Erschließung durch Tangenten

Seit Ferdinand Wallbrecht zwischen 1880 und 1890 die Bahnhofstraße über die Georgstraße hinweg in die Altstadt hinein verlängert hatte, war die Kreuzung mit der Georgstraße, an der das Café Kröpcke stand, der zentrale Verkehrsknotenpunkt im Zentrum Hannovers. Auch in der Neu- und Wiederaufbauphase behielt der Kröpcke- Platz diese Funktion.

Schon früher kreuzten sich alle Fernstraßen, die die Stadt berührten, in deren Zentrum. Durchgangsverkehr, Zielverkehr und innerstädtischer Verkehr benutzten weitgehend die gleichen Wege und belasteten so die zentralen Kreuzungspunkte. Aber nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die verschiedenen Verkehrsadern so weit wie möglich getrennt. Um die Bundesstraßen und damit den nicht auf Hannover selbst gerichteten Verkehr am bebauten Stadtgebiet vorbeiführen zu können, wurden reine Kfz-Schnellstraßen gebaut, die wie Tangenten den Stadtkreis nur am Rande berührten.1)

Die wesentliche und grundlegende Neugestaltung der hannoverschen Innenstadt vollzog sich in den fünfziger Jahren am Süd- und Westrand der Altstadt zwischen Aegidientorplatz, Waterlooplatz und Königsworther Platz. Das hohe Aufkommen des Individualverkehrs hatte eine neue Verkehrsführung notwendig gemacht. Zusammen mit einem neuartigen Verhältnis zu historischen Monumenten und modernem Bauen im Stil der Zeit ergab sich ein neues großstädtisches Hannoverbild.

In den folgenden Jahren hatte sich die City wieder aus dem Stadtbild herausgebildet und sich fast über die gesamte Innenstadt verbreitet. Hotels, Waren- und Geschäftshäuser wurden teilweise wieder auf ihren alten Standorten aufgebaut oder fanden neue Grundstücke. Banken und Versicherungen, Handel und Gewerbe konzentrierten ihre Bauaktivitäten wieder im Zentrum. Neue öffentliche Bauten entstanden. Aber Aufbau und Neugestaltung Hannovers haben sich nicht nur auf die Innenstadt beschränkt. Im ganzen Stadtgebiet wurde nach den neuen Planungsgesichtspunkten gebaut. Bis 1955 waren schon wieder 6.451 Wohngebäude mit insgesamt 40.061 Wohnungen, 174 öffentliche Bauten, 1.728 gewerbliche Bauvorhaben, 36 landwirtschaftliche Gebäude und 30 Bauten verschiedener Zweckbestimmung in Hannover fertiggestellt. 2)

„Aber ein Stadtbild ist nichts statisches“, schreibt Rudolf Zankl, „es wird immer in Bewegung und Veränderung begriffen sein. Sich ändernde Lebensverhältnisse stellen vorhandenen Gebäuden und Anlagen neue Aufgaben. Neue Gestaltungen müssen sich mit Vorhandenem auseinandersetzen und werden immer wieder Bezüge zwischen Alt und Neu herstellen.“

  1. Hannover im 20. Jahrhundert. Aspekte der neueren Stadtgeschichte. Hrsg. v. Historischen Museum Hannover, Hannover 1978, S. 164ff
  2. Ebd. S. 173
  3. Ebd.

Aus: Citybildung in Hannover – Stadtentwicklung und Geschichte. Hrsg. v. NLVwA – Landesmedienstelle, Hannover 1991, S. 69/70

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