film so wenig, wie es das Mädchen Ursula in der Novelle von Boerner, die diesen Film inspirierte, für ihre Generation war. So bleibt von dem ganzen

Streitobjekt nichts anderes als die hübsche Romanze eines Sommers, mit Wehmut und Fragezeichen am Schluß. Amüsant ist zuweilen der schnoddrige, mit jugendlicher Tiefenpsychologie gespickte Dialog. Beachtlich ist das Aufgebot an Nachwuchskräften, die ins Kreuzfeuer der Scheinwerfer und der Kritik gestellt wurden. Indgrid Andree, zwischen spröder Verhaltenheit und träumerischer Anmut sich behauptend; Christiane Jansen, sehr selbstbewußt und mit bewußtem Sex-Appeal; Walter Giller, ausgesprochen elegant gekleidet und nicht minder elegant zwischen seinen Herzensextremen hin und her pendelnd; (…)

Rolf Thiele vermied als Regisseur und Autor jedwede Rührseligkeit, vergaß aber zu erklären, daß Eros und Jugend aus der Erinnerungsrückblende des Erwachsenen gedeutet werden.

Ein seltsamer Drang

Kaum hatte der Göttinger Filmaufbau die Außenaufnahmen seines neuen Films »Primanerinnen« in Bad Hersfeld beendet, da hatte Kinobesitzer Goerke den Streifen auch schon ungesehen für die Welturaufführung in seinem Hersfelder Roxy-Palast gebucht. Ein wochenlanges Geschäft scheint ihm trotzdem sicher, denn:

»Primanerinnen« ist ein Hersfelder Stoff, die Verfilmung der Novelle »Ursula“*), die der einstige Hersfelder Primaner Klaus Erich Boerner vor fünfzehn Jahren schrieb und die seitdem in Hersfeld (und nicht nur dort) zum literarischen eisernen Bestand gehört.

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„Das Regiedebut von Rolf Thiele, weltfremd und altmodisch und ungeheuer harmlos“, so urteilten Bandmann/Hembus 1980.

(…)
Viel Anfang ist mit dem Film verbunden, wenig Neues wird gewagt und manches Missverständnis tut sich wichtig. (…)

Die literarische Vorlage war die Erzählung „Ursula“ von Klaus Erich Boerner; das Buch war bereits 1936 erschienen und hatte sich in den Kriegsjahren zu einem Bestseller entwickelt. Taufrisch war der Stoff also nicht und auch über die Jugend erfährt man rein gar nichts. An die Adoleszenz-Krise, die Walter Giller in die schwammige Frage fasst, „ob man Bürger sein will oder Mensch“, erinnert sich Ursulas Vater mit den gleichen Worten. Diese Frage haben sich doch alle schon mal gestellt – hatte es in der Vergangenheit keine größere Sinnkrise gegeben?
Es geht auch nicht um „Primanerinnen“, sondern um einen Jugendlichen, der sich nicht zwischen zwei Mädchen entscheiden kann. Chorgesang und Tradition bremsen jeden Ansatz zur Moderne aus; die Anspielungen auf die Gegenwart –in einer Schulstunde wird der Film „Die Sünderin“ diskutiert –wirken wie nachgeschoben. Der Kameramann Georg Krause nimmt nachtschwarze Bilder auf, die einen „Film noir“ alle Ehre machen könnten. Aber Thiele kann mit ihnen nichts anfangen. Interessant sind die Innenräume; die Bürgerstuben sind so vollgestellt als wolle man mit der Menge an Möbeln jeden Freiraum ersticken. Seltsam, dass niemand aus dieser Enge ausbrechen will. Nur Regine, Thomas Freundin, huscht als junge selbständige Frau wie ein Fremdkörper durch die Handlung. Auffällig ist die Abwesenheit von Familie. Ursula wohnt mit ihrem Vater zusammen; im Wohnzimmer beherrscht das Bild der verstorbenen Mutter den Raum. Thomas und sein Freund Hans sind völlig ohne Familie.
Selbst bei den Kostümen – kurze Hosen und Nachkriegsanzug, todschickes Kostüm und biedere Kleidchen –herrscht eine groteske Konfusion an Stilrichtungen. Alles sieht aus wie Gegenwart, sagt aber nichts über sie aus. Es ist, als ob der Film  sich einfach wegduckt. Oder, um es positiv zu sagen: das ist wirklich interessant misslungen.

Im Jahr der „Sünderin“ stand jeder deutsche Film, der das Verhältnis zwischen den Geschlechtern thematisierte, im Verdacht der Unsittlichkeit. Die Primaner  aus Bad Hersfeld protestierten gegen die Vermengung von „pubertätsgeladenem Getue, von Romantik und sexuellem Raffinement“ –oha! Die katholische Filmkritik, sonst immer als erste mit der Moralkeule in der Hand, war diesmal verständig. „Ein Film, der Halbheiten und Kompromisse in der Liebe ablehnt. Deshalb auch für reifere Jugend geeignet.“  Das sahen die evangelischen Moralisten aber ganz anders. Überall lauerte doch der Teufel der Unsittlichkeit: „Wir halten diesen Film für gefährlich und geeignet, unserer Jugend eine völlig falsche Vorstellung über das Verhältnis der Geschlechter zu geben.“  Trotzdem war der Film nur ein Achtungserfolg.

new Filmkritik, 20.05.2013

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