Die 50er Jahre: Kalterkrieg und Wiederaufbau Ost und West

Die 50er Jahre: Kalter Krieg und Wiederaufbau Ost und West

Der Kalte Krieg fand auch im Film und in der Auseinandersetzung mit bzw. über Filme. Im Westen galten für die politischen Institutionen die DDR-Produktionen per se als „kommunistische Propaganda“ und die Bevölkerung musste davor „geschützt“ werden. Eine entsprechende Zensurpraxis war bis in die 60er Jahre Realität.

Im Osten wurde die Tradition des antifaschistischen Films fortgesetzt, nun aber im öffter mit einer ideologischen Verhärtung gegen den „Feind“ im Westen. Der „Entlarvung“ der Kontinuitätslinien zwischen Faschismus und westdeutscher Nachkriegsgesellschaft wurde ein positives Bild der eigenen Gesellschaft entgegengesetzt. Kritisch Töne und das Aufzeigen von >Widersprüchen waren da sehr störend und wurden entsprechend sanktioniert.

Die westdeutschen Kriegsfilme in den 50er Jahren stießen auf ein großes Publikumsinteresse. Zehn Jahre nach Kriegsende, sind sie im Kontext der Wiederbewaffnung zu sehen. Ohne Frage geht es im Zusammenhang der Bundeswehr um die Frage positiver Anknüpfungspunkte und Kontinuitäten. Insofern waren diese Filme elementar beteiligt an der Schaffung des Mythos von der „sauberen Wehrmacht“. Die Erzählungen in den wenigen, als Antikriegsfilme zu verstehenden Produktionen sind als pazifistische Werke im Sinne einer allgemeinen Humanität zu sehen – eindeutige politische Stellungnahmen waren sie nicht.


Die historischen Themen


Verschweigen – Verdrängen – Vergessen – Verurteilen

Nur 1,4 Prozent der Entnazifizierten in den westdeutschen Besatzungszonen wurden als „Hauptschuldige“ oder „Belastete“ eingestuft wurden, von den gut hunderttausend KZ-Wächtern wurden nur einige Dutzend verurteilt. Der Anteil derer, die trotz NS-Belastung im Nachkriegsdeutschland Karriere machten, war größer als lange öffentlich diskutiert. Die einen nennen das die friedliche Integration der ehemaligen Täter und Mitläufer in die westdeutsche Demokratie und letztlich einen Erfolg? Andere fragen, ob es nicht auch Alternativen gegeben hätte und warum sie nicht umgesetzt wurden?

Die hier ausgewählten Filme stellen auch Fragen – u.a. wer die einen und wer die anderen sind – und geben auf ihre Art Antworten.

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Filme, die Krieg und Kampfgeschehen zum Gegenstand haben, gibt es seit Beginn der Filmgeschichte, auch in Deutschland. Aber nur einmal gab es in Deutschland – und zwar in der Bundesrepublik, in der 2. Hälfte der 50er Jahre – so etwas wie eine Kriegsfilmwelle. Nachdem zu Beginn der Dekade einige Militärlustspiele und US-amerikanische Kriegsfilme eine gewisse Akzeptanz für militärische Motive im westdeutschen Nachkriegskino geschaffen haben, setzt ab Mitte der 50er Jahre die sog. Welle mit „harten“ westdeutschen Kriegsfilmen ein. Bis Ende des Jahrzehnts sind ca. 10% des westdeutschen Spielfilmangebots Kriegsfilme, ihr „Termingewicht“ in den Kinos liegt noch wesentlich höher.

Ein typisches Merkmal dieser Filme ist, dass sie sich einen realistischen, auf historisch „wahre“ Begebenheiten zurückgreifenden Anschein geben, dessen „So war es wirklich – Gestus“ nicht zuletzt durch eingeschnittene Dokumentaraufnahmen erreicht wird. Darüber hinaus zeigen die Filme weitere Gemeinsamkeiten hinsichtlich der ausgewählten Begebenheiten, der Perspektiven auf die Ereignisse und der dominanten Motive, so dass von einer Typik gesprochen werden kann.

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Das Wunder von Hannover

Der Aufbau in den 50er Jahren im Spiegel zeitgenössischer Informationsfilme der Stadt Hannover. Infolge des vom nationalsozialistischen Deutschland entfesselten Zweiten Weltkrieges war auch die Stadt Hannover durch Bombenangriffe stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Angesichts der katastrophalen Kriegszerstörungen stellte sich die Frage, wie ein Wieder- oder Neuaufbau erfolgen könnte bzw. sollte. Nachdem man die ersten Nachkriegsjahre mit planerischem Improvisieren und privater Aufbauinitiative bestritt, wurden ab 1949 städtische Aufbaupläne entwickelt, die dann die Basis für den umfassenden Aufbau in der folgenden Dekade legten.

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Das sollten die Westdeutschen nicht sehen

Für die DDR wird wie selbstverständlich betont, dass das Filmschaffen sich nicht unabhängig von Partei- und Staatsinteressen entwickeln konnte. Der Film sollte nach Ideologie der SED ausgerichtet und jegliche kritische Haltung verhindert werden. Eine entsprechende Filmpolitik sollte diese Interessen durchsetzen.

Für die Bundesrepublik wird gern mit Verweis auf den Artikel 5 des Grundgesetzes betont: „Eine Zensur findet nicht statt.“ Vergessen wird dabei der zweite Satz des Artikels: „Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.“

Bezogen auf den Film und hier besonders auf Filme aus der DDR machte die Bundesregierung bis in die 60er Jahre ausgiebig Gebrauch von der Einschränkung der Rechte und versuchte, die Aufführung dieser Filme zu verhindern.

Volksaufstand, Arbeiterrevolte oder Agentenputsch?

Die Arbeiterrevolte vom 17. Juni 1953, in dem der Protest gegen die staatlich verordneten Erhöhungen der Arbeitsnormen kulminierte, und dessen Niederschlagung wurden filmisch bislang vor allem in dokumentarischer Form behandelt.

Sämtliche der zusammengetragenen Filme wurden in der BRD produziert, geben folglich den westdeutschen Blickwinkel auf den 17. Juni wieder. Legt man die historischen

Interpretationen in Ost und West zugrunde:

  • Ost: der 17. Juni als Umsturzversuch durch West-Berliner Geheimdienste / US-amerikanische Militärdienststellen, der durch das Eingreifen der Roten Armee verhindert werden konnte,
  • West: der 17. Juni als spontaner, DDR-weiter Aufstand aller Bevölkerungsschichten für Freiheit und Demokratie,
  • die „Kompromiss-Theorie“ vom 17. Juni als (reinen Arbeiter-)Protest gegen die Normerhöhungen, nicht aber gegen das politische System der SED-Diktatur,

so ist nur ein einziger Film vertreten (Lutz Lehmanns „Ein Mittwoch im Juni“, der die DDR-Geschichtsschreibung ernsthaft auf ihre Glaubwürdigkeit hin untersucht.

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Der Irrsinn des Krieges

Der Antikriegsfilm DIE BRÜCKE wurde  international beachtet und anerkannt, musste sich zugleich der Kritik aussetzen, er sei „politisch ambivalent“  (Kaes). Im gleichen Zeitraum Ende des Jahrzehnts entstehen mit UNRUHIGE NACHT und KIRMES zwei weitere Filme, die sich deutlich von der Kriegsfilmwelle abheben und Stellung gegen den Krieg einnehmen.

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