Hannover nach dem Zweiten Weltkrieg

Die allgemeine Lage nach der Besetzung

Aus der Sicht der hannoverschen Bauverwaltung aus dem Jahr 1948

Am 10. April 1945 rückten alliierte Truppen in Hannvoer ein. Die Kampfhandlungen gingen zunächst weiter. Hannover lag nicht weit hinter der Front. Die Bemühungen der Stadtverwaltung waren zunächst darauf gerichtet, der Bevölkerung durch die Überwindung der Ernährungs- und Versorgungsschwierigkeiten das Leben zu erhalten. Erst am 8. Mai 1945 kapitulierte Deutschland.

Die Bautätigkeit ruhte völlig. Der Verkehn in der Stadt und die Verbindungen nach außerhalb waren unterbunden. Baustoffe kamen vorerst nicht nach Hannover. Zunächst durften die Einwohner nur bestimmte Stunden des Tages ihre wohnungen verlassen. Aus dem Stadtkreis Hannover durften sie längere Zeit überhaupt nicht hinaus. Auf den Landstraßen und selbst in den Straßen der Stadt herrschte große Unsicherheit. Die Eisenbahn kam infolge der vielen zerstörten Brücken erst allmählich wieder in Gang. Wenn jemand die Eisenbahn benutzen wollte, mußte er im allgemeinen im offenen Güterwagen fahren. Ein bezeichnendes Schlaglicht auf die politische und wirtschaftliche Lage, wie sie noch im April 1946 – ein Jahr nach der Besetzung – bestand, wirft ein Rundschreiben des Magistrats der Stadt Berlin, Finanzabteilung, vom 11. April 1946, in dem es unter anderem heißt:

„Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie uns recht bald mitteilen würden, was in ihrem Gebiet bisher zur Feststellung von Kriegsschäden oder zur Gewährung von Entschädigungen oder Vorauszahlungen hierauf veranlaßt worden ist. Wir stellen Ihnen anheim, dieses Schreiben nebst Anlagen zuständigkeitshalber an den Herrn Ministerpräsidenten ihres Landes, dessen Anschrift uns leider nicht bekannt ist, weiterzugeben. Für diesen fall bitten wir um eine entsprechende Abgabenachricht unter Mitteilung der Anschrift des Herrn Ministerpräsidenten.“

Über die Grenzen des eigenen Landes hinaus wußte also kaum ein deutscher etwas vom anderen.

Wie schwierig die Zustände auch in Hannover selbst noch waren, darüber gibt uns einSchreiben des hannoverschen Arbeitsamtes vortrefflich Aufschluß. Das Bauamt hatte dort Arbeistkräfte für Räumungs- und Instandsetzungsarbeiten angefordert. Das Arbeitsamt teilte in dem Schreiben mit:
„Trotz Einsatz erheblicher Geldmittel zur Rattenbekämpfung hat die Rattenplage durch die Schutthalden so zugenommen, daß immer wieder in den Büros wichtige Papiere zernagt werden. So sind z.B. unliebsame Verzögerungen in der Erfassung der Bevölkerung (zum Arbeitseinsatz), die von allen Seiten dringend verlangt wird. dadurch eingetreten, daß zahlreiche Fragebogen, die zur Auswertung bereitlagen, von Ratten zerfressen wurden.“

Der Hauptgrund dafür, daß die Bautätigkeit nur langsam in Gang kam. lag in der Schwierigkeit der Herstellung und Verteilung von Baustoffen. So war es nur natürlich, daß auch die private Bautätigkeit sich zunächst darauf beschränkte, noch benutzte Wohnungen durch Selbsthilfe, mit noch vorhandenen Baustoffen, wenn auch nur behelfsmäßig, wieder einigermaßen wetterfest zu machen.


Drei schwere Jahre: ein Bericht der Bauverwaltung der Hauptstadt Hannover für die Zeit vom Beginn der Besetzung (April 1945) bis zur Währungsreform (Juni 1948), Hannover (Städtisches Presseamt) 1948, S. 15-19


Die Filme

Dokumente und Beiträge


Hannover 1949-50 (1950)

Der Film ist der erste einer Reihe von in den 1950er Jahren nahezu jährlich gedrehten „Wiederaufbau-Filmen“, die Heinz Koberg – im Hauptberuf Pressefotograf und Redakteur bei der Hannoverschen Presse – bis 1960 in…


Niedersachsen ’45 (1982)

 Der Film zeigt zunächst den Vormarsch alliierter Truppen auf niedersächsischem Gebiet Anfang April 1945, wobei das im März weitgehend zerstörte Hildesheim und Hannover im Bild erscheinen, später auch Lüneburg und Uelzen, der Frontverlauf…


Alle machen mit (1960)

Mit diesem Film zeigt der hannoveraner Redakteur und Pressefotograf Heinz Koberg stolz den Wieder- und Neuaufbau der Stadt seit 1949. Im Mittelpunkt stehen neue Verkehrswege, Wohnviertel, Schulen, Krankenhäuser und Freizeiteinrichtungen, deren Bau nicht zuletzt durch Engagement und Zusammenarbeit der Bürger möglich geworden sei. In der Darstellung wirft Koberg auch einen Blick in den damaligen Schulunterricht, der recht amüsante Szenen offenbart.


Mosaik einer Stadt (1960)

Im Gegensatz zu den nahezu jährlich seit 1949/50 von Heinz Koberg gedrehten „Aufbaufilmen“ zeigt der künstlerisch ambitionierte Film nicht den gegenüber dem jeweiligen Vorjahr erzielten Fortschritt, sondern versucht einen Gesamtüberblick über den Wiederaufbau in Hannover, der auch die Schwierigkeiten und Diskussionen berücksichtigt.


Rudolf Hillebrecht, Hannover 1966/67

Der Film besteht aus zwei Teilen: Im ersten Teil erläutert der hannoversche Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht (1910-1999, im Amt 1948-1975) die Grundzüge des Wiederaufbaus der Stadt Hannover nach dem Zweiten Weltkrieg,


Wochenschauen 1945 bis 1950

5 Wochenschaubeiträge über Hannover aus den Jahren 1946, 1948 und 1949


Zeitgenössische Publikationen

  • Hannover. Landeshaupt- und Messestadt. Bausteine für den Wiederaufbau, Hannover 1947
  • Drei schwere Jahre: ein Bericht der Bauverwaltung der Hauptstadt Hannover für die Zeit vom Beginn der Besetzung (April 1945) bis zur Währungsreform (Juni 1948), Hannover (Städtisches Presseamt) 1948
  • Anpacken und vollenden: Hannover 1945-1949, hg. vom Städtischen Presse- und Kulturamt Hannover. Bearb. von Heinz Lauenroth und Hans von Gösseln, Zeichnungen von Heinz Knoke, Hannover 1949

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