Neubeginn: Atelierbetriebe Bendesdorf

Das Ateliergelände gehört nicht zur Konkursmasse der Junge Film-Union. Schon im Sommer 1952 pachtet es die Firma Fink-Film. Diese hat sich bis dahin in erster Linie durch die Vermietung von Filmtechnik einen Namen gemacht. Horst Reinhold Fink erweitert nun seinen Aufgabenbereich.  Seine „Atelierbetriebe Bendesdorf GmbH“ vermietet die Ateliers und die „Studio-Film GmbH“ stellt eigene Produktionen für das Fernsehen und später auch Spielfilme her.

 

Die Arbeit in den Ateliers ist schnell wieder aufgenommen. Es sind zunächst vor allem „Fremdfilme“, die die Studios für Film und später auch Fernsehproduktionen nutzen. Zu den „Fremden“ gehört nun auch Rolf Meyer, unter dessen Regie der Zirkus- und Revuefilm KÖNIGIN DER ARENA (1952) entsteht. Ursprünglich als zwanzigster Film der Junge Film-Union geplant, produziert ihn jetzt die Hamburger Corona-Film im Bendesdorfer Atelier.

Auch die Göttinger Arca-Film findet für MUSIK, MUSIK UND NUR MUSIK (1954/55) den Weg in die Nordheide. Walter Giller spielt hier einen „ernsten“ Komponisten, der mit seiner Kollegin und Gattin (Inge Eggert) musikalische Meinungsverschiedenheiten hat. Sie schreibt seine Partitur für ein Jazzorchester um, was zunächst zum Ehestreit und dann zum Erfolg führt.

Bei WUNSCHKONZERT (1955), produziert von der Melodie-Film, Berlin, und inszeniert von Erik Ode, dreht sich alles um eine Radiosendung. Peter Frankenfeld benötigt für sein Quiz „1:0 für Sie“ dringend ein Laienorchester. Sein Hilfsbuchhalter schafft es, in 90 Minuten eine Kapelle zusammenzustellen. Die Musiker können nach der Sendung ihre Berufe (vom Gerichtsvollzieher bis zum Feuerwehrmann) an den Nagel hängen; sie bekommen sofort einen Tourneevertrag.

 

HAIE UND KLEINE FISCHE (1957) ist die erste Regie Frank Wisbars nach seiner Rückkehr aus den USA und die zweite Filmrolle von Hansjörg Felmy. Felmy spielt den jungen Seekadetten Teichmann, der mit drei Freunden zunächst unbekümmert an Bord eines Minensuchboots geht. Er muss jedoch bald erkennen, dass sie nur „kleine Fische“ in der unerbittlichen Kriegsmaschinerie sind. Von den Vieren überlebt nur Teichmann. Die Kritik lobt Nachwuchsdarsteller Felmy; Wisbars Film hingegen ist ihr hingegen zu vordergründig: „Der große hungrige Hai, die verbrecherische Macht, die sie vor sich hertrieb, bleibt unter Wasser.“ (Tagesspiegel 4.10.1957)

„Man kann dem Titel beim besten Willen nicht anmerken, daß es sich hier um einen seriösen deutschen Filmversuch handelt.“ (Die Welt, 24. 2.1960) Gemeint ist Leopold Laholas DER TEUFEL SPIELT BALALEIKA (1960). In einem sibirischen Kriegsgefangenenlager kämpft ein sowjetisches Ehepaar, das selbst im KZ gelitten hat, gegen den grausamen Lagerkommandanten. Der deutsche Peter Joost (Götz George) findet ihr Verständnis und wird deshalb von seinen Mitgefangenen des Verrats beschuldigt. Der Film endet mit einer tragischen Flucht.

HOW I WON THE WAR/WIE ICH DEN KRIEG GEWANN (GB 1966) von Beatles-Regisseur Richard Lester ist dagegen keineswegs „seriös“. Die boshafte Kriegs-Satire mit Michael Crawford und John Lennon schildert die Abenteuer britischer Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg zuerst in Afrika ein Cricketfeld bauen und dann eine Brücke am Rhein gegen die Deutschen verteidigen sollen. Gedreht wird nicht am Rhein, sondern an der Weser bei Achim sowie u.a. auf einem NATO-Übungsplatz in der Heide

 

Zarah Leander kommt zweimal zu Dreharbeiten nach Bendesdorf. Die schwedische Filmdiva, die „für die Schönheit des Leidens“ steht (Georg Seeßlen), erlebt die Glanzzeiten ihrer Kariere im „Dritten Reich“. Die Filme ZU NEUEN UFERN und LA HABANERA (beide 1937), Regie: Detlef Sierck) machen sie berühmt. Im Nachkriegsdeutschland darf sie zunächst nicht auftreten.

Das Melodram AVE MARIA (1953, Regie: Alfred Braun) ist ihr dritter Film nach dem Verbot. Sie spielt eine ehemals gefeierte Konzertsängerin, die inzwischen in einem Nachtlokal auftreten muß. Ihr Beruf steht nicht nur ihrer Verbindung mit einem Großindustriellen Im Weg, sondern auch der Ehe zwischen ihrer Tochter und dem Sohn des geliebten Mannes. Erst als sie bei der Taufe ihres Enkelkindes das „Ave Maria“ singt, lässt die Tochter sie nicht mehr gehen.

Vom Leben geschlagen, doch unbesiegt“, so kündigt die Berolina-Film den zweiten Zarah Leander-Film aus Bendesdorf an. DER BLAUE NACHTFALTER (1959, Regie: Wolfgang Schleif) weist ihr wieder eine tragische Mutterrolle zu. Auch hier tritt Zarah Leander als ehemals berühmte Opernsängerin Julia Martens in einer Bar auf: dem „Blauen Nachtfalter“. Im Unterschied zu AVE MARIA ist sie jetzt in eine Kriminalgeschichte verwickelt. Julia Martens hat einen Mord begangen und dafür über zehn Jahre im Gefängnis gesessen. Nach ihrer Entlassung begegnet sie dem scheinbar „Ermordeten“ gerade in dem Augenblick, als er ihren Sohn erschlagen will. Julia Martens erschießt ihn. Ein zweiter Mordprozess endet mit Freispuch.

 

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